2012: neue Schieflast, Leistungsbegrenzung, Blindleistung...

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2012: neue Schieflast, Leistungsbegrenzung, Blindleistung...

Beitragvon Weidemann » 23.10.2011, 12:50

Achtung, ab 1.4.2012 gelten weitere Änderungen/Beschränkungen!
mehr dazu hier: http://www.clearingstelle-eeg.de/eeg2012/aenderung1
und hier: http://www.sfv.de/solarbr/pdf/Internet1 ... 112pdf.pdf

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Stand: März 2012

Gliederung:

1.) AR 4105: 50,2 Hz-Problem, Schieflast, Blindleistung

2.) EEG 2012: Leistungsbegrenzung/Abregelung


1.) VDE-AR-N 4105 ("Niederspannungsrichtlinie")

50,2Hz-Problem:
Alle neuen WR erfüllen die Norm.
Zur Nachrüstung: pv-news-f25/einigung-bei-den-kosten-zur-50-2-hz-nachruestung-t75287.html

Schieflast und Blindleistung:

Achtung, die Grenzen sind in kVA und nicht in kWp wie beim EEG!
unter 3,6kVA:
keine Blindleistung nötig (aber trotzdem 70% Abregelung oder Fernsteuerbarkeit, s.u.)

ab 3,68 kVA:
Maximal 4,6 kVA Schieflast pro Phase
Bereitstellung von Blindleistung, cos(phi) bis 0,95

ab 13,8 kVA:
Bereitstellung von Blindleistung, cos(phi) bis 0,90
Einsatz dreiphasiger Wechselrichter oder kommunikative Kopplung dreier einphasiger Geräte ("Power-Balancer") für die Leistung, die 4,6 kVA pro Phase übersteigt

ab 30 kVA:
zusätzlich: externer zentraler NA-Schutz in einfehlersicherer Ausführung (=Netzüberwachung von Spannung, Frequenz, also das was heute schon in den einzelnen WR drin ist. Wenn alle WR über Inselnetzerkennung verfügen, darf der NA-Schutz ohne Inselnetzerkennung ausgeführt werden)
keine jederzeit zugängliche Schaltstelle mehr vorgeschrieben

ab 100kVA:
wiederum zusätzlich: ferngesteuerte Leistungsbegrenzung
keine jederzeit zugängliche Schaltstelle mehr vorgeschrieben

Fazit Schieflast: neue Grenze starr bei 4,6 kVA (=4,37 kW bei cos(phi)=0,95, vorher: 5,06kW erlaubt), aber es sind auch weiterhin beliebig große einphasige WR erlaubt!

-Altanlagen genießen Bestandsschutz, sofern nicht Änderungen, die wesentliche Auswirkungen auf das elektrische Verhalten am Netzanschluss haben ,vorgenommen werden
-Bei der Erweiterung oder Nachrüstung bestehender Anlagen zählt die bereits vorhandene Anlagenleistung mit. Für den neu hinzugefügten Anlagenteil gelten also die Grenzwerte, die nach der neuen Gesamtleistung der Anlage bemessen sind.
==> Bemessungsgrundlage sind alle am gleichen Anschluss betriebenen Anlagen (egal wie alt)

Beispiel:
Altanlage aus 2008 mit 12 kWp, Zubau 2012 mit 5kWp: die neu zugebauten 5kWp müssen blindleistungsfähig sein, mit cos(phi) bis 0,90 (da insgesamt über 13,8 kVA WR-Leistung)!
Auslegung: Dimensionierung 0,95 und Blindleistung 0,9 ==> es sind ca. 5kWp x 0,95 / 0,9 = 5,3 kVA WR-Scheinleistung nötig. (Bei einem einphasigen WR dürfen es aber maximal 4,6kVA sein.)

Wenn dazu noch die Leistung auf 70% begrenzt wird (siehe unten), kommt man auf 5kWp x 0,7 = 3,5kW ac, oder Scheinleistung: 3,5kW / 0,9 = 3,9 kVA, auf die der WR begrenzt werden muss.

-externe Blindleistungskompensation ist nicht zulässig, sie muss im WR stattfinden.

Leistungsfaktor-Vorgabe:
Entweder Blindleistung wird laut Kennlinie linear, ab halber Leistung bis zur Nennleistung, eingespeist! Also immer bei Vollast auch noch maximale Blindleistung. Dies ist automatisch in den Wechselrichtern eingestellt.
Oder der Netzbetreiber gibt eine Kennlinie vor, diese kann am WR eingestellt werden.

Also muss bei Auslegung immer mit der maximalen Blindleistung gerechnet werden (Faktor 0,95 bzw. 0,9).
Ganz grob kann man sagen, dass die WR-Scheinleistung für Südanlagen gleich der Wp-Leistung der Module sein muss, es ist keine wesentliche WR-Unterdimensionierung mehr möglich.



