News über Photovoltaik und Solarstrom
Moderator: Mod-Team
von atlantikstrand » 10.03.2010, 22:01
Ein sehr negatives Urteil fällt die Photon in ihrer aktuellen Ausgabe über die Eigenverbrauchsregelung: "Schädlich sein dürfte die Eigenverbrauchsregelung für die Rentenversicherungen, die kommunalen Haushalte, die Strompreise aller Nicht-Eigenverbraucher und möglicherweise auch für die Stromnetze. Unsozialer kann eine Regelung kaum sein." http://www.photon.de/photon/pd-2010-03.pdfSelbst Solarpapst Hermann Scheer ist dagegen, obwohl er sonst sehr stark für Dezentralisierung eintritt: "Die im EEG 2009 eingeführte Regelung zur Förderung des Eigen- bzw. Direktverbrauchs sehe ich aus Rechtsgründen kritisch. Keinesfalls darf sie ausgeweitet werden und muss bei einer neuen Größendifferenzierung auf die kleinste Klasse (0-10 kW) beschränkt bleiben." http://www.eurosolar.de/de/index.php?op ... Itemid=338 (unter 2.) Die Grundidee des Eigenverbrauchs fand ich eigentlich immer sympathisch. Daher würde mich interessieren, wie die PV-Community dazu steht. Gibt es auch Pro-Argumente, die möglicherweise stärker sind?
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von buergersolar » 10.03.2010, 22:27
Hallo,
wie ich auch schon in einigen anderen Threads geschrieben habe, sehe ich die Eigenverbrauchsregelung (im Moment, aber auch langfristig) sehr kritisch.
Der Fehler, der begangen wird, ist zu denken, wenn weniger PV-Strom eingespeist würde, würde das Netz entlastet. In den meisten Fällen ist meiner Meinung nach das Gegenteil der Fall. Man darf einen Haushalt, der seinen PV-Strom selbst verbraucht und Überschüsse einspeist nicht mit einem Haushalt vergleichen/verwechseln, welcher wirklich autark ist und seine Überschüsse in Batterien speichert.
Ein Haushalt mit Eigenverbrauchsregelung versucht, einen möglichst großen Anteil seines Verbrauchs auf die Zeit mit PV-Einspeisung zu legen, sprich (mit)tags. Das ist aber genau die Zeit, in der der Stromverbrauch eh am höchsten ist (Spitzenlast). Der eigenverbrauchte Strom fehlt jetzt also im Netz, obwohl er dort benötigt würde. Ohne Eigenverbrauchsregelung wäre er eingespeist worden.
Eine Steuerung des Verbrauchsverhaltens macht viel mehr bei Wind Sinn. Denn Wind kann zu Zeiten auftreten, wo auch gerade entsprechende Mengen benötigt werden. Wenn er aber zu Zeiten Überschüsse liefert, in denen weniger Strom benötigt würde, dann würde es Sinn machen, Verbraucher anzuschalten, die man sonst wann anders angeschaltet hätte (z.B. Wäschetrockner).
Eine Eigenverbrauchsregelung macht erst dann Sinn, wenn so viel PV am Netz ist, dass es wegen der PV zu Überangeboten im Netz kommt. Und da das (bis auf einige Ausnahmen in Bayern, wobei selbst da ruhig erstmal ein AKW abgeschaltet werden kann, dann ist wieder Platz im Netz!) noch nicht der Fall ist, ist die Eigenverbrauchsregelung technisch gesehen derzeit kontraproduktiv.
Abgesehen davon ist eine solche Regelung, die pauschal anreizt, mittags bevorzugt PV-Strom zu verbrauchen, bereits jetzt ein Auslaufmodell. In einem SmartGrid, das kommen wird (schon beschlossen!), wird das Verbrauchsverhalten nach dem Gesamtangebot gesteuert und nicht nach dem PV-Angebot.
