Solarlobby: Im Namen der Sonne

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Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon Ulmer » 03.03.2010, 10:29

Für die Solarbranche ist die Novelle des Einspeisegesetzes ein voller Erfolg: Die Garantievergütung wird kaum gekürzt. Zu verdanken haben die Firmen das einer schlagkräftigen Lobby, die sich von den Idealen der Gründerjahre längst verabschiedet hat.

http://www.ftd.de/politik/deutschland/: ... 82978.html
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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon eggis » 03.03.2010, 10:56

Hallo Ulmer,

danke für den Link.

Zum Teil meine ich herauszulesen, dass die Lobbyisten der konventionellen Stromwirtschaft ihre Felle wegschwimmen sehen.
Besonders bei der Aussage von Herrn Pfeiffer musste ich schmuzeln.
"Die Solarlobby agiert höchst professionell. Dagegen sind die Energiekonzerne Waisenknaben", sagt Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Der CDU-Politiker ist einer von wenigen Abgeordneten, die sich offen gegen die Solarlobby stellen.

Das sagt einer den im Beirat von Hitachi Power Europe (Errichter konventioneller Kraftwerke) sitzt und ganz offen für eine Laufzeitverlängerung der AKW´s eintritt.
Mit sonnigen Grüßen
-eggis-

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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon sunpower16,2 » 03.03.2010, 11:37

Hallo Ulmer,

danke auch für den Link, der Artikel ist sehr interressant. Für mich habe ich den Absatz hier rausgelesen:
ftd.de hat geschrieben:In der Praxis hat die Politik gar nicht die Kompetenz, das zu bewerten. Es gibt im Umweltministerium einen Mitarbeiter mit einer halben Stelle, der sich mit der Branche beschäftigt. Es gibt keine Studie, die begründet, warum gerade 15 Prozent Kürzung richtig sind, wie in der Novelle vorgesehen. Es gibt nur "Stochern im Nebel", beklagt ein Koalitionspolitiker, und "Pi-mal-Daumen-Politik". Auch das erklärt den Lobbyeinfluss: Die Politik kann entweder der Branche glauben - oder ihren Gegnern.


Ich halte diese Zwischenkürzung nach wie vor deutlich zu hoch. Doch auch bei mir ist das natürlich nur ein Bauchgefühl. Und das finde ich einfach beknackt: Keinen interessierts, wie hoch die Förderung im Moment sein sollte. Es geht nur drum, dass die einen mehr und die anderen weniger kürzen wollen. Lobbyisten auf allen Seiten. Es geht nicht um die Sache, es geht nur um das Durchsetzen und um Macht.

Gruß, sunpower16,2
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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon moderne-energie » 03.03.2010, 16:58

Hallo,

Danke für den Link!

eggis hat geschrieben:Hallo Ulmer,

danke für den Link.

Zum Teil meine ich herauszulesen, dass die Lobbyisten der konventionellen Stromwirtschaft ihre Felle wegschwimmen sehen.
Besonders bei der Aussage von Herrn Pfeiffer musste ich schmuzeln.
"Die Solarlobby agiert höchst professionell. Dagegen sind die Energiekonzerne Waisenknaben", sagt Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Der CDU-Politiker ist einer von wenigen Abgeordneten, die sich offen gegen die Solarlobby stellen.

Das sagt einer den im Beirat von Hitachi Power Europe (Errichter konventioneller Kraftwerke) sitzt und ganz offen für eine Laufzeitverlängerung der AKW´s eintritt.


Dabei musste ich auch schmunzeln. Mir tut die arme schwache und wehrlose Energielobby auch so leid. Besonders die Atomlobby ist ja so bemitleidenswürdig... Es geht ja nur um eine Million pro Tag und Schrottreaktor...

LG
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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon moderne-energie » 03.03.2010, 17:43

Hallo,

Noch etwas zum Artikel, der mir grundsätzlich gefällt. Wie in vielen Artikel, wird auch in diesem Artikel kritisiert, dass die PV-Industrie nicht mehr nur aus Idealisten besteht und auch nur Geld verdienen wolle.

Schon im Titel heißt es: "Zu verdanken haben die Firmen das einer schlagkräftigen Lobby, die sich von den Idealen der Gründerjahre längst verabschiedet hat"

Ich frage mich immer dabei: Warum darf die Solarindustrie kein Geld verdienen? Gibt es sonst einen Industriezweig, der ganz eigennützig arbeitet und keine Gewinninteressen hat? Einerseits soll die Solarindustrie nach marktwirtschaftlichen Kriterien produzieren, sich Geld an der Börse beschaffen und die besten Arbeitskräfte finden und andererseits soll sie das alles ehernamtlich machen!

