Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

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Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon langhanki » 12.07.2018, 07:54

Hallo,

als Betreiber meiner PV Anlage bin ich von der Umsatzsteuer befreit. Wenn ich mir jetzt eine EV Ladestation vom Land NRW fördern lassen will, gibt es auf dem Antrag die Frage, ob ich von der Umsatzsteuer befreit bin. Gilt das somit auch für die Installation einer Ladestation für ein Elektroauto? Passt ja auch irgendwie zur PV Anlage, oder ist die Umsatzsteuerbefreiung unabhängig von der PV Anlage?

Vielleicht kann mir jemand helfen.
Sonnige Grüße

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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon Serin » 12.07.2018, 07:59

Also wenn ich deine Informationen richtig deute, dann hast du die "Kleinunternehmerregelung" gewählt, kann das sein?

Das bedeutet, dass du als Unternehmer keine UST auf deinen Umsatz erhebst, und auch keine UST ans Finanzamt abführst oder vom Finanzamt zurückbekommst.

Jetzt müssten wir wissen, weshalb das Land NRW diese Frage stellt? Denn normalerweise kauft man eine Ladestation für ein E-Auto als Privatperson und nicht als Unternehmer, es sei denn du willst das Auto primär im Rahmen deiner Unternehmerischen Tätigkeiten nutzen (kann ich mir nicht vorstellen).


Wenn du also die Ladestation als Unternehmer kaufst, dann bist du als Unternehmer anders zu behandeln als wenn du als Privatperson das Ding kaufst.
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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon langhanki » 12.07.2018, 08:21

Vielen Dank,

ich glaube, dass ich nicht die Kleinunternehmerregelung gemacht habe, denn ich habe MwSt. der Anlage zurück bekommen und muss auch monatlich die USt Voranmeldung machen. Das heißt wohl, dass ich es doch nicht bin, außerdem möchte ich die Ladestation privat nutzen. Da werde ich wohl nur die Lohnkosten in der normalen ESt absetzen können und nicht als Ausgaben in der USt Erklärung. Ich hatte gedacht man könnte sich die MwSt sparen, wenn man die Ladestation in Verbindung mit der PV Anlage bringt, schließlich kann man ja auch Solarstrom tanken .

Viele Grüße

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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon Serin » 12.07.2018, 08:47

Hehe also kein Kleinunternehmer, ok ;-)
Wenn du die UStVA machst, dann bist du logischerweise nicht USt befreit, das hast du richtig erkannt :mrgreen:

Und ja, wir alle freuen uns, wenn wir etwas absetzen können, wir haben ja nichts zu verscenken, aber das E-Auto oder die Ladestation dem Unternehmen zuordnen kannst du eben nur, wenn du das zu mindestens 10% unternehmerisch nutzt (und das musst du unter Umständen nachweisen, z.B. über ein Fahrtenbuch).

Wär mir auf jeden Fall zuviel Aufwand, vorallem weil du dann Privatfahrten auch wieder versteuern müsstest ;-)
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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon langhanki » 12.07.2018, 09:03

Vielen Dank für die hilfreichen Rückmeldungen.
Viele Grüße

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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon kpr » 12.07.2018, 09:36

Immer langsam.

Die Frage "Von der Umsatzsteuer befreit?" macht fachlich / inhaltlich überhaupt keinen Sinn. Kein PV-Betreiber bzw. kein Unternehmer ist von der UST befreit. Von der UST befreit sind einzelne Lieferungen oder sonstige Leistungen. Gerade die dürften bei PV-Betreiber aber eher nicht vorliegen. Zumindest nicht im Zusammenhang mit der Lieferung von Strom.
Eventuell ist hier tatsächlich gemeint, ob die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen wird. (Das wäre aber auch schon ein fachlicher Aussetzer im Formular.).

Die Frage ob Du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst oder aber
a) dies gar nicht kannst, b) freiwillig zur Regelbesteuerung optierst, ist für jedes Jahr gesondert zu beantworten.
Wenn Du die Vorsteuer aus der Anschaffung zurückerhalten hast, hast Du zur Regelbesteuerung optiert.
(Du schuldest demnach allerdings auch USt... und hättest die mit jeder Voranmeldung abzuführen. Selbst wenn es nur 1 Euro wäre... frage ich mich, wie Du da selbst so unsicher sein kannst. Aber vielleicht gehe ich da einfach nur mit eine falschen Verständnis ran.)

