Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Alles, was zwar PV ist, aber nicht in die anderen Foren paßt.

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Re: Plusminus v. 11.1.12 - regelmäßige Prüfungen

Beitragvon bskf » 17.01.2012, 21:49

nochmal zum Thema regelmäßige Prüfungen:

Der Punkt "Zwang zu regelmäßigen Prüfungen" beruht ja auf der Eigenschaft der Anlage als Betriebsmittel eines Unternehmers, der auch ohne AN Pflichtmitglied einer BG ist. Hier nochmal der entsprechende §.

Abgesehen davon, dass a) der kleine PV-Betreiber sich ohnehin bei der BG nicht anmeldet b) es erfahrungsgemäß keinen interessiert und c) ich in der Tat jedem empfehle, sein Anlage und zumindest die Kabelwege regelmäßig zumindest optisch zu prüfen:

Liegt ggf. jemanden eine Aussage vor, dass ein Betreiber mit Anlage auf dem eigen genutzten EFH ggf. nicht Zwangsmitglied der BG wird?

In dem Fall: Danke für ein Feedback.

Grüße

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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon mb84 » 18.01.2012, 08:45

Wie soll man den bitte die Kabel unter den Modulen prüfen?
Die spinnen die Römer!

Aktueller Stromanbieter: ESWE Versorgung AG http://www.eswe-versorgung.de
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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon jodl » 18.01.2012, 09:56

mb84 hat geschrieben:Wie soll man den bitte die Kabel unter den Modulen prüfen?


"wie soll man denn bitte" hat gegen gesetzliche Anforderungen noch nie geholfen

außerdem steht da ja: "und zumindest die Kabelwege regelmäßig zumindest optisch zu prüfen"
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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon bskf » 18.01.2012, 10:26

mb84 hat geschrieben:Wie soll man den bitte die Kabel unter den Modulen prüfen?


Von Zeit zu Zeit unter die Module reinsehen ist ja meist nicht so schwer. Wenn dann zu sehen ist, dass sich Kabel oder Stecker gelöst haben, macht's durchaus Sinn, sich das mal näher anzusehen. Und ja, zur Not eben Module runter.

Grüße

bskf

P.S. Danke an jodl für's Einspringen :wink:
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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon dunderklumpen » 22.01.2012, 19:33

Auch auf die Gefahr hin, mich hier unbeliebt zu machen, will ich mal auch noch meinen Senf dazu geben:

Im Zusammenhang mit dem Brand an der PVA in Bürstadt in 2009 habe ich mich mit dem Thema befaßt.
Es ist tatsächlich so, daß in den Anlagen, bei hinreichender Größe, Lichtbögen entstehen können. Das ist seit Jahren bekannt und unbestritten. Es gibt seit Mitte der 90er viele Veröffentlichungen und mindestens ein Buch darüber. Umsonst beschäftigen sich die Leute vom TÜV sicher nicht damit. Gegen den Lichtbogen im Falle eines Fehlers kann man etwas tun, gegen einen Ausfall in der Anlage selbst (s.u.) eher wenig.

Zum Bericht selbst:
Der Augenzeuge (Hr. Wotzke) hat gesagt: 'Es ging los in der Mitte der Anlage. Erst war es nur Qualm und Ruckzuck war es ein Riesenfeuerball...'
-> Da die Anlage mitten auf dem Dach montiert war, hätte sich ein Feuer von innen erstmal unbemerkt durch die Dachhaut fressen müssen. Das ist sicher denkbar, paßt dann aber nicht zur Geschwindigkeit mit der die Anlage in Flammen stand. Als der Brand auftrat, war es März und die Besitzer waren nicht daheim. Man kann schon davon ausgehen, daß jemand der sich, energetisch bewußt, eine PVA anschafft, im Winter die Fenster geschlossen hält. Für ein Feuer von innen war bei den modernen Fenstern deshalb das Sauerstoffangebot sicher begrenzt.
Es war klarer Himmel und die Sonne stand, zumindest von ihrer Höhe her, ziemlich senkrecht zur Modulfläche bei (4:54 im Beitrag v. 21.11.2011). Es gab also richtig Strom.
Kurz: Es spricht einiges dafür, daß tatsächlich die Photovoltaikanlage zuerst gebrannt hat und deswegen als brandauslösend anzusehen ist.


