Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtung

Rund um die Planung einer Solaranlage.

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Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtung

Beitragvon JayM » 10.02.2014, 15:53

Hallo zusammen,
ich habe hier mal einige Erzeugungsprofile gegenübergestellt, um den Mythos der Eigenverbrauchsoptimierung bei Ost-West Anlagen etwas zu entzaubern.

Eine Verbreiterung des Ertragsverlaufs über den Tag wird nur bei steil stehenden Ost-West Anlagen und nur im Sommer erreicht. Im Winter schneiden Ost-West Anlagen dagegen durchweg schlechter ab, was den geringen Vorteil im Sommer mehr als zunichte macht.

PV Vergleich S vs OW v2.pdf
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Vor diesem Hintergrund sind "Marktanreize zur systemdienlichen Auslegung" durch zwangsweise Direktvermarktung, wie von Wirtschaftsminister Gabriel vorgeschlagen, ineffektiv und teuer (Risikoprämie, Vermarktungs- und Abrechnungskosten). Systemdienlicher wäre es, diese unnötigen und ineffektiven Kosten zu eliminieren, von dem gesparten Geld einfach mehr Leistung zu installieren und stattdessen eine Anzahl entschädigungslos abregelbarer Stunden festzulegen.

Gruß
Jochen
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon einstein0 » 10.02.2014, 16:59

Danke für die interessanten Diagramme!
Ich habe da zwar noch meine Zweifel und werde deine Diagramme mit anderen Betreibern vergleichen.
Ich plane zur Zeit auch eine Ost - West - Belegung und kann damit 50% mehr Modulleistung installieren bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten für Unterkonstruktion und Wechselrichter. Da ich weder eine Abregelung, noch Eigenverbrauch, sondern Volleinspeisung plane, sieht meine Rechnung etwas anders aus.
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon landlord » 10.02.2014, 17:11

Hallo Jochen,
ja, aber.....

Danke für die Tabellen, sind ja sehr aufschlussreich.

Wenn ich die Diskussionen hier im Forum richtig verstanden habe, gibts zwei Gründe, warum man Ost/West belegt:
a.) ich hab keine andere Wahl, weil mein Dach diese Ausrichtung hat, oder
b.) ich hab ein Flachdach
Und zum Punkt b.) folgendes:
Wenn ich ein Flachdach mit Ost/West belege, dann habe ich keine gegenseitige Verschattung der Module (wie bei einer Süd - Ausrichtung), kann demzufolge mehr Module aufs Dach packen und die "Minderleistung" dadurch mehr als wett machen. Ist ein Rechenexempel vor dem ich aktuell auch stehe.

Grüsse vom Niederrhein,
Wilfried.
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon molly78 » 10.02.2014, 17:25

Grüße Marcus

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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon JayM » 10.02.2014, 17:50

einstein0 hat geschrieben:Danke für die interessanten Diagramme!
Ich habe da zwar noch meine Zweifel und werde deine Diagramme mit anderen Betreibern vergleichen.
Ich plane zur Zeit auch eine Ost - West - Belegung und kann damit 50% mehr Modulleistung installieren bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten für Unterkonstruktion und Wechselrichter. Da ich weder eine Abregelung, noch Eigenverbrauch, sondern Volleinspeisung plane, sieht meine Rechnung etwas anders aus.
einstein0

Hallo Einstein,
Danke für die Rückmeldung.

Kosten- und Flächeneffizienz sind richtige und wichtige Argumente für eine Ost-West Belegung.

Die Verbreiterung des Einspeiseprofils im Sinne der Systemdienlichkeit ist dagegen kein gutes Argument für Ost-West Anlagen. Auch wenn unter dem Begriff "wertorientierte PV Anlagen" von hochrespektablen Institutionen wie dem Sachverständigenrat für Umweltfragen für eine verpflichtende Direktvermarktung geworben wird, um damit Ost-West Anlagen anzuregen.
(siehe z.B. Folie 48 in dieser Präsentation: http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/06_Hintergrundinformationen/2012_2016/2013_11_27_PPT_Veranstaltung_Strommarktdesign.pdf?__blob=publicationFile )

Hier wird aus Unverständnis der tatsächlichen Ertragsverläufe für ein recht kompliziertes Vermarktungssystem geworben, das am Ende viel kostet, viele Bürger abschreckt, und nichts Sinnvolles erreicht.