-daneben noch weitere Vorschriften: z.B. Nach einem Netzfehler darf der WR seine Nennleistung erst nach 10 Minuten erreichen (Steigerung 10%/Minute)

Quelle: http://www.sma.de/de/produkte/solar-wec ... b868b1dfdb, dritte Auflage, Stand August 2011



2.) EEG 2012, Leistungsbegrenzung
ab 1. Januar 2012 : nach § 6 EEG 2012:
Reduzierung der Einspeiseleistung bei Netzüberlastungen:

über 30 kWp: Einspeiseleistung muss ferngesteuert durch EVU reduzierbar sein, Ertragsausfall wird entschädigt.

über 100 kWp: zusätzlich muss eine Einrichtung zur Abrufung der jeweiligen IST-Einspeisung vorhanden sein, Ertragsausfall wird entschädigt.

unter 30 kWp besteht die Wahl:
Entweder technische Vorrichtungen zur Reduzierung der Einspeiseleistung (mit Entschädigung bei Abregelung),
oder Begrenzung der maximale Wirkleistungseinspeisung auf 70 Prozent der installierten (PV?-)Leistung, dann jedoch KEINE Entschädigung für den entstehenden Verlust von 3-8%.

(Der Verlust ist am höchsten bei Südausrichtung, eher steilerem Dach, und in Gebieten mit hoher Einstrahlung. Unproblematisch sind dagegen Ost-West-Anlagen an einem WR, siehe hier: die-70-prozent-regelung-der-einspeiseleistung--p637506.html#p637506 und hier: die-70-prozent-regelung-der-einspeiseleistung--p637553.html#p637553 ).

Nachrüstung Altanlagen:
über 100 KW: Nachrüstung bis 1. Juli 2012 vorgeschrieben.
30 bis 100 KW und Inbetriebnahme nach dem 31.12.2008: Nachrüstung bis 1. Januar 2014 vorgeschrieben.
unter 30 kW: müssen nicht nachgerüstet werden.
Nachrüst-Kosten trägt der Anlagenbetreiber.

(Quelle: http://www.sfv.de/artikel/eeg-novelle_2012.htm, 8.7.2011, also gemäß Beschluss des EEG 2012.)

Bemessungsgrundlage für die Leistungsreduzierung:
Es zählen wie für die Vergütungsermittlung die Anlagenteile, die in den letzten zwölf Monaten in Betrieb genommen wurden.

Beispiel 1:
Altanlagen aus 2009 mit 40kWp und aus 10/2011 mit 20kWp, neue Anlage 6/2012 mit 12kWp:
zunächst werden nur 32kWp betrachtet, also ist für die neuen 12kWp die ferngesteuerte Abregelung vorgeschrieben.
Zusätzlich gibt es "eine Anlage mit 32 kWp" (gemäß der 12-Monats-Regel), diese muss bis 2014 auf ferngesteuerte Abregelung nachgerüstet werden. Ebenso müssen die alten 40 kWp aus 2009 nachgerüstet werden.

Beispiel 2:
Altanlage aus 10/2011 mit 12kWp, neuer Anlagenteil 5/2012 mit 6kWp:
Es besteht die Wahl ob für die neuen 6kWp die Einspeiseleitung auf 70% begrenzt wird, oder ob der WR der neuen 6kWp ferngesteuert abgeregelt wird. Die WR der alten 12kW-Anlage müssen nicht nachgerüstet werden.
Achtung: Aus dem EEG würde man lesen, dass sich die 70% in diesem Beispiel auf die gesamten 18 kWp beziehen (also eine Begrenzung auf 12,6kW nötig wäre).
Einige VNB verlangen tatsächlich, dass auch alte Anlagenteile auf 70% abgeregelt werden müssen, wenn keine 12 Monate seit der Altanlagen-Errichtung vergangen sind.

Daher sicherheitshalber vorher fragen und vom VNB schriftlich bestätigen lassen, dass der alte Anlagenteil weiterhin 100% einspeisen darf und nur der neue WR auf 70% begrenzt werden muss (also nur neuer Teil auf 4,2 kW begrenzt wird).

Es gibt seitens der VNB keine Vorgabe, ob die Begrenzung passwortgeschützt sein muss o.ä., es genügt wenn der Elektriker (im Inbetriebnahmeprotokoll bzw. bei der Anmeldung) vermerkt, dass die 70%-Begrenzung gewählt wurde.

Es spricht nichts dagegen, nachträglich von der 70%-Begrenzung auf die Fernsteuerbarkeits-Variante zu wechseln und umgekehrt.

