Darf man Kohle abschreiben?

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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon wschmeiser » 06.08.2018, 16:26

@Django,
am Ende zahlt die Gemeinschaft aber auch für die Alkoholiker und den Lungenkrebs.

Und abzuwägen, ob die Vorteile oder die Nachteile einer Sache überwiegen, ist halt nicht einfach. Gerade weil Ansichten, Werte und Erfahrungen unterschiedlich sind.

Und weil jemand anderer Meinung ist, die nicht der eigenen entspricht, muss man ihn nicht verunglimpfen.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon django65 » 06.08.2018, 16:45

wschmeiser hat geschrieben:Und weil jemand anderer Meinung ist, die nicht der eigenen entspricht, muss man ihn nicht verunglimpfen.


E c h o


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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon pappnase » 06.08.2018, 16:47

wschmeiser hat geschrieben:Ich habe mir PV aufs Dach geschraubt, weil es für mich wirtschaftlich vorteilhaft ist. Ansonsten halte ich PV für Unfug und die EEG-Förderung für ungerecht.

Nein und ja.
Nein: PV ist kein Unfug. Auf meinem Dach ist es Stromerzeugung ohne Nebenwirkungen - wenn man mal vom Energieaufwand zur Herstellung absieht. Es wurde kein cm² zusätzliche Fläche versiegelt, es entstehen keine Emissionen, niemand fühlt sich gestört ("Reflexions-Opfer" gibt es bei mir keine) und durch den Anschub durch das EEG ist die Technik inzwischen - zumindest im größeren Maßstab - sogar wirtschaftlich.
Ja: Die EEG-Umlage ist ungerecht. Aber aus meiner Sicht vielleicht anders als Du das siehst. Es gibt zu viele Befreiungen, die Kopplung an den Börsen-Strompreis verzerrt die realen Kosten und die Subventionen für konventionelle Energieerzeugung fallen aus dem Raster, weil diese durch Steuergelder finanziert sind.
Deshalb ist für eine moralische Selbstüberhöhung hier kein Raum.

Ich sehe keine Selbstüberhöhung. Ich sehe aber durchaus, dass PV einen sinnvollen Beitrag zur Zukunftsgestaltung - hin zu einer Energiegewinnung ohne Erzeugung von Treibhausgasen - leisten kann. Insbesondere dann, wenn die PV in ein System virtueller Kraftwerke, lokalem Speicher und Elektromobilität eingebunden ist. Dass davon heute noch nicht viel zu sehen ist, ist ein politisches und kein technisches Problem.
Und ob es sinnvoll ist, dass sich D komplett von importierten Energieträgern abhängig macht, ist zumindest disskutionswürdig. Denn Wind und PV alleine werden es nicht leisten können.

Falsch: Strom durch fossile Energieträger zu erzeugen, können wir uns nicht mehr leisten. Der fortschreitende anthropogene Treibhauseffekt wird uns auf vielerlei Art das Genick brechen - nicht nur durch Landverlust und ökologische Schäden sondern u.A. auch in Form von klimabedingter Migration.
Und wahrscheinlich kann man die Fragestellung dieses Threads mit JA beantworten, dass man nämlich Kohle abschreiben kann. Nur, ob das bei gleichzeitigem, kurzfristigem Verzicht auf Kernenergie der Weisheit letzter Schluss ist, sei dahingestellt.

Kurzfristig? Das ist Definitionssache. Auf jeden Fall wäre es aber an der Zeit, mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung zu beginnen, anstatt weiter sinnlos über EEG-Umlagen und vermeintlich hohe Kosten zu diskutieren. Die Kosten, die auf uns lauern, wenn wir so weitermachen wie bisher, sind auf jeden Fall um ein Vielfaches höher.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon PV-Berlin » 06.08.2018, 18:38

Für den Umstieg auf die EE braucht es keine Öko-Diskussion!

