Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon gunnar_kaestle » 09.10.2010, 19:52

PV-Berlin hat geschrieben: Im Frühjahr habe ich ein erstes Projekt, wo gleich mehrere Dinge zusammen kommen. Da schlage ich zu. Im eigenen Haus werde ich auch was machen müssen, muss mich ja gegen die Kosten aus der EEG Umlage währen.


Eine umfassende energetische Gebäudemodernisierung ohne Mieterhöhung? Ist das überhaupt möglich? Die Charlottenburger Baugenossenschaft eG beweist, dass es geht. Mit Hilfe der Berliner Energieagentur bringt sie in Spandau sechs freistehende Wohnblocks aus den 50er Jahren bau- und anlagentechnisch auf Vordermann.

Das Gebäudeensemble im Schwendyweg ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Ungedämmte Gebäudehülle, Fenster mit Einfachverglasung, minimale Dachdämmung und eine veraltete Heizungsanlage verursachen hohe Energieverluste für die Bewohner der 132 Etagenwohnungen. Das alles soll sich jetzt ändern.

In der Heizzentrale arbeiten künftig ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 48 Kilowatt elektrischer und 97 Kilowatt thermischer Leistung sowie Spitzenlastkessel mit 360 Kilowatt Hand in Hand zusammen. Das BHKW liefert die Wärmegrundlast für Heizung und Warmwasser. [..] Den vom BHKW erzeugten Strom können die Mieter der "Charlotte" direkt bei der BEA zu einem fixen Preis bestellen, der deutlich unter dem örtlichen Grundversorgungstarif liegt. [..] I-Tüpfelchen der Sanierung sind Photovoltaikmodule auf fünf Dächern mit einer Leistung von insgesamt rund 70 kWpeak. Auch diese PV-Anlage finanziert und betreibt die BEA. Für die Nutzung der Dachflächen zahlt sie eine entsprechende Miete an die Genossenschaft.


Quelle: http://www.charlotte-bau.de/presse_detail.asp?navsite=genossenschaft&site=presse&KEY=25

Ich bin gespannt, ob und ab wann der Strom aus der PV-Anlage auch an die Mieter zum Eigenverbrauch verkauft wird und ob andere Berliner Wohnungsbaugesellschaften (Berlin ist KWK-Modellstadt) das Schema nachmachen.

Gruß,
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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon gunnar_kaestle » 09.10.2010, 19:57

GAST hat geschrieben:Bleibt für mich und viele andere noch das Problem das halt eine dezentrale Warmwasserversorgung (Durchlauferhitzer) vorhanden und der Umbau auf eine Zentrale WW-Versorgung zu aufwendig ist. Bei mir z.b. müssten 4 Ringleitungen für ein 2Familienhaus neu verlegt werden...für die untere Wohnung wäre es ohne großen Aufwand machbar, da die Leitungen durch die Geschoßdecke verlegt werden könnten. Für die obere Wohnung würde sich der Aufwand aber kaum lohnen, da zum einen der Warmwasserverbrauch nicht sehr hoch ist und die Leitungsführung nur mit großem Aufwand zu realisieren wäre.


Dann könnte man ja die obere Wohnung an der elektrischen Warmwasserbereitung lassen. Was soll der Aufwand, wenn dort sowieso nicht soviel Wasser benötigt wird.

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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon gunnar_kaestle » 09.10.2010, 20:11

GAST hat geschrieben:Ich arbeite in einem Industriekraftwerk welches in den 50iger-60iger Jahren errichtet wurde, wir erziehlen Wirkungsgrade von über 80% (Wenn man Strom+Wärme zusammennimmt) und zwar mit Kohle, Gas + Sonderbrennstoffen. Dazu werden die Anlagen genau nach dem Wärmebedarf der angeschlossenen Verbraucher gefahren (Ausnahme evtl. wenn wir Minutenreserve bringen müssen)
Das schlimme ist nur das es Bürgerinitiativen gibt die einen Neubau(Kohle KWK) mit neuester Umwelttechnik verhindern möchten weil die mal gehört haben das Kohle "sche.ße" ist...
Dabei hätte das neue Kraftwerk an diesem Standort einen um 15-20% verbesserten Wirkungsgrad gegenüber einem anderen Standort, weil woanders eine KWK mangels Wärmebedürftiger Industrie nicht infrage kommt.