Zu den bisherigen Kommentaren:
Natürlich brennt Aluminium so ohne weiteres nicht, wenn man ein Streichholz dran hält.
Unter bestimmten Voraussetzungen aber schon. So ist es als Pulver leicht entzündlich und besitzt eine Gefahrenklasseneinstufung: http://de.wikipedia.org/wiki/Aluminium
Ich habe nicht das Wissen zu beurteilen, ob es im aufgeschmolzenen Zustand sicher brennt, aber das bei einem Lichtbogen Aluminium aufgeschmolzen wird und sogar verdampft, habe ich selbst beobachtet. Wenn ein Pulver brennt, wird Dampf das wahrscheinlich auch tun, vielleicht sogar explosionsartig. Das mögen die Experten beurteilen.

Es wird niemand ernsthaft behaupten, daß die bei Modulen und Leitungen verwendeten Kunststoffe unbrennbar sind. Sie brennen, da mit Brandhemmern versehen, lediglich nicht so schnell. Die Amerikaner fordern in ihren Normen z.B. UL60950 explizit den Einsatz derartiger Kunststoffe (gemäß entsprechender Brandklassen V0, V1, V2 etc.), wenn die in einem Gerät umgesetzte Leistung 15W überschreiten kann. Wohl wissend, daß man den Brand damit nicht völlig verhindern, aber recht gut erschweren kann. Dadurch gewinnt man Zeit zur Branderkennung und -bekämpfung.

Ein Lichtbogen mit 5000-6000K bringt sowohl das Aluminium mit Sicherheit zum Schmelzen und Verdampfen als auch schwer brennbare Kunststoffe in Brand. Wenn das passiert, kann das Lichtbogenplasma (solange noch Strom fließt) durch elektrodynamische Kräfte aus der Ebene in der der Strom fließt abgelenkt werden. Der Strom floß hier in einer Ebene parallel zum Dach. Es braucht also nicht unbedingt Benzin, um die Flammen (die eigentlich auch nur eine Art Plasma sind)
in diesem Augenblick senkrecht zur Dachfläche und nicht geradewegs nach oben wegbrennen zu lassen. Empfindliche Zeitgenossen mögen das als Explosion wahrnehmen.


Was der Herr Fischer, als vermeintlicher Experte, da im Fernsehbericht von November 2011 so von sich gibt, ist sicher kritisch zu hinterfragen. Aber hier etwas zum Nachdenken:
1) Eine Photovoltaikanlage ist eine energietechnische Anlage, in der Elektronik, nämlich die Solarzellen, verbaut ist.
2) Jede Elektronik fällt aus. Die Frage ist nur wann, wie und mit welchen Folgen.
3) Mit dem Ausfall von Elektronik haben sich schon viele Leute befaßt, so daß die Erkenntnisse als einigermaßen gesichert gelten können.

Wie sieht das nun bei einer PVA aus?
Dazu nimmt man eine Modellanlage, sagen wir mit ca. 10kWp bestehend aus Modulen Schott Perform Poly 225 (Es gehen natürlich auch alle anderen, aber mit irgendwas muß ich hier ja mal rechnen!) Ich spendiere der Anlage zwei Wechselrichter mit je 5kW, also zwei Strings mit je 22 Modulen mit jeweils einem WR und lasse das Ganze fachgerecht installieren.
Der Ausfall eines einzelnen Bauelementes wird als exponentialverteilt angenommen und soll hier mal zum Ausfall der gesamten Anlage führen. Weil ich ja nur wissen will, ob in der Anlage etwas kaputtgegangen ist.

