Darf man Atom abschreiben?

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Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon mgmuer » 23.01.2015, 18:30

Geschätzte Forumsgemeinde

Wenn wir die Grafik unten anschauen und uns eine deutliche CO2 Reduktion in den nächsten Jahren wirklich wichtig ist (Kyoto war 1997), könnte Atomstrom wohl (oder übel) im Rennen bleiben, zumindest in China und Indien und vermutlich auch in den USA (siehe Grafik). Und unsere "Gegner" schlafen nicht:
http://www.derbund.ch/wirtschaft/untern ... y/15574199
http://www.fool.com/investing/general/2 ... actor.aspx
http://www.welt.de/wissenschaft/article ... ergie.html

Darf man Atom abschreiben oder ist eine "Atom-Renaissance" wahrscheinlich wegen dem CO2 Problem - wie seht Ihr das?

Sonnige Grüsse
Max
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon JayM » 23.01.2015, 18:51

Nur meine Meinung:
Dass bestehende AKWs ausserhalb Deutschlands länger weiterlaufen als wir das hoffen halte ich für möglich wenn nicht gar wahrscheinlich.

Man wird auch den Versuch einer Atom-Rennaissance machen, und versucht ja auch schon seit Jahren diese herbeizureden. Es scheitert dann an konkreten Projekten, die auf einmal nicht mehr gar so billig sind (siehe z.B. Hinkley Point C) oder ewig in der Planungs- oder Bauphase feststecken (siehe z.B. Okiluoto).
Insofern sind auch die zum Teil erschreckenden Zahlen "xxx AKWs in Planung und im Bau" nicht allzu erschreckend. Da handelt es sich Jahr um Jahr immer wieder um die selben Projekte.

Also Besorgnis ja, Panik nein, was den AKW Neubau angeht.

Gruß
Jochen
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon Dringi » 23.01.2015, 20:03

Mal was bezüglich den Neubauten:

China: Hier verlinke ich auf mich selbst: energiepolitik-energiewende-f90/kapazitaetszubau-in-china-2014-t104784.html#p1195733 Anteil an Stromproduktion: 2,1% Und 2/3 der Projekte sind über Zeit & Finanzen.

USA: Hier befinden sich gerade 5 AKW real im Bau: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ ... kraftwerke Gleichzeitig werden aber immer mehr AKW vorzeitig vom Netz genommen, weil sie sich schlicht nicht mehr lohnen. Und auch die Neubauten reißen Ihre Zeit- und Finanzvorgaben.

Frankreich: Will den Anteil von Atomstrom von 75% auf 50% senken. Ich sage mal, dass "will" ist eher ein "muss", da viele der AKW ohne teurere Modernisierung am Ende sind. Es gibt exakt einen Neubau. Flamanville 3. Das Projekt ist ähnlich dem Schwester-AKW finanziell eine Katastrophe.

Belgien: Die Reaktoren sind schrottreif aber Belgien hat keine Alternative.

UK: siehe Belgien, und der einzige Neubau Hinkley Point C kommt nicht an den Start.

Indien: hat gerade 6 Neubauten am Start. Anteil der Atomkraft an Stromproduktion: 3,5%

Japan: Hat gerade 5% seiner AKW-Flotte definitiv stillgelegt um Schönwetter fütr das Anfahren seiner Altanlagen zu machen. Und Japan hat "nur" einen Neubau. Anteil der Atomkraft lt IAEO aktuell: < 2%

Rusland: Macht zwar auf dicke Atomhose, hat aber selber nur 9 Neubauten in der Mache. Da ist auch nicht viel.

Mein persönliches Fazit: Ich sehe keine Renaissance eher Lebenserhaltene Maßnahmen weil sich Neuanlagen absolut nicht mehr rechnen aber die Betreiber auf die Gesundheit und die Zukunft der Bevölkerung schei**en und alternativen verhindern wo sie nur können.

Als Quelle für Baubeginne/Betriebsstarts empfehle ich: http://www.iaea.org/PRIS/
Als Quelle für "The Big Picture" empfehle ich: http://www.worldnuclearreport.org/ Sind allerdings 200 Seiten
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon mgmuer » 23.01.2015, 21:02

Dringi hat geschrieben:...
Mein persönliches Fazit: Ich sehe keine Renaissance eher Lebenserhaltene Maßnahmen weil sich Neuanlagen absolut nicht mehr rechnen aber die Betreiber auf die Gesundheit und die Zukunft der Bevölkerung schei**en und alternativen verhindern wo sie nur können.
...