Sonnige Grüße
PS (edit): Den Gipfel finde ich ja, wenn Leute darüber nachdenken, einen Speicher zu installieren, um auch nachts ihren PV-Strom verbrauchen zu können. Soll dann der nachts anfallende Windstrom für den Tag gespeichert werden? Uneffizienter kann man ein Stromnetz nicht betreiben. Effizienter ist es, tags den PV-Strom der Industrie zur Verfügung zu stellen und nachts zu Hause Windstrom zu verbrauchen (sofern vorhanden, wenn nicht, muss Biomasse, Wasser, Geothermie einspringen, dafür gibt es ja einen MIX!
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von rierku » 10.03.2010, 22:32
Mein Gott was für ein Bullshit.
Die Annahmen die in diesem Artikel gemacht werden, sind die gleichen, die eigentlich bei jedem Projekt einer solchen Dimension vorkommen: Das geplante Modell, das voraussetzt, dass gewisse Änderungen im System bedingt bzw. eben dafür sorgen soll, dass sich das System (zum besseren) verändert, wird daudrch madig gemacht, dass damit das JETZIGE System Schaden nehmen könnte.
Zum Sozialbeitrag: Dass Ich als EMpfänger von Zuschüssen weniger Abgaben zahle, sollte klar sein, denn sonst wären diese nichts weiter als Geld hin- und herschieberei. Bafög empfänger sind von gewissen abgaben befreit, ebenso Hartz 4 Empfänger. Von Bafög Empfängern erwartet man, dass diese sich durch die Unterstützung besser auf die Schule/ihr Studium konzentrieren können und dadurch bessere Leistung zeigen, was sich später in einem gut bezahltem Job und damit mehr Gehalt = mehr Steuerabgaben niederschlagen soll. Zudem muss ein Teil der Förderung beim Studenten Bafög zurückgezahlt werden. Bei Hartz 4 bzw. Arbeitslosengeld soll es den Leuten ermöglicht werden, trotz andauender Arbeitslosigkeit noch irgendwie über die Runden zu kommen (mehr oder weniger erfolgreich). In diesem Fall haben die Leute zuvor meist schon in diese Versicherung eingezahlt. Im Falle des EEG übernehmen die Leute finanzielle Risiken und tragen zudem zum Wechsel zu umweltfreundlicher Energiegewinnung und damit zum Umweltschutz bei. Zudem hatjemand, der ein PV-Anlage auf dem Dach hat, auch für sein Alter mitvorgesorgt, da durch den eigenverbrauch die Energiekosten gesenkt werden und somit selbst nach Ablauf der geförderten Vergütung eine größere finanzielle Sicherung besteht. Wer weniger für Energie zahlen muss, kommt auch mit einer niedrigeren Rente aus.
Zum Problem für die Netze: Dies ist wiederum ein Problem des "sich nicht umstellen wollens". Wenn sich das Verbrauchs- bzw. auch Einspeiseprofil der Nutzer ändert, dann muss der Herr Energiespekulant und Kraftwerksbetreiber sich darauf gefälligst einstellen. Auch die "Belastung der Netze" is m. E. unsinn: Niemand legt sich eine PV Anlaage zu und lässt dann mal eben seine Stromzuleitung im Durchmesser reduzieren. Das Netz ist schon da, es wird nur noch ausgebaut. Und auch in Zukunft kriegt jedes Haus seine Standardleitung, sei es zum beziehen oder zum einspeisen. Und auch in Zukunft werden Überregionale Hochspannungsleitungen von nöten sein, um Energie überall hin zu verteilen. Das europäische Stromnetz trennt sich durch mehr einspeisende Privathaushalte nicht auf, es wird lediglich engmaschiger. Und wenn dann demnächst wieder ein KKW wegen eines zu heißen Sommers vom Netz genommen werden muss, oder mal wieder eine Überlandleitung wegen schlampigen Wartungsarbeiten komplett ausfällt, dann können in Zukunft die dezentralen Energieversörgerchen einen Teil der Last übernehemn und so verhindern, dass ein kompletter Blackout entsteht.
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von buergersolar » 10.03.2010, 22:39
rierku hat geschrieben:Zum Problem für die Netze: Dies ist wiederum ein Problem des "sich nicht umstellen wollens". Wenn sich das Verbrauchs- bzw. auch Einspeiseprofil der Nutzer ändert, dann muss der Herr Energiespekulant und Kraftwerksbetreiber sich darauf gefälligst einstellen.