1) Ausfallrate Modul:
Ein Modul enthält 60 einzelne Solarzellen mit einer (FIT-)Ausfallrate von 3 (einfache Si-Diode): 60x3 = 180
Dazu kommen 4 Kontaktierungen (2x Anschlußdose-Busbar, 2x Anschlußdose-Kabel) mit Ausfallrate 1: 4x1 = 4
Das heißt FIT-Ausfallrate Modul = 180+4 = 184

2) Ausfallrate String:
Ein String enthält 22 Module mit Ausfallrate 184: 22x184=4048
Die Module sind alle in Reihe. Es gibt also 22+1 Kontaktstellen die wegen Crimp-Steck-Crimp mit Ausfallrate 12 bewertet werden müssen: 23x12=176
Das heißt FIT-Ausfallrate String = 4324
Dabei habe ich so getan, als seien die an den Stringenden befindlichen Module direkt am Wechselrichter angesteckt.
Also ohne Schalter.

3) Ausfallrate Anlage:
Die Anlage enthält 2 Strings mit Ausfallrate 4324: 2x4324=8648.

4) mittlere Betriebszeit bis Anlagenausfall:
Die mittlere Betriebszeit bis zum Fehler MTTF= 1/Ausfallrate beträgt damit 115634h.
In der Hälfte des Jahres, wenn nachts die Sonne nicht scheint, wird die Anlage nicht betrieben. Mein Jahr hat deshalb nur 4380h. (Man kann auch mit der halbierten Ausfallrate, also MTTF= 231268h und dem ganzen Jahr rechnen)

Damit ist die mittlere Betriebszeit dann recht genau 26,4 Jahre. Und zwar nur für den eigentlichen Generator. Der Wechselrichter ist hier NICHT dabei. Wenn man den mit einbezieht, wird es noch schlechter.

So, nun könnte man sich zurücklehnen und sagen: 26 Jahre, interessiert mich nicht.

ABER 1: Das ist nur die mittlere Betriebszeit!
Es bedeutet, daß es durchaus Anlagen gibt, die deutlich früher ausfallen. Und zwar mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit p zu einem bestimmten Zeitpunkt t. Die bekommt man über die Verteilungsfunktion p = F(t) = 1-exp(-Ausfallrate*t).

Vielleicht mal drei markante Zeitpunkte für eine vorgegebene Ausfallwahrscheinlichkeit dieser Anlage wenn man nichts tut:
10%: 2,8 Jahre (d.h. alle drei Jahre lohnt eine Inspektion bestimmt)
50%: 18,3 Jahre (da hat dann vielleicht schon mal etwas geschmort)
90%: 60,8 Jahre (tja, und das werden viele von uns und die Anlage nicht mehr erleben: also egal)
Das heißt, die Wahrscheinlichkeit dafür, daß in der Anlage etwas kaputtgegangen ist, beträgt nach 2,8 Jahren 10%.

ABER 2: Die Schätzung hinkt. Sie ist eher optimistisch, weil erstens die Diodenausfallrate wahrscheinlich deutlich höher ist, da die Solarzellen durchaus als Leistungsdioden betrachtet werden können (dann stehen sie mit Ausfallrate 50 zu Buche!). Und zweitens der zusätzliche mechanische Streß durch Wind, Schneelast, unsichtbare Vorschädigungen bei Herstellung und Montage aufgrund der Baulementegeometrie (zerbrechliche dünne Scheibe) keinerlei Berücksichtigung findet.
In dem Filmbeitrag sind deutlich zwei heißere Zellen in einem Modul zu erkennen. So etwas tritt also wirklich auf. Ob das hier schon eine ernsthafte Gefahr bedeutet, kann nicht beurteilt werden, da man die Skalierung der Thermografiekamera nicht kennt und eine geringfügig höhere Temperatur nicht unbedingt ein Fehler sein muß.

ABER 3: Anlagenausfall heißt nicht automatisch Brand, sondern nur, daß etwas nicht mehr so ist, wie es eigentlich sein sollte.
Es ist auch nicht so, daß am Tage die Sonne permanent mit 1000W/m^2 schiene. Nur dann gibt es das volle Lichtbogen-Risiko. Bei der Hälfte der Einstrahlung sinkt das Risiko bereits rapide, da dann die Ströme entsprechend geringer sind.
Nur deshalb ist wahrscheinlich noch nicht mehr passiert.

