Darf man Kohle abschreiben?

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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon GAST » 07.10.2018, 22:09

@Litholas
Ja, bei 80% EE müssen die restlichen Kraftwerke die restlichen 20 % bringen, allerdings komme ich da auf andere VLH....es wären dann etwa 1750VLH im Jahr.
Ich weiß das es immer noch viel weniger wie die genannten ~4000 VLH sind die man für GuD immer nennt, aber wenn es mal soweit ist das man den größten Teil der Stromversorgung aus EE bereitstellt, dann wird in der restlichen Zeit die kWh Strom bestimmt nicht nur 5-8ct kosten.
Ich gehe dann eher davon aus das wir da ein Vielfaches dessen als preis sehen werden und damit werden die wirklich regelbaren und extrem schnell am Netz verfügbaren Erzeuger auch mit wesentlich weniger wie die genannten 4000 VLH ihr Auskommen haben.
Nicht vergessen, ich fordere ja nicht das wir bis 2022 noch 10*DoppelGuD a2*600MW bauen sondern das man die bestehenden Anlagen entsprechend weiter betreiben kann und es sich rechnen dürfte.
Es könnte natürlich sein das die Versorgungslücke ohne ein paar GW neue Kraftwerkskapazität wirklich gefährdet sein könnte wenn man sich entschließen sollte bis 2022 komplett aus der Braunkohleverstromung auszusteigen.
Wie so oft kommt jetzt das aber...
Erstens wird es nicht soweit kommen, ich gehe eher davon aus das Braunkohle schrittweise bis 2030 abgefahren wird und die modernsten BoA noch ein paar Jahre in der kaltreserve bleiben.
Zweitens braucht die Industrie tlw Ersatz für Ihre seit vielen Jahren überfälligen alten Kraftwerke zur Versorgung mit Prozessenergie. Die werden sich bestimmt nicht darauf einlassen das sie mit Heizstäben ihren Dampf machen können wenn denn mal genug Strom im Netz ist. Die brauchen auch möglichkeiten ihre Abluft und zusätzlich feste und flüssige Abfälle verwerten zu können. Dazu betreiben sie aber nicht nur Wäscher auf Wasser und Lösemittelbasis sondern auch die Möglichkeit die Stoffe per „Kühlfalle“ aus der Abluft zu bekommen oder andere Stoffe halt thermisch zu verwerten.
Oftmals ist es bisher auch nicht anders möglich als dieses in Kohlenstaubgefeuerten Anlagen zu machen da man Feuerraumtemperaturen von weit über 1200*C benötigt damit die Stoffe unschädlich werdenden.
Das geht mit vielen Stoffen halt bisher nicht in gasbefeuerten Anlagen.
Da man die Wärme aber nicht im Fluss oder Kühlturm entsorgen möchte nutzt man diese praktischerweise für die Produktion in den Betrieben.
Da werden mMn noch sehr lange Kraftwerke betrieben werden müssen damit man die Abfälle gehandelt bekommt.
Wieso also diese Anlagen nicht mit Leistungsfähigen Turbinen ausstatten um noch Strom zu erzeugen (wird derzeit nicht überall gemacht)
Ebenso kann man gasbefeuerte Anlagen nutzen um alles was möglich ist dort zu verwerten, da kommen wir halt zum Bedarf an Erzeugerkapazität in der Industrie. Nur müsste man diese halt so fahren wie es für das Netz am besten ist.
Wichtig dabei ist ja auch das ein nicht unerheblicher Teil des Brennstoff nicht auf dem Weltmarkt gegen Devisen gekauft werden muss sondern der in der nächsten Umgebung entsteht und verwertet werden muss!
Das haben anscheinend viele nicht auf dem Schirm?

Gruß
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Matthias BZ » 08.10.2018, 08:30

