Lastmanagement - was ist das eigentlich genau?

Wenn man dabei ist sich eine PV Anlage zu beschaffen, dann macht man sich im Vorhinein natürlich Gedanken wie groß die Anlage denn überhaupt sein soll. Als Richtwert nimmt man dazu gerne den Hausverbrauch pro Jahr her. 5000 kWh ist in etwa der Durchschnitt eines 4 Personen Haushalts pro Jahr.

In unseren Breitengraden mit einer Einstrahlung von rund 1000W/m² produzieren 5kWp Anlagen in etwa auch diese 5000kWh im Jahr.

Na dann haben wir ja schon eine passende Größe gefunden. 5000kWh Verbrauch und 5000kWh Erzeugung - das passt doch perfekt oder? So einfach ist es dann aber doch nicht.

Ich möchte nicht behaupten, dass es altmodisch ist seine PV Anlage nach seinem Verbrauch auszulegen aber wozu wenn es doch viel effektiver ist seine Verbraucher der erzeugten Leistung der PV Anlage anzupassen. Und genau da kommt das Lastmanagement zum Einsatz.


Ziel ist es die produzierte PV Leistung direkt selbst zu verbrauchen. Einigen Verbrauchern wie Herdplatten oder dem Backofen kann man aber nicht sagen sie sollen nur laufen wenn gerade PV Leistung zur Verfügung steht, schließlich möchte man sich beim kochen ja nicht daran richten ob die Sonne gerade scheint oder nicht. Allerdings gibt es in jedem Haushalt auch Verbraucher, die nicht unbedingt an fixen Zeiten laufen müssen und genau da kann man ansetzen. Diese Verbraucher werden genau dann eingeschaltet wenn gerade ein Überschuss an Leistung da ist. Das können z.B. Poolpumpen, Wärmepumpen oder Heizstäbe sein. Da gibt es aber keine Grenzen, hier kann sich jeder selbst Gedanken dazu machen welche Verbraucher hier bei einem selbst in Frage kommen.


Und wie wird das realisiert?

Bei der gängigsten Art übernimmt diese Aufgabe der PV Wechselrichter. Dieser ist verbunden mit einem Smart Meter, der genau misst was ins Netz eingespeist und bezogen wird. Sobald ein Überschuss gemessen wird, gibt der Wechselrichter ein Signal aus und die gewünschten Verbraucher werden eingeschaltet. Dabei kann man z.B. selbst Schwellwerte vorgeben ab welcher Leistung welche Verbraucher eingeschaltet werden. Wenn wiederum kein Überschuss mehr vorhanden ist werden die Verbraucher einfach wieder automatisch ausgeschaltet. Viele Wechselrichter Hersteller bieten hier noch weitere Features an wie z.B. eine einstellbare Mindest- oder maximale Laufzeit für Verbraucher die dies benötigen. Damit kann man sich sehr gut selbst seine individuelle Steuerung einstellen. Vor allem auch im Bereich der Elektromobilität lässt sich ein Lastmanagement mit Wallbox perfekt realisieren.


Wie das mit der Wallbox genau funktioniert wird übrigens in folgendem Artikel erklärt:
PV-Anlage & Elektroauto - die perfekte Kombi


Auch ein Teil von Lastmanagement ist es Verbraucher wie z.B. Waschmaschine und Trockner dann zu verwenden wenn Überschuss vorhanden ist. Das lässt sich allerdings schwer automatisieren, da diese Verbraucher meist manuell eingeschaltet werden müssen und ich einen Waschvorgang nicht immer dann planen kann wenn viel PV Leistung erzeugt wird. Aber ja auch das zählt zum Lastmanagement dazu. Als Hilfe dazu dienen Monitoring-Plattformen, welche von den meisten Wechselrichter Herstellern bereits angeboten werden. Dabei kann man sich genau ansehen zu welchen Zeiten man am meisten Überschuss hat und man seine Verbraucher am besten verwendet.


Zusammenfassend können wir also sagen, dass es nicht mehr unbedingt im Trend liegt seine PV Anlage nur nach seinem Hausverbrauch auszulegen. Natürlich sollte das Verhältnis in etwa stimmen allerdings ist es kein Problem auch mal ein bisschen mehr Module aufs Dach zu packen und die Leistungsspitzen optimal mit einem überlegten Lastmanagement zu nutzen. Zudem kommen vielleicht in naher Zukunft noch mehr elektrische Verbraucher dazu wie Elektroautos oder elektrische Heizlösungen, welche ohnehin mehr Leistung erfordern.

Zudem sinkt mit zunehmender Größe im Verhältnis auch der Preis einer PV Anlage. Das heißt eine 10kWp Anlage ist nicht gleich doppelt so teuer wie eine 5kWp Anlage, sondern liegt dann kostentechnisch deutlich unter dem doppelten. So wird man es im Nachhinein eher bereuen wenn man noch nackte Stellen auf dem Dach hat als wenn man anfangs vielleicht etwas mehr produziert als verbraucht werden kann.