Forscher mahnen Politik zur raschen Umsetzung der Energiewende

Deutschland dürfe seine Führungsrolle bei der Energiewende nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, haben Wissenschaftler des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien angemahnt. Eine Woche vor Beginn der Klimakonferenz in Marrakesch formulierten sie drei Forderungen an die Politik: Einen ambitionierten Klimaschutzplan vorzulegen, den Ausbau Erneuerbarer Energien anzutreiben und den Ausstieg aus der Kohleverstromung festzulegen.  

Appellierten an die Bundesregierung, einen ambitionierten Klimaschutzplan zu fassen (v. l.): Andreas Bett vom Fraunhofer ISE, Michael Nelles vom Biomassefoschungszentrum und Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut. Foto: Forschungsverbund Erneuerbare Energien

Appellierten an die Bundesregierung, einen ambitionierten Klimaschutzplan zu fassen (v. l.): Andreas Bett vom Fraunhofer ISE, Michael Nelles vom Biomassefoschungszentrum und Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut. Foto: Forschungsverbund Erneuerbare Energien

Unter dem Motto „Forschung für die Energiewende“ läuft gerade die Jahrestagung des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien. Ziel ist es, der Politik eine Steilvorlage zur Umsetzung der Energiewende zu liefern, sagte der Sprecher des Verbunds, Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie zur Pressekonferenz gestern. Diese Worte sind nicht einfach als Angebot an die Politik zu verstehen, sondern ein Appell: Die Wissenschaftler aus den 13 Instituten, die dem Verbund angeschlossen sind, sind sich einig, dass Deutschland jetzt die Weichen für eine zügige Umsetzung der Energiewende stellen muss. Andernfalls drohe die Bundesrepublik von anderen Ländern überholt zu werden. „Damit kein volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, müssen wir etwas tun“, sagte Tagungsleiter Michael Nelles vom Deutschen Biomasseforschungszentrum. „Wir sind in wesentlichen Segmenten noch führend. Aber wir dürfen diese Rolle nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, fügte er hinzu.

„Die ganze Energiewende stagniert. Seit zwei, drei Jahren geht nichts mehr vorwärts“

Die Wissenschaftler beklagen sich dabei nicht über zu wenig Unterstützung durch die Politik. Im Gegenteil: Für die Energieforschung seien die Budgets erhöht worden. Forschungsseitig sei Deutschland gut aufgestellt. Woran es hake, sei die Umsetzung der Forschung in den Markt. „Wir können Weltrekorde bei Wirkungsgraden in verschiedenen Solarzelltechnologien vorweisen“, erklärte Andreas Bett, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme. Das allein reiche aber nicht: Die Forschungsergebnisse müssten auch in die Industrie gebracht werden. Es gebe zwar in Deutschland noch Produktionsbetriebe, aber der Photovoltaikmarkt stagniere. „Die ganze Energiewende stagniert. Seit zwei, drei Jahren geht nichts mehr vorwärts“, sagte Bett.

Andere Länder, allen voran China und die USA, verzeichnen steigende Investitionen in Erneuerbare Energien. Deutschland hat hier seine Vorreiterrolle bereits verloren – was sich am deutlichsten beim Ausbau von Windkraft und Photovoltaik zeigt. Die Solarbranche weist schon länger darauf hin, dass dem Sektor die Substanz wegbreche, wenn sich die Lage am heimischen Markt nicht verbessert. Dass nun der Forschungsverbund Erneuerbare Energien die Folgen eines zu schwachen Ausbaus regenerativer Kraftwerke mit deutlichen Worten ausmalt, zeigt, wie sich die Lage zugespitzt hat.

Appell an die Politik für ambitionierten Klimaschutzplan

Welche Anforderungen stellen sich damit der Politik? Fischedick nannte drei Punkte: Deutschland müsse einen ambitionierten Plan zur Klimakonferenz in Marrakesch präsentieren, um die Vorreiterrolle im Klimaschutz international zu behalten. „Sonst droht Deutschland in den Hintergrund zu rücken“, sagte er. Die Ausbaudynamik der Erneuerbaren Energien müsse aufrecht erhalten werden. Ob dies durch die Umstellung des Fördersystems auf Ausschreibungen gelinge, wagte er nicht einzuschätzen. Er verwies aber darauf, dass nicht alle Solarkraftwerke aus den ersten Ausschreibungsrunden im vergangenen Jahr bislang errichtet wurden. Dies bedrohe die Ausbaudynamik erneuerbarer Energien. Schließlich müsse die Politik einen vernünftigen Fahrplan zum Ausstieg aus der Kohle finden. Vernünftig bedeutet, den Energieträger nicht nur technisch zu ersetzen, sondern den Ausstieg auch sozialverträglich zu gestalten. Sonst drohten Akzeptanzprobleme für die Energiewende, schloss Fischedick.

    Autor: Ines Rutschmann » 03.11.2016, 13:07
    Veröffentlicht in: Forschung, Politik



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