Spanien beschliesst Net Metering

News über Photovoltaik und Solarstrom

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Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon Spekulatius » 21.11.2011, 03:14

Im Königreich Spanien bahnt sich eine kleine PV-Revolution an. Die Regierung hat letzten Freitag 18.11. das Gesetz für den Eigenverbrauch aus EE und das Net Metering beschlossen.

http://www.reuters.com/article/2011/11/ ... JH20111118

http://www.suelosolar.com/newsolares/ne ... =6389&idp=

Damit wird es künftig möglich sein, PV-Strom aus der eigenen Anlage selber zu verbrauchen und die Überschüsse zum Bezugstarif auf die Stromrechnung gegenzurechnen (saldierenden Zähler ohne Rücklaufsperre). Das Gesetz gilt für Anlagen unter 100kW. Für Anlagen unter 10kW wird das Genehmigungsverfahren radikal vereinfacht. Gemäss Gesetzvorlage muss die Anlage künftig nur beim Netzbetreiber angemeldet werden und obliegt keinem komplizierten Genehmigungsverfahren mehr.

Die genauen Richtlinien u.a. zum Verrechnungsmechanismus sollen in den nächsten 3 Monaten festgelegt werden, aber es ist schon durchgesickert, dass die Stromguthaben aus PV über 12 Monate saldiert werden dürfen, d.h. man kann maximal den Jahresverbrauch mit PV gegenrechnen.

Die meisten Haushalte in Spanien zahlen den regulierten Tarif. Der Arbeitspreis (Netto) liegt bei 15,0 Cent/kWh (14,2 Ct Tarif +0,8 Ct Stromsteuer). Bei 1600 kWh/kWp ist eine Anlage (€1800/kWp) ohne Zinsen nach 7 1/2 Jahren abbezahlt, danach ist die Stromversorgung praktisch geschenkt (Abgesehen vom Grundtarif).

Ideal wäre es natürlich wenn das Gesetz jetzt mit einem Solarkreditprogramm a la KfW begleitet werden würde. Bei 4% Zinsen wäre Halligalli und Spanien hätte ratzfatz 300000 Arbeitslose zu Solarteuren gemacht.

Der Clou liegt in der Finanzierung. Wenn kein Solarkreditprogramm kommt müssen Privatinvestoren ran durch Leasingmodelle oder Stromlieferverträge. Z.B. Kosten auf €1500/kWp runterknüppeln (Grossauftrag von 1000 Objekten), Stromliefervertrag über 18 Cent in den ersten 5 Jahren, danach 15 Jahre 10 Cent, danach wird Anlage verschenkt. Rechnet sich nach Busch (7%) in 8 Jahren und wäre für den Kunden durchaus attraktiv, da der Stromsektor in Spanien chronisch defizitär ist und die Unternehmen schon weitere Preiserhöhungen für die nächsten Jahre angekündigt haben.

Was meinen die Experten und die Oberkapitalisten? Pommesbude in Deutschland oder auf nach Spanien?

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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon PV-Insel » 21.11.2011, 09:52

Warten wir es mal ab, ob das wirklich so kommt, so richtig glauben kann ich es noch nicht. Ist auf jeden Fall noch ne nette Aktion von der alten Regierung am letzten Tag der Amtszeit gewesen (gestern waren ja Wahlen).
Falls es so kommt, dann kann ich mir vorstellen, dass PV hier (ich lebe in Spanien) wieder richtig boomt und evtl. sogar wieder zum weltgrößten Markt aufsteigt. Italien sollte folgen und das gleiche Modell durchsetzen (in diesen Regionen braucht keiner mehr subventionierte Tarife, sondern das net metering ist sogar schon fast zu rentabel).

Grüße
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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon PV-Berlin » 21.11.2011, 11:18

Die Frage stellt sich, was die neue Regierung an Argumenten dagegen haben könnte?
Mit fallen auf Anhieb keine ein, die volkswirtschaftlich Sinn machen. Daher kann sie überlegen, dass sie eventuell das Gesetzt dahingehend leicht modifiziert, dass der private PV Investor nach Abschreibung seiner Anlage sich an den Grundkosten beteiligt (Endfälligkeit) , oder dass er eine Menge X Strom mehr produzieren muss, um in den Genuss dieser Regelung zu kommen. Da Kapital für die Energieunternehmen am Markt kaum noch zu bekommen ist und Spanien nun nicht eben einen großartiges Handelsüberschuss hinlegt, wäre dieses Regelung ein Mittel Strom auch als Exportprodukt zu entwickeln.

Eine kfW Lösung braucht es nicht, denn der Wiedereinstieg der Solarbrache in Spanien wird nicht auf einen Schlag hoch effektiv sein. Daher fördert der anfängliche enge Markt (Kunden mit Eigenkapital oder Zugang zu Fremdkapital) die Systemkosten niedrig zu halten. Mit der Entwicklung der PV Branche werden die Systemkosten dramatisch sinken und die Nachfrage steigen.

