Einspeisevergütung

Diskussion über das EEG sowie Verträge mit Energieversorger

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Einspeisevergütung

Beitragvon alexanderabc » 28.10.2018, 20:05

Hallo Zusammen.

Ich habe verschiedene größere Anlagen meines Betriebs mit PV*SOL durchgerechnet und stelle mir jetzt die Frage bezüglich der jeweiligen Einspeisevergütung. Vielleicht kann mir da jemand weiterhelfen und mir die richtigen Einspeisevergütungen geben.

Zu den konkreten Fragen:

1. In PV*SOL lassen sich monatliche Einspeisetarife auswählen, dabei lässt sich "Markprämienmodell" und eben kein Marktprämienmodell jeweilis unterscheiden, wann muss da was ausgewählt werden?

2. Habe ich lediglich die Unterteilung in 0, 10, 40, 750 kWp in der Einspeisevergütung oder gibt es da noch Sonderfälle?

3. Was passiert über 750 kWp bzw. welche Tarife gibt es darüber?

4. Was bedeutet Direktvermarkter und mit welchen Tarifen lässt sich da ca. rechnen?

Also ein einfaches Beispiel: Ich habe vor im April 2019 eine Anlage von 150 kWp auf das Betriebsdach zu installieren, bekomme ich dann die 0,1079€/kWp? Muss ich dann Marktprämienmodell oder kein Marktprämienmodell auswählen? Welchen EEG Einspeisetarif nehme ich dann, wohl den aktuellsten vom Oktober?

Danke für die Hilfe :)

Gruß
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon alterego » 29.10.2018, 07:48

OT: es ist ausdrücklich erlaubt die Suche zu benutzen

1. über 100kWp mußt du zwingend direkt vermarkten. Darunter ist es dir freigestellt, macht aber meist finanziell keinen Sinn, weil du dafür auch zusätzliche Technik brauchst, die es nicht geschenkt gibt und der Direktvermarkter auch bezahlt sein will.
2. :?:
3. über 750 kWp mußt du zwingend in die Ausschreibung oder ohne EEG vermarkten
4. der Direktvermarkter vermarktet deinen Strom, wenn du direkt vermarktest, siehe 1. Daumen mal Pi bekommst du am Ende das selbe wie bei der festen Einspeisevergütung, hängt halt davon ab, wie gut der ist
5. im April 19 gibt es die vergütung für April 19. Die wird voraussichtlich am 31.1.2019 bekannt gegeben. 10ct/kWh ist eine gute Abschätzung nach unten, wenn es etwas mehr wird, freu dich.
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon alexanderabc » 29.10.2018, 12:55

Vielen Dank für die Antwort, das hat mir einiges weitergeholfen. Ja mir ist schon klar, dass es um dieses Thema schon unzählige Fragen gibt, nur haben die mich mehr und mehr verwirrt und deshalb habe ich den Entschluss gefasst, hier nochmals einen zu erstellen ;)

Ich hätte noch ein paar spezielle Anmerkungen zu deinen Antworten:

1. was meinst du exakt mit "es macht finanziell keinen Sinn"?, also konkrete Fragen:
- habe ich bei einer Direktvermarktung auch 20 Jahre Garantie auf den selben Preis oder schwankt dieser täglich?
- was kostet so ein Direktvermarkter?
- ab welcher kWp-Anlage lohnt sich ca. wieder Direktvermarkung (z.B. bei 10kWp sagt man ja ab ca. 13kWp "lohnt sich die
nächste Stufe")
- Marktprämienmodell bedeutet Direktvermarktung?
3. mit welchen Einspeisevergütungen kann man über 750kWp rechnen, also ohne EEG?

Vielen Dank :)
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon Boecke » 29.10.2018, 17:21

Hallo alexanderabc,

ich versuche es mal so allgemein wie möglich zu halten.

