Darf man Kohle abschreiben?

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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Retrerni » 11.10.2018, 21:48

PV-Berlin hat geschrieben:Wenn ich das richtig verstanden haben, geht der Großteil der Lastwechsel im Raschen des Netz unter. Zumindest höre ich nicht davon, das sich beim Betreten meines Hauses ein GuD angeworfen wurde.

Tja, das hast Du nicht richtig verstanden, die Kurzzeit-Schwankungen werden von Anlagen der sog. Primärregelleistung (PRL) ausgeglichen, die müssen in weniger als 30 Sekunden den neuen Sollwert erreicht haben. Ein Teil davon wird heute schon durch Batteriespeicher erledigt. Deine Kohle-Kraftwerke nehmen daran nicht teil, die tummeln sich eher bei der Minutenreserve und mit einem sehr kleinen Leistungsteil noch in der Sekundärregelung...

Ciao

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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon hfrik » 11.10.2018, 22:57

Also Braunkohle die nicht bis 50% runterregeln kann (und das recht flott) ist schon länger den Weg alten Eisens gegangen. Und von den aktuell laufenden Blöcken sind etliche schon auf 20% Minimalleistung aufgerüstet worden, sowie um Warmhalteleitungen zu benachbarten Blöcke ergänzt. So ausgerüstet hätten z.B. die 6 Blöcke von Jänischwalde die Möglichkeit einigermassen von 100MW bis 3 GW durchzuregeln, und zügig zwischen 500MW und 3 GW. Da bremsen die KWK Auskopplungen an den Braunkohleblöcken schon eher. Schön daran zu sehen dass Weisweiler mit hohem Breennstoff und Zertifikatsverbrauch durchläuft während die BOA runterfahren. Weisweiler heizt Aachen, die BOA heizen kaum was.
Was nie runterregelt ist die Biomasse, sowie alle Arten von KWK ohne Warmwasserspeicher und AKW regeln extrem unwillig. Nicht KWK Braunkohleblöcke regeln flott genug um die Gasblöcke aus dem Markt zu werfen.
Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon CaptainPicard » 11.10.2018, 23:02

hfrik hat geschrieben:Und AKW regeln extrem unwillig.

Gibt es dafür einen Grund? Nach meinem Verständnis kann (und muss) man die Geschwindigkeit der Kettenreaktion permanent sehr präzise kontrollieren und damit müsste man doch auch in sehr kurzer Zeit die Wärmeabgabe und somit die Leistung des Kraftwerks drosseln können. Oder meinst du mit unwillig dass die Betreiber das aus wirtschaftlichen Gründen nicht gerne tun?
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon GAST » 12.10.2018, 00:42

CaptainPicard hat geschrieben:
hfrik hat geschrieben:Und AKW regeln extrem unwillig.

Gibt es dafür einen Grund? Nach meinem Verständnis kann (und muss) man die Geschwindigkeit der Kettenreaktion permanent sehr präzise kontrollieren und damit müsste man doch auch in sehr kurzer Zeit die Wärmeabgabe und somit die Leistung des Kraftwerks drosseln können. Oder meinst du mit unwillig dass die Betreiber das aus wirtschaftlichen Gründen nicht gerne tun?


AKW könnten theoretisch relativ schnell Last abwerfen, das Problem ist halt dann die Xenon-Vergiftung des Reaktors, diese ist unerwünscht, denn sie verhindert danach ein schnelles(oder überhaupt?) hochfahren der Leistung.
Ich meine das es bis zu 18 Stunden dauert das Xenon abzubauen und den Reaktor wieder wirklich hochfahren zu können.

