PV 2.0 in Süditalien

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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon JayM » 30.01.2012, 00:11

buergersolar hat geschrieben:Man müsste hier einfach zwischen Kleinanlagen und Industrieanlagen unterscheiden. Ich denke großen Stromverbrauchern kann man auch zumuten, dass sie ihre Überschüsse an der Börse verkaufen. Dem kleinen Hausbesitzer sollte man einfachkeitshalber eine Vergütung zum durchschnittlichen Börsenpreis geben.

Sonnige Grüße


Hallo buergersolar,
das wäre so eine Mischung von EEG und M-O, die funktionieren könnte. Ich würde allerdings durchschnittlichen Börsenpreis plus Aufschlag für Erzeugung zu Spitzenzeit erwarten. Am Ende wird sich vielleicht auch einfach ein politischer Preis bilden, der die gewünschte weitere Ausbaugeschwindigkeit ausreichend unterstützt.

Eine andere Möglichkeit wäre analog zu den Standard Lastprofilen für verschiedene Verbraucher Standard Erzeugerprofile für EE Anlagen zu erstellen. Für PV vielleicht in Abhängigkeit von Dachneigung und Ausrichtung, und diese dann mit einem (jährlich berechneten?) Festpreis/kWh zu vergüten, der den Nutzen dieser Energie für das Gesamtsystem 'fair' berücksichtigt.

Danke
Jochen
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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon open source energy » 30.01.2012, 08:16

Spekulatius hat geschrieben:Durchschnittstarife H1 2011, Gewerbe, Netto, bei unterschiedlichem Verbrauch (Eurostat):

<20 MWh/Jahr: 28,61 Ct./kWh
20-500 MWh/Jahr: 17,36 Ct./kWh
500-2000 MWh/Jahr: 15,28 Ct./kWh
2000-20000 MWh/Jahr: 13,00 Ct./kWh
20000-70000 MWh/Jahr: 12,2 Ct./kWh
70000-150000 MWh/Jahr: 10,2 Ct./kWh

Börse: 7,22 Ct./kWh (Durchschnittspreis 2011)

PV-Gestehungskosten Freifläche neben Industriegebiet @ €1300/kWp und 1600 kWh/kWp:

Busch (10 Jahre Laufzeit @7% Zinsfuss): 11,3 Ct./kWh
Busch mit 3% Eskalation p.a. : 9,9 Ct./kWh
Kollektor: 8,1 Ct./kWh

Demnach sind weitere Subventionen in Italien überflüssig und kontraproduktiv. Italien wird wahrscheinlich das Beispiel Spaniens folgen und bald die Subventionen für PV komplett aufgeben.

Der Spekulatius :mrgreen:

http://www.mercatoelettrico.org/En/Stat ... ntesi.aspx
http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui ... 05&lang=en


Freiflächen wurden bereits gestrichen, auf dem Dach sind in Italien die Preise wie in D einfach nicht machbar, dort ist der bürokratische Aufwand (Genehmigungsverfahren, etc) bei kleineren Anlagen im Verhältnis einfach recht hoch. Und so viele große Dächer gibt es in Süditalien (außer Gewächshäuser) nicht.

Dennoch ist man in Italien nahe an der echten Parität dran und es freut mich zu sehen, welche Entwicklung das nimmt. Zumal auch jetzt unsere kleine Firma in Italien endlich Land in Sicht hat, denn die großen Projektierer können sich auf die Dachanlagen nicht so sehr stürzen.
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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon GAST » 30.01.2012, 09:48

Einspeisevorrang und warum....
Ganz einfach, ohne Einspeisevorrang könnte der Netzbetreiber einem den Netzparallelen Betrieb von PV untersagen selbst wenn man gerade zu weng Strom im Netz hat ....
Denn meist ist es noch so das der Netzbetreiber irgendwie mit dem Kraftwerksbetreiber "verbändelt" ist....
Da ein Kraftwerk einen höheren Preis verlangen kann wenn Strom mangelware ist würde ohne PV immer ein höherer Preis möglich sein....diesen könnte dann der Kraftwerksbetreiber ja mit dem Netzbetreiber "teilen" und beide hätten ihren Schnitt gemacht.
Daher ist ein Einspeisevorrang wichtig, egal ob man 0ct oder 100€/kWh als Vergütung erhält.