GAST hat geschrieben:@Litholas
Ja, bei 80% EE müssen die restlichen Kraftwerke die restlichen 20 % bringen, allerdings komme ich da auf andere VLH....es wären dann etwa 1750VLH im Jahr.
Ich weiß das es immer noch viel weniger wie die genannten ~4000 VLH sind die man für GuD immer nennt, aber wenn es mal soweit ist das man den größten Teil der Stromversorgung aus EE bereitstellt, dann wird in der restlichen Zeit die kWh Strom bestimmt nicht nur 5-8ct kosten.
Tja undwo soll dann noch der Vorteil von GuD liegen? Die würden, wenn es den unbedingt Gas sein müsste, von strunz doofen Gasturbinen ausgestochen werden. Dumm nur das Gas so wenig Spitzenlastfähigkeit hat wenn es kalt ist, da ja die Menschen nicht frieren wollen.
GAST hat geschrieben:Ich gehe dann eher davon aus das wir da ein Vielfaches dessen als preis sehen werden und damit werden die wirklich regelbaren und extrem schnell am Netz verfügbaren Erzeuger auch mit wesentlich weniger wie die genannten 4000 VLH ihr Auskommen haben.
Warum muss den das Backup extrem schnell am Netz sein? Bereits bei 40% (nur Strom) liegen die Preise für Backup weit unterhalb dessen was vor EE gezahlt wurde, bei 80% EE (über alles) wird sich das kaum wieder erhöhen da es so viele abschaltbare (verschiebbare) Lasten gibt das es extrem billig wird.
GAST hat geschrieben:Nicht vergessen, ich fordere ja nicht das wir bis 2022 noch 10*DoppelGuD a2*600MW bauen sondern das man die bestehenden Anlagen entsprechend weiter betreiben kann und es sich rechnen dürfte.
Die Bleistiffte sagen nein ...

GAST hat geschrieben:Zweitens braucht die Industrie tlw Ersatz für Ihre seit vielen Jahren überfälligen alten Kraftwerke zur Versorgung mit Prozessenergie. Die werden sich bestimmt nicht darauf einlassen das sie mit Heizstäben ihren Dampf machen können wenn denn mal genug Strom im Netz ist. Die brauchen auch möglichkeiten ihre Abluft und zusätzlich feste und flüssige Abfälle verwerten zu können. Dazu betreiben sie aber nicht nur Wäscher auf Wasser und Lösemittelbasis sondern auch die Möglichkeit die Stoffe per „Kühlfalle“ aus der Abluft zu bekommen oder andere Stoffe halt thermisch zu verwerten.
Oftmals ist es bisher auch nicht anders möglich als dieses in Kohlenstaubgefeuerten Anlagen zu machen da man Feuerraumtemperaturen von weit über 1200*C benötigt damit die Stoffe unschädlich werdenden.
Das geht mit vielen Stoffen halt bisher nicht in gasbefeuerten Anlagen.
Da man die Wärme aber nicht im Fluss oder Kühlturm entsorgen möchte nutzt man diese praktischerweise für die Produktion in den Betrieben.
Da werden mMn noch sehr lange Kraftwerke betrieben werden müssen damit man die Abfälle gehandelt bekommt.
Wieso also diese Anlagen nicht mit Leistungsfähigen Turbinen ausstatten um noch Strom zu erzeugen (wird derzeit nicht überall gemacht)
Das was in der chemische Industrie an Reststoffen die es zu Entsorgen gilt anfällt basiert ja zum weit überwiegenden Teil auf Vorläufer aus dem Erdöl. Nun kann man sich ja mal den Erdölbedarf der chemischen Industrie ansehen um dann festzustellen, das da weniger als 1/4 des Gesamten Erdölbedarfes in Deutschland hingeht. Unter der Annahme das wenigstens 80% davon auch in Produkte landet blieben also ca. 5% Reststoffe. Eine immer noch große Energiemenge (ca. 60 TWh-Wärme was ca. 10 TWh Strom entspricht (Wirkungsgrade deutlich schlechter wegen sichere zerstörung der Gifte) zweifelos, aber ein Fliegenschiss verglichen mit dem Bedarf.
Gruß Mattias
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon hfrik » 08.10.2018, 09:19

Naja, 10TWh hier und 10 TWh da, die man Bedarfsgerecht in die Waagschale werfen kann sind schon wertvoll. WObei da die verbrennung von wirklich giftigem weniger zu Buche schlägt, als die Verbrennung von unnützlichem aber weniger giftigem, die man dann mit hoher Leistung während weniger Stunden umsetzen kann.
Ich gehe auch davon aus dass man ab und zu mal ohe Leistungen brauchen wird.
Was den Gasverbrauch angeht - ws sollte klar sein dass man heute keine neuen Gasbrennwertbüchsen oder Ölkessel installieren sollte, die sind heute schon aus der Zeit gefallen, das ist Stand der 80'er des letzten Jahrhunderts aber heute nicht mehr Zeitgemäss.
Weswegen das Senken von Vorlauftemperaturen wann immer etwas in den Häusern gemacht wird eine sehr wichtige Aufgabe ist. Auch um die Kohle zu eliminieren, denn sinkender Gasverbrauch in der gebäudeheizung setzt Gas frei um die Kohle zu eliminieren, und um mehr EE im Netz zu integrieren durch die dynamischen Lasten der WP und frei verfügbare alte Gasspeicher für alte Gaskraftwerke für die Zeit in denen die Netze noch nicht adäquat ausgebaut sind (Absicherung gegen schlafende Politik)
Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Matthias BZ » 08.10.2018, 11:04