Daher sind AKW nicht wirklich regelbar, denn ich kann zwar Leistung abwerfen, kann diese aber im Gegensatz zu anderen Erzeugern (fossile KW) nicht wieder hochfahren ohne einen GAU zu riskieren (Tchernobyl soll durch diese Xenonvergiftung bzw die folgen davon hochgegangen sein)

Also die absolute Brückentechnologie....(So sicher wie eine italienische Brücke im Starkregen) :ironie:

Ansonsten würden die Betreiber natürlich ihre AKW gerne immer auf volle Leistung betreiben, denn mit diesen Kisten kann man halt am meisten Geld verdienen da der gemeine Steuerzahler sowohl für das Risiko als auch die Entsorgung haften muss.

grüße
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon GAST » 12.10.2018, 01:26

PV-Berlin hat geschrieben:Die technische Regelbarkeit der Braunkohlekraftwerke hatten wir auch schon! Ein einzelnes kann je nach Nachrüstungs-Stand wenige oder mehr % je Zeiteinheit regulieren. Die Masse aller Braunkohle Kraftwerke kann locker 400 MW (GuD Schrott) je min hoch oder runter fahren. Aber selbst das ist nie nötig! Also ist das einzige, zudem nicht in sich konsistente Argument pro GuD auch vom Tisch. Denn beim Abregeln fällt der WG erheblich! Wenn ich das richtig verstanden haben, geht der Großteil der Lastwechsel im Raschen des Netz unter. Zumindest höre ich nicht davon, das sich beim Betreten meines Hauses ein GuD angeworfen wurde.

Aber bitte! wer meint, wir benötigen viele neue GuD! soll die halt bauen, - aber bitte mit seinem Geld und nicht mit meinem.


Nochmal zum verstehen, 1 Braunkohlekw der neuesten Bauart (BoA) hat etwa 1,1GW, die Mindestlast ist noch immer von verschiedenen Bauteilen abhängig, u.a. gibt es sowas wie eine Mindestmenge für das Speisewasser, fällt diese Menge am Eintritt des Dampferzeugers unter die Mindestlast wird die Brennstoffzufuhr abgedreht! Die Mindestmenge beträgt meist etwa 1/3 der max. Menge und ist notwendig um die Bauteile im Dampferzeuger ausreichend zu kühlen da diese sonst thermisch überlastet werden und dann nicht weiter betrieben werden dürfen, bzw anfällig für Rohrschäden werden.
Für Turbinen gibt es da ähnliches, strömt nicht ausreichend Dampf durch die Turbine, wird diese nicht ausreichend gekühlt und droht zu überhitzen....ja, der Dampf in großen Mengen mit hohen Temperaturen kühlt die Turbine!
Um dem Überhitzen gegenzuwirken muss man die Dampftemperatur entsprechend absenken, das geht aber nur begrenzt da sonst die Gefahr von Wasserschäden an den letzten Schaufelreihen der Turbine besteht.
Nächstes Problem ist halt das mit sinkender Frischdampftemperatur auch der Wirkungsgrad el stark abnimmt...siehe dazu mal eine Entalphie Tabelle an...wenn man sie lesen kann....

Klar kann man natürlich kurzfristig, für wenige Minuten mit den Parametern für Volllast die Turbine mit weniger Dampf beaufschlagen, dann wird diese aber am Austritt zu heiss und muss gekühlt werden, also die Dampfmenge muss hochgefahren werden und der Dampf muss kühler sein wie üblich....
Also geht nur beim absenken der Last die Dampftemperatur gleichzeitig abzusenken.= Wirkungsgradverlust

Eine GuD ist ja eine GT mit nachgeschaltetem Dampferzeuger, dieser ist idr ein Trommelkessel, d.h. das es eine oder mehrere Speisewassertrommeln gibt aus denen das Wasser durch Fallrohre an den Aussenwänden runtergeht, unten umgelenkt wird und durch die heissen Abgase der GT erhitzt wird. Das sich erwärmende Wasser steigt auf, es bilden sich durchaus Gasblasen weil das Wasser zu sieden anfängt. Das Wasser gelangt dann erneut in die Kesseltrommel, dort trennen sich die Gasblasen vom Wasser und gelangen in die Nachgeschalteten Überhitzerheizflächen, der nicht ausreichend erhitzte Anteil vom Wasser macht den durchlauf erneut. Jetzt gibt es noch die Bauform mit einer Hilfspumpe, diese hilf dabei den Kreislauf auch bei sehr niedriger Last in Gang zu halten. Vorteil der Trommelkessel ist das diese keine Mindestmenge in der Form wie die Zwangsdurchflusskessel haben, dadurch können sie mit geringerer Last gefahren werden, zudem sind diese sehr schnell regelfähig in einem sehr großen Bereich.
Eine Mindestmenge gibt es nicht, es muss aber der Trommelwasserstand gehalten werden da die Trommel das benötigte Wasser zum kühlen der Bauteile enthält.

