Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

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Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon abinseigenheim » 12.03.2018, 16:15

Hallo zusammen,

ich habe ein kleines Problem.

Im Oktober letzten Jahres wurden im Zuge des Hausbaues gleich die Solarpanels installiert. Die Panels und die Installation bis in den Technikraum habe ich entsprechend schon im Oktober letzten Jahres bezahlt. (Teilrechnung vom Oktober liegt vor)
Jetzt, nachdem der Innenausbau des Hauses abgeschlossen wurde, wurde auch die restliche PV-Anlage (Speicher, Wechselrichter etc.) installiert und die Anlage am 27.02.2018 in Betrieb genommen. Die Rechnung über die restlichen Bausteine und Arbeiten habe ich jetzt erhalten.

Ich wollte nun heute meine Anlage auch beim Finanzamt melden. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie es sich den mit dem Vorsteuerabzug von der Rechnung aus 2017 verhält. Bzw. was muss ich tun, damit ich diese noch erstattet bekomme?
Die Firma bei der ich die Anlage und Installation gekauft habe, will mir keine Komplettrechnung für 2018 ausstellen weil das wohl für sie nur mit einem erhöhten Buchungsaufwand möglich wäre. :juggle:

Danke und Gruß
Torsten
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Re: Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon kpr » 12.03.2018, 16:52

Also... fangen wir hinten an:

"Der "Will" kriegt den Mund mit Seife ausgewaschen" - hätte meine Mutter gesagt.
Bei der Fakturierung gehts nicht um Wollen; wir sind auch nicht bei "Wünsch Dir was". Und wenn die Buchhaltung tatsächlich damit erhöhten Aufwand hat.... dann ist meine Reaktion an meine Mädels immer: "Prima... dafür hat der liebe Gott die Überstunden in den Arbeitsvertrag geschrieben".

WENN (!!!) da jemand zickt, hilft eigentlich immer eine ganz trockene und nüchterne Vorgehensweise:

Wir bitten höflich um Ausstellung einer Rechnung i. S. §14 Abs. 1 UStG. Für die Erledigung haben wir uns den xx.xx.xx vorgemerkt. Bei fruchtlosem Fristablauf erlauben wir uns dem örtlich und sachlich zuständigen FA ............. eine Orientierungskopie dieses Schreibens zur gefälligen Sachverhaltsbeurteilung zukommen zu lassen.

Wir danken für die besondere Mühewaltung

Gruss und Kuss
Fidibus



So.. nun aber zum Kern der Sache.
Eine "Teilrechnung" ist leider kein abschließend erklärender Begriff.
Wie immer hilft nur ein Blick in den Vertrag.
Was war geschuldet?
Handelte es sich bei der Lieferung der Panels um eine eigenständig geschuldete (und bepreiste) Teilleistung?
oder wurde dies nachträglich vereinbart?
oder ist es evtl. so, dass der Unternehmer eine einheitliche / gesamtheitliche Leistung schuldet, die sich nur ein wenig in die Länge gezogen hat?

Ohne diese Fragen abschließend zu klären, ist eine Beurteilung wie zu fakturieren ist, schlicht unmöglich.
Wichtig: Grundsätzlich gilt: Vorsteuer kann immer nur aus korrekt ausgestellten Rechnungen gezogen werden.
Es mag "Egal-Fälle" geben; aber die hier zu ergründen wäre jetzt noch aufwändiger.

Wenn es sich um eine eigenständig geschuldete Teilleistung handelt
(by the way... dies bedarf der ausdrücklichen Vereinbarung; es reicht gerade nicht, dass beide Vertragsparteien das glauben oder davon überzeugt sind; auch wenn der einvernehmliche Glaube die korrekte Dokumentation dramatisch vereinfacht)
wenn dem so ist, dann ist die "Teilrechnung" eine stinknormale Rechnung über eine ausgeführte Leistung.
Zivilrechtlich hätte damit auch bei Eigentumsübergang die Gewährleistungsfrist begonnen.

Wenn es sich um eine gesamtheitliche Leistung handelt:
Dann war die "Teilrechnung" als Rechnung über eine nicht ausgeführte Leistung zu behandeln.
Üblicherweise verwendet man den Begriff "Abschlagrechnung".
Wie der Solarteur das buchhalterisch löst - ist sein Bier.
Bei Dir hätte die Vorsteuer erst gezogen werden dürfen, wenn und soweit die Rechnung bezahlt war.

