50 bis 100 kWp für Milchbauer

Rund um die Planung einer Solaranlage.

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50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon pappnase » 13.02.2018, 16:58

Hallo Gemeinde,
ein Milchbauer aus meiner näheren Verwandschaft hadert schon seit Jahren mit dem Bau einer Solaranlage. Die Anlage soll komplett fremdfinanziert werden. Dachflächen wären mehr als ausreichend vorhanden - sowohl Süd als auch Ost-West. Der Eigenverbrauch liegt irgendwo zwischen 30.000 und 50.000 kWh pro Jahr. Das Dumme ist nur, dass die meiste Energie morgens und Abends benötigt wird - sprich morgens zwischen 06:30 und 08:30 Uhr und Abends zwischen 18:00 und 20:00 Uhr. Dann läuft die Milch-Kühlung auf hochtouren.
Nun könnte man ein Ost-West-Dach nehmen und dadurch - bei gleichzeitigem Verzicht auf maximale Erzeugung - Morgens und Abends maximale PV-Leistung zur Verfügung haben (so meine Theorie:-).
Oder man nimmt ein Süddach, geht auf maximale Erzeugung (mit Blick auf die Einspeisevergütung) und verzichtet auf einen optimalen Eigenverbrauchsanteil.
Schließlich könnte man noch einen Speicher anschaffen. Naheliegend wäre ein Batteriespeicher, im Prinzip könnte man aber auch einen Eiswasser-Kältespeicher für die Milch-Kühlung in Erwägung ziehen. Ich denke aber, das rechnet sich (noch) nicht?!
Hat da schon jemand Erfahrung gesammelt, bzw. eine bessere Idee?

Grüße gp
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon alorie » 13.02.2018, 18:15

Hallo,

bin selbst Milchkuhhalter.
Auf dem alten Stall hatte ich eine 20 kwp Anlage 90° Ost bei 45° Dachneigung. Eigenverbrauch ohne zutun aus dem Stand 37%. Ein Westdach hatte ich leider nicht, bzw die hatten alle zuviel Schatten :-(
Auf den neuen Stall kommt jetzt eine 30kwp Anlage (erstmal). Nächstes Jahr dann Eisspeicher für die Milchkühlung. Rentabel ist dies, je nach Umbaukosten, durchaus!
Überschlägig wird mit ca 10% Strommehrverbrauch bei Eiswasserkühlung kalkuliert (war früher schon zu Nachtstromzeiten bei größeren Betrieben und vor allem wenn dann noch 1/4 Stunden Messung vorlag ein oft eingeschlagener Weg).
Investitionskosten:

wenn Milchtank identisch bleibt:
Eisspeicher (in monolithischen Regenwassertank mit Styrodur und PVC Auskleiden) 3000-5000
Sturzkühler 3000
Pumpen/Steuerung 500
Zweites (kleineres) Kälteaggregat 500
'Montage 1000

oder neuer Eiswassertank (Eisspeicher integriert oder Extern)
Und da hilft nur Angebote machen lassen!
Dumm nur das die Vertreter das meißtens erst ab Bestandsgrößen weit über 100 Tiere auf dem Schirm haben.

Und dieser Tread':
speichersysteme-offgrid-f108/eisspeicher-zur-milch-kuehlung-t108017.html
mit seinen Links
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon remag » 13.02.2018, 18:31

Grundsätzlich sehr interessante Frage des TE

meine erste Frage: bekommst du die 100kw auch eingespeist ?
wie sieht das Stromnetz vor Ort bzw am Hof aus ?

Sollten tatsächlich 100kwp möglich sein, würde ich fast gleichmäßig auf alle Flächen verteilen.
zum Beispiel: 30% Ost, 40 % Süd, 30% West.
Hängt vielleicht noch ein bißchen mit der genauen Ausrichtung zusammen.
(ist es genau Ost, oder vielleicht doch eher Nord-Ost. Wenn Nord-Ost, dann prozentual geringer gewichten)

In einen Eisspeicher würde ich eher weniger gehen, weil:
deine Kühllast korreliert schön mit dem PV-Ertrag, d.h. im Sommer hohe Kühllast und hoher PV Ertrag
Unnötige Invest-Kosten in Speicher egal ob elektrisch oder anders vermeiden.
Durch die 3 Himmelsrichtungen hast du sowieso schon eine Eigenverbrauchs-Optimierung und durch die Süd-Anlage den
Rendite Pusch.
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon pappnase » 13.02.2018, 19:15

Danke erstmal, insbesondere alorie für das schnelle Feedback.

remag hat geschrieben:meine erste Frage: bekommst du die 100kw auch eingespeist ?
wie sieht das Stromnetz vor Ort bzw am Hof aus ?

Trafo des EV steht direkt am Hof. Ob der ausreicht, müsste erst geklärt werden.