Zudem herscht in Italien immer noch ein Mangel an Kraftwerkskapazität...oder andersrum, das Land verbraucht mehr als es erzeugen kann, warum also keinen Einspeisevorrang, selbst wenn dieser nicht oder zum halben Börsenpreis vergütet werden würde??

Gruß
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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon energyturnaround » 30.01.2012, 11:53

Das wäre dann eher ein Netzzuggangsgarantie (die natürlich wichtig und selbstverständlich sein sollte). Eigentlich sollte das ja schon durch das Wettbewerbsrecht ergeben.
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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon Spekulatius » 30.01.2012, 13:11

open source energy hat geschrieben:...Dennoch ist man in Italien nahe an der echten Parität dran...


Also wenn die oben aufgeführten Zahlen nicht Netzparität bedeuten dann bezweifle ich dass Netzparität prinzipiell existiert oder existieren wird. Das nahelegendste bei den obigen Zahlen ist dass Betriebe anfangen sich für den Eigenverbrauch Module aufs Dach zu klatschen oder neben die Fabrikhalle zu stellen, wenns sein muss ohne Einspeisung der Überschüsse (d.h. auf 80%+ EV ausgelegt).

Definiere doch was Du unter "echter Parität" meinst. Wann wäre in Italien damit zu rechnen?

Ein EVU kann selbst bei Parität verhindern dass sich PV etabliert. Wenn es sachte läuft kann er den Anschluss- und den Einspeiseprozess für die Überschüsse komplex und langwierig gestalten, um den PV-interessenten abzuschrecken oder zu entmutigen. Wenn es ganz übel läuft kann das EVU Hausbesitzer, auf deren Dach PV-Module entdeckt werden, aus ihrem Haus zerren und sie per Erschiessungskommando auf der Stelle hinrichten. Beides würde in meinen Augen nichts an der Tatsache ändern, dass die Parität erreicht ist.

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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon JayM » 30.01.2012, 14:13

Spekulatius hat geschrieben:Also wenn die oben aufgeführten Zahlen nicht Netzparität bedeuten dann bezweifle ich dass Netzparität prinzipiell existiert oder existieren wird.


Hallo Spekulatius,
Die ganze Branche und viele Analysten haben auf den Tag gewartet an dem Netzparität erreicht wird als ob das die PV Branche fundamental umkrempeln würde. Jetzt wo wir in bestimmten Regionen da sind ist die wichtige Frage was Netzparität bewirkt. Man muß schon deutlich unter dem Netzpreis liegen, um PV ohne Einspeisevergütung zu realisieren. Oder wie du sagst eine relativ kleine Anlage bauen, um sehr hohe EV Quoten zu erreichen.

Nach all dem Hype um Netzparität kommt jetzt die Ernüchterung, dass Netzparität praktisch erstmal nicht viel verändert. Und als nächstes wir eingespeister Strom dann mit Netznutzungsentgelten belastet, danach mit Stromsteuer. Es wird noch lange eine politische Entscheidung bleiben, ob und wie PV Strom vergütet wird.

Gruß
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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon energyturnaround » 30.01.2012, 14:38

Das liegt an verschiedenen Gründen:

- selbst wenn Netzparität erreicht wurde, müssten es die Profiteure es erstmal realisieren und handeln

- alleine eine Parität bringt wenig. Ein Anreiz zu investieren, hat man erst wenn es (deutlich) günstiger ist

- es gibt einen wirtschaftlichen Grund noch nicht zu investieren: Die nächsten Jahre wird es tendentiell immer billiger, sodass der Vorteil weiter steigt

- persönliche, unbewiesene Meinung: der überförderte Markt in Italien muss erstmal gesunden, um sich an normale Renditen zu gewöhnen und ähnlich effektiv zu werden wie in Deutschland
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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon Spekulatius » 30.01.2012, 14:57

JayM hat geschrieben:Hallo Spekulatius,
Die ganze Branche und viele Analysten haben auf den Tag gewartet an dem Netzparität erreicht wird als ob das die PV Branche fundamental umkrempeln würde. Jetzt wo wir in bestimmten Regionen da sind ist die wichtige Frage was Netzparität bewirkt. Man muß schon deutlich unter dem Netzpreis liegen, um PV ohne Einspeisevergütung zu realisieren. Oder wie du sagst eine relativ kleine Anlage bauen, um sehr hohe EV Quoten zu erreichen.