Realisierung der 70%-Begrenzung:
Das EEG schreibt vor, dass der Betreiber die Wirkleistungs-Einspeisung am Netzverknüpfungspunkt auf 70% der Modulleistung begrenzen muss. Theoretisch wäre es möglich, bei einer 10kWp-Anlage bei Vollast 3kWp selbst zu verbrauchen (Eigenverbrauchsregelung, z.B. regelbaren Heizlüfter betreiben), damit wäre die Bedingung erfüllt.
Dies ist möglich mit dem Solarlog (muss keine PM-Version sein): sds-allgemein-ueber-solar-log-f38/70-regelung-mit-verrechnung-eigenstrombedarf-t76571.html
Kosten ab ca. 400 Euro inkl. Zähler mit SO-Ausgang. Dafür kann man die Verluste durchs Abregeln teilweise durch Eigenverbrauch in der gleichen Zeit vermeiden, bei kleinen Anlagen und hohem Stromverbrauch (Herd...) sinken die Verluste so auf beinahe Null.

Ansonsten ist die meist praktizierte Lösung, die Wirkleistung im WR-Menü auf 70% der Modulleistung zu begrenzen (oder die Scheinleistung entsprechend etwas höher begrenzen), und die Verluste von 3-8% in Kauf zu nehmen, s.o..

Realisierung der ferngesteuerten Abregelung:
Im Moment wissen noch nicht alle VNB, wie sie die Abregelung realisieren wollen, und können dementsprechend teils keine Vorgaben machen. Ein Teil der VNB (Stadtwerke etc.) hat noch keine Rundsteuer-Infrastruktur, und kann demzufolge eh noch nichts regeln.

http://www.vde.com/de/fnn/arbeitsgebiet ... zu_EEG.pdf
http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/ ... eis_bf.pdf
Demzufolge:

Die Vergütungsanspruch gemäß EEG ist gesichert, wenn ein EinsMan (=Einspeise-Management)-fähiger WR eingesetzt wird. (das sind alle WR, bei denen der Hersteller die Regelung über einen Logger anbietet ("Powermanagement"), also praktisch alle aktuellen Geräte.)
Wenn der VNB irgendwann mal weiß, wie die Fernsteuerung aussehen soll, muss diese innerhalb von 3 Monaten nachgerüstet werden (oder wahlweise die Anlage dann auf 70% begrenzt werden, bei kleiner 30 kWp).

Bis Frühjahr 2012 soll ein ausführlicher "FFN-Hinweis" erarbeitet werden.
Der VDE empfiehlt, dass bei Anlagen bis 100kWp eine einfache Lösung aus Funk-Rundsteuerempfänger und Schaltrelais genügt, dies lässt sich meist für ca. 300 bis 1000 Euro realisieren.

Aber: Der VNB kan nachträglich auch eine andere Lösung verlangen, wenn dies verhältnismäßig ist. Teilweise wird schon verlangt, dass ein Ethernetkabel verlegt wird, also dieses immer mitverlegen bei neuen Anlagen! (vom Zählerplatz zu den Wechselrichtern, oder auch von der Straße zum Zählerplatz bei Neuanschlüssen.)

Die Preise für die Fernsteuerung (nur der Rundsteuerempfänger, ohne den Powermanagement-Logger) unterscheiden sich extrem, und liegen zwischen 8 Euro jährlich und einmalig 4000 Euro (GPRS-Lösung): viewtopic.php?f=17&t=72649

Beispiel für die Installationsanleitung des Rundsteuerempfängers:
http://www.n-ergie-netz.de/N-ERGIE-NETZ ... er_EZA.pdf

Wenn die Anlage nicht nur per Relais auf 0 oder 100% geregelt werden soll, sondern auch auf 30% und 60%, ist noch ein entsprechender Powermanagement-fähiger Logger (ca. 1000 Euro) nötig, der die Signale an die WR weitergibt. Hier arbeiten die WR-Hersteller an Vereinfachungen: bei Kostal kann man den RSE direkt am WR anschließen, bei Fronius genügen Nachrüst-Schnittslellen am WR.
Aber bei den meisten Netzbetreibern genügt wohl im Moment die 0% und 100%-Regelung per Relais.


Diskussionen bitte hier: wechselrichter-f3/faq-ab-1-1-2012-neue-schieflast-leistungsbegr-blin-t70334.html#p604845
Zuletzt geändert von Weidemann am 15.02.2015, 15:18, insgesamt 11-mal geändert.
Grund: aktualisiert 03/2012
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Re: 2012: neue Schieflast, Leistungsbegrenzung, Blindleistun

Beitragvon Weidemann » 23.03.2012, 23:13

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