hfrik hat geschrieben:Naja, 10TWh hier und 10 TWh da, die man Bedarfsgerecht in die Waagschale werfen kann sind schon wertvoll. WObei da die verbrennung von wirklich giftigem weniger zu Buche schlägt, als die Verbrennung von unnützlichem aber weniger giftigem, die man dann mit hoher Leistung während weniger Stunden umsetzen kann.
Nun prinzipiell hast Du schon recht das das was verbrannt wird in der Masse nicht die Supergifte sind aber ... in der Chemie wird halt viel mit Halogenen und Sauerstoffhaltigen Verbindungen gearbeitet. Die haben leider so blöde Eigenschaften unter entsprechenden Bedingungen auch aus eher harmloseren Abfall hochpotente Gifte zu machen. Zusätzlich fallen Abfälle auch eher kontinuierlich an (nicht der einzelne Abfall aber sehr wohl die Menge) und Lagerkapazitäten sind begrenzt. Die Forderung an die Abluftqualität die dazu erforderliche Betriebsweise und die notwendigen Investitionen der Verbrennungsanlagen fördern nicht gerade ein stromgeführtes Auf- und Abregeln.
Gruß Matthias
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon PV-Berlin » 08.10.2018, 13:36

Wir gleiten schon wieder ab! Anstatt sich mit den VLh der Kraftwerke zu beschäftigen, gehen wir wieder dazu über, Gas ins Spiel zu bringen. Gott sei dank hat Matthias alles wesentliche dazu gesagt.

Wer die Kraftwerke dicht macht, springt zu kurz! Die Kohlemenge und damit die maximal möglichen VLh ist der Knackpunkt.
Es sollen ja von den 700 Mill. t. möglichst viel in der Erde bleiben. Genehmigt sind > 2 Mrd. t = Tagebaue!

Wann die Braunkohlekraftwerke komplett abgeschaltet werden können, bestimmt die Intelligenz der volkswirtschaftlich stimulierten Energiewende und besser kein losgelöster politischer Beschluss.

Das wir bis 2030 deutlich weniger Kohle verfeuern können, steht schon heute fest! Nur müssen wir das auch wollen!
Wenn so ein Kraftwerk nur 1.000 VLh bekommt und dafür ca. 2.200 Bh haben muss, dann muss man schauen, wie man das darstellen kann. Neue fossile Kraftwerke auch KWK sind immer dümmer und teurer!

Als erste Maßnahme kann man die Betreiber alle PSW wozu zwingen? Korrekt nur den 'Flatterstrom' aufzunehmen = den Sprüchen Taten folgen zu lassen! KKW und Braunkohle decken ja immer nur den Grundbedarf! *

Die Diskussion Gestern zeigt u.a. das es den Grünen nur um die Ideologie geht ! Auf die Aussage von Lindner hätte man perfekt einsteigen müssen! * "1 Mill. t CO² sind 1 Mill t CO² egal wo! "

Real macht man was? Man rüstet von Kohle auf Gas um (KWK) und vergisst dabei meist komplett die EE einzubinden.
Man tauscht 950 g komplett in D, mit 250 g in D. + ??? g ( ich sage > 500 g) Co² in Russland etc.
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon GAST » 08.10.2018, 18:24

