Darf man Kohle abschreiben?

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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon SmartPanel » 09.10.2018, 07:53

Momentan fällt auf dass die Erzeugungsleistung aus Braunkohle seit dem Urteil vom 5.10. sich von den üblichen ca. 15GW auf ca. 11-13GW verringert hat.
Wind/PV hat seither normal beigetragen, das ist nicht der Grund.

Zufall oder mehrere Kraftwerke in Wartung ?
Oder kalkuliert man nicht mehr mit "unendlichem" Kohlevorrat sondern wie von PV-Berlin vorgeschlagen mit einer Restfördermenge ?

Steinkohleerzeugungsmenge (2,29TWh) ging entsprechend hoch und erreicht bis dato im Oktober annähernd die Stromerzeugung aus Braunkohle (2,48TWh). Also klimatechnisch nichts gewonnen.
Fortgeschrieben würde Braunkohle unter 10TWh für den gesamten Oktober landen, eventuell unter dem Tiefstand der letzten 8 Jahre vom Sept. 2010 (9,43TWh)
Alle Angaben Stand heute 9.10., 7:20 Uhr.

Wenn es sich manifestiert poste ich Charts hierzu, momentan ist die Datenlage noch dünn.
Selber verfolgen mit den Fraunhofer Energy-Charts
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Ulenspiegel » 09.10.2018, 08:21

Wenn man sich die installierte Kohlekapazität in Zusammenhang mit den sehr untereschiedlichen Volllaststunden für Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke ansieht, dann ist energiemengentechnisch noch sehr viel Luft: Abgeschaltete Braunskohlekraftwerke werden wahrscheinlich durch Steinkohlekraftwerke für Grundlast ersetzt.

Spitzenlast muss dann durch anderer Generatoren für wenige Stunden abgedeckt werden.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Ulenspiegel » 09.10.2018, 08:27

GAST hat geschrieben:
Mattias,
nein, strunz doofe GT haben einen grottenschlechten elektrischen Wirkungsgrad (etwa 39% max), oder hat es in den letzten 10 Jahren da irgendwelche Wunder gegeben die noch nicht veröffentlicht wurden?
Da kommt eine GT im Solobetrieb auf einen ähnlichen CO2 Ausstoß je kWh wie ein modernes Steinkohlekraftwerk....




Wenn diese Turbinen nur wenige Stunden (<500) im Jahr laufen, dann ist der Wirkungsgrad annehmbar. Hier sehe ich dein Argument nicht.

Die interessante Frage ist, wie die Leistungsdauerlinie für "Backup" im Jahre 2030 und 2040 aussieht. Hier ist meines Wissens davon auszugehen, dass Kraftwerke mit hoher Mindest-VLH wie GUD sicherlich zu Investitionsruinen werden.
Backup für wenige Stunden im Jahr kann uneffizient sein, solange es billig ist.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon django65 » 09.10.2018, 08:29

SmartPanel hat geschrieben:Zufall oder mehrere Kraftwerke in Wartung ?
Oder kalkuliert man nicht mehr mit "unendlichem" Kohlevorrat sondern wie von PV-Berlin vorgeschlagen mit einer Restfördermenge ?


Das könnendie genannten Gründe sein oder in diesem Jahr die "Großwetterlage" der Trockenheit, daß ihnen das Kühlwasser kanpp wird.

In F laufen ja auch manche AKWs auf Sparflamme weil zu wenig Kühlwasser in den Flüssen ist.

Die Steinkohle am Neckar hat noch genügend Wasser, da der Fluss wegen seiner vielen Staustufen auch nicht so extrem vom Niedrigwasser betroffen ist wie z.B. Kraftwerke am Rhein.


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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon hfrik » 09.10.2018, 08:40

Also am 4.10. waren Niederaussem C,D,E,F, Neurath G, Lippendorf R, Jähnischwalde F und Boxberg Q vom Netz. Niederaussem C und D, sowie Jähnischwalde F sind dauerhaft in Reserve, und dann Richtung Abrissbirne. Womit 1,1 GW vom NEtz gegangen sind zum 1.10.18.
Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon GAST » 09.10.2018, 08:47

django65 hat geschrieben:
SmartPanel hat geschrieben:Zufall oder mehrere Kraftwerke in Wartung ?
Oder kalkuliert man nicht mehr mit "unendlichem" Kohlevorrat sondern wie von PV-Berlin vorgeschlagen mit einer Restfördermenge ?


Das könnendie genannten Gründe sein oder in diesem Jahr die "Großwetterlage" der Trockenheit, daß ihnen das Kühlwasser kanpp wird.