Es ist doch ganz normal, dass sich die Solarindustrie in einen ganz normalen Industriezweig entwickelt. Das ist auch notwendig um mit der nötigen Professionalität aufzutreten.
In einer perfekten Welt gibt es natürlich keine Lobbyisten und alles wird nach dem volkswirtschaftlichen Optimum entschieden. Aber wir leben nicht in dieser perfekten Welt. Solange es Atomlobbyisten, Kohlelobbyisten etc. gibt, solange ist es auch notwendig eine schlagkräftige Solarlobby zu haben!

Was denkt Ihr darüber? Würde mich interessieren!

Liebe Grüße
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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon buergersolar » 03.03.2010, 22:51

moderne-energie hat geschrieben:In einer perfekten Welt gibt es natürlich keine Lobbyisten und alles wird nach dem volkswirtschaftlichen Optimum entschieden. Aber wir leben nicht in dieser perfekten Welt. Solange es Atomlobbyisten, Kohlelobbyisten etc. gibt, solange ist es auch notwendig eine schlagkräftige Solarlobby zu haben!


Das ist ja genau das, was der Artikel kritisiert: Dass da zwischen den Forderungen der verschiedenen Lobbys einfach ein Mittelwert gebildet wird und dann halt 15 oder 16 oder 25% rauskommen, anstatt dass auf Grundlage von Tatsachen entschieden wird.

Und dieser Kritik schließe ich mich an.
Es ist absurd, dass die CDU und FDP sogar damit prahlen, "Politik nach Augenmaß" zu machen (oder machen zu wollen), anstatt Politik nach Sachverstand und Fakten. Dieses Augenmaß (entspricht dem althergebrachten "Pi*Daumen-Maß") fährt uns irgendwann an die Wand.

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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon moderne-energie » 03.03.2010, 23:21

Hallo Bürgersolar,

Ich finde es nur im Allgemeinen scheinheilig zu kritisieren, dass die Solarindustrie wie alle anderen Industrien eine Lobby hat und Geld verdienen will. Das ist eben in einer kapitalistischen Gesellschaft so.

Ich finde es natürlich auch nicht gut sich an einem Mittelwert zu orientiern! Es stimmt schon: der Artikel ist im großen und ganzen gut und informativ.

LG,
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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon hadl » 04.03.2010, 00:17

Das Zehnjährigen EEG Jubiläum, das dieser Link als Grundlage beinhaltet,
lässt meine ganz persönliche PV Erfahrung Revue passieren.
Ich hatte weder was mit den Grünen zu tun, noch gehörte ich einer Umweltschutzorganisation an, als mein Sohn 1992 nicht locker lies mit dem Drängen, für seinen trafolosen Wechselrichter, ( in der Größe eines kleinen Kühlschranks ) den er damals gerade als Diplomarbeit baute, müsse eine PV Anlage auf,s Dach unseres Wohnhaus. Alle möglichen Vergünstigungen wurden mir offeriert, und es wurde letztendlich in zehntägiger Bauzeit eine 1,59 Kwp Anlage in Selbstbauweise realisiert.