Gruß
Jochen
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon Bento » 16.02.2014, 15:30

Hallo Jochen,

danke für die Erarbeitung der Graphiken.

Letztendlich belegst du damit aber nur die bereits bekannten Tatsachen, dass:
a) eine Ost-West-Ausrichtung weniger Ertrag bringt als eine Südausrichtung
b) die Schattenproblematik durch umliegende Bebauung bei Ost-West-Dächern höher ist als bei Süddachern bei gleicher Bebauung

In der Praxis wird man auch selten vor der Wahl stehen, ob 1 kWp Süd oder 0,5 kWp Ost + 0,5 kWp West. Bei freier Wahl (z.B. Flachdach) wird eine höhere Ost-West-Leistung machbar sein. Zudem hat nicht jeder ein Süddach.
Außer vielleicht bei der 15°-Variante sehe ich schon Vorteile bei der Eigenverbrauchsquote für eine Ost-West-Belegung.

Ich glaube, der Begriff "Systemdienlichkeit" ist da sehr unterschiedlich auslegbar. Dem "System Stromnetz" sollte eine West-Ostbelegung auf alle Fälle dienlicher sein, als eine Südbelegung.
Viele Grüße
Bento

Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon Dringi » 16.02.2014, 16:02

@Jochen: Erstmal Danke für Deine viele Arbeit. Finde die Diagramme sehr gut visualisiert.

Bento hat geschrieben:Letztendlich belegst du damit aber nur die bereits bekannten Tatsachen, dass:
a) eine Ost-West-Ausrichtung weniger Ertrag bringt als eine Südausrichtung
b) die Schattenproblematik durch umliegende Bebauung bei Ost-West-Dächern höher ist als bei Süddachern bei gleicher Bebauung


zu Punkt a.): Bei mir hat kein Solarteur behauptet, dass eine O/W-Anlage jemals an eine Süd-Anlage rankommen würde. Vielmehr wurde exkat das das gesagt was Jochen auch mit seinen Diagrammen belegt: Im Sommer kommt eine O/W-Anlage recht nage an die Erträge einer Südanlage. Im Winter wird es hingegen im direkten Vergleich übel.
Was allerdings gesagt wurde, ich im Vgl. zu einier nahen reinen Südanlage auch nachvollziehen kann aber auch den Diagrammen von Jochen kaum sehe bzw. bei der 45°DN deutlich zu schwach sehe: Früh Morgens hat meine O/W-Anlage deutliche Ertragsvorteile zu einer Südanlage. Früh Morgens bedeutet in diesem Fall in den ersten 90 bis 120 Minuten. Somit stimme ich @Bento hier zu.

Zu Punkt b.): Ja der Punkt Schatten kann problematisch sein, aber hier hilft m.M.n. gutes Schattenmanagement. Durch das Einschalten von OTGP konnte ich den Verlust durch Schattenwürfe massiv verringern, sodass ich diesen Punkt nicht überbewerten würde.

Folgende Aussage aus der Zusamenfassung möchte ich hier aber noch kommentieren, da ich denke, dass hier bei der Betrachtung zu früh gestoppt wurde:

die morgendliche Verbreiterung ist zudem anfällig für Morgennebel


Diese Aussage hängt m.M.n. ganz massiv mit dem Standort zusammen. Bei mir gibt es kaum Morgennebel, der speziell die O/W-Seite betreffen und und eine reine Südeseite verschonen würde. Entweder ist Nebel, dann ist der Ertrag bei der Südseite auch Grütze oder es ist kein Nebel.
Andersrum wird ein Schuh raus: In 2013 konnte ich Spät-Sommer/Früh-Herbst über mehere Wochen beobachten, dass das Wetter Morgens besser war Nachmittags, sodass die Ostseite tendentiell bessere Leistungen brachte als die Westseite und auch eine Südseite. Der breitere Ertrag der Ostseite kam also doppelt zum tragen. Dies wurde mir auch durch andere User hier im Forum bestätigt.
Warum bei der Betrachtung zu kurz gedacht wurde? Gerade im Hochsommer ist es so, dass die Erträge meiner Westseite ganz massiv unter der Hitze der direkten Sonneneinstrahlung leiden, während die Ostseite ihre Erträge scheinbar deutlich durch die morgentlichen kühleren Temperaturen erhöhen konnte. Hier fehlen mir allerdings noch Rückmeldungen aus dem Forum zu.