1. was meinst du exakt mit "es macht finanziell keinen Sinn"?, also konkrete Fragen:
- habe ich bei einer Direktvermarktung auch 20 Jahre Garantie auf den selben Preis oder schwankt dieser täglich?
- was kostet so ein Direktvermarkter?
- ab welcher kWp-Anlage lohnt sich ca. wieder Direktvermarkung (z.B. bei 10kWp sagt man ja ab ca. 13kWp "lohnt sich die
nächste Stufe")
- Marktprämienmodell bedeutet Direktvermarktung?

1.1: Vom Netzbetreiber erhälst du den anzulegenden Wert für 20 Jahre, abzuglich des durchnschnittlichen monatlichen Marktwertes (Preis an der Strombörse). Die Differenz erwirtschaftet dir hoffentlich der Direktvermarkter.
1.2: Keine Ahnung
1.3: Problem ist halt wiealterego bereits andeutete. Um an der Direktvermarktung teilnehmen zu dürfen musst du als registrierende Lastgangsmessung (15-minutengenau) abgerechnet und bilanziert werden und der Direktvermarkter muss deine Anlage entsprechend abregeln dürfen. Die Wandlermessung kostet eben bissl was und die Steuertechnik auch. Das muss halt kompensiert werden durch den Mehrertrag.
1.4: Ja

3. mit welchen Einspeisevergütungen kann man über 750kWp rechnen, also ohne EEG?

Die Vergütung erfolgt weiterhin nach dem EEG, allerdings über das Ausschreibungsmodell. Da gilt dann "pay-as-bid", wenn du einen Zuschlag bekommst, bekommst du für 20 Jahre deinen anzulegenden Wert i.H. deines Gebotswertes, abzgl. möglicher Sanktionen. Kein Zuschlag = keine Vergütung. Für die komplette installierte Leistung.

Anbei eine Übersicht der BNetzA aus den vergangenen Ausschreibungen:
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Ausschreibungen/Solaranlagen/BeendeteAusschreibungen/BeendeteAusschreibungen_node.html

2. Habe ich lediglich die Unterteilung in 0, 10, 40, 750 kWp in der Einspeisevergütung oder gibt es da noch Sonderfälle?

Da ich hier immer "Tarife" lese, sowas gibt es nicht im EEG. Die Vergütung wird gesetzlich bestimmt, diese wird anhand der installierten Leistung und des Inbetriebnahmedatums festgelegt. Anlagen unter 100 kWp, ohne Direktvermarktung erhalten Einspeisevergütung (anzulegender Wert - 0,4 cent). Sonderfall wäre das Auschreibungsmodell, die bezuschlagte Gebotsmenge kann man auf verschiedene Anlagen aufteilen. Aber wenn man da nicht teilnehmen muss, stellt man sich ja vergütungsmäßig schlechter.

Beispiel für deine 150 kWp, es erfolgt eine Unterteilung der anzulegenden Werte in die betroffenen Preiszonen:
1. Zone 0-10: 10 kW (140 bleiben)
2. Zone 10-40: 30 kW (110 bleiben)
3. Zone 40-750: 110 kW (0 bleiben)

Berechnung wäre dann je Preiszone:
Vergütung = (Vergütungsfähige Energiemenge * Leistung in der Preiszone) / gesamte installierte Leistung

Zone 1: 150.000 kWh * 10 kW / 150 kW = 10.000 kWh
Zone 2: 150.000 kWh * 30 kW / 150 kW = 30.000 kWh
Zone 3: 150.000 kWh * 110 kW / 150 kW = 110.000 kWh