ABER 4: Wenn ich mir die Ursachen so ansehe, da kann ich ja (bei Ausfallraten Module:Steckverbindungen = 4048:176) als Errichter und Betreiber fast gar nichts tun? Ja, das ist leider wirklich so. Einmal ordentlich installiert, bleibt einem tatsächlich nur noch eine regelmäßige Inspektion. Eine Führung der Leitungen in Rohren, wie sie hier im Forum immer wieder angesprochen wird, rettet die Situation NICHT, da sie nicht vor den überwiegend auftretenden Längsfehlern in meiner Anlage schützt. Man kann jetzt natürlich auch mal die Modulhersteller fragen, was sie so tun wollen. Das zitierte Forschungsprojekt vom TÜV Rheinland und Co. wird z.B. die Ausfallrate der Module senken helfen. Auf Null geht sie deshalb noch lange nicht.

5) Ausfallrate Solarkraftwerk Deutschland:
Es sind (Stand 2010) ca. 17,37GWp installiert, also 1737000 solcher 10kWp-Anlagen.
Wenn man das jetzt mal nach dem gleichen Prozedere hochrechnet, dann werden aus den 115634h recht genau 4min und mit meinem 12h-Tag kommt man auf Zeitdauern für entsprechende Ausfallwahrscheinlichkeiten:
10%: 0,8min
50%: 5,5min
90%: 18,4min
95%: 24,0min

Wenn eine Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis mit 95% angegeben wird, gilt es praktisch als sicher. Es wird also eine Anlage betroffen sein. Die Frage ist nur, wo sie sich befindet und bei wem. Ich laß dabei außen vor, daß es auch deutlich größere und kleinere Anlagen als 10kWp gibt und auch schönere Verteilungsfunktionen für Bauelementeausfälle. Das ändert an der Grundaussage nichts.

Und wenn in allen insgesamt in Deutschland installierten Anlagen alle 24min ein Ausfall auftreten kann, wird auch
irgendwann einer mit Lichtbogen dabei sein. Und der kann zum Brand führen, wenn genügend Leistung dahinter steckt.
Die 15W der Amerikaner sind dafür sicher ein guter Anhaltspunkt.


FAZIT: Die von Herrn Fischer in dem Beitrag von November 2011 benannten Anlagen würde ich deshalb ohne Zögern glauben, wenn er eine entsprechende Einstrahlungsdichte zum Zeitpunkt der Brandentstehung nachweist. Aber, wie gesagt, es ist nicht mit jedem Ausfall auch wirklich ein Lichtbogen verbunden.

Bevor mich jetzt jemand hier in der Luft zerreißt:
Alles, was ich aufgeschrieben habe, sind keine Halbwahrheiten, sondern steht in einschlägigen Normen und Büchern. Es kann z.B. auch bei Wikipedia nachgelesen werden. Man muß es nur wollen. Außerdem hoffe ich, mich nicht verrechnet zu haben und bitte tunlichst um Vergebung, falls das doch der Fall sein sollte.


Wenn mir aber jetzt immer noch jemand sagt 'Es kann nichts passieren', fällt mir nur ein 'Träum weiter, bis Deine Hütte brennt'.
Außer nachts. Da kann man in jedem Fall ruhig schlafen, dann ist es dunkel.


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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon hadl » 22.01.2012, 20:01

Ohne jetzt etwas verniedlichen zu wollen, sollte man erwähnen, dass die Anlage in Bürstadt eine hölzerne Unterkonstruktion hatte.
http://www.dgs.de/164.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=1690&cHash=5520753995


Gruß Hadl
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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon bskf » 22.01.2012, 20:39

Hallo Dundeklumpen,

dunderklumpen hat geschrieben:Auch auf die Gefahr hin, mich hier unbeliebt zu machen, will ich mal auch noch meinen Senf dazu geben


Du machst Dich, zumindest bei mir, definitiv nicht unbeliebt. Im Gegentiel. Ich mache mir laufend Gedanken zur Montagequalität und -effizienz bei Installationen. Dabei ist Brandvorbeugung ein wesentlicher Punkt, wobei es natürlich immer wieder Zielkonflikte mit der Ausbeute und *Überraschung* Kostenseite gibt.