Aber könnten nicht die erwähnten kleinen Atomreaktoren, die mit Atomabfall betrieben werden, eine Trendwende herbeiführen. Oder sind das nur letzte Lebenszeichen eines sterbenden Schwanes?

Und wie sonst können wir die CO2-Wende schaffen? Der Ausstoss wächst ja immer noch enorm an. Reichen da Solar, Wind und Wasser. In der Schweiz und Österreich schon, dank mehr als 40% Wasserkraft, aber sonst?
Zuletzt geändert von mgmuer am 23.01.2015, 21:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon irgendwer » 23.01.2015, 21:26

Wenn Geld und Reduktion des CO2-Ausstosses eine Rolle spielen soll, dann ist Atomstrom erwiesenermassen keine Option.

1. Neuer Atomstrom ist fast 10 mal so teuer wie neue Windenergie:

Einspeisevergütungen Windenergie (UK): £30.7 /MWh über 20 Jahre: http://www.fitariffs.co.uk/eligible/levels/

Einspeisevergütungen neues AKW (UK): £287.4/MWh (Bei 2% Inflation, 10 Jahre Bauzeit und normalisiert auf 20 Jahre.) http://www.theguardian.com/environment/ ... -consumers

2. Der Bau eines neuen AKW dauert z.T. sogar wesentlich länger als 10 Jahre. Baustart 2005 - früheste Inbetriebnahme 2018:
http://www.world-nuclear-news.org/nn-ol ... 09147.html

Wenn schon konventionelle AKW 13 Jahre Bauzeit benötigen, dann benötigen AKW welche nicht einmal kommerziell erhältlich sind (obwohl kleine Flüssigsalzreaktoren schon seit über 60 Jahren erforscht werden: http://en.wikipedia.org/wiki/Aircraft_N ... Propulsion ) wohl mehrere Jahrzehnte und in mehreren Jahrzehnten kann selbst PV bei Vollmond noch billigeren Strom produzieren.
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon irgendwer » 23.01.2015, 21:31

irgendwer hat geschrieben:
werner8 hat geschrieben:Speicherseen und Stauseen haben sehr große Leistungen in kW aber die kWh sind begrenzt

Falsch. Auch das habe ich jetzt gefühlt schon 137 mal gesagt:
Bei 80% erneuerbare Energie wird gemäss VDE 7 TWh an Speicherkapazität benötigt:
http://www.chemieingenieurwesen.de/VDE- ... assung.pdf
Norwegen hat jedoch 84 TWh und die Schweiz hat 9 TWh. Das heisst zusammen mit Schweden und Österreich steht weit mehr als 1500% der Speicherkapazität zur Verfügung als gemäss VDE bei 80% EE benötigt wird.
http://www.bfe.admin.ch/themen/00526/00 ... r_id=00766
http://energiespeicher.blogspot.ch/2012 ... terie.html

Und HGÜ-Netzausbau ist nun mal viel günstiger als Batterien und Übertragungsleitungen nutzen sich zudem nicht ab und haben erwiesenermassen eine viele längere Lebensdauer als Batterien und haben zudem einen viel geringeren Wartungsaufwand und Platzbedarf.
NorNed ist 580 km (Unterwasser HGÜ - braucht kein Platz im Keller) lang und hat ebenfalls €600 Mio gekostet (bei 0.7 GW): https://de.wikipedia.org/wiki/NorNed
Gemäss VDE wird 18 GW benötigt. Deutschland hat schon eine Koppelleistung von 20 GW: energiepolitik-energiewende-f90/deutscher-strom-export-import-t55489.html
Angenommen es fehlen trotz den 20 GW noch 10 GW, dann kostet das €10 Mrd an HGÜ.
Dornfelder sagt Batterien gäbe es zukünftig für €100 /kWh. Das heisst die 7 TWh der VDE kosten selbst im Sonderpreisfall immer noch €700 Mrd.
Das heisst HGÜ kostet gut 1% dessen was die Batterien kosten!

werner8 hat geschrieben:das Geschäft ist Tot.