An die Option zur Regelbesteuerung bleibst Du für das Jahr der Optionsausübung sowie die vier folgenden Jahre gebunden.
Falls Du die Anlage 2017 angeschafft / dem Unternehmen durch Geltendmachung des Vorsteuerabzuges zugeordnet hast, wärest Du bis einschließlich 2021 hieran gebunden und könntest frühestens ab 2022 wieder zur KUR wechseln.

Ob nun die Vorsteuer aus der Anschaffung der Ladestation abzugsfähig ist, ist wiederum eine gesonderte Fragestellung.
Die Frage ist, ob Du die Ladestation dem Unternehmen zuordnen kannst.
Hierzu wäre eine mindestens 10%-ige unternehmerische Nutzung erforderlich.

Bei mir setzt es jetzt fachlich aus. Ich fahre einen guten sauberen Diesel und daran wird sich so schnell nichts ändern. Das Thema E-Auto liegt mir fern. Deshalb nur ganz abstrakt die Überlegung: Wenn die Menge Strom die man bei "1 x volltanken bitte" von Kfz-Typ zu Kfz-Typ annähernd gleich ist, dann bedeutet dass ja nur, dass jede 10. "Betankung" an einen Dritten verkauft werden muss, um dieses Kriterium zu erfüllen.

Unterstellt man, dass bei Stromlieferungen zur Betankung eines E-Autos wohl typischerweise Rechnungsbeträge zusammen kommen, die unterhalb der Kleinbetragsschwelle (250 Euro, §33 UStDV) liegen, dann brauch in Rechnungen der Name des Leistungsempfängers nicht angegeben zu werden.
Erfolgt die Lieferung nicht an einen Unternehmer, besteht überhaupt keine Verpflichtung zur Ausstellung einer Rechnung.

Wenn man jetzt Bedingungen schafft, die einer Lieferung an Dritten völlig entgegenstehen - sondern die Ladestation so montiert, dass eine Lieferung an Dritte zumindest halbwegs praktisch durchgeführt werden könnte, sehe ich kein echtes Problem mehr, die Ladestation dem Unternehmen zuzuordnen.
Ausgesprochen "luxuriös" wird die Situation natürlich, wenn Du beispielhaft jemanden nennen könntest, der ein E-Auto sein eigen nennt und bei Dir tankt.
(Falls nicht... und die Rückfrage vom FA käme, wüsste ich auch schon die Antwort: Es ist der Herr, der immer Di und Do die hübsche Nachbarin und deren 14-jährige Tochter für 4 Stunden besucht und dann die Rolläden im Schlafzimmer runtergehen. Er hat sich Dir nie mit Namen vorgestellt. Fandest Du auch immer irgendwie unpersönlich. Aber welcher Tankwart kennt schon jeden seiner Kunden?)

Nun kenne ich ja das Problem, dass man den Direktverbrauch nicht beliebig steigern kann.
Insofern könnte es sogar glaubhaft sein, dass man Strom an Dritte zu einem niedrigeren Preis verkauft, als man selbst Strom vom EVU einkauft.
Die Einspeisevergütung hingegen würde die Preisuntergrenze bilden.
Hier ergeben sich dann m.E. noch Gestaltungsspielräume, wie die Belastung mit "Umsatzsteuer auf Direktverbrauch" gesenkt werden kann.

Ich könnte mir z.B. auch vorstellen, dass sicherlich ein Forumsmitglied aus Deiner Nähe Dich mal zum "Informationsaustausch" besucht... und dabei sein E-Auto bei Dir betankt.

Fazit: Ich sehe die Vorsteuer aus der Anschaffung der Ladestation keinesfalls als verloren an. Die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, scheint mir kein generelles großes Problem - sondern eher "sehr lösbar". Wenn Du naiv nur die eigene Karre betankst, wirds aber tatsächlich nix werden.