Wenn es nur ansatzweise anders funktionieren würde wollen, wäre ich dabei! Aber so viel Braunkohle haben wir gar nicht, zudem das Zeug auch zu viel Platz verbraucht und viel zu viel Arbeit macht und dazu fast von allen Lasten (Umlagen) befreit werden muss, damit wir auf einen Strompreis kommen, der irgendwie wettbewerbsfähig ist.

Bei den EE kann ich locker überall Steuern draufknallen wie ich mag und die Betreiber ärgern wie ich will (Staat) dadurch, das die EE so einfach sind, liegen die real Renditen nach Steuern und Inflation so am Boden, das ich als Saat nur über so viel Dummheit lachen kann. Weil es jeder kann, wird eben ganz billiges Geld eingesetzt, das sonst nur dämlich auf dem Sparbuch liegt, wo es heute auch keine Sparkasse mehr haben möchte!


Sollte ich als Staat, den Bürger von fossiler Wärme und der Fossilien Mobilität abbringen können, ist es sogar drin, innerhalb von nicht mal 30 Jahren, den Schuldenberg abzutragen, Vollbeschäftigung zu haben, die Sozialkassen zu sanieren und den Mittelstand zu befördern. Das ich dann nebenbei auch noch die Großindustrie 'Überfordern' kann, fällt nicht weiter auf!

Der Grüne Sabber, der Klimawandel u.ä. Grind ist was für das leichtgläubige ökonomisch ungebildete Volk!
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon wschmeiser » 06.08.2018, 19:15

@pappnase,
im Prinzip teile ich ja Deine Ansicht, dass man sich fossile Brennstoffe eigentlich nicht mehr leisten sollte.

Unterscheiden tun wir uns erst, wenn es um die Frage geht, was das kosten darf.

Und der Preis, den D dafür bezahlt ist meiner Meinung sehr hoch ..... und die Rechnung dafür wird halt erst unseren Enkeln präsentiert werden.

Denn in der übrigen Welt schert sich niemand darum, was ein Land mit 0,24% der Fläche und 1% der Erdbevölkerung macht. Wir werden die Welt nicht retten, und schon gar nicht, wenn wir es zu teuer, oder noch schlimmer, nicht sinnvoll machen.

Und die ganzen Diskussionen drehen sich doch nur um die Stromerzeugung .... was nur einen geringen Teil des Gesamtenergieverbrauchs ausmacht.

Und einfach viel zu viele Dinge sind in sich widersprüchlich:

CO2 wollen wir reduzieren, AKWs schalten wir ab.
Öl- und Gasverbrauch für Heizzwecke wollen wir durch Wärmepumpen reduzieren, anderseits haben wir aufgrund der EE-Aktivitäten (Umlage und Netzgebühren) mit die höchsten Strompreise.

Und in den arabischen Ländern werden Unmassen von Gas verbrannt, um Klimaanlagen zu betreiben, Meerwasser zu entsalzen und mit dem Wasser Blumen, Gärten und Parks zu begießen. Und zur Sicherheit baut man gleich noch ein paar AKWs.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon pappnase » 06.08.2018, 19:23

PV-Berlin hat geschrieben:Für den Umstieg auf die EE braucht es keine Öko-Diskussion!

Oh doch, die Öko-Diskussion braucht es mehr denn je. Unser Terraforming-Experiment im 1:1-Maßstab ist gerade dabei, gewaltig aus dem Ruder zu laufen. Von anderen Großbaustellen (Überfischung der Weltmeere, Abholzung der Regenwälder, Plastikinseln in den Ozeanen etc.) redet ja inzwischen vor lauter „Flüchtlinge hier“ und „Flüchtlinge da“ kaum noch einer. Unsere Zukunft den „Marktkräften“ zu überlassen, ist so ziemlich das dümmste, was wir tun können.
Der Grüne Sabber, der Klimawandel u.ä. Grind ist was für das leichtgläubige ökonomisch ungebildete Volk!