Diese Einstellung finde ich ziemlich ignorant. "Soll sich doch der Herr Kraftwerksbetreiber an meine PV-Einspeisung und Eigenverbrauch anpassen" So ein Quatsch.  einer der vielen Kraftwerksbetreiber bist DU. Und deshalb muss man schauen, wie es am sinnvollsten ist, PV-Strom einzuspeisen. Und ich finde es nicht sinnvoll, finanzielle Anreize zu schaffen, Verbrauch zusätzlich in eine Zeit zu verlagern, in der der Verbrauch eh schon hoch ist und aus Zeiten wegzunehmen, in denen der Verbrauch eh schon niedrig ist.
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von atlantikstrand » 10.03.2010, 23:47
Ok, ich verstehe dein Argument, Bürgersolar: Der Solar-Tagstrom ist aktuell einfach zu wertvoll, um ihn mutwillig zu verbraten. Aber gilt das auch langfristig? Oder haben wir nicht bald ein Überangebot an Tagstrom, wenn nicht nur 1%, sondern 10%-30% des deutschen Stroms durch PV kommen? Dann wäre es doch gut, Speichertechnologien zu haben, die diese Spitzen aufsaugen.
Und: Selbst wenn es aktuell vielleicht teurer kommt, könnte damit doch in Kürze eine neue Massen-Industrie geschaffen werden, die in Zukunft nicht nur für PV, sondern auch für Windstrom und Elektromobilität sehr nützlich wäre. Ähnlich wie beim EEG: 50,6 Cent in 2001 hat den Markt angeschoben, zehn Jahre später kostet Solarstrom nur noch die Hälfte. Conergy und Solarworld haben schon Batteriespeicher für den Hausgebrauch angekündigt, andere werden folgen. Wenn es sich finanziell erst mal lohnt, entsteht ein Markt, dann Massenfertigung, dann Preisverfall - und irgendwann vielleicht doch Energieautarkie? Das wäre es doch wert.
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von Sinci » 10.03.2010, 23:48
Also der erste und offensichtlichste Vorteil des Eigenverbrauchs ist doch die Reduzierung der EEG-Umlage durch diese. Da für jede kWh Eigenverbauch nur 20 Cent statt 33 Cent gezahlt werden müssen, reduzieren sich auch die Kosten für die anderen Stromkunden .. und das nicht unerheblich! Natürlich nehmen dadurch auch die Stromkonzerne weniger ein.
Zu dem Argument mit der Verbrauchsspitze am mittag... Schaut doch einfach mal ein paar Jahre in die Zukunft. Der Ausbau wird, wenn das EEG nicht gestoppt wird, rasanst weiter gehen und in wenigen Jahren bei 10 GWp pro Jahr liegen. Auch wenn man den PV-Anteil an der Stromerzeugung von den jetztigen 1% auf 20% anheben will ist doch offensichtlich, dass dann 200 GWp in Deutschland installiert sein müssen. Diese erzeugen dann zu Spitzenzeiten so 140 GW ... der maximale Stromverbrauch Deutschlands liegt aber bei 90 GW ... Somit ist doch auch hier klar, dass der Eigenverbrauch sinnvoll wird.
In einzelnen Netzen kleinerer Städte ist dies sowieso schon viel früher der Fall.
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von atlantikstrand » 11.03.2010, 00:13
Sinci hat geschrieben:Natürlich nehmen dadurch auch die Stromkonzerne weniger ein.
Und der Staat (Stromsteuer, Konzessionsabgaben). 