Daher bin ich immer an Informationen und Überlegungen rund um das Thema interessiert. Der Haken ist nur, und vielleicht daher Dein Kommentar, dass gerade zu Brandsituation zu oft unfundierte Feststellungen getroffen werden. Der Klassiker ist dabei Rösrath. Und Vorkehrungen auf Basis falscher Daten/Informationen helfen eben niemanden.

Ich nehme mir Deine Hinweise die nächsten Tage nochmal vor, nur soviel erstmal:
Klar kann es bei aufgescheuerten Kabeln zu Lichtbögen kommen, das wurde m.E. von keinem bestritten. Die benötigen aber auch Brandlast, um ein Feuer auszulösen. Wenn ein Stoff in Pulverform brennen kann, sagt das noch lange nichts über seine Brennbarkeit in Körperform aus, ein typisches Beispiel ist Stahlwolle vs. Stahlbarren.

Grüße

bskf
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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon dunderklumpen » 23.01.2012, 23:09

Hallo die Runde,

zum Thema Aluminium und Brennen habe ich hier:

http://www.aluinfo.de/index.php/alu-lexikon.html?lid=30

das gefunden:
Brennbarkeit: Aluminium brennt nicht. Nur unter bestimmten Bedingungen, das heißt in fein zerteilter Form (zum Beispiel in Pulverform), reagiert es stark exotherm (wie andere Metallpul­ver auch) und wird daher in der Aluminothermie und als Treib­stoff in der Raumfahrt eingesetzt;


Ob nun der Aluminiumdampf, mit dem ja ab etwa 2500°C zu rechnen ist, auch brennt? Man weiß es nicht. Ich würde das auf keinen Fall so pauschal ausschließen. In einem 5000-6000K heißen Plasma brennt wahrscheinlich alles.

Zum Thema Holzgestelle ist ja hier unter 'Bürstadt' vor 1,5 Jahren schon alles gesagt worden.
Dabei war mir das mit dem Vorwurf der fahrlässigen Brandstiftung im Zusammenhang mit Bürstadt neu. Dann müßte man ja alle Leute, die ab Mitte 2009 Photovoltaikanlagen aufgebaut oder Module geliefert haben, anklagen, wenn die Brandursache in der Anlage liegt. Denn die hätten ja seit der Veröffentlichung hier im Forum wissen müssen, daß in nahezu jeder Anlage jenseits der 1000Wp ein Lichtbogen auftreten kann. Rein formal hätten sie ja spätestens seit Ende der 90er etwas dagegen tun können, schließlich sind die Artikel von Vaaßen, Häberlin und Co. schon so lange veröffentlicht. Dem Thüringer Doktoranden mit seinem Buch 2002 ist anzulasten, daß er sich nie in Staffelstein hat blicken lassen. Zumindest taucht er dort nicht als Autor auf und hat somit sein Zeug gut vor der Szene geheim gehalten. Aber eigentlich hat er schon klar gesagt, was man tunlichst nicht machen sollte. Nur wird gerade genau das Gegenteil davon gemacht: Modulströme hoch, Stringspannungen hoch etc.

Das mit dem Brandfortgang unter den Ziegeln hätte ich so nie für möglich gehalten. Vielleicht gab es eine thermische Isolation aus Polystyrol und nicht aus Glaswolle. Das würde zum fettschwarzen Rauch auf den Fotos passen. Und wenn das Zeug erstmal brennt, reicht es wahrscheinlich auch für die Dachlattung. Den Rest hat man auf dem letzten Bild gesehen. Aber das ist schon wieder alles recht spekulativ und setzt voraus, daß der Brand wirklich in der Anlage losging. Das halte ich selbst für sehr wahrscheinlich, aber eben nicht für 100% gesichert.

Wirklich erschreckend finde ich aber das Ergebnis des kleinen Zahlenspiels. So schlimm hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Doch das eigentlich Tragische daran ist für mich, daß es Leute geben muß, die eine ähnliche Rechnung gemacht und keinem etwas gesagt haben. Jeder Halbleiterhersteller macht solche Rechnungen. Nebenbei ist es auch zur Berechnung der zu gewährenden Garantiedauer unheimlich praktisch.