Matthias BZ hat geschrieben:
GAST hat geschrieben:@Litholas
Ja, bei 80% EE müssen die restlichen Kraftwerke die restlichen 20 % bringen, allerdings komme ich da auf andere VLH....es wären dann etwa 1750VLH im Jahr.
Ich weiß das es immer noch viel weniger wie die genannten ~4000 VLH sind die man für GuD immer nennt, aber wenn es mal soweit ist das man den größten Teil der Stromversorgung aus EE bereitstellt, dann wird in der restlichen Zeit die kWh Strom bestimmt nicht nur 5-8ct kosten.
Tja undwo soll dann noch der Vorteil von GuD liegen? Die würden, wenn es den unbedingt Gas sein müsste, von strunz doofen Gasturbinen ausgestochen werden. Dumm nur das Gas so wenig Spitzenlastfähigkeit hat wenn es kalt ist, da ja die Menschen nicht frieren wollen.
GAST hat geschrieben:Ich gehe dann eher davon aus das wir da ein Vielfaches dessen als preis sehen werden und damit werden die wirklich regelbaren und extrem schnell am Netz verfügbaren Erzeuger auch mit wesentlich weniger wie die genannten 4000 VLH ihr Auskommen haben.
Warum muss den das Backup extrem schnell am Netz sein? Bereits bei 40% (nur Strom) liegen die Preise für Backup weit unterhalb dessen was vor EE gezahlt wurde, bei 80% EE (über alles) wird sich das kaum wieder erhöhen da es so viele abschaltbare (verschiebbare) Lasten gibt das es extrem billig wird.
GAST hat geschrieben:Nicht vergessen, ich fordere ja nicht das wir bis 2022 noch 10*DoppelGuD a2*600MW bauen sondern das man die bestehenden Anlagen entsprechend weiter betreiben kann und es sich rechnen dürfte.
Die Bleistiffte sagen nein ...

GAST hat geschrieben:Zweitens braucht die Industrie tlw Ersatz für Ihre seit vielen Jahren überfälligen alten Kraftwerke zur Versorgung mit Prozessenergie. Die werden sich bestimmt nicht darauf einlassen das sie mit Heizstäben ihren Dampf machen können wenn denn mal genug Strom im Netz ist. Die brauchen auch möglichkeiten ihre Abluft und zusätzlich feste und flüssige Abfälle verwerten zu können. Dazu betreiben sie aber nicht nur Wäscher auf Wasser und Lösemittelbasis sondern auch die Möglichkeit die Stoffe per „Kühlfalle“ aus der Abluft zu bekommen oder andere Stoffe halt thermisch zu verwerten.
Oftmals ist es bisher auch nicht anders möglich als dieses in Kohlenstaubgefeuerten Anlagen zu machen da man Feuerraumtemperaturen von weit über 1200*C benötigt damit die Stoffe unschädlich werdenden.
Das geht mit vielen Stoffen halt bisher nicht in gasbefeuerten Anlagen.
Da man die Wärme aber nicht im Fluss oder Kühlturm entsorgen möchte nutzt man diese praktischerweise für die Produktion in den Betrieben.
Da werden mMn noch sehr lange Kraftwerke betrieben werden müssen damit man die Abfälle gehandelt bekommt.
Wieso also diese Anlagen nicht mit Leistungsfähigen Turbinen ausstatten um noch Strom zu erzeugen (wird derzeit nicht überall gemacht)
Das was in der chemische Industrie an Reststoffen die es zu Entsorgen gilt anfällt basiert ja zum weit überwiegenden Teil auf Vorläufer aus dem Erdöl. Nun kann man sich ja mal den Erdölbedarf der chemischen Industrie ansehen um dann festzustellen, das da weniger als 1/4 des Gesamten Erdölbedarfes in Deutschland hingeht. Unter der Annahme das wenigstens 80% davon auch in Produkte landet blieben also ca. 5% Reststoffe. Eine immer noch große Energiemenge (ca. 60 TWh-Wärme was ca. 10 TWh Strom entspricht (Wirkungsgrade deutlich schlechter wegen sichere zerstörung der Gifte) zweifelos, aber ein Fliegenschiss verglichen mit dem Bedarf.
Gruß Mattias


Mattias,
nein, strunz doofe GT haben einen grottenschlechten elektrischen Wirkungsgrad (etwa 39% max), oder hat es in den letzten 10 Jahren da irgendwelche Wunder gegeben die noch nicht veröffentlicht wurden?
Da kommt eine GT im Solobetrieb auf einen ähnlichen CO2 Ausstoß je kWh wie ein modernes Steinkohlekraftwerk....

