Hat die Herstellung von Solarmodulen in Deutschland noch Zukunft?



Wie Deutschland durch China abgelöst wurde…

Im letzten Jahr wurden rund 80% aller PV Module in China produziert. Der Wert der importierten Anlagen lag bei rund 3,6 Milliarden Euro. Knapp 90% dieser importierten PV Module kamen aus China. Der chinesische Markt ist im Bereich Zellenherstellung und Modulfertigung nicht mehr wegzudenken. Der Anteil in Deutschland produzierter Module ist nur noch ein Bruchteil. Doch das war nicht immer so. Noch bis 2010 war Europa und besonders Deutschland Vorreiter für die Herstellung von PV Modulen. Der Markt wuchs weiter an und der Bedarf wurde immer höher. Doch anstatt sich in dieser Position zu etablieren, wurde der Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland politisch abgewürgt. Subventionen wurden gekürzt und Photovoltaik war für den Abnehmer finanziell nicht mehr attraktiv. Darunter litten natürlich auch die deutschen Produzenten und Hersteller. Während die Branche also in Deutschland politisch keine Unterstützung mehr bekam, folgte in China der Aufschwung. Dort erkannte man sehr wohl das Potential. Strategisch wurde sowohl der Ausbau gefördert aber auch die Produzenten wurden unterstützt. Noch heute bekannte chinesische Hersteller erlangten so ihren Durchbruch. Oftmals auch mit dem Know-how aus Europa und Deutschland. Auch heute haben wir noch viele deutsche Modulhersteller mit heimischem Sitz für Vertrieb und Entwicklung. Jedoch mit ausgelagerter Produktion. Dann stellen sich natürlich folgende Fragen - kann das für die heimischen Produzenten eigentlich noch funktionieren? Und welche Unterstützung gibt es hier von der Politik?


Kann Deutschland wieder konkurrenzfähig werden?

Da Zentrum für die Modulproduktion ging also zurück nach China. Es gibt aber durchaus noch Firmen mit heimischen Produktionsstätten. Eine davon, die sich in den letzten Jahren immer wieder mal selbst hervorgehoben hat, ist die Firma Meyer Burger Technology AG. Was das schweizerische Unternehmen mit Hauptsitz in Gwatt so besonders macht? Sie ist nach unserem Kenntnisstand das einzige Unternehmen, das nicht nur Solarmodule, sondern auch seine Solarzellen in Deutschland fertigt.

Natürlich fragt man sich dann ob die heimische Produktion in Anbetracht der heftigen Konkurrenz aus dem Ausland für Firmen wie Meyer Burger auch langfristig möglich ist. Mit der aktuellen politischen Situation in Deutschland wohl schwierig. Denn Ende Juli kündigte das Unternehmen offiziell an, einen weiteren Standort für die Solarzellenproduktion in Colorado USA zu eröffnen. Der Grund dafür - mit dem Inflation Reduction Act wurde in den Staaten ein 738 Milliarden Dollar schweres Investitionspaket geschnürt, dass primär Unternehmen fördern soll um eine Neuausrichtung der US-amerikanischen Wirtschaft auf erneuerbare Energien zu schaffen. Ein Teil davon ist auch der sogenannte Advanced Manufacturing Tax Credit 45X. Die darin enthaltene Fördersumme kann auch von Unternehmen mit nicht-US-SItz durch die Auslagerung der Produktion in Anspruch genommen werden. Ein deutliches Zeichen also von den Staaten.

Auch wenn Teile der Produktion weiterhin in Deutschland bleiben, ist es doch schon auch bedenklich weshalb es überhaupt zu so einer Auslagerung kommen muss damit bei uns Firmen in dem Bereich wachsen und bestehen können.

Doch nicht nur in den USA, sondern auch in China unternimmt die Regierung weiterhin vieles um einheimische Produktionsbetriebe weiter mit Subventionen zu fördern. Deutschland steht also unter Druck. Kann man eine Standortflucht weiterer Betriebe in Kauf nehmen?