Der Nachteil an der Kohle in der CO2-Bilanz ist nun mal, dass die KWK-Nutzwärme in der Regel keine Wärme aus Kohlekesseln verdrängt, sondern das sind normalerweise Gaskessel. Gas hat einen Emissionsfaktor von ca 200 g/kWh, Strom aus Steinkohlekraftwerken wird mit ca. 750 g/kWh bewertet. Wenn man die Abwärme voll nutzt (Stromkennzahl ca 1), dann reduziert man den Wert um CO2-Emissionen von 1kWh Gaswärme auf rund 550 g/kWh_el,kohle_mit_kwk Das ist im Vergleich zu einem GuD-Kraftwerk ohne KWK mit rund 350-400 g/kWh schlechter, mit KWK wird bei Stromkennzahl von ~1 noch knapp eine kWh Gaswärme substituiert, d.h. man liegt in der Nähe von 200-250 g/kWh_el,gas_mit_kwk.

Gaskraftwerke können bei Verfügbarkeit von Biomethan / SNG auch auf biogene Brennstoffe umgestellt werden. Kohlekraftwerke habe in der Regel ein speziell auf einen bestimmten Festbrennstoff / Kohleart zugeschneidertes Kesseldesign / Brenneranordnung. Diese lassen sich nur schwer umstellen, eine Zufeuerung ist in gewissen Maßen möglich wie es z.B. in Braunkohlekraftwerken mit Klärschlammresten gemacht wird. Das verändert aber dann wieder die Aschezusammensetzung und die Feuerungsschlacke, die ev. nicht mehr das macht, was man von ihr erwartet.

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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon cephalotus » 10.10.2010, 09:30

Zum BHKW Contracting der BEA

"...Um die Wärmeverluste zu minimieren, wird die Baugenossenschaft Dach, Fassade und Kellerdecke mit einer bis zu 26 cm dicken Dämmschicht "thermisch verbessern". Außerdem lässt sie sämtliche Fenster austauschen. I-Tüpfelchen der Sanierung sind Photovoltaikmodule auf fünf Dächern mit einer Leistung von insgesamt rund 70 kWpeak..."

Puh. Ich dachte schon, die verkaufen den Einbau eines BHKW und einer PV Anlage in ein solches Haus als energetische Sanierung. Mit dem Zusatz oben ist es dann allerdings ok.
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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon gunnar_kaestle » 11.10.2010, 00:52

cephalotus hat geschrieben:Ich dachte schon, die verkaufen den Einbau eines BHKW und einer PV Anlage in ein solches Haus als energetische Sanierung. Mit dem Zusatz oben ist es dann allerdings ok.


Es ist in der Tat ein effektiver Kapitaleinsatz, die Heizung zu modernisieren - da liegen die Rücklaufquoten höher als bei der Dämmung. Allerdings kommt man mit der Heizung nicht so weit runter bei der Energieeinsparung, wie mit der Dämmung. Außerdem ist es ungeschickt, erst die Heizung zu verbessern (dazu zählt IMHO auch eine stromerzeugende Heizung) und fünf Jahre später die Dämmung in Angriff zu nehmen. Dann ist die Heizungsanlage etwas überdimensioniert.

Ein gedämmtes Haus ist für die KWK übrigends besser geeignet als ein ungedämmtes, weil dann der saisonale Unterschied im Wärmebedarf nicht so große Spreizungen aufweist. Das Aggregat ist vielleicht kleiner dimensioniert, aber es läuft gleichmäßiger, weil die Winterspitze nicht so ausgeprägt ist, die normalerweise von dem Spitzenlastkessel abgedeckt wird. Der Unterschied zum Sommer (Warmwasser) ist dann nicht so hoch.