Mein Fazit: Ja, eine O/W-Seite bringgt auch in der Realität weniger Ertrag als eine Südseite. Aber das wurde zumindest bei mir immer so von allen Solarteuren kommuniziert. Die Effekte des verbreiterten Ertragsverlaufs werden allerdings von den Simulationen nur unzureichend wiedergegeben.
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon JayM » 16.02.2014, 17:25

Dringi hat geschrieben:Was allerdings gesagt wurde, ich im Vgl. zu einier nahen reinen Südanlage auch nachvollziehen kann aber auch den Diagrammen von Jochen kaum sehe bzw. bei der 45°DN deutlich zu schwach sehe: Früh Morgens hat meine O/W-Anlage deutliche Ertragsvorteile zu einer Südanlage. Früh Morgens bedeutet in diesem Fall in den ersten 90 bis 120 Minuten. Somit stimme ich @Bento hier zu.
....

Die Effekte des verbreiterten Ertragsverlaufs werden allerdings von den Simulationen nur unzureichend wiedergegeben.


Hallo Dringi,
herzlichen Dank für Deine Kommentare. Kannst du den von Dir beobachteten Vorteil gegenüber einer Südanlage noch weiter quantifizieren, vielleicht mit einem Ertragsverlauf für einen klaren Tag? Insbesondere würde mich interessieren ob tatsächlich morgens UND abends eine Verbreiterung des Ertragsprofils auftaucht, das von der Simulation nicht vollständig vorhergesagt wird. Und zwar im Vergleich mit einer gleich großen Südanlage mit gleicher Dachneigung (also 20,16 kWp Süd mit 33 Grad DN).

herzlichen Dank
Jochen
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon open source energy » 16.02.2014, 21:47

JayM hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich habe hier mal einige Erzeugungsprofile gegenübergestellt, um den Mythos der Eigenverbrauchsoptimierung bei Ost-West Anlagen etwas zu entzaubern.

Eine Verbreiterung des Ertragsverlaufs über den Tag wird nur bei steil stehenden Ost-West Anlagen und nur im Sommer erreicht. Im Winter schneiden Ost-West Anlagen dagegen durchweg schlechter ab, was den geringen Vorteil im Sommer mehr als zunichte macht.

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Gruß
Jochen


Es gibt fast keinen Vorteil von Ost/West zum EV im Vergleich zu einer Südanlage. Was man aber nicht vergessen darf ist die größere Leistung je m² Grundfläche und somit auch bei schlechtem Wetter ein größerer Anteil am Verbrauch zu bieten hat.

Aber sonst laufen wir auch immer wieder gegen diese Argumente an. Was aber wenn 4 von 5 Anbietern dieses Märchen auftischen?
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Re: Mythos Eigenverbrauchsoptimierung mit Ost-West Ausrichtu

Beitragvon hpt » 16.02.2014, 21:58

Interessante Betrachtungen.

Habe vor kurzem Überlegungen zur Belegung eines großen Flachdaches angestellt. Aus dem Projekt ist zwar leider nichts geworden, dennoch würde mich interessieren:
a) Was sind sinnvolle Werte für das Verhältnis Nennleistung(WR) zu Nennleistung(PV-Generator) bei O/W 15° und - im Vergleich dazu - bei Süd 15°?
b) Wie stark unterscheidet sich die sinnvolle Flächenbelegung bei den beiden Varianten tatsächlich? D.h. wieviel dichter sollte die Belegung bei O/W 15° im Vergleich zu Süd 15° sinnvollerweise gewählt werden? (d.h. wie hoch sollten die Abstände zwischen den Modulreihen jeweils sein?).

Annahme: Flachdach, keinerlei Verschattung aus irgendeiner Richtung.

Danke im Voraus!
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