Hoffentlich nutz die neue Regierung diese Steilvorlage, die sie in ihrer Umsetzung als die ihrige verkaufen kann.

Der Deutsche Markt ist so effektiv, dass selbst eine Regelung mit > 20% Überschuss (Stand Heute) zu einem dramatischen Zubau an Anlagen im Bereich privates Wohneigentum führen würde, das liegt im wesentlichen an den aktuellen Zinsen, die ja zur Zeit effektiv minus ca. 2% nach Steuern liegen. Wohlmöglich, dass dies nur wenige Solarteure hier verkaufen können, aber die, die das kommunizieren können, gehen durch die Decke. Nur wird Merkel & Co. so etwas in D. niemals zulassen, leider.
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon Spekulatius » 21.11.2011, 11:48

Zur Akzeptanz des Gesetzes unter den Parteien:

Der Gesetzentwurf wurde schon am 14. Juni im Spanischen Parlament besprochen und von den Abgeordneten aller Parteien EINSTIMMIG durchgewinkt. 333 Stimmen, 333 dafür, 0 dagegen, 0 Enthaltungen !!!

http://www.solarsostenible.org/2011/se- ... toconsumo/

http://www.inmoweb.com/IMAGES/Proyecto% ... tencia.pdf

Jetzt fehlt nur noch dass die Saldierung tatsächlich auf 12 Monate fixiert wird.

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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon PV-Berlin » 21.11.2011, 12:15

Danke, hatte es zwar gehofft, aber du gibst mir Hoffnung, dass diese Länder endlich in der Not zu den richtigen Maßnahmen greifen. Wenn diese 12 Monatsfrist kommt, knallt es im Karton. Es wäre ja nicht so, als ob es in Spanien nur Dumme und Arme gibt. Es sollen ja auch schon ca. 1 Mill. Deutsche Rentner in Spanien leben (Rentner im Sinne von nicht arbeiten müssen) deren oberstes Ziel ist "Geiz" Bargeld haben sie mehr als genug, zumal deren Verbrauch ja nicht sonderlich hoch sein wird. Je Person 1.500 kWh macht bei zwei Rentner grade mal poplige 2 bis 3 kWp. Das mal 2.000 bis 1.500,- € je kWp. Also maximal 6.000,- €

Würde mich nicht arg wundern, wenn Solarteure aus D. nicht ab November bis Februar ihre "NL" in Spanien aufstocken. Portugal, Italien und sogar Griechenland könnten auf die Idee kommen abzuschreiben. Arbeit und Steuereinnahmen ganz ohne Staatsknete und IWF und dazu noch den Umstieg gratis on Topp.

Das Öttiger hat schon recht! Die Sonne scheint im Süden "besser", aber eher in das Gehirn der Politiker, als die auf die PV Anlagen.

Ich glaube die 4G bekommen langsam Panikattacken. Spricht sich das rum, sind sie in 10 Jahren die 4Z (Zwerge). In wenigen Jahren, werden dann noch Investoren wie einer seiner, die mittleren Verbraucher angehen (Leasingmodelle) dann wird es richtig lustig.
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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon bimon » 21.11.2011, 12:24

Spek: Du sprichst ja schon an, dass der Stromsektor schon jetzt deftig Verluste schreibt. Kann mir kaum vorstellen, das jemand einen Kunden annimmt, der auf diesen Mechanismus setzt. Oder müssen sie? Die Kosten für den "klassischen" Stromversorger steigen deutlich, die Umsätze brechen ein. Und was passiert bei einem negativen Saldo? Auch kann ich mir das mit der Verrechnung der Netzkosten nicht vorstellen. Wer zahlt die denn beim Rücklauf?
Und die kWh, die der Stromversorger rückläufig bekommt, muss er dann noch zusätzlich vermarkten(Kosten), erhält dafür maximal den Preis 1:1 zurück und macht sich mit diesen kWh auch noch Konkurrenz zum Normalgeschäft. Früher hat er 2 kWh geliefert, heute nur noch eine. Und von der einen bleibt wohl nicht wirklich was von der Marge übrig. Bin mal auf die konkrete Ausarbeitung gespannt.Ohne staatlichen Ausgleich sehe ich das nicht. Und das kann ich mir unter aktueller Prämisse in Spanien wahrlich nicht vorstellen. Mein spanisch ist leider nicht existent.Wie sieht das konkret aus?
Den normalen Stromversorgern stellt man damit ein Bein. Und das kann auch keiner wollen, der hier pauschal gegen die "Umweltverpester" und "Monopolisten" wettert(würde im Übrigen ja auch kleine Ökostromanbieter treffen). Irgendwer muss ja als Netmetering-Gegenüber herhalten.
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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon Pontijack 60 » 21.11.2011, 13:57