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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon firestarter » 22.10.2010, 19:39

Hallo liebe Forengemeinschaft,

für die Kurzentschlossene noch folgende Veranstaltungs-Info

Das BHKW-Forum veranstaltet dies Jahr ihre 6ten BHKW-Info-Tage in Zusammenarbeit mit dem Bremer Energiekonsens
an diesem Wochenende (Samstag) in Bremen.

Vor Ort werden mehrere BHKW-Aussteller vertreten sein (mit Produkten)
und -bestimmt besonders interessant für Euch- es werden vielversprechende Vorträge zum Thema "virtuelle Netze", "Elektromobilität" (mit Ausstellern)
und die Leistungsfähigkeit z.B. von BHKWs als Schlüsseltechnologie zur bedarfsgerechten Produktion in einem regenerativen Mix.

Ihr seid herzlichst Willkommen
und eingeladen (Eintritt frei)

Veranstaltungsort:
Schuppen 2 - Eventloft
Hoerneckestraße 23
28217 Bremen


Vortragsprogramm

9:00 Uhr Saaleröffnung und Ausstellungsbesuch, Eintreffen der Teilnehmer

Begrüßung

10:00 Uhr Michael Pelzl (Klimaschutzagentur energiekonsens)
10:15 Uhr Bernd Hoose (BHKW-Forum.de)

BLOCK 1/ GRUNDLAGEN

10:30 Uhr Heinz Eggersglüß (UTEC GmbH): Grundlagen der BHKW-Technik
11:10 Uhr Michael Richts (Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa):
Fördermittel und Finanzierung von BHKW
11:50 Uhr Reiner Schümer (Dr. Hübotter Grundstücks GmbH): BHKW-Praxis eines Betreibers
12:30 Uhr Mittagspause und Gelegenheit zu Ausstellergesprächen

BLOCK 2/ BHKW UND VIRTUELLE KRAFTWERKE

13:30 Uhr Michael Steck (FfE): BHKW in virtuellen Kraftwerken
13:45 Uhr Dr. Ulli Arndt (EWE AG): Das virtuelle Kraftwerk bei EWE
14:00 Uhr Herr Nestmaier (smiles AG) BHKW und E-Fahrzeuge, eine besondere Beziehung in virtuellen Kraftwerken
14:15 Uhr Podiumsdiskussion zu den vorgenannten Beiträgen
15:00 Uhr Kaffee und Kuchen, Gelegenheit zu Ausstellergesprächen

BLOCK 3/ BETRIEBSPRAXIS

16:00 Uhr Norbert Mießner (swb AG): BHKW-Anlagen-Contracting
16:40 Uhr Herr Stahl (BHKW-Forum.de): Strom- und Wärmeversorgung von Mietern
17:20 Uhr Bernd Hoose (BHKW-Forum.de): Abrechnung mit Netzbetreiber und Hauptzollamt
18:00 Uhr Ende der Veranstaltung

20:00 Uhr Abendessen und Gesprächskreis im Hotel Tivoli



Würd mich freun
Euch zu sehen

PS: unser Energiemarkt-Spezi gunnar ist auch da
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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon Handbuch » 23.10.2010, 09:11

Wäre ich gern hingefahren, aber Bremen ist schon ein ganzes Stück weit weg...

:roll:
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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon Boelckmoeller3 » 23.10.2010, 09:36


...Um die Wärmeverluste zu minimieren, wird die Baugenossenschaft Dach, Fassade und Kellerdecke mit einer bis zu 26 cm dicken Dämmschicht "thermisch verbessern". Außerdem lässt sie sämtliche Fenster austauschen. I-Tüpfelchen der Sanierung sind Photovoltaikmodule auf fünf Dächern mit einer Leistung von insgesamt rund 70 kWpeak...