In dem Fall wäre nun eine Schlussrechnung über die gesamte geschuldete Leistung zu erstellen, wobei die vor Ausführung der Leistung vereinnahmten Entgelte offen auszuweisen sind.
Zivilrechtlich würde erst mit Abnahme des Werks - wann auch immer die war - die Gewährleistung beginnen; bzw. sich die Beweislast für (Gewährleistungs)mängel umkehren.

Der Sachverhalt ist zunächst unbedingt zu klären.
Ansonsten steht der Vorsteuerabzug aus der "Teilrechnung" auf dem Spiel.
Wann Vorsteuer gezogen wird, ist eigentlich irgendwo zwischen "egal", "völlig egal" und "schei##egal".
ABER: Zumindest das korrekte Jahr sollte man treffen. Im falschen Jahr kann Vorsteuer nicht gezogen werden.
Und spätestens jetzt geht bei PV die Falltür mit der Bestandskraft von Bescheiden los.
Das sind keine unlösbaren Probleme - aber der Profi (und der Laie erst Recht) sollte sie einfach umschiffen.
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Re: Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon abinseigenheim » 13.03.2018, 09:12

Hui... erstmal vielen Dank für deine äußerst ausführliche Antwort...

ich versuche mal die Daten zusammenzufassen:

Lt. Angebot und Auftrag wurden alle Leistungen zusammen aufgeführt und ein Gesamtbetrag genannt.
Das Angebot beinhaltet jedoch auch folgende Zahlungsbedingungen:
Zahlungsbedingungen
Zahlbar sofort nach Erhalt der Ware / Leistung ohne Abzug.
Die Rechnungsstellung erfolgt nach (Teil-) Lieferung der Produkte und/oder erbrachten (Teil-) Leistungen.
Es gelten die gesetzlichen Regelungen betreffend des Zahlungsverzuges.
Die Inbetriebnahme der Anlage erfolgt erst nach Zahlungseingang der Modulrechnung.
Sofern nichts anderes vermerkt ist gilt als Datum der Lieferung oder Leistung das Rechnungsdatum.


Ansonsten steht der Vorsteuerabzug aus der "Teilrechnung" auf dem Spiel.

Unter welchen Umständen würde denn der Vorsteuerabzug auf dem Spiel stehen? Könnte ich die Teilrechnung nicht im Rahmen meiner 2017er Steuererklärung einreichen? Wenn ja, stellt sich für mich nur die Frage, ob es ein Problem ist, dass ich mich erst jetzt beim FA melde und die Anlage anmelde.

Danke und Gruß
Torsten
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Re: Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon kpr » 14.03.2018, 00:16

Zahlungsbedingungen sind völlig uninteressant, soweit dort wirklich nur die Zahlungsbedingungen geregelt sind.

Der Kernsatz ist wohl hier:
"Die Rechnungsstellung erfolgt nach (Teil)Lieferung der Produkte und oder erbrachten (Teil-)leistungen.


Ja. Das ist schön.
Aber irgendwo anders muss ja mal stehen, welche Leistung bzw. welche Teilleistungen vereinbart sind.

Da kann man dann trefflich streiten,.
Aber da es sich ja wohl um die AGB des Solarteurs handelt - gehen Zweifel bei der Auslegung immer zu seinen Lasten.

Den Fall hier abschließend zu beurteilen, traue ich mir nicht zu.
Ich bin da altmodisch. Ich brauche ein Handakte. Ich brauche Papier... das ich anfassen, gegen das Licht halten - und dran riechen kann. (Und vor allem vollständig.. mit allen kleinen verfänglichen Aktennotizen die man so findet).

Es riecht m.E. danach, dass die Rechnung über die Panels eine Abschlagrechnung war. (Rechnung über nicht ausgeführte Leistung; da ich keine eigenständig vereinbarten Teilleistungen erkenne)
Die Vorsteuer hieraus ist abzugsfähig, wenn die Rechnung vorlag und die Zahlung geleistet war.
Somit ist die Vorsteuer im Jahr der Zahlung fällig.

