Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der EÜR

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Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der EÜR

Beitragvon wschmeiser » 07.04.2017, 10:53

Ich hatte gerade mit meinem FA telefoniert und nachgefragt, ob man bei Eigenverbrauch/Direktverbrauch/Sachentnahme in der Einnahmen-Ausgaben-Überschuss-Rechnung Umsatzsteuer bei den Einnahmen bucht oder nicht.

Hintergrund sind eine Reihe von unterschiedlichen Aussagen/Beispielen sowohl im Internet als auch im Forum, was meiner Meinung nach zu einer großen Verwirrung führt, denn es gibt wohl zwei Möglichkeiten und das Ergebnis der EÜR bleibt gleich.

Nur, was wäre korrekt und warum?

Variante 1:
+ Sachentnahme 100,00
+ UST auf Sachentnahme 19,00
= Einnahmen 119,00
- an das FA abzuführende UST 19,00
=Ausgaben 19,00
Gewinn = 100

oder Variante 2:
+ Sachentnahme 100,00
= Einnahmen 100,00
=Ausgaben 0,00
Gewinn = 100

Und auch im Saldo der Umsatzsteuererklärung ändert sich hierdurch ja nichts.

Mein FA meint, die Variante 1 wäre korrekt.
Das FA Ehingen bringt in Ihrem Beispiel die Variante 2 (Seite 11): http://www.fa-ehingen.de/pb/site/pbs-bw-fa/get/documents/finanzaemter/Finanzaemter/Alle%20Finanz%C3%A4mter/Ehingen/Informationen/pva.pdf

Was ist richtig und warum. Bin schon sehr auf die Ausführungen von @KPR gespannt.
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon hildefeuer » 07.04.2017, 11:49

Du bringst einiges durcheinander.
" Eigenverbrauch/Direktverbrauch/Sachentnahme"
das kann man so nicht in einem Satz nennen, da völlig unterschiedlich.
Eigenverbrauch bei PV Anlagen werden nicht zur Umsatzsteuer herangezogen da der Verteilnetzbetreiber den eigenen Strom zurückliefert. Es ist also kein klassischer Eigenverbrauch oder eine Sachentnahme die natürlich der Umsatzsteuer unterliegen.
google mal nach:
BMF-Schreiben vom 19.09.2014
AZ: IV D 2-S7124/12/100001-02
Tz. 13 AktSR zur USt 2013 Teil 1

Der VTN bucht bei mir als „fiktive Einspeisung“ zuerst den Betrag für Volleinspeisung. Danach erfolgt die „fiktive Rücklieferung“ als Differenzbetrag mit 16,38ct/kwh zzgl. Mwst.
Bei mir wird der Eigenverbrauch Vergütet, da Anlage aus 2010.

hier ist es nocheinmal genauer erläutert:
http://www.easyct.de/forum/viewthread.p ... ad_id=2718
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon wschmeiser » 07.04.2017, 12:05

Die drei Begriffe "Eigenverbrauch/Direktverbrauch/Sachentnahme" sind hier Synonyme und werden hier im Forum und auch außerhalb gleichwertig für den gleichen Sachverhalt benutzt. Da ist nichts durcheinander gebracht.

Steuerlich korrekt ist die Sachentnahme, weil der Strom nicht vom Betrieb sondern privat genutzt wird.

Eigenverbrauch ist halt eigentlich nicht korrekt, weil der Strom nicht vom Betrieb sondern privat genutzt wird.

Ja, den Begriff "Direktverbrauch" benötigt man, um halt zum Ausdruck zu bringen, was dem Betrieb entnommen wurde.

Aber wie schon gesagt, es wird immer das gleiche damit gemeint und von mir nichts durcheinander gebracht!

Eigenverbrauch bei PV Anlagen werden nicht zur Umsatzsteuer herangezogen da der Verteilnetzbetreiber den eigenen Strom zurückliefert. Es ist also kein klassischer Eigenverbrauch oder eine Sachentnahme.


Das stimmt imho nicht. Eine private Sachentnahme ist immer umsatzsteuerpflichtig!

Ja, der Verteilnetzbetreiber liefert den Strom zurück, aber eigentlich nicht an den privaten Endverbraucher sondern an den PV-Betrieb. Denn die Rücklieferung wird mit der Endabrechnung und Zahlung der Verteilnetzbetreibers verrechnet.

Anders wäre es, wenn der Verteilnetzbetreiber zwei Endabrechnungen erstellen würde:
Eine an den PV-Betrieb, mit der die gesamte eingespeiste Strommenge abrechnet und ausbezahlt wird

Und eine an den privaten Verbraucher, mit der er dem privaten Verbraucher die Rücklieferung in Rechnung stellt und die dann der Endverbraucher an den Verteilnetzbetreiber zu bezahlen hat. Dann müsste dem PV-Betrieb keine Sachentnahme zugerechnet werden.


Weil das aber vom Verteilnetzbetreiber in einer Abrechnung und einer Zahlung erfolgt, muss die Rücklieferung als Sachentnahme den Einnahmen hinzugerechnet werden.

Alle diese Punkte sind aber nicht der Inhalt meiner Fragestellung.

Es ist weniger eine inhaltliche als mehr eine formale Frage.

