Kernfusion in 10 Jahren?

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Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon alex_f » 16.10.2014, 06:32

Interessante Pressemeldung, allerdings zweifle ich "leicht" dran. Was meint Ihr dazu? Etwas sportlich, da soll eine Firma in <10 Jahren das schaffen, was eine weltweite Forschercommunity schon Jahrzehnte beschäftigt.

http://lockheedmartin.com/us/news/press ... usion.html

PALMDALE, Calif., Oct. 15, 2014 – The Lockheed Martin [NYSE: LMT] Skunk Works® team is working on a new compact fusion reactor (CFR) that can be developed and deployed in as little as ten years. Currently, there are several patents pending that cover their approach.

While fusion itself is not new, the Skunk Works has built on more than 60 years of fusion research and investment to develop an approach that offers a significant reduction in size compared to mainstream efforts.

“Our compact fusion concept combines several alternative magnetic confinement approaches, taking the best parts of each, and offers a 90 percent size reduction over previous concepts,” said Tom McGuire, compact fusion lead for the Skunk Works’ Revolutionary Technology Programs. “The smaller size will allow us to design, build and test the CFR in less than a year.”

After completing several of these design-build-test cycles, the team anticipates being able to produce a prototype in five years. As they gain confidence and progress technically with each experiment, they will also be searching for partners to help further the technology.

Headquartered in Bethesda, Maryland, Lockheed Martin is a global security and aerospace company that employs approximately 113,000 people worldwide and is principally engaged in the research, design, development, manufacture, integration and sustainment of advanced technology systems, products and services. The Corporation’s net sales for 2013 were $45.4 billion.
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon hfrik » 16.10.2014, 06:56

Nun bisher ist es vapurware. Was nichts ber die Güte der Idee sagt, aber aktuell wurde nur eine Idee entwickelt.....
Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon Dringi » 16.10.2014, 08:05

Seit 30 Jahren erzählt die Atomindustrie, dass es inhärent und passiv sichere AKW in 20 Jahren geben wird.
Seit mindestens 30 Jahren wird ähnliches über Kernfusion erzählt.

Ist für mich das perfekte Beispiel um eine Ausrede zu finden, um so lange wie möglich an veralteter Technik festhalten zu können anstatt mit heute schon verfügbaren Techniken wie PV und Wind den Atomausstieg zu realisieren.
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon eweri » 16.10.2014, 08:36

Ich kann Dringi und hfrik nur zustimmen - man sieht seinen Stern im Untergehen also muss man irgend einen Schwachsinn veröffentlichen, damit weiter Forschungsgelder, etc. fließen.

Die haben uns, was die Abfallmenge und Gefährlichkeit angeht, schon bei der Kernenergie belogen - ich denke das tun Sie bei der Kernfusion auch.

Was würdet ihr zu folgendem Verkaufsgespräch sagen:
"Dieser Wagen fährt 300 km/h, benötigt nur 3 Liter auf hundert Kilometer, im Winter ist er vorgewärmt und wenn Sie Ihn jetzt kaufen, dann liefern wir in drei Jahren das Lenkrad und die Bremsen nach. Ist das ein Angebot?!"

... also weiter machen mit PV, Wind und Speicher - ich denke das müssen wir mündigen Bürger selber in die Hand nehmen, sonst ändert sich da nichts. Ach ja und immer schön den Politikern in der Stadt und im Land auf die Füsse treten ;-).
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon tomduly » 16.10.2014, 09:38

Hallo,
alex_f hat geschrieben:Interessante Pressemeldung, allerdings zweifle ich "leicht" dran. Was meint Ihr dazu? Etwas sportlich, da soll eine Firma in <10 Jahren das schaffen, was eine weltweite Forschercommunity schon Jahrzehnte beschäftigt.


naja, dass es die "weltweite Forschercommunity" bislang nicht schafft, hat einen anderen Hintergrund: Grundlagenforschung, die international mit Milliarden dauerhaft gefördert wird, wird irgendwann zum Selbstzweck. Vgl. CERN (wo man aus reiner Langeweile bei der gut bezahlten Suche nach dem Gottesteilchen nebenher das "www"-Prinzip fürs Internet erfand - immerhin). Milliardenförderung für die Fusionsforschung ist wie Kohlesubventionierung: sie zementiert eher einen Status Quo, als dass es energietechnische Fortschritte ermöglicht.

Der Fusions-Forscher-Community fehlt es an klaren Zielen und Meilensteinen. So forscht man hier ein wenig und da ein bisschen. Wünscht sich von der Politik hier mal ein paar Milliarden und mal da, um diese oder jene Technologie (ITER, Tokamak) mal "gründlich zu erforschen" und wenn diese Projekte ausreichend akademisch ausgeschlachtet sind, jeder PhD seine Pflicht-Papers präsentieren durfte, dann geht man zur nächsten Großbaustelle, die man sich wieder vom Staat (von uns) alimentieren lässt. Wirklich rauskommen muss dabei nix. Es ist ja Grundlagenforschung. Da sind praktisch verwertbare Ergebnisse verpönt (dazu gibts Fachhochschulen - sagen die Unis und Grossforschungseinrichtungen). Ist leider so.