Das FA hätte völlig Recht, wenn es den Vorsteuerabzug im Jahr der Abnahme verweigert.
(ob da beim FA jemand drauf Bock hat? Keine Ahnung. Stimmungsabhängig.)
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Re: Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon abinseigenheim » 14.03.2018, 12:22

So, habe die Rückinfo im FA, dass ich die Rechnung noch vom letzten Jahr einreichen kann, solange ich noch nicht die Jahresumsatzsteuererklärung gemacht habe (habe ich ja noch nicht - bis jetzt habe ich noch gar nichts gemacht) und ich die Vorsteuer dann noch erstattet bekomme.

Ich hoffe mal, dass das alles so funktioniert, wie es mir die Dame am Telefon gesagt hat... :juggle:
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Re: Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon kpr » 14.03.2018, 23:30

Fein.

Nur der Hinweis: Solche Auskünfte sind nicht bindend.
Auch die entsprechende Berücksichtigung bei der Veranlagung der UStVA ist nichts endgültiges.
Ein Steuerbescheid - sofern er denn ergeht - wird nur dann (nach 1 Monat) bestandskräftig, wenn er keinen Vorbehaltsvermerk trägt. UST-Bescheide werden allerdings normalerweise mit Vorbehaltsvermerken ausgestattet.

Und somit kann Dich der Blitz dann auch noch in Jahren ereilen - wenn Du nur an den richtigen gerätst, der die Nase tief genug reinsteckt. (Meist junge Inspektorenanwärter, die zeigen müssen, was sie in der Berufsschule alles gelernt haben.)

Deswegen nur der Tip: Achte auf eine korrekte Abbildung des Sachverhaltes. Selbst wenn es Arbeit macht. Blindes Vertrauen in Auskünfte des FA kann sich schnell rächen.
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Re: Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon abinseigenheim » 16.03.2018, 10:40

Jaja... vor Gericht, dem FA und auf hoher See... :mrgreen:

Wäre ja alles kein Problem, wenn die Solarfirma mir eine Gutschrift für die 2017er Rechnung erstellen würde und einfach alles noch einmal dann gleich auf die richtige "Firmenadresse" schreibt - aber nein... wir haben ja schon die Bilanz für 2017 fertig und das geht alles nicht mehr. :evil:

Vielen Dank für die Tipps und Hinweise...
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Re: Teilrechnung für Solarpanels 2017 / Inbetriebnahme 2018

Beitragvon kpr » 16.03.2018, 14:31

Nö.

Die Rechnung muss korrekt sein.
Ob die Bilanz schon fertig ist oder nicht - spielt dabei überhaupt keine Rolle.
(Natürlich ist es "unschön" wenn ein nachfolgender Beleg den Beweis dafür erbringt, dass der Abschluss nicht stimmt.
Damit hat aber nur derjenige ein Problem, der ernsthaft glaubt, es gäbe eine (1) objektiv richtige Bilanz.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dein Fall dazu geeignet wäre, dass der Abschluss keinen korrekten Einblick in die VFE-Lage ermöglicht; mir fehlt auch die Phantasie, dass der Fall als "Ereignis nach dem Abschlussstichtag" im Anhang angegeben werden muss.)

Und "einfach auf die richtige Firmenadresse"... ist auch so ein Irrglaube.
Die Rechnung muss letztlich auf den Leistungsempfänger aufgemacht sein. Also den zivilrechtlichen Vertragspartner.
Es nützt nichts, in eine Rechnung den "schönen" aber objektiv falschen Leistungsempfänger reinzuschreiben. Da wird dann aus einer korrekten eine falsche Rechnung gemacht.
Umgekehrt wird ein paar Schuh draus: Man muss den zivilrechtlichen Vertragspartner "austauschen" - damit anschließend eben nicht (unzulässig) aus einer richigen eine falsche Rechhnung wird, sondern aus einer falschen Rechnung eine richtige Rechnung gemacht werden muss.
Feiner Unterschied. Grosse Wirkung - wenn der Fall mal nachgeprüft wird.

Hat auch nichts mit den berühmten Unwägbarkeiten bei Gericht und auf hoher See zu tun.
Der Sachverhalt ist sehr einfach - wenn auch meist als lästig und aufwändig empfunden:
Zuerst muss der zivilrechtliche Sachbverhalt aufgeklärt werden.
Alles andere baut darauf auf.
(Im schlimmsten Falle... von dem wir hier weiter weg sind als der Mars von der Erde..... endet sowas halt im Restatement. Na und? Dafür hat der liebe Gott uns ja das Instrument des Restatement gegeben).
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