Zum einen möchte Deutschland den Klimawandel bekämpfen dabei aber die Industrie weiterhin stärken. Dann ist es aber wenig nachvollziehbar wenn man gerade für diese Schlüsselsektoren wie Automobilbau, Batterien oder eben auch erneuerbare Energien keinen Anreiz schafft, die Produktion in Deutschland weiter auszubauen. Es müssen auf jeden Fall Grundlagen geschaffen werden, die global gesehen wettbewerbsfähig sind und auch den heimischen Markt wieder nachhaltig stärken.


Zudem stellt sich auch die Frage was passieren muss, dass weniger Module importiert werden müssen. Sind heimisch produzierte Module für den Endkunden überhaupt interessant? Wenn wir nochmal auf den Vergleich der in Deutschland und der in China produzierten Module eingehen, gibt es natürlich einen wesentlichen Unterschied. Nämlich die Kosten. Eine PV Anlage ist eine Investition. Also möchte man natürlich auch als Besitzer damit finanziellen Gewinn machen. Wenn nun die Module, die den größten Teil der Kosten ausmachen, nun vergleichsweise teuer sind, fragt man sich natürlich ob sich das wirklich auszahlt oder ob man nicht doch lieber die günstige Alternative nimmt. Um ehrlich zu sein denke ich, dass das Herstellungsland in den meisten Fällen für den Endverbraucher gar keine Rolle spielt. Aber sehen wir uns mal die Vorteile an, die wir haben wenn wir dann doch auf die teuereren aber dafür in Deutschland produzierten Module setzen.


Welchen Mehrwert bringt uns „made in Germany“ ?


Wertschöpfung im eigenen Land

Kaufen wir unsere Module von heimischen Anbietern, unterstützen wir damit natürlich auch unsere Wirtschaft. Die Nachfrage an heimischen Modulen erhöht die Zahl der Arbeitsplätze in unserem Land. Auch die Steuern werden hier bezahlt und nicht woanders. Wie heißt es so schön, geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Da ist schon etwas dran. Besonders auch in diesen Zukunftssektoren.


Qualität

Viele der heimisch produzierten Module bestechen durch ihre herausragende Qualität. Was nicht bedeute, dass alle Module aus China schlecht wären. Das auf keinen Fall, viele Module mit den besten Erfahrungswerten kommen auch China. Allerdings ermöglicht die aktuell hohe Nachfrage und der Preiskampf auch den Eintritt von Billig-Herstellern. Es gibt immer mehr Auswahl an entsprechenden Modulen mit billigen Komponenten und schlechter Verarbeitung. Günstige Angebote führen dann oft zu früheren Problemen im Betrieb. Und dann rechnet sich das ganze oft auch finanziell nicht mehr. In Deutschland produzierte Module genießen hier schon einen sehr guten Ruf was die Qualität und Lebensdauer angeht. Zudem spielt natürlich auch der heimische Service und Support eine wichtige Rolle. Also definitiv ein Grund weshalb es sich schonmal lohnen kann etwas mehr dafür auszugeben.


Unabhängigkeit

Dieser Punkt betrifft wieder etwas mehr die Allgemeinheit. Wir haben in den letzten Jahren zu spüren bekommen was es bedeutet von anderen Ländern abhängig zu sein. Erneuerbare Energie wird auch in den nächsten Jahren eine immer größere Rolle in der Energieversorgung spielen. Und dann waren es die letzten Jahre vielleicht Öl und Gas, später aber vielleicht Solarzellen und Batterien. Uns muss klar sein, dass hier nicht nur Geld, sondern auch die Versorgungssicherheit ein Thema ist.




Fazit

Wir werden in absehbarer Zeit sehen wie sich die Situation entwickelt. Wird es eine zunehmende Standortflucht geben? Oder schaffen wir es doch politische Grundlagen in Deutschland zu schaffen, um es für heimische Produktionsbetriebe nachhaltig attraktiv zu machen. Vor allem die Erzeugung von Solarzellen und Solarmodulen ist hier aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre stark betroffen. Es betrifft aber auch weitere Branchen in diesem Industriezweig wie Wechselrichter- oder Chiphersteller. Schaffen wir es nicht die großen Player in Deutschland und Europa zu halten, werden wir mit den Folgen leben müssen.

Wir können unseren Teil dazu beitragen, indem wir besonders bei der Anschaffung darauf achten wo Module und Wechselrichter herkommen. Nun ist aber auch die Politik gefragt.