Da du ja von "bei 80% EE im Netz" gesprochen hast, gehe ich davon aus das du meinst das von den in Deutschland erforderlichen etwa 650TWh/Jahr 80% durch EE bereitgestellt werden, da kommen wir jetzt aber zu dem Problem der Erzeugung/Nachfrage. Aber ich gehe jetzt mal davon aus das von den 80% alles jederzeit ohne Verlust genutzt wird. Also bleibt bei 20% der Strommenge noch die Lücke.
Diese Lücke kann man natürlich mit GT schliessen, bei in der Spitze etwa 39%elWirkungsgrad, oder mit der gleichen Menge Gas mal eben 60% elWirkungsgrad zaubern, weil wir eben die heissen Abgase noch in einem Dampferzeuger weiter nutzen um daraus Strom zu machen....oder Fernwärme.
Jetzt wird es aber so sein das ohne die ganzen Braunkohle und AKW öfter mal der Strompreis an der Börse nicht bei 10ct/kWh liegt, sondern eher bei 50-100ct/kWh....da rechnen sich ja GT....aber GuD noch viel mehr, auch wenn man keine 4000VLH erreichen wird...
Mir hat man während meiner Weiterbildung mal beigebracht das sich die GT mit 300-500VLH/Jahr rechnen weil diese praktisch nie unter 0,5€/kWh angefahren werden...
Den Wärmebedarf vieler Städte wird man noch viele Jahrzehnte per Fernwärme bereitstellen müssen, klar kann man da bei Überschuss diese per Heizstab aus Strom abdecken, man kann aber auch Wärme relativ gut in Form von warmem Wasser für einige Stunden speichern.
Das ganze hilft die KWK ökologischer zu fahren, siehe SWD https://www.energate-messenger.de/news/ ... -speichern
Dieser Speicher hilft die Fernwärmeversorgung in die Energiewende einzubinden indem man überschüssige Wärme speichern kann, so lässt sich bei einem Stromüberangebot dieser abnehmen und im Speicher einzulagern, gleichzeitig kann die GuD abgestellt bleiben.
Wenn die GuD aber laufen muss weil man Strom und Wärme benötigt kann so ein Speicher helfen die Erzeugung im günstigeren Wirkungsgradbereich zu fahren da man je nach Bedarf ein wenig mehr oder weniger Wärme auskoppeln kann und es im Fernwärmenetz keine Engpässe bzw. Überschüsse gibt.

Zu den etwa 60TWh Wärme die bei der Verwertung thermischer Abfälle der Industrie anfallen kann man mit den richtigen Anlagen garantiert zu mehr wie den genannten 10TWh Strom wandeln.
Gerade weil vieles davon besonders hohe Temperaturen verlangt, denn moderne Kraftwerke fahren mit Frischdampftemperaturen richtung 700°C und Drücken richtung 300bar, die bekommt man nur hin wenn man entsprechend hohe Feuerraumtemperaturen erreicht....Ich kenne Anlagen aus den 1950er Jahren die fahren Feuerraumtemperaturen bis 1700°C, da bekommt man so ziemich jede Sauerei aus der Produktion so verwertet das es in die 17teBImSch passt und das mit wesentlich weniger Aufwand wie sie spezielle Müllverbrennungsanlagen benötigen. Was aber viel wichtiger ist, der elektrische Wirkungsgrad ist höher und der Energienutzungsgrad liegt durchaus bei >80%....wie gesagt, bei Anlagen aus den 1950iger Jahren.
Würde man solche Anlagen mit modernster Technik neu bauen könnte man bestimmt noch einiges am elektrischen Wirkungsgrad rausholen und damit dem Stromnetz dienlich sein.
Wenn man jetzt noch ein wenig an den Verträgen zwischen Verbraucher und Netzbetreiber feilt liesse sich noch mehr machen.
Die wirklich großen Verbraucher haben Verträge mit den Netzbetreibern die bestimmte Parameter beim Verbrauch zugestehen, überschreitet man diese zahlt man eine konventionalstrafe (durchaus im 5stelligen Bereich je MW überschreitung)für jedes MW was man über dem vereinbarten Bezug (im Viertelstundenmittelwert) gelegen ist.
Gleichzeitig gibt es diese schwachsinnige Regelung mit der Netzgebührenrückerstattung für große Verbraucher wenn diese übers Jahr einen gewissen gleichmäßigen Verbrauch eingehalten haben. Das führt dazu das man die Anlagen nicht so flexibel fahren kann wie es für die Energiewende hilfreich und notwendig wäre.

Würde man diese 2 Punkte abschaffen könnte die Industrie viel mehr Strom versenken (wenn überschüsse vorhanden sind) bzw. ihre Anlagen runterfahren wenn es mal zu wenig Strom gibt und dieser sehr teuer wäre.
Diese Dienstleistung wird im Bereich der Minutenreserve durchaus lukrativ vergütet, aber die Regelungen zum Netzbezug und der Netzgebührenrückerstattung führt dazu das es sich die viele nicht rechnet.

grüße
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon PV-Berlin » 08.10.2018, 18:58

Ich liebe es!

