Zur
"Kollektor-Regel"Zur schnellen Abwägung benutze ich im Alltag einen Satz von sogenannten Faustformeln. Eine davon wurde hier im Forum liebevoll "Kollektor-Regel" genannt.
Für einen ersten Überblick reicht die einfache Formel Herstellpreis < 10-fache Einspeisevergütung aus.
Hätte man keine weitere Kosten, keine Degradation, keinen Ausfall und keine Reparaturen, so würde dieses Verhältnis bei einer reinen Eigenkapitalfinanzierung 7 % Rendite ergeben bei einer Laufzeit von 20,5 Jahren. Da jedoch weitere Kosten anfallen, die Module über die lange Laufzeit schwächer werden und auch mal was ausfällt und ersetzt werden muss sowie auch mal ein verregnetes Jahr eingerechnet werde sollte, liegt die tatsächliche Rendite eher bei 5,25 % bis 5,75 %. Finanziert man die Anlage, so kommt man dann schon in einen Bereich wo es "zittrig" werden und über die Laufzeit sogar Verluste entstehen können. Andererseits hält die Anlage meist länger als 20 Jahre, aber seriös rechnen sollte man nicht über den einspeisegarantierten Zeitraum hinaus.
Da die Faustformel oft im Forum angewandt wird, liefere ich hier in einfacher Form die Begründung.
Die allgemeine Berechnungsformel zum Anwachsen von Kapital unter Berücksichtigung der Zinseszinsen lautet:
ENDKAPITAL = ANFANGSKAPITAL x ( 1 + p/100 ) hoch n
p = Zinssatz, n = Anzahl der Jahre
Will man die Rendite aus bekanntem End- und Anfangskapital ausrechnen kann man die Formel umstellen:
p = 100 x ( n-te WURZEL aus ENDKAPITAL/ANFANGSKAPITAL minus 1 )
Legt man die Einspeisevergütung ( EV ) zum Zinssatz p an,
so erhält man für das Endkapital ( EK ) folgende Werte:
1. Jahr: EK(1) = EV * ( 1 + p / 100 ) hoch 19
2. Jahr: EK(2) = EV * ( 1 + p / 100 ) hoch 18
...
20. Jahr: EK(20) = EV * ( 1 + p / 100 ) hoch 0
Das ENDKAPITAL ist die Summe aller Jahre. EK(1) + EK(2) + ... + EK (0)
Bei konstanter Einspeisevergütung und dem Zinssatz p = 7,18 % vervierfacht sich das ANFANGSKAPITAL nach 20 Jahren.
Das gleiche Ergebnis erhält man, wenn man
das ANFANGSKAPITAL zu p = 7,18 % bei Wiederanlage der Zinsen auf der Bank anlegt.
Im Internet gibt es javabasierte Rechner, die einfacher anzuwenden sind:
http://www.zinsen-berechnen.de/finanzre ... sparen.phphttp://www.zinsen-berechnen.de/kreditrechner.phpSchlussfolgerung für die
Gesamtkapitalrendite für PV-Anlagen:
Hätte man eine konstante Einspeisevergütung von 10 % des Herstellpreises über 20 Jahre und keine weiteren Kosten und legt diese in einem Sparplan zu 7,17 % an, so erhält man eine Gesamtkapitalrendite von 7,14 % .
Die sogenannte "Kollektor-Formel" sagt nicht mehr oder weniger aus.
Nimmt man weitere Prämissen an wie
- 0,5 % Degradation pro Jahr
- laufende Kosten von 1 % des Herstellpreises
so veringert sich die Gesamtkapitalrendite auf ca 5,5 % pro Jahr. Soviel erhält man bei einer Geldanlage bei 5,5 % Zinsen auch auf der Bank.
Die Faustformel ersetzt keine exakte Rechnung, eine exakte Rechnung ist sowieso nicht möglich da die Prämissen nicht fix sind. Eine exakte Rechnung erfasst auch die steuerliche Seite.
Aber: Ist das Kriterium Herstellpreis = 10 x Einspeisevergütung erfüllt, so arbeitet die PV-Anlage im rentablen Bereich und lässt sich über einen Kredit bis ca 6,1 % bei einer Laufzeit von 20 Jahren sogar voll finanzieren und abzahlen. Mit 6,1 % deshalb, weil die vollen Zinsen nur am Anfang anfallen und mit der Tilgung kleiner werden. Und man hat eine PV-Anlage auf dem Dach die vermutlich noch einige Jahre zusätzlich kostenlosen Strom liefert.