Zum Thema das Stromnetz ausregeln.
Es ist klar das kein GuD gestartet werden muss wenn PV-Berlin nach hause kommt und Licht, Klima und Herd einschaltet und gleichzeitig noch seinen imaginären Porsche mit 350kW lädt, über solche Kleckermengen "lacht" der Netzbetreiber, dafür hat er diverse Regelenergie eingekauft, bzw. reserviert.
Die winzigen Schwankungen werden durch so Dinge wie Kondensatstopp (mit Dampf wird das Speisewasser vorgewärmt) genutzt, da wird dann halt Dampf welcher sonst zum vorwärmen genutzt werden soll nicht aus der Turbine entnommen sondern verstromt, das geht aber nur begrenzt da das Wasser sonst zu kalt wird und es Probleme gibt, diese Regelleistung wird für bestimmte Zeitfenster gebucht und dann nicht mehr speziell abgerufen sondern automatisch vom Kraftwerkspersonal erbracht.

Dann gibt es die Minutenreserve als zweite Stufe, da werden entweder Verbraucher die Regelleistung angeboten haben (und den Zuschlag erhalten haben) informiert das sie innerhalb 15 Minuten ihre angebotene Leistung hoch oder runterfahren müssen. Das sind meist Aluhütten oder Elektrolysen die sowas können.
Die andere Stufe der Minutenreserve sind Kraftwerke die im Regelbereich fahren und dann ihre angebotene Leistung innerhalb der 15 Minuten hoch oder runterfahren müssen, diese Regelung geschieht auf Anruf durch den zuständigen Netzbetreiber.

Dann gibt es noch vorgebuchte Leistungsabrufe zu bestimmten 1/4 Stunden, da wird vom Netzbetreiber vorher festgelegt welche Leistung von welchem Anbieter zu der 1/4 Stunde gebracht werden muss.
Da sieht man in den Frequenzkurven genau zu den 1/4 Stunden regelmäßig große abweichungen nach oben oder untern da man das nicht wirklich syncron hinbekommt.

Hat also alles seine Vor und Nachteile mit den diversen Kraftwerksvarianten ;)

grüße
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon PV-Berlin » 12.10.2018, 08:54

Echt süß!

Jetzt wollt ihr beide mir ein Braunkohlekraftwerk erklären und echt , wie man regelt?

Malt euch doch für jedes Braukohlekraftwerk einen Kreis je nach Leistung auf ein Stück A1 Papier. Verbindet alle mit allen und schaut nach, wie viel jedes Einzelne regeln kann. Bildet die Summen und ermittelt die Geschwindigkeiten.

1 GW mehr Leitung oder auch weniger gehen da im Rauschen unter! Das es technisch aufwendig ist, ein einzelnes Kraftwerk an die Max/Min Werte zu regeln, ist ja klar. Das liegt in der Natur eines Regelkreises, der wirklich gut gemacht ist. Die Siemens Jungs sind zwar 'Taube' in der Gebäudetechnik, aber echt gut bei sowas.