Warum folgen diese Weisheiten der Techniker nicht Taten? Zum Beispiel warum kauft keiner Görlitz, die noch mal was da machen? Leider sind eben alle doof außer den diversen Siemens und GE Verstrahlten Super Technikern . Dumm nur, das inzwischen auch der eigene Vorstand schon ganz anders aufgestellt ist.

Grundsätzlich passen GT schon, nicht in Hülle und Fülle, denn weder ist für 20 GW GuD genug Gas vorhanden, noch für 20 GW GT! Aber laut Infos von User H. haben wir ja schon ca. 20 GW Notstrom (Gas und Diesel) . Persönlich sehe ich nur Diesel als relevant an, sowie (leider) Steinkohle oder speziell umgebaute Braunkohle Blöcke (mit schweren Heizöl + Kohle)

Aber das alles mal gar nix mit dem Thema zu schaffen: weniger Braunkohle zu verfeuern. Denn das hatten wir schon x fach!
Ist die Braunkohle knapp (da endlich) wird der Strompreis in D. ein normales Niveau ausbilden. Das zur Folge haben wird, das die EE richtig durchstarten können, sofern faire Wettbewerbsbedingungen anliegen.

Für neue nicht geförderte Anlage der EE sollte es zumindest einen deutlichen Abschlag auf die EEG Umlage geben.
Wenn jemand viele GuD errichten möchte, oder noch weiter auf KWK setzt bitte , kein Problem. wir sind lange raus.

* Ganz besonders lustig den WG von GuD &/ GT zu benennen! Wenn mir den einer auf 10% nachweisen kann, gibt es einen ganz dicken Bonus! Kleiner Haken! Wir vergleichen Äpfel mit Äpfeln (Braunkohle) und nicht Äpfel mit Birnen. Die RWE AG hat das Pech oder das Glück, das man durch ihre Netto und Bruttostromerzeugung ganz gut im Bilde ist, selbst wenn man es nur bis zur Hauptschule geschafft haben sollte, ist das dann kein Hexenwerk mehr. =Sollte sogar ein Heizungsbauer rausbekommen können.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon PV-Berlin » 08.10.2018, 19:01

Meine Überzeugung zur Strategie der RWE AG ist folgende:

Die wissen das Belgien und Frankreich das Wasser bis zum Halse steht! Über kurz oder lang werden KKW purzeln ohne Ende. Beide Länder sind komplett unvorbereitet ! Das gibt reichlich Möglichkeiten allen verfügbaren Strom aus D. exportierten zu können. 5 fette Jahre und die Bilanz ist saniert!
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Dringi » 08.10.2018, 21:40

PV-Berlin hat geschrieben:Meine Überzeugung zur Strategie der RWE AG ist folgende:

Die wissen das Belgien und Frankreich das Wasser bis zum Halse steht! Über kurz oder lang werden KKW purzeln ohne Ende. Beide Länder sind komplett unvorbereitet ! Das gibt reichlich Möglichkeiten allen verfügbaren Strom aus D. exportierten zu können. 5 fette Jahre und die Bilanz ist saniert!


Hätte ich sogar nichts dagegen. Lieber 0,1 °C mehr als einen Super-Gau der halb Europa platt macht.
Aber: Wir brauchen ann auch in Deutschland eine Poltik, die den Belgiern und Franzosen die Pistole auf die Brust setzt und dann auch konsequent sagt: "5 Jahre 100% Braunkohle, ja. Danach hab ihr aber 25% Erneuerbare stehen, weil wir die nächsten 5 Jahre die Exporte zu Euch auf 0 runterfahren."
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon django65 » 08.10.2018, 21:54

Dringi hat geschrieben:Hätte ich sogar nichts dagegen. Lieber 0,1 °C mehr als einen Super-Gau der halb Europa platt macht.
Aber: Wir brauchen ann auch in Deutschland eine Poltik, die den Belgiern und Franzosen die Pistole auf die Brust setzt und dann auch konsequent sagt: "5 Jahre 100% Braunkohle, ja. Danach hab ihr aber 25% Erneuerbare stehen, weil wir die nächsten 5 Jahre die Exporte zu Euch auf 0 runterfahren."


Oh wie schön ist Panama.

Aber es könnte sein, daß sich die Großwetterlage schneller ändert als manche sich vorstellen können. leider ist bei den Etablierten auch in der zweiten Reihe nichts fähiges am nachrücken.

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