Den „Grünen Sabber und Grind“ bekommen wir gerade deutlich vor Augen geführt. Unsere Kinder und Enkel werden ihn dann voll ausbaden. Aber Hauptsache Du Superökonom hast Deinen Reibach gemacht. Ich sag Dir was: Ökonomie ist für‘n Arsch wenns nichts mehr zu fressen gibt! Aber du kannst dann ja in deine Rendite beissen! :)
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon wschmeiser » 06.08.2018, 19:38

@pappnase,
wie und was kann denn D bzw. die Deutschen tun, gegen
- die Überfischung der Weltmeere (als Nation mit praktisch keinem wesentlichen Meerzugang)
- die Abholzung der Regenwälder (wo wir doch praktisch keine haben)
- Plastikinseln im Ozean (als nicht Ozeananrainer)?

Und anders als Du glaubst, werden ausschließlich die Marktkräfte das alles richten.
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon pappnase » 06.08.2018, 21:48

wschmeiser hat geschrieben:@pappnase,
im Prinzip teile ich ja Deine Ansicht, dass man sich fossile Brennstoffe eigentlich nicht mehr leisten sollte.

Unterscheiden tun wir uns erst, wenn es um die Frage geht, was das kosten darf.

Kostet es uns denn so viel? Ich sehe das gar nicht. Die EEG-Umlage ist künstlich teuer gerechnet und die Konventionellen werden künstlich billig gerechnet. Sobald man die externen Kosten mit einrechnet, ist es sowieso vorbei mit dem „billigen“ Kohle- und Atomstrom.
Denn in der übrigen Welt schert sich niemand darum, was ein Land mit 0,24% der Fläche und 1% der Erdbevölkerung macht. Wir werden die Welt nicht retten, und schon gar nicht, wenn wir es zu teuer, oder noch schlimmer, nicht sinnvoll machen.

Ein Dach deckt man am besten bei Sonnenschein. Wenn die Anderen lieber warten, bis es regnet, ist das deren Entscheidung. Momentan könnten wir uns die Energiewende locker leisten.
Und die ganzen Diskussionen drehen sich doch nur um die Stromerzeugung .... was nur einen geringen Teil des Gesamtenergieverbrauchs ausmacht.

Wie ich schon schrub; Kraft-Wärmekopplung auf regionaler Basis, Einbeziehung der Elektromobilität in das Energiekonzept. Technisch alles machbar - allein es fehlt der politische Wille, das Thema anzugen. Lieber stecken wier 100te Milliarden in Badbanks,
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon pappnase » 06.08.2018, 22:00

wschmeiser hat geschrieben:@pappnase,
wie und was kann denn D bzw. die Deutschen tun, gegen
- die Überfischung der Weltmeere (als Nation mit praktisch keinem wesentlichen Meerzugang)
- die Abholzung der Regenwälder (wo wir doch praktisch keine haben)
- Plastikinseln im Ozean (als nicht Ozeananrainer)?

- Deutschland ist in all den internationalen Fischerei-Gremien vertreten, hält sich aber stets vornehm zurück.
- Wir können zwar Russland mit Sanktionen belegen, wenn die die Krim anektieren, aber Länder, die den Regenwald abholzen können wir nicht sanktionieren?
- Wir könnten anfangen, etwas gegen den Verpackungswahnsinn zu unternehmen und mit guterm Beispiel voran gehen.
Und anders als Du glaubst, werden ausschließlich die Marktkräfte das alles richten.

Das will man uns glaubend machen. Das stimmt aber nicht. Die Politik muss die Regeln vorgeben und die Wirtschaft kann sich - den Regeln folgend - dann im freien Wettbewerb entfalten. Wir leben inzwischen in Zeiten, in denen die Wirtschaft die Regeln vorgibt. Das ist eine Fehlentwicklung mit verheerenden Konsequenzen!
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Re: Darf man Kohle abschreiben?

Beitragvon Kallenpeter » 06.08.2018, 22:53

Ob die höheren Börsenstrompreise der letzten zwei Monate auch mit der Kühlwasserproblematik zusammenhängen?
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