Konzentrieren wir uns mal lieber auf die unendlich vielen KWK < 50 eltr. KW Leistung , das wir diese Irrsinn schnell vom Netz bekommen, denn diese verstopfen echt das Netz und verballern gut 10% bis 20 % ihres Verbrauch Gas für gar nix! Überhaupt das Thema KWK (Ohne Industrie Anbindung)

Zudem, steht doch nur eine Frage:
benötigen wir neue Fossilien Techniken, um die Fähigkeiten im Netz der Braunkohle abbilden zu können? *Ausstieg

ja/ nein

Ich sage nein! Und sehe zuerst mal den Netzausbau (inkl. Europa) als den besten Ansatz langfristig.

Ich darf erinnern, vor 'Zwei Tagen' war es unmöglich alle KKW in D. vom Netz zu nehmen. Vollkommen unmöglich! Heute ist schon klar, das dieser Scheiß ein schwerer toter Klotz am Haken der Energieversorgung ist und so ziemlich alle, die weg haben wollen.
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Ulenspiegel » 12.10.2018, 13:12

GAST hat geschrieben:
Nochmal zum verstehen, 1 Braunkohlekw der neuesten Bauart (BoA) hat etwa 1,1GW, die Mindestlast ist noch immer von verschiedenen Bauteilen abhängig, u.a. gibt es sowas wie eine Mindestmenge für das Speisewasser, fällt diese Menge am Eintritt des Dampferzeugers unter die Mindestlast wird die Brennstoffzufuhr abgedreht! Die Mindestmenge beträgt meist etwa 1/3 der max. Menge und ist notwendig um die Bauteile im Dampferzeuger ausreichend zu kühlen da diese sonst thermisch überlastet werden und dann nicht weiter betrieben werden dürfen, bzw anfällig für Rohrschäden werden.

grüße


Was ist dein Problem? Wenn pro Kraftwerk 700 MW in 15-20 Minuten herunter oder wieder heraufgefahren werden können, dann ist das bei mehreren Kraftwerken ein ordentlicher Gradient. Offene Gasturbinen sind besser, aber das ist nicht relevant, solange die Gesamtheit der am Netz hängenden Kohlekraftwerke einen ausreichenden Gradienten erzeugen können.

Wenn ich die VED-Veröffentlichungen noch richtig im Kopf habe, dann sollte es bis ca. 2030 keine größeren Schwierigkeiten geben, insbesonderen nicht, wenn Leitungen fertiggestellt werden.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon hfrik » 12.10.2018, 13:22

GAST hat geschrieben:
PV-Berlin hat geschrieben:Die technische Regelbarkeit der Braunkohlekraftwerke hatten wir auch schon! Ein einzelnes kann je nach Nachrüstungs-Stand wenige oder mehr % je Zeiteinheit regulieren. Die Masse aller Braunkohle Kraftwerke kann locker 400 MW (GuD Schrott) je min hoch oder runter fahren. Aber selbst das ist nie nötig! Also ist das einzige, zudem nicht in sich konsistente Argument pro GuD auch vom Tisch. Denn beim Abregeln fällt der WG erheblich! Wenn ich das richtig verstanden haben, geht der Großteil der Lastwechsel im Raschen des Netz unter. Zumindest höre ich nicht davon, das sich beim Betreten meines Hauses ein GuD angeworfen wurde.

Aber bitte! wer meint, wir benötigen viele neue GuD! soll die halt bauen, - aber bitte mit seinem Geld und nicht mit meinem.