bimon hat geschrieben:Spek: Du sprichst ja schon an, dass der Stromsektor schon jetzt deftig Verluste schreibt. Kann mir kaum vorstellen, das jemand einen Kunden annimmt, der auf diesen Mechanismus setzt. Oder müssen sie? Die Kosten für den "klassischen" Stromversorger steigen deutlich, die Umsätze brechen ein. Und was passiert bei einem negativen Saldo? Auch kann ich mir das mit der Verrechnung der Netzkosten nicht vorstellen. Wer zahlt die denn beim Rücklauf?
Und die kWh, die der Stromversorger rückläufig bekommt, muss er dann noch zusätzlich vermarkten(Kosten), erhält dafür maximal den Preis 1:1 zurück und macht sich mit diesen kWh auch noch Konkurrenz zum Normalgeschäft. Früher hat er 2 kWh geliefert, heute nur noch eine. Und von der einen bleibt wohl nicht wirklich was von der Marge übrig. Bin mal auf die konkrete Ausarbeitung gespannt.Ohne staatlichen Ausgleich sehe ich das nicht. Und das kann ich mir unter aktueller Prämisse in Spanien wahrlich nicht vorstellen. Mein spanisch ist leider nicht existent.Wie sieht das konkret aus?
Den normalen Stromversorgern stellt man damit ein Bein. Und das kann auch keiner wollen, der hier pauschal gegen die "Umweltverpester" und "Monopolisten" wettert(würde im Übrigen ja auch kleine Ökostromanbieter treffen). Irgendwer muss ja als Netmetering-Gegenüber herhalten.


Leider sehe ich das auch so kommen. Schon wenn vereinfacht gesagt 25% der Abnehmer eine PV Anlage haben wird es betriebswirtschaftlich zur Existenzfrage.
Ich kann nicht Schrauben um 15 ct kaufen und um 15 ct verkaufen und dabei 10 Leute beschäftigen und die Bude erhalten oder Miete zahlen.
Früher oder später müssen für diesen Fall Grundgebühren oder Netzmieten erhöht werden, nicht nur um die Netze auszubauen sondern alleine um die Instandzuhalten.

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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon PV-Berlin » 21.11.2011, 14:47

Ihr seid schon tolle Ökonomen. Welche Kosten fallen denn da an, außer die Netzkosten?
Den Zubau bis auf 25% ansteigen zu lassen ohne Degression, ist ja totaler Unsinn. Das wird man nicht machen. Die Degression schaut eben nur viel viel eleganter aus, als die zur Zeit in D.

Das Ding ist ganz simpel einzufangen. Saldiert man den Schmus auf 12 Monate, dann kann man doch verlangen, dass die mit 10% Überdeckung anfangen.
Merkt man, das läuft gut, weil die Leute rechnen und die Solarteure besser werden, schraubt man das alle halbe Jahre um x% höher.
Da auch in Spanien nur wenige Dächer haben, funktioniert das Ganze. Den Überschuss gibt man den Netzbetreibern &/ den Strommangement, welchen Begriff man wählt ist dabei eher Geschmacksache.

Ich hatte dieses System schon 2010 vorgestellt für D. In D. würde ich gleich mit 20% starten, wer nicht ganz blöd ist, der schlägt sofort zu. Bei 22 Cent Netto Strombezugspreis 1.800,- € Kosten je kWp sagen wir mal und den 20% muss der Strompreis nur leicht steigen und man ist gut im Plus.

Logisch, dass man sich verpflichten muss auf beiden Seiten, sonst geht das nicht.

Rechnung: 1.800 € je kWp bei 1.000 kWh je kWp minus 20% macht 800 kWh je kWp bei Bundesrendite < 2% und nur 10 Jahren = 25 Cent bombensicherer Strombezugspreis. sind 1.600, € möglich in 2012 = sind wir bei 22 Cent

Degression alle halbe Jahre + X% Noch Fragen? > Einspeisung (20%) zum Börsenpreis. Es ginge im Bereich 380 V Netze ganz einfach, man muss es nur wollen. Wenn die voll sind, muss man an den % schrauben. Aber wo sind die Heute schon voll?

Wie hoch, ist Heute der Netzanteil an den Strombezugskosten in D. bei den privaten Haushalten? Auf jeden Fall ist das billiger, als die heutige Regelung des EEG mit EV. Wo sich der Private PV Anlagenbetreiber sauber "verabschiedet" aus den Kosten. Wir sind auch ganz schnell bei mehr als 30% bin ich mir sicher.

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Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon Pontijack 60 » 21.11.2011, 15:57

Bei "Spelulatius" Treadhstart steht aber NETMETERING nicht : "wenn, hätte, würde, könnte" mit 20% hier und da.
Wenn alle Stromkunden Netmetering haben ( das würde verdammt schnell gehen) dann könnten die Netzbetreiber nicht einmal mehr einen kaputten Trafo austauschen, werter Herr !

Jack
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Re: Spanien beschliesst Net Metering

Beitragvon CH » 21.11.2011, 16:26

kleine Berichtigung: im Gesetz momentan gilt das (Spanien) bis 10kW, nicht 100kW. Wichtiger Unterschied!!

LG,
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