Sollten tatsächlich 100kwp möglich sein, würde ich fast gleichmäßig auf alle Flächen verteilen.
zum Beispiel: 30% Ost, 40 % Süd, 30% West.
Hängt vielleicht noch ein bißchen mit der genauen Ausrichtung zusammen.
(ist es genau Ost, oder vielleicht doch eher Nord-Ost. Wenn Nord-Ost, dann prozentual geringer gewichten)

Das passt schon ziemlich genau - dürften nicht mehr als 10 Grad Abweichung Richtung West sein.
In einen Eisspeicher würde ich eher weniger gehen, weil:
deine Kühllast korreliert schön mit dem PV-Ertrag, d.h. im Sommer hohe Kühllast und hoher PV Ertrag

Ja-ne, da wäre ich nicht so sicher. So wie mir mein Schwager das erklärt hat, muss die Milch innerhalb von maximal 15 Minuten runtergekühlt werden. Insofern fällt der größte Energie-Batzen während des Melkens in den genannten Uhrzeiten an. Danach muss die Milch nur mehr auf konstanter Temperatur gehalten werden.
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon MBIKER_SURFER » 13.02.2018, 19:48

Moin,

PV passt nicht zu den genannten Zeiten - das ist nun mal Fakt. Etwas geht immer - aber genau dann, wenn Du Spitzenleistung brauchst, kommt von der PV - auch mit 20 kWp Ost nicht viel runter.

Hier eine Grafik mit Spitzenertrag Mai einer 28 kWp O-/W Anlage:
O-W-Ausrichtung-28kWp-im-Mai.pdf
(122.34 KiB) 35-mal heruntergeladen


Gruß
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon cti » 13.02.2018, 20:54

Guten Abend Pappnase,

interessante Fragestellung! (Und danke für den Post!)

Es wäre interessant, mehr über die Opportunitätskosten zu erfahren. "Was wäre wenn..."-Szenario.

In Rechenzentren rechnet man die Vorhaltung von Batterien auch nicht mit Renditezielen von gespeicherten kWh.

(Also kannst Du getrost Beiträge von manchen Kollegen hier, die "Speicher lohnt sich nicht!" proklamieren, ignorieren.)
(Ich habe auch einen Freund (Landwirt), der sein Kühlhaus mit PV betreibt. Und er kennt einen Milchbauern, der einen großen PV Speicher angeschafft hat. Gerne schreibe ich mehr, sobald ich mehr erfahre...weil ich anfänglich auch dachte, es lohne sich nicht. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren... siehe Regelenergie etc.)

Gruß aus Karlsruhe
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon cti » 13.02.2018, 20:59

nun etwas zum eigentlichen Thema:

Habt Ihr einen Lastgang, so in 15min. Auflösung?

Nächste Woche besuche ich einen Vortrag zum Thema "Load Management" in Heidelberg.

Das Thema nennt sich "Peak Shaving", um die optimale Speichergröße zu definieren.
Habt Ihr ein Fall-back wie Dieselgenerator oder so?

Gruß
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon Mastermind1 » 13.02.2018, 21:17

Für ne Backup-Lösung habe ich bei einigen Landwirten(mit grosser PV) immer gehört, dass dort ein Generator mit Zapfwellen Betrieb (am Traktor) zum Einsatz kommt. Bei einem Bekannten der an einem abgelegenen Hof (im Unterallgäu) wohnt, fällt der Strom aufgrund Sturm/Schnee im Winter fast jedes Jahr für 1 - 3 Tage aus.

Ein Akku würde da nichts bringen. Der bekannte hat einem grossen Milchviehbetrieb mit zwei grossen melkrobotern. Das würde jeden Akku Leerlutschen.

Da ist der Generator am Traktor eine pragmatische Lösung. Zusätzlich wird damit auch das.wohnhaus mit Strom versorgt.

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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon alorie » 13.02.2018, 21:19

[/quote]
Ja-ne, da wäre ich nicht so sicher. So wie mir mein Schwager das erklärt hat, muss die Milch innerhalb von maximal 15 Minuten runtergekühlt werden. Insofern fällt der größte Energie-Batzen während des Melkens in den genannten Uhrzeiten an. Danach muss die Milch nur mehr auf konstanter Temperatur gehalten werden.[/quote]

15 Minuten ist schon heftig. Eine Stunde nach Melkende soll die Milch auf Lagertemperatur (4-6°) sein. So die Empfehlung der Molkereien.

Das Problem der PV ist halt morgens und abends wenig Strom wenn viel Strom gebraucht wird.

Die Speicherung von Eis hat gegenüber chemische Speicher den Vorteil der Verschleißfreiheit.

Hier wird Nachtstrom mit 13 ct gegen HT Strom mit 20 ct gerechnet und ein preislicher Vorteil bei Eis errechnet. Lastgangkurven werden auch gezeigt.

https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/pub ... 065687.pdf

Nur wo bekomm ich heut für NT13ct / HT20ct Strom?

Verivox wirft mir auf die schnelle als günstigsten Anbieter Stadtwerke Neumarkt mit HT 22,87ct-NT 16,17ct raus...

Die Differenz HT zu NT ist heute geringer als früher. Aber die Differenz Einspeisevergütung zu Strompreis steigt und steigt...
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Re: 50 bis 100 kWp für Milchbauer

Beitragvon remag » 13.02.2018, 21:21

1. Also erstens wäre wichtig wie groß die Anlage maximal sein darf ! Netzverträglichkeitsprüfung stellen.
2. Die Leistung der Kühlmaschine wäre auch nicht unwesentlich, ich vermute zwischen 3-5 kw elektrisch.
3. Demzufolge wären nach MBiker´s Grafik die 3 kw schon hilfreich für die Kühlung,
leider ist ja der Abend ab 18 Uhr abgeschnitten auf der Grafik.
4. Einen Stromspeicher kann man ja immer noch nachrüsten wenn man gemessene Werte hat.
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