Nochmal zum verstehen, 1 Braunkohlekw der neuesten Bauart (BoA) hat etwa 1,1GW, die Mindestlast ist noch immer von verschiedenen Bauteilen abhängig, u.a. gibt es sowas wie eine Mindestmenge für das Speisewasser, fällt diese Menge am Eintritt des Dampferzeugers unter die Mindestlast wird die Brennstoffzufuhr abgedreht! Die Mindestmenge beträgt meist etwa 1/3 der max. Menge und ist notwendig um die Bauteile im Dampferzeuger ausreichend zu kühlen da diese sonst thermisch überlastet werden und dann nicht weiter betrieben werden dürfen, bzw anfällig für Rohrschäden werden.
Für Turbinen gibt es da ähnliches, strömt nicht ausreichend Dampf durch die Turbine, wird diese nicht ausreichend gekühlt und droht zu überhitzen....ja, der Dampf in großen Mengen mit hohen Temperaturen kühlt die Turbine!
Um dem Überhitzen gegenzuwirken muss man die Dampftemperatur entsprechend absenken, das geht aber nur begrenzt da sonst die Gefahr von Wasserschäden an den letzten Schaufelreihen der Turbine besteht.
Nächstes Problem ist halt das mit sinkender Frischdampftemperatur auch der Wirkungsgrad el stark abnimmt...siehe dazu mal eine Entalphie Tabelle an...wenn man sie lesen kann....

Klar kann man natürlich kurzfristig, für wenige Minuten mit den Parametern für Volllast die Turbine mit weniger Dampf beaufschlagen, dann wird diese aber am Austritt zu heiss und muss gekühlt werden, also die Dampfmenge muss hochgefahren werden und der Dampf muss kühler sein wie üblich....
Also geht nur beim absenken der Last die Dampftemperatur gleichzeitig abzusenken.= Wirkungsgradverlust

Eine GuD ist ja eine GT mit nachgeschaltetem Dampferzeuger, dieser ist idr ein Trommelkessel, d.h. das es eine oder mehrere Speisewassertrommeln gibt aus denen das Wasser durch Fallrohre an den Aussenwänden runtergeht, unten umgelenkt wird und durch die heissen Abgase der GT erhitzt wird. Das sich erwärmende Wasser steigt auf, es bilden sich durchaus Gasblasen weil das Wasser zu sieden anfängt. Das Wasser gelangt dann erneut in die Kesseltrommel, dort trennen sich die Gasblasen vom Wasser und gelangen in die Nachgeschalteten Überhitzerheizflächen, der nicht ausreichend erhitzte Anteil vom Wasser macht den durchlauf erneut. Jetzt gibt es noch die Bauform mit einer Hilfspumpe, diese hilf dabei den Kreislauf auch bei sehr niedriger Last in Gang zu halten. Vorteil der Trommelkessel ist das diese keine Mindestmenge in der Form wie die Zwangsdurchflusskessel haben, dadurch können sie mit geringerer Last gefahren werden, zudem sind diese sehr schnell regelfähig in einem sehr großen Bereich.
Eine Mindestmenge gibt es nicht, es muss aber der Trommelwasserstand gehalten werden da die Trommel das benötigte Wasser zum kühlen der Bauteile enthält.

Zum Thema das Stromnetz ausregeln.
Es ist klar das kein GuD gestartet werden muss wenn PV-Berlin nach hause kommt und Licht, Klima und Herd einschaltet und gleichzeitig noch seinen imaginären Porsche mit 350kW lädt, über solche Kleckermengen "lacht" der Netzbetreiber, dafür hat er diverse Regelenergie eingekauft, bzw. reserviert.
Die winzigen Schwankungen werden durch so Dinge wie Kondensatstopp (mit Dampf wird das Speisewasser vorgewärmt) genutzt, da wird dann halt Dampf welcher sonst zum vorwärmen genutzt werden soll nicht aus der Turbine entnommen sondern verstromt, das geht aber nur begrenzt da das Wasser sonst zu kalt wird und es Probleme gibt, diese Regelleistung wird für bestimmte Zeitfenster gebucht und dann nicht mehr speziell abgerufen sondern automatisch vom Kraftwerkspersonal erbracht.

Dann gibt es die Minutenreserve als zweite Stufe, da werden entweder Verbraucher die Regelleistung angeboten haben (und den Zuschlag erhalten haben) informiert das sie innerhalb 15 Minuten ihre angebotene Leistung hoch oder runterfahren müssen. Das sind meist Aluhütten oder Elektrolysen die sowas können.
Die andere Stufe der Minutenreserve sind Kraftwerke die im Regelbereich fahren und dann ihre angebotene Leistung innerhalb der 15 Minuten hoch oder runterfahren müssen, diese Regelung geschieht auf Anruf durch den zuständigen Netzbetreiber.

