Wir haben derzeit ein zweigeteiltes Umlagesystem.
1. Privilegierter Letztverbrauch
2. Nicht privilegierter Letztverbrauch
Ich persönlch plädiere für ein dreistufiges System
1. Stromintensive Industrie (wie bisher nur geringe Umlage) ~10% des Stromvebrauchs
2. Industrie, vielleicht 1/3 der Umlagehöhe ~ 40% des Stromverbrauchs
3. Handel, Gewerbe, Haushalte, volle Umlagehöhe ~ 50% des Stromvebrauchs
Das würde natürlich dazu führen, dass die EEG Umlage für Haushaltsstrom nochmal kräftiger ansteigen wird, ich halte ~10ct/kWh in einigen Jahren für denkbar, das hängt davon ab, wie sich die Preise für fossile Energieträger entwickeln und welche Ausbaugeschwindigkeit der teure EEG Strom, insbesondere die Photovoltaik erreicht
Ich bin außerdem dafür, eine Umlage für die Integration von Speichersystemen sowie eine Umlage für den Aufbau der E-Mobilitäts-Infrastruktur mit ins EEG zu integrieren.
Darüber hinaus wäre es in meinen Augen gut, wenn es in haushalten keine Grundgebühr gäbe und beim Strompreis eine Grundversorgung von meinetwegen 1kWh/Tag und Haushalt kostenfrei wäre und auch bei nicht bezahlter Rechnung nicht verweigert werden dürfte.
Der Rest des Strompreises wäre dann logischerweise nochmal höher, so dass am Ende Strompreise von ca. 40ct/kWh realistisch wären.
Ich müsste dann auch mehr zahlen als heute (ich pflege ein stromintensives Hobby), bin aber dennoch der Ansicht, dass das ein kluges System wäre, das den Umbau der Stromversorgung voran treibt, Anreize zum Energie sparen schafft, die Wirtschaft nicht schwächt, aber Anreize zur Effizienzsteigerung bietet und nebenbei noch das Henne-Ei-Problem bei der E-Mobilitäts-Infrastruktur löst und sozial schwachen Haushalten eine bedingungslose Grundversorgung garantiert.
Für sehr energieeffiziente Haushalte wäre der Preis am Ende sogar geringer als heute.
Im Topf wären dann z.B.:
Industrie 1: 60 TWh zu je 0,3ct/kWh Umlage = 0,18 Mrd. Euro
Industrie 2: 240 TWh zu je 3ct/kwh Umlage = 7,2 Mrd. Euro
HD + HH : 300 TWh zu je 10ct/kWh Umlage = 30 Mrd Euro
also unterm Strich rund 37 Mrd Euro an EEG Umlage, die man dann verteilen könnte.
1 Mrd. für E-Mobilitätsinfrastruktur
6 Mrd. für Speicher und Biomasse-Kombikraftwerksboni
30 Mrd. Euro dann für PV, Wind, Biomasse & Co
2009 waren dies ca. 10 Mrd. Euro, siehe:
http://www.eeg-kwk.net/cps/rde/xbcr/eeg ... 281%29.pdf30 Mrd wäre also Potential für grob eine Verdreifachung der bisherigen EEG Strommenge, womit in etwa das Ziel für 2020 wahrscheinlich nicht zu erreichen wäre.
In 2009 waren die 10 Mrd grob gedrittelt für Wind / Biomasse / Photovoltaik
In 2009 wird die PV Umlage für grob 12 TWh PV Strom statt 6 TWh PV Strom in 2009 zu zahlen sein, also eine Umlage von fast 5 Mrd. Euro. Bei dem gewünschten weiteren Ausbau kommt dann jedes Jahr nochmal grob 1 Mrd dazu mit fallender Tendenz, so dass es im Jahre 2020 ganz grob in der Größenordnung um 15 Mrd Euro jährliche(!) EEG Umlage nur für die paar % PV-Strom anfallen würde.
Bei Wind und Biomasse dürfte das Drama nicht ganz so groß sein, obwohl Wind dann den meisten Strom wird liefern können, vielleicht 5 Mrd Euro für jeweils wind onshore und offshore und nochmal 5 Mrd. Euro für Biomasse (ohne Kombikraftwerks- oder Speicherbonus)
Ich denke, der Rest (Wasser, Gase, Geothermie) wird bis 2020 von den EEG-Umlagekosten her im Vergleich zu den obigen 4 nicht signifikant sein.
Die einzelne kWh EEG Strom im Mix der Energieträger wird meiner Meinung nach künftig nicht billiger sein als sie es 2009 mit 13,945ct/kWh war. Bei den billigen EE wie Wasserkraft und onshore Wind gibt es kaum Ausbaupotential, am meisten soll künftig die teurere offshore Wind und die noch teurere PV wachsen.
EEG Strom wurde im Mix(!) auch die letzten 10 Jahre immer teurer:
http://www.eeg-kwk.net/cps/rde/xbcr/eeg ... cklung.pdfDarüber hinaus würde ich keine Prognose wagen, 2020 haben wir möglicherweise peak oil schon hinter uns.
Unterm Strich: Für Haushalte wirds deutlich teurer werden, denn ich glaube nicht, dass man den Strom für die Industrie wird in gleichem Maße verteuern können. Die alten Prognosen des BMU sind von ganz anderen Zubauraten z.B. bei der PV ausgegangen und schon längst überholt.
Ich denke mit 40ct/kwh und 1kWh/Tag kostenlos und Wegfall der Grundgebühr können die Haushalte trotzdem gut leben, es gibt da ja teilweise noch enormes Effizienzpotential.
Für die E-Mobilität wäre der Preis natürlich etwas schmerzhafter, aber E-Autos können anders herum vom Speicherbonus profitieren und als Leistungsreserve und Dienstleister am Netz Geld verdienen.
Außerdem wird es bei >30% EE vermutlich Überschussstrom bisweilen auch billiger geben.
mfg
PS: Das ist so eine BMU Berechnung, die sich mittlerweile schon längst überholt hat:
http://www.wind-energie.de/fileadmin/do ... tation.pdf