PV für Einsteiger - Süd oder doch Ost-West - was ist die beste Ausrichtung für meine PV Anlage?



Wo gibt’s den besten Ertrag?

Es ist definitiv Fakt, dass Anlagen, die nach Süden ausgerichtet sind, den besten Ertrag liefern. Schließlich steht die Sonne im Süden am höchsten und es gibt hier über das Jahr gesehen auch die meisten Sonnenstunden und die beste Einstrahlung. Vergleicht man also Süd-Ausrichtungen unter den selben Bedingungen mit Ost oder West-Ausrichtungen wird man einen Unterschied im Ertrag feststellen können. Aber wie sieht der Tagesverlauf dann aus bei Süd-Anlagen?

Der beste Ertrag wird in jedem Fall dann sein, wenn die Sonne zur Mittagszeit im Süden am höchsten steht und die Einstrahlung am stärksten ist. Und was passiert Morgens und Abends? Naja.. durch die Ausrichtung nach Süden werden sowohl Morgens als auch Abends Sonnenstrahlen auf die Module fallen. Allerdings ist der Ertrag dabei bei weitem nicht so gut wie zur Mittagszeit. Im Vergleich zu Ost-West Anlagen wird bei der Südausrichtung morgens und abends etwas weniger produziert. Und das ist auch der entscheidende Unterschied. Den besten Ertrag über einen längeren Zeitraum gibt’s also definitiv bei der Süd-Ausrichtung. Die Frage, ob das dann auch am wirtschaftlichsten ist, ist damit aber noch nicht geklärt.


Die Vor- und Nachteile von Ost/West Ausrichtungen

Wie sieht das ganze dann bei Ost-West Ausrichtungen aus? Hier gibt es die Ertragsspitzen am Morgen und am Abend. Zur Mittagszeit, wenn eigentlich am meisten Sonne zur Verfügung stehen würde, können Ost und West-Ausrichtungen aber nicht die volle Leistung bringen. Es gibt aber einen entscheidenden Vorteil, der Ost-West Anlagen sehr attraktiv machen kann. Oftmals wird im privaten Haushalt morgens und abends am meisten Energie verbraucht. Unsere Verbraucher werden oft dann eingeschaltet bevor wir in der Früh das Haus verlassen und sobald wir Abends wieder nach Hause kommen. Und genau hier kann der Vorteil mit einer Ost-West Ausrichtung entstehen. Die Leistung wird oft genau dann erzeugt, wenn sie auch direkt verbraucht wird. Somit erhöht sich der Eigenverbrauch, wir müssen weniger teuren Strom vom Netz kaufen und sparen somit Geld. Zur Mittagszeit wird dabei natürlich deutlich weniger erzeugt. Wenn wir aber Mittags ohnehin nur einen kleinen Eigenverbrauch haben, spielt das nicht eine so große Rolle. Bei einer Süd-Anlage würde der Überschuss dann zu Mittag eingespeist werden. Die Einspeisevergütung ist aber bekanntlich nur ein Bruchteil der Bezugskosten. Man spart sich also deutlich mehr wenn man den Strom als Eigenverbrauch verwendet anstatt diesen einzuspeisen. Und dann kann das dazu führen, dass Ost-West Anlagen zwar weniger Ertrag bringen, aber am Ende doch wirtschaftlicher sind, weil einfach mehr PV Strom selbst verbraucht werden kann. Mit zunehmenden Stromkosten wird der Eigenverbrauch zudem noch wichtiger um Kosten zu sparen.


Jeder Fall sieht anders aus

Ob sich schlussendlich eine Südanlage oder eine Ost-West Anlage besser eignet, muss individuell überlegt werden. Oft hat man ja garnicht alle Dachausrichtungen zur Verfügung, sondern nimmt jene, die vorhanden ist. Vorweg, alle drei Ausrichtungen eignen sich für eine PV Anlage. Sowohl Ost, Süd als auch West. Es gibt aber ein paar Szenarien wo sich die jeweiligen Varianten einfach besser eignen.



Verbrauchsspitzen morgens und abends

Wie bereits erwähnt ist ein großer Verbrauch an den Randzeiten ein wesentlicher Grund, weshalb sich die Ost/West Ausrichtungen sehr gut eignen. Da hier sehr viel Leistung direkt verbraucht werden kann, steigt der Eigenverbrauch und die Stromkosten sinken.



Verbrauchsspitzen tagsüber

Wenn tagsüber um die Mittagszeit ein Großteil der Leistung direkt verbraucht wird, eignet sich eine Süd-Ausrichtung besser. Es kann insgesamt etwas mehr Energie erzeugt werden und wenn diese dann auch größtenteils direkt verbraucht werden kann, bleibt die Süd-Ausrichtung auch am wirtschaftlichsten.



Anlagen mit Batteriespeicher

Bei Anlagen mit Speicher wird der Überschuss ohnehin in den Speicher geladen und später wieder verwendet. Auch hier hat die Südausrichtung einen Vorteil, da der Überschuss zur Mittagszeit nicht ins Netz eingespeist wird, sondern in den Speicher geladen wird. Das ganze kommt aber auch stark auf die Dimensionierung vom Speicher an. Je größer der Speicher, desto eher eignet sich die Süd-Ausrichtung.



Volleinspeiser

Bei Anlagen, die rein für den Stromverkauf betrieben werden, gilt natürlich umso mehr Ertrag, desto wirtschaftlicher. Der Aspekt Eigenverbrauch spielt hier keine Rolle. Aufgrund des besseren Ertrags empfehlen sich hier Süd-Anlagen.

Das gilt auch für Anlagen, bei denen der Verbrauch ohnehin sehr hoch ist. Wenn ohnehin die gesamte PV Energie direkt selbst verwendet werden kann, braucht man natürlich nicht mehr auf den Eigenverbrauch achten. Umso mehr Ertrag, desto besser. Es spielt in diesem Fall keine Rolle wann der Strom erzeugt wird. Das trifft oft auch für industrielle und betriebliche Anlagen zu, die ohnehin über den ganzen Tag einen sehr hohen Verbrauch haben.




Fazit: Wir können uns also mitnehmen, dass Anlagen mit Süd-Ausrichtung in der Regel mehr Ertrag liefern. Die Leistungsspitzen haben wir dabei um die Mittagszeit. Ost-West Anlagen hingegen liefern bereits morgens bzw. Abends etwas mehr Leistung. Wenn damit der Eigenverbrauch erhöht werden kann, kann sie oft sogar wirtschaftlicher betrieben werden als eine Anlage mit Südausrichtung.


Die letzte Frage, die sich vielleicht noch stellt - wie sieht das dann aus mit zwei Ausrichtungen, zum Beispiel Ost und West, brauche ich dann auch zwei Wechselrichter?

Die meisten Wechselrichter, auch für den privaten Bereich haben bereits mehrere MPP Tracker. Das bedeutet, dass es auch ohne Probleme möglich ist, Modulstränge verschiedener Ausrichtungen zu verschalten. Falls doch nur ein MPP Tracker belegt werden kann, aber zwei Ausrichtungen verwendet werden sollen, dann schaut am besten im folgenden Artikel rein.