Dann gibt es noch vorgebuchte Leistungsabrufe zu bestimmten 1/4 Stunden, da wird vom Netzbetreiber vorher festgelegt welche Leistung von welchem Anbieter zu der 1/4 Stunde gebracht werden muss.
Da sieht man in den Frequenzkurven genau zu den 1/4 Stunden regelmäßig große abweichungen nach oben oder untern da man das nicht wirklich syncron hinbekommt.

Hat also alles seine Vor und Nachteile mit den diversen Kraftwerksvarianten ;)

grüße

Völlig richtig, und mit verschiedenen Verbesserungen in verschiedenen Bereichen kann ein Braunkohleblock damit heute zwischen etwa 20% und 100% durchregeln. Da man aber auch ganze Blöcke warm abschalten kann, und dann entsprechend Wettervorhersagen wieder binnen Stunden anfahren, kann die Braunkohle ohne die KWK Eischränkungen von etwa 100MW bis knapp 20 GW regeln. Real geht sie aber nur etwa bis 4-5GW runter, wobei diese Untergrenze jedes Jahr etwas tiefer ausfällt wie man beobachten kann. Hinter den Kulissen sind die KRaftwerks ingenieure durchaus am Strampeln dass da immer mehr geht. Denen gilt da durchaus auch mein Respekt. Das Problem sitzt im Management und in der Politik. Warum steht in Aachen kein Heisswassertopf mit dem man die Stadt mal einen Tag warm halten kann im Winter? Dann könnte Weisweiler bei Starkwind genauso runterregeln wie alle anderen Blöcke auch. Und warum liegt da nicht schon seit 10 Jahren ein Programm zur kontinuierlichen Senkung der Vorlauftemperaturen auf, um die Netzue Zukunftssicher zu machen? Irgenwann wird man da mit Grosswärmepumpen zuheizen müssen, weil Weisweiler wochenlang keinen Strom liefern wird. Das wird schon in wenigen Jehren so sein.
Da gibt es viele Bereiche die den Schuss noch nicht gehört haben oder den Hintern nicht hoch bekommen. Und dann Ärger machen weil alles viel zu schnell ginge und die Energiewende versuchen auszubremsen bis sie selbst auch mal in die Gänge gekommen oder in Rente sind.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon CaptainPicard » 12.10.2018, 14:02

Abfuhr für Klimabericht: Australien will Kohleland bleiben

Nur mit „schnellen, weitreichenden und beispiellosen Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen“ kann laut Weltklimarat (IPCC) noch rechtzeitig der drohenden Klimakatastrophe entgegengewirkt werden. Australiens Regierung zeigt sich davon weitgehend unbeeindruckt: Der vom IPCC geforderte schnellstmögliche Ausstieg aus dem Energieträger Kohle sei für das Land keine Option, ließ Canberra wissen.

Obwohl Australien rund drei Viertel seiner Elektrizität aus Kohlekraftwerken bezieht und mit zehn Prozent der weltweiten Kohlevorkommen ein Global Big Player ist, spielte Premierminister Scott Morrison Australiens Rolle als Kohleland herunter. Es gebe weit größere Spieler, sagte Morrison laut dem britischen „Guardian“. Der IPCC-Bericht werde zwar zur Kenntnis genommen – die von Morrison angeführte Regierung sehe sich allerdings nicht daran gebunden, wie der „Australian“ berichtete.

Morrison verwies zwar auf Australiens Festhalten an den bereits festgelegten Klimaschutzzielen des Pariser Abkommens. Australien ist allerdings auch hier von einer Umsetzung weit entfernt. Gegen die anvisierte Senkung der CO2-Emmissionen bis 2030 um 26 bis 28 Prozent sprechen Beobachtern zufolge derzeit steigende Werte.