Hallo,

liest sich jaerstmal gut :D , " bis zu 26 cm". Aber irgendwie kommt mir das wieder vor wie aus einem Werbeprospekt.
Im IUmkehrschluss natürlich, irgendwo kommen wir sogar auf 26cm. :D
Bei der Dicke der Dämmschichten wir trotz Komplettsanierung meist wieder grundlos gespart. Die 26cm werden irgendwo nach oben sein, wobei man da heute schon besser 30cm WLK 035 oder gar WLK 025 (PU) realisiert. An den Gebäudewänden wird es wieder deutlich weniger sein . Heute sollte man aber bei einer Komplettsanierung auch an den Wänden zumindest 15cm, besser 20cm Dämmumgsdicke erreichen. Ein paar Zentimeter mehr sind da nicht der Kostenfaktor.
Hoffe nur dass hier mal Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Viele Grüße:

Klaus
"Ich hatte nie ein Produkt um das ich so gebettelt habe um es zu bekommen um danach so kämpfen zu müssen und alles mögliche zu versuchen um es nur behalten zu dürfen"
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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon PV-Berlin » 23.10.2010, 10:02

Na ja, ich sehe noch immer Sanierungen mit 8 cm und weniger. Mir ist zwar nicht ganz klar, was das groß einspart, zumal die Arbeitskosten doch einen gewaltigen Kostenblock darstellen, aber als viel schlimmer sehe ich das Risiko, sich den Taupunkt dann doch ins Mauerwerk zu holen. Bei 30 cm im Altbau sehe ich aber schon große Schwierigkeiten, denn wie soll das optisch passen, bzw. wie soll man die Fenster fest machen? Wenn man diese mit austauscht.
Bei einem Geschossbau aus Beton sind 30 cm und Dreifachverglasung möglich. Aber die Glasflächen sind meist mehr als doppelt so groß, so das auch noch gut wirkt.
Bei den Berliner Backsteinbauten, muss man schon sehr kreativ sein, um eine sinnvolle Wärmedämmung hinzubekommen. Aber auch da geht einiges, wenn man gute Leute beauftragt und denen nicht zu knappe Vorgaben gibt.
Da aber hohe Nebenkosten ein Gewerbe-Mieterkiller ist, rechnet sich das auch gut.
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Lösen Blockheizkraftwerke den PV Anlagen Boom ab??

Beitragvon Boelckmoeller3 » 23.10.2010, 11:08

PV-Berlin hat geschrieben:Na ja, ich sehe noch immer Sanierungen mit 8 cm und weniger.
Das ist es eben anstatt zumindest gleich 15cm zu machen, wenn schonmal Alles neu gemacht wird, hampelt man sich da einen mit 8cm ab. In Schweden war man schon vor 10 Jahren bei 30cm angelangt.
Mir ist zwar nicht ganz klar, was das groß einspart, zumal die Arbeitskosten doch einen gewaltigen Kostenblock darstellen, aber als viel schlimmer sehe ich das Risiko, sich den Taupunkt dann doch ins Mauerwerk zu holen.
Da Kann ich dich beruhigen, mit steigender Dämmstärke wandert der Taupunkt immer mehr nach Außen und falls er da noch nicht wahr dann endgültig in die Dämmung. Übrigens lag der Taupunkt,da unzureichend gedämmt, bereits die letzten Jahrzehnte zwangsläüfig im Mauerwerk.
Bei 30 cm im Altbau sehe ich aber schon große Schwierigkeiten, denn wie soll das optisch passen, bzw. wie soll man die Fenster fest machen? Wenn man diese mit austauscht.
Die 30cm wären auch eher nach "oben" also obere Geschossdecke (Speicherboden) oder Dach angedacht. Nach oben ist gute Dämmung am wichtigsten. Zu dicker Dämmung der Gebäudewände, bis 15cm kein großes Problem. Darüber eigentlich nur falls der Dachüberstand gering ist.
Bei einem Geschossbau aus Beton sind 30 cm und Dreifachverglasung möglich. Aber die Glasflächen sind meist mehr als doppelt so groß, so das auch noch gut wirkt.
Bei den Berliner Backsteinbauten, muss man schon sehr kreativ sein, um eine sinnvolle Wärmedämmung hinzubekommen. Aber auch da geht einiges, wenn man gute Leute beauftragt und denen nicht zu knappe Vorgaben gibt.
Da aber hohe Nebenkosten ein Gewerbe-Mieterkiller ist, rechnet sich das auch gut.


Viele Grüße:

Klaus
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