Das, damals von der Kohlregierung (Umweltministerin war Frau Merkel), verabschiedete, so genannte Stomeinspeisegesetz, regelte dahingehend, dass ich den erzeugten Sonnenstrom erst selbst verbrauchen musste und den Überschuss für 17 Pfg ins Netz verkaufen konnte. Angesichts des kreisenden Sonnenstromerzeugungszähler brach fort an in unserem Hause eine wahre Solareuphorie aus. Mehrmals am Tage wurde der im Keller stationierte Zähler in Augenschein genommen und die Kraft der Sonne auf relativ wenigen Quadratmetern Dachfläche bewundert. Selbst kritischen Arbeitskollegen und Nachbarn konnte angesichts der Livevorführungen viel von ihrer negativen Voreingenommenheit genommen werden. Da ich vom Technischen wenig Ahnung hatte, beschäftigte mich mehr die Realität, die ich fort an – im Zusammenhang mit Solarenergie - erlebte. Immer wieder stellte ich mir die Frage warum man von dieser Art der Stromerzeugung bisher so wenig Gebrauch macht. Wenn ich mit eigenen Augen sehen konnte wie mein Solarkraftwerk auf einer Dachfläche von etwa 16 Quadratmetern mehr als 50 % der von mir jährlich verbrauchten Kilowattstunden Strom erzeugt, dann aber in verschiedenen Veröffentlichungen lesen konnte Solarenergie könnte in unserem Strommix nie eine bedeutende Rolle spielen, war dies für mich unverständlich. Nachdenklich über mein blindes Vertrauen zu dem, was so genannte Experten verbreiteten wurde ich durch einen, heute noch im Archiv des SFV aufbewahrten Artikel „Abwehr Aspekte Grüner Angebote“ siehe hier: http://www.sfv.de/sob98440.htm .
Spätestens von da an war mir bewusst, die konventionelle Stromwirtschaft sieht die dezentrale Stromerzeugung als lästige Konkurrenz, und nutzt jede sich bietende Gelegenheit in - durch ihre Werbeaufträge profitierenden - Medien negativ über die erneuerbaren, dezentral erzeugten Energien zu berichten. Von da an beobachtete ich das ganze Geschehen unter diesem Gesichtspunkt. Und ich wurde öfter fündig als ich zu glauben gewagt hätte. Da wurde von der Stromwirtschaft am Europäischen Gerichtshof gegen das Stromeinspeisegesetz wegen Wettbewerbsverzerrung geklagt. Da nach dem Gesetz auch Windstrom in die Netze aufgenommen und vergütet werden musste, fühlten sich die nördlichen Versorger wegen der größeren Anzahl an Windrädern benachteiligt, gegenüber den südlichen, die wesentlich weniger Ökostrom in ihre Netze aufnehmen mussten. Noch vor dem Urteil wandelte die Rot/Grüne Regierung das Stromeinspeisegesetz in das EEG. Damit wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen wurde die Ökostromabnahme bekanntlich bundesweit ausgleichend geregelt und die Klage der Stromkonzerne war hinfällig. Zum anderen wurde die Einspeisevergütung erhöht und somit nicht nur für Idealisten interessant. Aber die Stromwirtschaft gab immer noch keine Ruhe. Uns Betreibern wurde mitgeteilt, mit Hinweis auf die durch das EEG schon erledigte Klage, man würde nur unter Vorbehalt die Vergütung zahlen. Für Bau willige, die diese Machenschaften nicht durchschauten, erst einmal ein gut gezielter Schuss vor den Bug. Zu diesem Zeitpunkt wurden Hermann Scheer MdB, den ich schon bei einigen seiner Vorträge als einen Experten in Sachen Solarenergie kennen gelernt hatte, aktiv. Er und auch der Solar Förder Verein SFV sorgten damals so gut es ging für Aufklärung. Ein weiteres Problem war und ist zum Teil heute noch, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass nicht nur die konventionelle Stromwirtschaft in der Lage ist Strom zu erzeugen. Da zu eine Begebenheit aus den frühen Neunziger Jahren. Die Hessenschau, eine überregionale Gewerbeausstellung in Darmstadt. Am Stand des Stromriesen RWE. versammelte sich eine Gruppe vor einer Darstellung des AKW Biblis, in der Mitte ein Herr im RWE Kittel. Es entwickelte sich eine Diskussion über die Atomenergie. Als ein älterer Herr die Bemerkung machte, leider haben wir keine anderen Möglichkeiten Strom zu erzeugen, klinkte ich mich in die Unterhaltung ein mit der Bemerkung, dass ich seit etwa 3 Jahren auf einer Dachfläche von 16 Quadratmetern mehr als 50% der Kilowattstunden erzeuge, die ich im Jahr für meinen 2 Personenhaushalt verbrauche.
Nach einem kurzen, erstaunten Schweigen, wandte sich der besagte Herr an den Vertreter von RWE mit der Aufforderung mir zu sagen, dass dies nicht möglich sein könnte. Erst nach dem ich anbot meine Aussage mit meinen diesbezüglichen Abrechnungen zu belegen, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die einige der Gruppe nachdenklich stimmte.
Wenn ich nun bei der 10 Jahres Feier für das EEG Namen wie H. J. Fell, Scheer, Kelber oder Asbeck lese, sollte man einen nicht vergessen. Josef Göppel von der CSU der Förster aus Bayern, war einer der ersten von der anderen Seite, der die Zeichen der Zeit erkannt hatte. Während der damalige Wirtschaftspolitische Sprecher der Union Laurenz Meyer – damals noch auf der Gehaltsliste bei RWE – nicht müde wurde von unsinnigen „Windrädchen“ zu sprechen, war Göppel - für ein Mitglied der Union - auffallend stark für Erneuerbare Energien aktiv.
Dass die Branche der Erneuerbaren Energien gegenwärtig lobbyistisch ganz gut aufgestellt zu sein scheint, ist eine unumgängliche Entwicklung, ohne die gegen die übermächtige Konkurrenz der konventionellen Stromwirtschaft kein Blumentopf zu gewinnen wäre. Genau so wie die Tatsache, dass die Sache für Geldanleger interessant geworden ist. Nur mit Idealisten, wäre das EEG niemals so ein Erfolgsinstrument geworden.

Gruß Hadl
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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon buergersolar » 04.03.2010, 00:26

Sehr schöner Beitrag,
:danke: hadl!

Sonnige Grüße
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Re: Solarlobby: Im Namen der Sonne

Beitragvon moderne-energie » 04.03.2010, 17:30

Hallo,

Hadl, auch ich möchte mich für den guten Beitrag bedanken. :danke:

Wenn ich es richtig gelesen habe, dann wurde die Anlage im Jahr 1992 installiert?
Würde mich sehr interessieren in welchen Zustand die PV-Anlage nach fast 20 Jahren heute ist!
Könntest du etwas darüber schreiben? Würde sicher auch einige andere hier interessieren!
:danke:

Liebe Grüße

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