Und jetzt schaue ich mit diesem Wissen auf meine Anlage. Was passiert?
Es soll ein Längsfehler auftreten, weil das Auftrennen stromtragender Verbindungen einen Lichtbogen verursachen kann und in Anbetracht der Ausführung der Anlage sehr viel mehr Längs- als Querfehler zu erwarten sind. Warum das so ist, wird schnell klar, wenn man bedenkt, daß innerhalb eines Modules sehr viele Längsverbindungen vorhanden sind, die alle ausfallen können, aber ein Querfehler in einem geschlossenen Modul doch eher unwahrscheinlich ist, weil dazu jemand auf das Modul einwirken muß. Querfehler in der Anlage sind wegen meiner fachgerechten Installation unwahrscheinlich.

In meiner Beispielanlage haben die Module eine Leerlaufspannung von 36,7V und im MPP sind's dann 29,8V, also 6,9V Differenz pro Modul. Bei 22 Modulen im String bleiben im Moment des Fehlereintritts dabei 151,8V für den Lichtbogen an der Fehlerstelle, da der Wechselrichter einen Kondensator enthält, der erst einmal auf seinem Spannungsniveau (UMPP) verharrt. Was der Wechselrichter dann genau macht, weiß man nicht. Er wird sicher die verminderte Spannung einer erhöhten Temperatur und den verminderten Strom einer verringerten Einstrahlung zuschreiben, und sich dann den neuen MPP suchen. Oder er ist pfiffig und schaltet bei schnellen Einspeiseänderungen ab. Auf jeden Fall bedarf es dazu etwas Zeit, die im Augenblick des Fehlereintritts aber noch nicht verstrichen ist.

Nach den Diagrammen in besagtem Buch kann ein Lichtbogen bei 150V und Kupferelektroden deutlich über 40mm lang sein. Ganz so schlimm wird es in meiner Anlage dann aber doch nicht, wenn man sich die Bilder (im Buch) weiter hinten ansieht: die Kennlinie der Spannungsquelle an der Fehlerstelle ist, wie in Grundlagen der Elektrotechnik, (fast) eine Gerade mit Leerlaufspannung 152V und Kurzschlußstrom IMPP=7,55A (siehe Datenblatt). Das reicht immerhin aus für etwa 95V und 3A (also etwa 300W, genauer kann ich die Diagramme nicht ablesen) an der Fehlerstelle im ungünstigsten Fall, der aber sicher eintritt. Damit werden's dann etwa 10mm Lichtbogenlänge (mit über 5000K). In dem Buch hat man für ähnliche Bedingungen wie hier für einen Versuch mit 6 Modulen (UMPP=17,0V, IMPP=6,47A) Lichtbogendauern von mehreren Sekunden beschrieben, warum sollte das in meiner Anlage hier anders sein.

Ich überlasse es der Phatasie jedes Einzelnen, sich auszumalen, was passiert, wenn soviel Leistung mehrere Sekunden auf eine Umgebung voller Kunststoffe einwirkt. Eine brennende Kerze rechnet man oft mit 100W.


Was kann man nun tun, um einen Lichtbogen sicher auszuschließen:
1) Modulstrom runter (3A werden im Buch empfohlen)
Das Ungünstige ist momentan, daß die durchschnittlichen Modulströme mit den größeren Solarzellen auch immer größer geworden sind. Und zwar etwa um den Faktor 2 gegenüber Jahr 2000.
2) Stringspannung runter (<100V werden im Buch empfohlen)
Strings mit 100V/3A zusammenfrickeln geht sicher nicht, das ist wohl eher akademisch. Wenn man statt 'sicher ausschließen ' vielleicht ein 'Lichtbogen kleiner als ?mm' macht, wird es realistisch. Buch lesen, selber nachrechnen gegen andere Argumente aufrechnen und dann selbst entscheiden.
3) Für Experimentierfreudige: über jedes Modul einen Kondensator klemmen (wird auch im Buch empfohlen)
Aber Achtung. Der kann natürlich auch kaputt gehen.
4) Lichtbogenfreie Module einkaufen (wird nicht im Buch empfohlen, könnte man aber machen)
Vielleicht fällt ja jemandem etwas dazu ein.
5) Wechselrichter mit Lichtbogenerkennung (nach Häberlin) und Abschaltung einsetzen (wird im Buch nicht unbedingt empfohlen, könnte hier aber gehen; aber nicht für Querfehler über einem Modul)
Streng betrachet verhindert man den Bogen hiermit nicht, da er ja zum Detektieren erstmal da sein muß, bevor ich ihn ausschalte. Ob es so etwas mittlerweile zu kaufen gibt, weiß ich nicht.