[...]

Australien will auch mit Blick auf seine Abhängigkeit von Kohlekraftwerken nicht über die bisher gesetzten Ziele hinausgehen. „Wenn wir Kohle aus unserem Energiesystem nehmen, dann gehen an Australiens Ostküste die Lichter aus, so einfach ist das“, zitierte der „Australian“ Finanzminister Josh Frydenberg.


https://orf.at/stories/3055001/
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon PV-Berlin » 12.10.2018, 14:40

Hinter den Kulissen sind die Kraftwerks Ingenieure durchaus am Strampeln dass da immer mehr geht. Denen gilt da durchaus auch mein Respekt. Das Problem sitzt im Management und in der Politik. Warum steht in Aachen kein Heisswassertopf mit dem man die Stadt mal einen Tag warm halten kann im Winter? Dann könnte Weisweiler bei Starkwind genauso runterregeln wie alle anderen Blöcke auch. Und warum liegt da nicht schon seit 10 Jahren ein Programm zur kontinuierlichen Senkung der Vorlauftemperaturen auf, um die Netze Zukunftssicher zu machen? Irgendwann wird man da mit Grosswärmepumpen zuheizen müssen, weil Weisweiler wochenlang keinen Strom liefern wird. Das wird schon in wenigen Jahren so sein.


Dies ist eine glasklare Aufgabenstellung, die vom Wirtschaftsministerin und vor allem vom Finanzministerium angeschoben werden muss! Und das eben nicht, mit weiteren Subventionen, sondern mit dem Subventionsabbau für Gas, Steinkohle und Öl. Denn wer Braunkohle weg haben möchte und eben dies nicht gleichzeitig macht, der bekommt Gas, Steinkohle und Öl.

Warum nicht einen "Heizwassertopf" und ein Netz mit maximal z.B. 15° C (gefahrene Temperatur im Winter) ?
Wenn man durch Effizientmaßnahmen, den Energieverbrauch je m² deutlich senken kann, sollte es reichen, nur 1/3 der bisherigen Leistung zu fahren? (*Wenn es wirklich mal auf -15 ° C geht, fährt man auf 25 ° C hoch)

In den Häuser selbst, steht dann keine Übergabe Station, sondern eine Wasser Wasser Wärmepumpe (kann man sogar in jede Wohnung machen) Die Box (WP, Wärmeübertrager) für eine 150 m² WE mit 70 kWh je m² und Jahr, ist kaum größer als ein Schuhkarton und niemand muss sich mehr mit dem Ablesen von Heizkörpern, der Trinkwasserschutzverordnung u.ä. groben Unfug kümmern. Nur die Reduktion, dieser aufgeblähten Administrativen Kosten deckt locker die Kosten der Box (auf 10 Jahre)

*Ist nur ein Ansatz! Noch hat niemand das großflächig probiert (Wärme) bei Kälte hat Paris damit bombastisch gute Erfahrungen gemacht.

Der Wärme und Mobilitätsektor muss in die Lage versetzt werden, XX GW Last vom Stromnetz innerhalb von 1 sec abwerfen zu können! Dazu muss man aber zuerst , die EE auch wirklich zubauen und sich nicht auf das bisschen Strom (700 TWh) versteifen wie die Grünen, die nicht von 12 bis Mittag denken wollen&/können. Deren 'Kohleausstieg' wird zur Putin Gas Einstieg, wie wir ja in Berlin hautnah miterleben.

Die ersten 100 km der Nord Stream 2 sind fertig! Schon seltsam, wie rasch und geräuschlos das Gasnetz massiv aufgebohrt werden kann und es beim Strom nur zaudern und zedern kommt!

Warum nicht mal Mut zeigen? Und eine Durchführbarkeitsstudie finanzieren, ein echtes EU Stromnetz aufzubauen!
Startpunkt Island,dem Land, das man z,B. als Super Akku aufrüsten kann, was denen bestimmt gefallen würde!
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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