Ich hoffe damit wurden mehr fragen geklärt als erzeugt. :roll:
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon alterego » 29.10.2018, 17:53

zu 3. ich meinte schon ohne EEG, also ohne Ausschreibung und insbesondere ohne sich an die Begrenzungen bei Freifläche halten zu müssen.
Dazu hat ein (also ein einziger) User (Solarteur) hier geschrieben, daß sie sowas wohl ab 2MWp inzwischen angehen und derzeit ähnliches wie die Ausschreibungen bieten können. Da müßte man bei Interesse in Verhandlungen treten. Derzeit sehen die Stommärkte ja nicht schlecht aus um solche Projekte anzugehen.
Für Dachflächen mit hoher Wahrscheinlichkeit völlig uninteressant, da baut man lieber nur 749,9kWp und nimmt die etwa 1,5mal höhere auf 20 Jahre gesicherte Vergütung dafür mit.
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon alexanderabc » 29.10.2018, 19:15

:danke:
Vielen vielen Dank, ja genau diese Fragen habe ich mir gestellt und verzweifelt im PV-Dschungel gesucht..

Mir ist das alles aber noch nicht zu 100% klar, vielleicht willst du mir diese Fragen auch noch beantworten :) (wenn ich mich in den Fragen wiederhole, dann tut es mir leid.. ;) )

1. nochmals zum Beispiel 150kWp:
Frage 1: 10kW in Stufe 1, 30kW in Stufe 2, und dann habe ich doch 70kW in Stufe 3 und die "restlichen" 50kW als Direktvermarktung, stimmt das soweit?
Frage 2: mit welcher Vergütung (ohne Direktvermarkter und dann mit Direktvermarkter) kann ich bei den 50kW rechnen, bzw. was meintest du genau bei deiner Antwort 1.1?
Also das < 100kWp habe ich jetzt verstanden, >750kWp glaub ich auch, nur wie läuft das genau mit dem Direktvermarkter, kannst du mir vielleicht ein (nicht unbedingt ganz realistisches) Zahlenbeispiel bei dem Beispiel mit 150kWp geben :roll: ?

2. Was meintest du genau bei 1.4 mit "...ohne Direktvermarktung erhalten Einspeisvergütung (anzulegender Wert - 0,4 cent)..."
unter 100kW bedeutet doch gleichermaßen: ohne Direktvermarktung? bzw. was hat es auf sich mit den "-0,4cent?

Vielen Dank :)
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon alterego » 30.10.2018, 08:02

Über 100kWp mußt du alles direkt vermarkten da bekommst du den anzulegenden Wert (das Ding heißt halt mal so), feste Einspeisevergütung (anzulegender Wert minus 0,4ct/kWh) vom VNB gibt es nur für Anlagen die kleiner sind. Schau dir einfach mal die Seiten der Direktvermarkter an, da ist das ausgibig erklärt, nur z.B. https://www.next-kraftwerke.de/

Rechne einfach mit der Vergütung bei 150kWp, also der letzten Stufe. Praktisch wird das dann etwas mehr, weil due für die ersten 10 bzw. 40 kWp mehr bekommst.
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon alexanderabc » 30.10.2018, 08:54

Okay danke, ich glaub ich hab es jetzt verstanden ;)
vielleicht wollt ihr meine These nochmals bestätigen, damit ich mir 100% sicher sein kann..

1. Anlagen > 100kWp müssen direkt vermarktet werden
2. Ich bekomme dann die 1. Einspeisevergütung - 0,4c/kWh sicher, 2. den Erlös was mir der Direktvermarkter erwirtschaftet an der Börse

Wenn's so stimmt, ist es eigentlich gar nicht so schwer...

Danke für die Bestätigung :)
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Re: Einspeisevergütung

Beitragvon alterego » 30.10.2018, 10:42

Um mit den Begriffen exakt zu bleiben. Nein, du bekommst keine Einspeisevergütung sondern eben den anzulegenden Wert. Davon zieht dir zunächst der VNb noch den Monatsmarktwert (Details und veröffentlicht auf http://www.netztransparenz.de/ ) ab (weitere Details lasse ich mal weg) und überweist es dir. Vom Vermarkter bekommst du de Erlös (oder was du mit dem halt aushandelst), was in der Regel etwa der Monatsmarktwert ist.
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