Bei alledem bitte nicht vergessen:
Lichtbogenfehler sind u.U. nicht die einzigen Fehler, die eine Anlage in Rauch aufgehen lassen können.
Vielleicht ja doch mal einen Modulhersteller fragen, wie das denn mit der Ausfallrate des auserwählten Modules so ist...
Auf die Antworten bin ich jetzt schon sehr gespannt.


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Re: Brandgefahr - Plusminus Heute (11.1.12) 21:45

Beitragvon Mühli » 24.01.2012, 02:25

Nein, Alu in Stangenform brennt definitiv nicht.
Ich glaube, ihr habt hier bissi falsche Vorstellungen. Die Schiene zerteilt sich jetzt nicht grad in Staub wegen so nem Pippi-Lichtbogen und Aludampf zu erzeugen ist jetzt auch nicht so simpel, sonst würd jeder Schlosser Alubeschichten.

Ich schweiße Aluminium und auch wenn man vergisst das Schutzgas aufzumachen, NEIN, es brennt nicht.
Und das ist immerhin ein Lichtbogen mit >150 Ampere, der ist gemacht um das Material zu schmelzen und hat gerne etwas höhere Temperaturen.
Es spritzt vielleicht ein bisschen rum und das wars. Brennen sieht anders aus.
Haben wir mal in der Schule gemacht, feinen Alustaub in ein Röhrchen tun und dann durch den Bunsenbrenner blasen.
Gibt nen bisschen Funkenregen ala Sternwerfer, das wars.
Richtig geil dagegen ist Thermitschweißen. Alupulver und Eisenoxidpulver in einen Tontopf, Magnesiumschnur dran, zünden und staunen.
Da schlonzt es das glühende Eisen grad so raus.
Hat aber wirklich nix mit PV-Schienen zu tun...eher mit Eisenbahnschienen.

Was man dagegen tun kann?
Gegen entsprechende Prämie hole ich eure Module gerne ab und führe sie einer weiteren Verwendung zu, ohne dass ihr Angst haben müsstet.
Einfach eine PN schreiben, ich komme sofort.
Auch die Unterkonstruktion und den Wechselrichter nehme ich gerne mit, kostet halt bisschen extra.
Wenn ihr die Stichworte "Forum" und "Hose voll" erwähnt, kriegt ihr 10% Rabatt.

Leute, man kanns auch übertreiben, ehrlich. Nen Haufen Halbwissen, irgendwelche Temperaturangaben hier und dort, Plasma hört sich nach Raumschiff Enterprise an und dann nimmt das Unheil seinen Lauf, jedesmal das selbe, dabei hatten wir dieses Thema erst gefühlte dreihundertvierzehn mal.
Kommt ständig im Fernsehen und einmal im Jahr, pünktlich zum Winterloch, fackelt was ab und es ist wieder mal große Panik.

Gruß und macht euch nicht so große Sorgen!
6,6kWp West 92°, DN30°; 30xSolon Blue 220 an SB4000TL und 2100TL; 2008
16,92kWp, davon 5,64kWp Ost 88°, DN30°;24xSchott Poly 235; 11,28kWp Süd -10°, DN10° 48xSchott Poly 235 an STP 15; 2011
2,35kWp Südwest 72°, DN42°; 10xSchott Poly 235 an SB2100TL; 2011
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