Lockheed Martin ist eigentlich kein Unternehmen, dass sich leichtfertig spinnerten Ideen hingibt. Die Skunk Works-Truppe von LM ist für nicht-öffentliche ambitionierte Entwicklungsaufträge zuständig (das Flugzeug U2 und die aktuellen Stealth-Bomber wurden hier entwickelt und die Radar-Tarnkappentechnik serienreif gemacht). Insofern muss man davon ausgehen, dass Lockheed Martin das möglicherweise ernst meint. Mit Tom McGuire haben sie einen fähigen Fusionsforscher vom MIT eingekauft, das ist kein Bastler, der in russischen Youtube-Videos einmalige - leider nicht wiederholbare - Fusionsexperimente vorführt. Das CFR-Prinzip wird seit ein zwei Jahren diskutiert, Skunk Works will im nächsten Jahr einen Laborreaktor in Betrieb nehmen und innerhalb von fünf Jahren einen stabilen Prototypen vorstellen. Man spricht von 100MW.
Es wäre naiv, anzunehmen, das US-Militär würde das nicht wohlwollend (und finanziell) begleiten. Dort sucht man schon länger nach kompakten Energiestationen (power packs) für Schiffe und schwere Fahrzeuge.

Hier ein paar technisch-physikalische Details zur "high beta fusion" - die im CFR ablaufen soll.
Interessant auch, dass Google an dem Thema auch interessiert ist - es wurde im Rahmen des Think Tank Projeks "Solve for X" auch schon diskutiert.

Grüsse

Tom
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon GEST » 16.10.2014, 09:48

eweri hat geschrieben:Die haben uns, was die Abfallmenge und Gefährlichkeit angeht, schon bei der Kernenergie belogen - ich denke das tun Sie bei der Kernfusion auch.


Du könntest natürlich auch den Physiker deines Vertrauens fragen, ob er Zeit hat sich in das Thema einzulesen und dir dann die tatsächlichen Fakten zu liefern. Wohl dem der immer einen Physiker in der Nähe hat :D

Ich für meinen Teil hätte lieber gestern als morgen Fusionskraftwerke, basierend auf Deuterium-Deuterium Fusion die wirtschaftlich Strom liefern. Allerdings hab ich so meine Zweifel ob ich das noch erleben werde, und ich hab erst knapp 40% meiner statistisch zu erwartenden Lebenszeit hinter mir.

http://physics.ucsd.edu/do-the-math/201 ... ar-fusion/

Das Do the Math Blog ist übrigens für jeden interessant der sich mit einer Welt ohne fossile Energiequellen beschäftigt.
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon neoplan heab » 16.10.2014, 10:04

alle beschriebenen Szenarien haben Wahrscheinlichkeiten > 0 ( auch das gottes-Teilchen ( siehe auch Pascal: gottesbeweis )); aber auf unserer ebene ist das nicht entscheidungs-relevant: unsere haupt-Strategie muss bis auf weiteres mal sein: hoch-effizient / autark ( bau ). dann mag kommen was will.
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon wesozell » 16.10.2014, 10:25

Da wir in Form unserer Sonne schon ein perfekt funktionierendes Fusionskraftwerk haben, was wir niemals auslasten können, erscheint es mir wenig sinnfällig auf der Erde neue zu bauen. Im Moment lernen wir gerade dieses Kraftwerk anzuzapfen.
Nur für Flüge in ferne Welten, wo wir die Sonne natürlich nicht mitnehmen können, scheinen mir solche Entwicklungen sinnvoll.
Für die Kernforschung gibt es natürlich auch andere Anwendungsgebiete, wie z.B. die Medizin, wo ich noch riesige Potentiale sehe.
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon eweri » 16.10.2014, 11:03

wesozell hat geschrieben:Da wir in Form unserer Sonne schon ein perfekt funktionierendes Fusionskraftwerk haben, was wir niemals auslasten können, erscheint es mir wenig sinnfällig auf der Erde neue zu bauen.


Und ich pflege immer zu sagen "Und der liebe Gott hatte gute Gründe, warum dieses Fusionskraftwerk 150 Millionen km weit weg ist!" :wink:

Warum sollten wir hier auf der Erde Energie freisetzen, wenn wir die Energie nur einsammeln müssen?
Und wegen der Wirtschaftlichkeit: Es gibt zig Studien, die den EE ganz klar einen Kostenvorteil bescheinigen, die "Großkraftwerke" rechnen sich nur dann, wenn die Folgekosten auf die Gesellschaft abgewälzt werden.
Auch politisch sind EE besser, lokale Wertschöpfung, keine Bedarf an Brennstoff aus unsicheren Quellen, etc.

Was mich immer wundert, wieso wissen die, dass die nur noch 10 Jahre brauchen? Haben die eine Hokuspokus-Glaskugel?
Und wieso traut man dem Blick in die Zukunft den EE nicht zu?

MfG
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Re: Kernfusion in 10 Jahren?

Beitragvon wesozell » 16.10.2014, 11:33

Was mich immer wundert, wieso wissen die, dass die nur noch 10 Jahre brauchen? Haben die eine Hokuspokus-Glaskugel?
Und wieso traut man dem Blick in die Zukunft den EE nicht zu?

MfG
eweri[/quote]
Ich denke mal, mancher schaut da nur auf das Geburtsdatum im Personalausweis :idea:
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