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von buergersolar » 11.03.2010, 00:26
Ich denke, dass ein so hoher Zubau (10 GWp/a) nicht nachhaltig ist, denn wenn zu schnell gebaut wird, sind die Solarteure arbeitslos (weil Markt gesättigt), bevor es durch Repowering wieder Arbeit gibt. Deshalb wird die Politik solche Zubauraten mit Recht verhindern. Zu den Netzen/Eigenverbrauch: Wir sind zwar hier im PV-Forum, aber vielleicht ist gerade deshalb der ein oder andere ein wenig verblendet: Leute, es gibt nicht nur PV! Es gibt auch noch Wind, Wasser, Geothermie und zu guter letzt Biomasse. Wieso sollte man bei dieser Vielfalt erreichen wollen, dass sich Haushalte autark mit PV versorgen, während das Netz auf diesen PV-Strom verzichten darf/muss? Ein Energie mix besteht doch nicht aus einer PV-Anlage und einer Batterie! Sinci hat geschrieben:Schaut doch einfach mal ein paar Jahre in die Zukunft.
Das habe ich bereits getan: In einem SmartGrid, das Preissignale infolge des Verhältnisses Einspeisung/Nachfrage setzt und so Verbraucher (Kühlgeräte, Waschmaschine, Wärmepumpe) intelligent steuert, ist eine Regelung, die willkürlich mittags den PV-Strom aus dem Netz saugt, fehl am Platz! Auch hier muss ich sagen: Die Welt besteht nicht nur aus PV! Warum sollten wir unseren steuerbaren Verbrauch in die Zeit legen, in der der gerade PV-Strom vom Dach kommt? Viel sinnvoller ist es, den Verbrauch in die Zeiten zu verlegen, in denen insgesamt (alle Energiequellen -> Mix!) ein Überschuss im Netz ist. Das mag vielleicht auch mal mittags sein, aber vielleicht auch mal morgends oder abends, weil gerade der Wind weht wie blöd, aber die Industriebetriebe schon Feierabend gemacht haben. Eine PV-Eigenverbrauchs-Regelung wird dem nicht gerecht, da sie auf die Mittagszeit beschränkt ist, ungeachtet der Tatsache, ob im Netz wirklich gerade ein Überangebot herrscht oder nicht. Sonnige Grüße
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von Sinci » 11.03.2010, 01:27
buergersolar hat geschrieben:Ich denke, dass ein so hoher Zubau (10 GWp/a) nicht nachhaltig ist, denn wenn zu schnell gebaut wird, sind die Solarteure arbeitslos (weil Markt gesättigt), bevor es durch Repowering wieder Arbeit gibt. Deshalb wird die Politik solche Zubauraten mit Recht verhindern.
Aber um die 10 GWp/a wird doch kein Weg vorbei führen wenn man die deutsche Stromversorung auf EE umstellen will. Natürlich werden sie durch die kommende Kürzung (zum Glück) noch nicht so schnell erreicht. Aber selbst das geplante Ausbauziel von 3,5 GW/a wird doch schon in 2010 überschritten werden ... Betrachte es doch mal von der anderen Seite .. wenn der Zubau bei 3,5 GW/a stagniert erhöht man den Anteil der PV am Strommix jährlich um gerade mal 0,4%, also ganz ehrlich, das is doch ein Witz .. geh dazu noch von einer Lebensdauer von 30 Jahren aus, wird man mit PV 12% erst in 30 Jahren erreichen, aber nicht überschreiten .. dann ist das ganze doch nur Spielerei und bringt nichts. Klar wird das SmartGrid kommen, das wird aber auch noch etliche Jahre auf sich warten lassen und dann aber auch dafür sorgen, dass vornehmlich bei hoher PV-Erzeugung Strom verbraucht wird, wenn es die PV schaffen wird einen größeren Teil am Strommix bereitstellen zu können. Im übrigen finde ich den ökonomischen Aspekt und die finanziellen Einsparungen der Allgemeinheit wesentlich wichtiger... die Kosten stehen doch jetzt schon in keinem Verhältnis mehr zu dem Nutzen und das wird von Jahr zu Jahr dramatisch schlimmer. Da ist es doch Geboten jede Möglichkeit diese zu drücken auch zu nutzen. PS: und bevor jetzt Hadl mit Merit Order kommt  ... der bringt vielleicht was bei Windkraft, aber nicht bei den aktuellen und zukünftigen Kosten von PV
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von open source energie » 11.03.2010, 07:37
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