Deutlich unter Netzpreis und kleine Anlagen: Für die meisten Anlagen ja, hängt aber vom Lastgang des Betriebes ab. Einrichtungen mit einem relativ ebenen Lastgang wegen z.B. stetem Kühlbedarf (u.A.. Molkereien, Hotelresorts mit AC) können relativ viel PV-Leistung bei hohem EV-verkraften. Dieser Markt existiert unabhängig von der Kooperationsbereitschaft der Politik / des EVUs.

JayM hat geschrieben:Nach all dem Hype um Netzparität kommt jetzt die Ernüchterung, dass Netzparität praktisch erstmal nicht viel verändert. Und als nächstes wir eingespeister Strom dann mit Netznutzungsentgelten belastet, danach mit Stromsteuer. Es wird noch lange eine politische Entscheidung bleiben, ob und wie PV Strom vergütet wird.

Klar, die Politik / das EVU bestimmen die Ausbaugeschwindigkeit nach der Parität. Damit in Italien PV abhebt brauchen wir nur 1) den Einspeisevorrang 2) unkomplizierten Anschluss 3) Vergütung auf Börsenniveau (7 Ct.) Deine 10 Ct. wären zu hoch weil somit ein Anreiz für grosstmögliche Einspeisung (und nicht für sinnvolle Dimensionierung für Eigenverbrauch) geschaffen werden würde.

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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon JayM » 30.01.2012, 15:03

Spekulatius hat geschrieben:Damit in Italien PV abhebt brauchen wir nur 1) den Einspeisevorrang 2) unkomplizierten Anschluss 3) Vergütung auf Börsenniveau (7 Ct.)


Das könnte funktionieren. Wäre ähnlich wie heute in D für BHKW, Kleinwind- und Kleinwasserkraft. Die funktionieren auch nur über hohen Eigenverbrauch.

Gruß
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Re: PV 2.0 in Süditalien

Beitragvon Spekulatius » 30.01.2012, 15:32

energyturnaround hat geschrieben:Das liegt an verschiedenen Gründen:

- selbst wenn Netzparität erreicht wurde, müssten es die Profiteure es erstmal realisieren und handeln

Yep

energyturnaround hat geschrieben:- alleine eine Parität bringt wenig. Ein Anreiz zu investieren, hat man erst wenn es (deutlich) günstiger ist

Ja, wobei eine Absicherung des Strompreises für die nächsten Jahre auch sehr attraktiv ist. In USA werden Solarleasing-Verträge im Wohnsektor schon mit 10% Einsparung zur Stromrechnung realisiert, dafür aber mit garantiert flachem Tarif.

energyturnaround hat geschrieben:- es gibt einen wirtschaftlichen Grund noch nicht zu investieren: Die nächsten Jahre wird es tendentiell immer billiger, sodass der Vorteil weiter steigt

Das war bislang eine SEHR starke Motivation und der Grund wieso im Mittleren Osten und in Indien Milliardeninvestitionen auf Eis gelegt wurden. Allerdings ist die Luft bei Solarmodulen jetzt endgültig raus, sodass die Zeiten des rasanten Preissturzes für alle mal vorbei sind. Bis das in den Köpfen der Investoren verankert ist werden aber ruhig noch 2 Jahre vergehen fürchte ich. Die Branche kann sich jetzt auf einen jährlichen Preisrückgang von 5-8% einstellen wenn es gut läuft, kurzfristig sogar auf einen leichten Anstieg.

energyturnaround hat geschrieben:- persönliche, unbewiesene Meinung: der überförderte Markt in Italien muss erstmal gesunden, um sich an normale Renditen zu gewöhnen und ähnlich effektiv zu werden wie in Deutschland

Das würde ich nicht als Meinung werten sondern als Fakt. Die zu hohe Förderung in Italien hat an allen Ecken und Kanten Schmarotzertum und Korruption hervorgebracht, wodurch die "weichen" Kosten in die höhe geschossen sind. Bürgermeister haben Zulassungen nur unterschrieben, wenn der Auftrag für den Anschluss an den Vetter ging, der dann einfach Faktor 10 reinbutterte. Bis dieser Sumpf verschwunden ist wird etwas Zeit vergehen. Ich persönlich würde aber radikal vorgehen, d.h. Vergütung auf 7 Cent runterschrauben und wirklich zusehen, dass Vorrang und ein unbürokratischer Anschluss sichergestellt ist. Je früher desto besser.

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