In F laufen ja auch manche AKWs auf Sparflamme weil zu wenig Kühlwasser in den Flüssen ist.

Die Steinkohle am Neckar hat noch genügend Wasser, da der Fluss wegen seiner vielen Staustufen auch nicht so extrem vom Niedrigwasser betroffen ist wie z.B. Kraftwerke am Rhein.


Django


Die Wassermenge im Fluss ist das eine, die Wassertemperatur ist das andere Kriterium, ist diese zu hoch kann noch so viel Wasser angestaut sein, man darf es nicht mehr zu kühlzwecken nutzen!
Selbst wenn man jetzt mehr Steinkohle im Netz hat, das ist für das Klima immer noch besser wie Braunkohle, denn etwa 700-800gCO2 je kWh ist immer noch besser als 1100-1200g bei Braunkohle.
Die Frage ist aber ob weniger Braunkohle im rheinischen Revier oder in der Lausitz am Netz ist, kann man das in den Daten erkennen?
Oder möchte das rwe vorführen was es „kostet“ wenn man ein paar GW Braunkohle vom Netz nehmen würde um bei der Kohlekommission Druck auszuüben?

Zum Thema Betriebskosten bei alternativ Erzeugerkapazität GuD/GT, es ist doch völlig Latte wenn das Kraftwerk bereits in betrieb ist. Vorteil bei GuD ist halt das man es Solo oder im Kombibetrieb fahren kann, damit ist es genauso schnell wie die reine GT. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe braucht es 5-10 Minuten um am Netz zu sein und volllast zu erreichen, eine GuD etwa 30-40 Minuten bis volllast, dann ist diese aber wesentlich höher.
Ob sich Neubauten GuD rechnen können zeigt die Zukunft....sollte es noch einmal neue geben.

Hat halt alles seine vor und Nachteile....
Aber wie pv-Berlin immer schreibt, Geld ist mehr als genug vorhanden!

Grüße
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon arbu » 09.10.2018, 11:35

Tagebau Hambach - Nach SPIEGEL-Informationen könnte RWE die Förderung um mehr als ein Drittel senken
.."In einer ersten Bewertung haben wir Minderförderleistungen von etwa 10 bis 15 Millionen Tonnen Braunkohle jährlich unterstellt", erläuterte der Sprecher. Bislang wurden im Tagebau Hambach jährlich rund 40 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Der Konzern rechnet den Angaben zufolge also mit einem Rückgang um 25 bis 38 Prozent.
In der Folge könnte die Stromerzeugung in den vom Kraftwerken Neurath und Niederaußem vorerst "um 9 bis 13 Terawattstunden zurückgehen", teilte RWE mit. In Neurath werden derzeit etwa 18 Millionen Tonnen pro Jahr aus dem Standort Hambach verfeuert, im Kraftwerk Niederaußem jährlich etwa 10 Millionen Tonnen.

..Der Sprecher betonte, dass man aktuell nicht damit plane, dass der Tagebau komplett stillgelegt werde.
..

http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 32246.html
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Kallenpeter » 09.10.2018, 12:03

Ich frage mich wie viel davon auf die zum 1.10 geschlossenen Kraftwerke ("Sicherheitsreserve") zurückgeht.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon GEST » 09.10.2018, 13:06

GAST hat geschrieben:Die Frage ist aber ob weniger Braunkohle im rheinischen Revier oder in der Lausitz am Netz ist, kann man das in den Daten erkennen?


Man kann sich die Stromerzeugung je Block anzeigen lassen
https://energy-charts.de/energy_de.htm? ... &year=2018

Funktioniert auch für die anderen Energiequellen.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Ulenspiegel » 09.10.2018, 13:53

GAST schrieb: "Selbst wenn man jetzt mehr Steinkohle im Netz hat, das ist für das Klima immer noch besser wie Braunkohle, denn etwa 700-800gCO2 je kWh ist immer noch besser als 1100-1200g bei Braunkohle."

Der elektrische WG-Unterschied zwischen einem modernen Steinkohle- und Braunkohlekraftwerk ist nur 3%, damit ist der CO2 Emisionsunterschied sicherlich sehr viel kleiner als von dir angegeben.

Darüber hinaus ist die Braunkohleproduktion im "Hinterhof" des Kraftwerks vollelektrisch, Steinkohletagebau ist i.a. sehr diesellastig. Kaannst ja mal über die Implikationen nachdenken.

Kohlekraftwerke sollten in Abhängigkeit ihres WGs abgeschaltet werden, Kohleart ist nebensächlich.
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