Die Fragestellung lautet, ob bei der privaten Sachentnahme die Umsatzsteuer in der EÜR gebucht wird oder nicht, und warum?

Es geht nicht darum, ob sie anfällt, denn sie fällt an, auch bei der Rücklieferung!
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon donnermeister1 » 07.04.2017, 13:27

Variante 1 ist bei Anlagen nach dem 31.3.2012 richtig und Variante 2 bei Anlagen vor dem 1.4.2012.
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon wschmeiser » 07.04.2017, 13:46

@donnermeister1,
danke, aber die Frage ist doch warum? Wo ist der Unterschied?

In beiden Fällen liegt eine Sachentnahme an privat vor.

Alle Sachentnahmen an privat sind umsatzsteuerpflichtig!
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon donnermeister1 » 07.04.2017, 15:10

Für Anlagen vor dem 1.4.2012 gilt der UStAE 2.5 mit der fiktiven Volleinspeisung und der Rücklieferung des DV durch den VNB. Durch die fiktive Volleinspeisung ist der gesamte Strom umsatzversteuert worden. Da bleibt nix mehr übrig, was noch mit USt vertseuert werden muss.

Wo hin gegen bei Anlagen nach dem 31.3.2012 die USt nur für den eingespeisten Strom abgeführt wird. Da bleibt dann noch der DV, der auf USt wartet.
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon kpr » 07.04.2017, 20:28

die Sache ist einfach:
Die Begriff muss man trennen. Sonst gehts in Höschen.
Donnermeister hat schlichweg Recht. Und wenn die Mitarbeiter der FinVerw sich da nicht sicher sind, oder ein Wahlrecht sehen, dann ist das ein fachliches Armutszeugnis.
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon wschmeiser » 09.04.2017, 10:53

@kpr, @donnermeister1,
tut mir leid, ich mag da total auf dem Schlauch stehen und ich nehme das was das FA gesagt hat ja auch nicht als bare Münze, sondern habe es ja als Frage formuliert gehabt.

Womit ich mein Problem habe ist folgendes:

In der EÜR versteuert man als Einnahmen die Geldflüsse und die Sachentnahme.

Und wenn ich es richtig verstanden habe, dann muss für die Sachentnahme ebenfalls Umsatzsteuer an das FA abgeführt werden, richtig?

Wenn wir weiter annehmen, dass nicht der Netzbetreiber sondern man selbst die Abrechnung vornimmt und die Abschlagszahlungen des Netzbetreibers exakt dem Abrechnungsergebnis entsprechen, dann sind alle Zahlungen im gleichen Kalenderjahr geflossen.

Dann macht es meiner Meinung in der EÜR doch keinen Unterschied, ob nach Volleinspeisung mit Rücklieferung oder Überschusseinspeisung mit oder Eigenverbrauchsvergütung abgerechnet wird. Einzig der Wertansatz für die Sachentnahme kann variieren. Aber das hat ja keinen Einfluss auf die Rechenlogik der EÜR oder Umsatzsteuer.

Annahmen:
Stromerzeugung gesamt 3.000 kWh
davon Einspeisung 2.000 kWh/24,43 ct, Eigenverbrauch/Direktverbauch 1.000 kWh(Wertansatz 16,38 ct)

Volleinspeisung an den Netzbetreiber mit Rücklieferung:
Rechnung über 3.000x0,2443= 732,90 + 139,25 UST
Gutschrift über 1.000x0,1638= -163,80 + -31,12 UST
Zahlungseinnahmen: 569,10 + 108,13 UST

Überschusseinspeisung mit In-Rechnungstellung der Eigenverbrauchsvergütung
Rechnung über 2.000x0,2443= 488,60 + 92,83 UST
Rechnung über 1.000x0,0805= 80,50 + 15,30 UST
Zahlungseinnahmen: 569,10 + 108,13 UST

Überschusseinspeisung ohne weitere Vergütung des Eigenverbrauchs nach dem 1.4.12 (Einspeisevergütung fiktiv, um nicht neu rechnen zu müssen.!!!)
Rechnung über 2.000x0,2846= 569,10 + 108,13 UST
Zahlungseinnahmen: 569,10 + 108,13 UST

Also, Zahlungsflüsse immer gleich und nirgendwo Sachentnahme berücksichtigt!

Also muss doch jetzt den Einnahmen überall noch die Sachentnahme hinzugerechnet werden und dafür die Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden.

Die Rechenlogik ist dann doch immer die gleiche, oder?

Wenn das so nicht stimmt, was ist dann wo falsch?
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon donnermeister1 » 09.04.2017, 19:56

wschmeiser hat geschrieben:Volleinspeisung an den Netzbetreiber mit Rücklieferung:
Rechnung über 3.000x0,2443= 732,90 + 139,25 UST
Gutschrift über 1.000x0,1638= -163,80 + -31,12 UST
Zahlungseinnahmen: 569,10 + 108,13 UST


Leider falsch. Richtig ist
Zahlungseinnahmen: 537,98 + 139,25 USt :D
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Re: Umsatzsteuer auf EV/Direktverbrauch/Sachentnahme in der

Beitragvon wschmeiser » 10.04.2017, 11:12

Alles nochmals gelöscht!
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