Das Geschäft läuft momentan nicht gut weil D dank PV den Tagesmehrbedarf zum Teil momentan selbst deckt. (Zum Glück gibt es noch ein paar Batteriefanatiker, welche am Mittag dem Netz etwas PV-Strom entziehen, so dass die Speicherseen etwas mehr produzieren können. :mrgreen: )
werner8 hat geschrieben:Einzige Möglichkeit ist eine feste Grundgebühr für das Bereithalten von Speicherleistung

Die Speicherseen und Ihre Turbinen sind bereits hier bzw. werden noch ausgebaut:
http://www.axpo.com/axpo/ch/de/axpo-erl ... -2015.html
http://www.nant-de-drance.ch/de/home/
http://www.grimselstrom.ch/kwoplus/pump ... grimsel-3/
http://www.lagobianco.repower.com/de/home/
Nur weil D diese Leistung momentan gerade nicht beansprucht, lösen sich die Dämme der über 50 Schweizer Speicherseen doch nicht einfach in Luft auf. :roll:
Und wenn Du an der Lebensdauer von Beton zweifelst empfehle ich Dir dringend einen Besuch von Rom: http://de.wikipedia.org/wiki/Pantheon_%28Rom%29
Diese Betonkuppel ist fast 2000 Jahre alt:
Bild
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon irgendwer » 23.01.2015, 21:39

Bis 2030 kann Europa 30'400 TWh alleine an Windstrom produzieren (es gibt aber noch Wasserkraft, PV, Biomasse, Geothermie, Gezeiten etc.)
http://www.eea.europa.eu/publications/e ... -potential

Die Schweiz verbraucht heute 60 TWh pro Jahr und Deutschland verbraucht 600 TWh pro Jahr.
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon mgmuer » 23.01.2015, 21:44

irgendwer hat geschrieben:...
Diese Betonkuppel ist fast 2000 Jahre alt:
[img]http://faculty.etsu.edu/kortumr/09rome/htmdescriptionpages/14pantheon2desc.jpg


Aber der Beton der vorhandenen Staudämme hält nur 100 Jahre...
http://de.sott.net/article/11373-Romisc ... sel-gelost
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon Dringi » 23.01.2015, 21:45

mgmuer hat geschrieben:Aber könnten nicht die erwähnten kleinen Atomreaktoren, die mit Atomabfall betrieben werden, eine Trendwende herbeiführen. Oder sind das nur letzte Lebenszeichen eines sterbenden Schwanes?


Welche Kleinreaktoren? Die die seit 10 Jahren zusammen mit den Gen IV-Reaktoren die seit 20 Jahren als Heilsbringer angepriesen werden aber von denen exakt noch keiner in Betrieb ist?
In Argentinien wird so ein Kleinreaktor gerade gebaut: CAREM25. 25 MW für geplante, lauschige 450 Mio. US-$: http://www.world-nuclear-news.org/NN-Co ... 02144.html

Konstruktionskosten pro KW: Preiswerte 18.000 US-$/kWp. Und das sind nur die geschätzen Kosten. Lass mal die üblichen 30 bis 70% Zeitverzögerung und die damit verbundene Kostensteigerung kommen, da flasterst Du vorher ganze Städte mit PV und Windkraft zu und stellst noch ein zentrales Gaskraftwerk für den Fall der Fälle hin.

Ich kenn das Problem der Schreihälse der Atomlobby: Die erzählen was von Renaissance und Zukunft der Atomkraft. Wenn Du dann aber kritisch deren Aussagen hinterfragst, mal Zeitverzögerungen und Kostenexplosionen ansprichst, dann wirst Du ganz schnell zum angefeindeten Troll.
Also: Bilde Dir selber Deine Meinung.
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Re: Darf man Atom abschreiben?

Beitragvon TJ0705 » 23.01.2015, 21:49

Als erstes sollte mal mit dem Mythos der "klimafreundlichen" AKW aufgeräumt werden. Das ist nichts als sehr erfolgreich platzierte Propaganda!

Aus AKW und bei der gesamten Kette, die damit zu tun hat, entweicht neben anderen Häßlichkeiten u.a. jede Menge Krypton-85. Das ist nebenbei eines der schädlichsten Klimagifte!! Verglichen mit dem, was uns das in der Atmosphäre bewirkt, ist CO2 ein Späßchen.

Man sollte mal EHRLICH beleuchten, was das Klima verändert - zigtausende Atomtests mit Mengen von Krypton-85 können es ja bestimmt nicht sein... - und was uns z.B. auch das Ozonloch beschert. Sicher nicht die eine oder andere Haarspraydose...

Wetten, daß das jetzt gleich selbst hier um EE-Forum zerrissen wird anstatt überprüft und verbreitet...? Es ist hoffnungslos.

Grüße Dirk
Zuletzt geändert von TJ0705 am 23.01.2015, 21:50, insgesamt 1-mal geändert.
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