Einkommensteuer:
Sofern eine 10%-ige unternehmerische Nutzung der Ladestation gegeben ist (USt), liegt zwangsläufig auch eine 10%-ige betriebliche Nutzung (ESt) vor. Die Ladestation kann als gewillkürtes Betriebsvermögen in das Unternehmen eingebracht werden.
Die Diskussion um die Bewertung der Sachentnahme bekäme hierdurch neues Feuer. Zumindest theoretisch.
Mit der Lieferung an Dritte ohne gesetzliche Abnahme- und Vergütungspflicht, kämen auch beim PV-Betreiber die Risiken für Absatz und Preisschwankungen zum tragen. Zumindest theoretisch.
Damit wäre zumindest der Ansatz für eine Argumentation geliefert, wonach der PV-Betreiber jedem anderen Unternehmer gleichzustellen ist - und der Teilwert des entnommenen Stromes mit den Herstellungskosten zu bewerten ist.
Zumindest theoretisch.
Praktisch dürfte das nur als Nebenkriegsschauplatz und Nebelkerze taugen.
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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon Lapislazuli » 12.07.2018, 11:05

kpr hat geschrieben:Immer langsam.

Von der UST befreit sind einzelne Lieferungen oder sonstige Leistungen. Gerade die dürften bei PV-Betreiber aber eher nicht vorliegen. Zumindest nicht im Zusammenhang mit der Lieferung von Strom.



Denkbar wäre das doch bei Export. WWäre vielleicht in Grenzregionen interessant.
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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon Serin » 12.07.2018, 14:32

@KPR:
also ich sage auch nirgendwo dass das nicht GEHT.
Allerdings empfinde ich es persönlich als zuviel Aufwand für ein paar Euro.
Und zusätzlich müsstest du dann 90% des getankten Stroms auch als Privatentnahme mit USt an dich selbst berechnen.
vermutlich auch dann, wenn du nichtmal PV strom tankst? weil die Ladesäule ist ja offiziell zum Verkaufen von Strom da an E-Autos?
Naja mir solls Egal sein, aber ich empfinde es irgendwie unverhältnismäßig ;-)
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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon kpr » 12.07.2018, 15:19

@Lapislazluli

Export... ... oder genauer: innergem. Lieferungen bzw. innergem. Erwerben.
Beides gehört aber nicht zur gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines PV-Betreibers.

@Serin
"an sich selbst berechnen" = nein. niemals. Das gibts einfach nicht. Kontrahierungsverbot nach 181 BGB.
Gerade deswegen ist ja der Begriff der unentgeltlichen Wertabgabe geschaffen worden - um eine Besteuerungsgrundlage zu haben, wo eben KEIN Leistungsaustausch vorliegt.

Der Strom (egal ob an VNB geliefert, an Dritte geliefert oder für eigene Zwecke außerhalb des Unternehmens entnommen) muss ja ohnehin IMMER versteuert werden. Der Unterschied besteht ja nur darin, dass einmal die Vorsteuer aus der Ladestation abzugsfähig und die Anschaffungskosten als Betriebsausgabe geltend gemacht werden können - und einmal eben nicht.

Der "Aufwand" liegt ja nur darin, dem FA plausibel zu verkaufen, dass die Ladestation (zu mehr als 10%) unternehmerisch genutzt wird. Der sollte zu bewältigen sein. Da geht es ja nur darum Zustände zu schaffen, die einer Lieferung an Dritte völlig zuwider sind. Also z.B. die Ladestation so setzen, dass man sie auch als fremder Dritter halbwegs bequem erreichen kann, wenn man Zugang zum Grundstück hat. Oder: So setzen, dass man die Ladestation auch noch von vor der Garage nutzen kann, wenn in der Garage ein Fahrzeug steht; bzw. ein gerade "takender" fremder Dritter nicht wesentliche Teile des gesamten Grundstücks unzuänglich macht.
(ja was weiss denn ich? Es geht ja nur darum, dem FA die Munition nass zu machen. Ein Satz "Aufgrund der baulichen Verhältnisse und tatsächlichen Gegebenheiten widerspricht die Behauptung, die Station sei zur Abgabe von Strom an Dritte bestimmt, den allgeinen Denkgesetzen".
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Re: Umsatzsteuerbefreiung als PV Anlagenbetreiber

Beitragvon alterego » 14.07.2018, 16:10

Nicht zu vergessen ist dann natürlich die EEG-Umlage, die fällig wird, wenn man Strom an Dritte liefert.
Hier OT: aber war da nicht was bei den Ladestationen, wenn man sie dritten zugänglich macht, muß man irgendwas zusätzlich erfüllen, was das recht teuer macht. Weiß aber gerade nicht was das war.
Der VNB ist keine Rechtsberatungsstelle für Betreiber für Fragen zum EEG.
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