Die Delle [in der Grundlast]

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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon MrMrsMiller » 17.06.2012, 14:34

Hallo diesonnelacht und alle EE-Freunde

Wer eine Seite zurückblättert, findet einen Vergleich zwischen Verbrauch in D und Erzeugung in D für einen Wochentag mit etwas Wind und extrem viel Sonne (der Tag der 20+x GW an PV-Strom).
Nun habe ich für den 9.6. (Samstag), die Daten von transparency.eex.com eingetragen in ein neues Bild, das den Stromverbrauch der Haushalte (und ihrer Speicherheizungen) zeigt und mit der extremen Produktion an PV-Strom und Windstrom vergleicht. Siehe angehängtes Bild.

Vergleicht man den Wochen- und den Wochenendtag, dann muss man feststellen:
Der Stromverbrauch in D erreicht unter der Woche ca. 75 GW, an einem Samstag ca. 60 GW.
Die Großkraftwerke laufen unter der Woche auf ca. 40 GW, an einem Samstag bei ca. 30 GW.
(Diese Niveaus hat es in 2011 und 2010 auch unter der Woche / am WE gegeben, sind also nicht durch
PV-Ausbau beeinflusst, das kann man auf transparency durch Zurückblättern sehen).

Auch mit 14 GW PV unter Mittags und 14 GW Wind unter Mittags wird keine bemerkenswerte Delle in der Leistung der
Großkraftwerke erzeugt: Großkraftwerke+Wind+PV erreichen unter Mittags aber schon für ein paar Stunden den
Gesamt-D-Stromverbrauch.

Wind und Sonne verdrängen also noch keine Leistung von Großkraftwerken unter Mittags, aber sie sind nahe dran.
Noch 10 GW PV mehr, und die 4G kriegen erhebliche Probleme, sollte das EEG noch existieren und/oder angewandt werden können.

Vielen Dank allen Freunden der EE / der PV!

MrMrsMiller
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon nautica » 03.08.2012, 09:54

Eine kleine Anleitung "Delle in der Grundlast" mit der Bitte um Bewertung der Vorgehensweise:

1. Suchen einer Delle bei
a) http://www.transparency.eex.com (Freiwillige Selbstverpflichtung der Marktteilnehmer : Erzeugung des Vortages) mit Braunkohle (Lignite) + Uran
b) http://www.ise.fraunhofer.de/de/downloa ... ergie-2012 (danke für den Link)

Ergebnis/Kandidat: Sonntag 08.07.2012

2. Weitere Bestätigung durch die Kennzahl "vertikale Netzlast" : zB: Import, Erzeugung auf ÜNB Ebene (dh. 380kV).
Wind und PV speisen auf unteren Spannungsebenen ein, beim Abschalten von EEG Anlagen kommt es zu einer "Rückspeisung" ins ÜNB Netz von untergelagerten Verteil-Netzbetreibern (VNB), so etwas liest man bei den (vorgeschriebenen) Berichten zur Zwangsabschaltung von Windkraftanlagen nach EEG

a) TransnetBW hat scheinbar eine Solardelle
b) 50Hertz (.csv) hat scheinbar ebenso eine Delle
c) Tennet (.csv) hat eine Delle
Keine Angaben habe ich bei Amprion gefunden (die verweisen auf die registrierpflichtige ENTSOE Plattform)

Besonders interessant: 500MW vertikale Restlast im Tennet Netz :shock: im Vergleich zu >4GW sonst an dem Tag.
Fazit: 08.07.2012 gab es eine Delle in der "Grundlast".

Beim ISE PDF sieht man auch, dass bei mancher Solareinspeisung/"Überschuss" auch viel exportiert wird
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon buergersolar » 03.08.2012, 10:15

nautica hat geschrieben:(die verweisen auf die registrierpflichtige ENTSOE Plattform)

Die Registrierung ist kostenlost und man muss glaube ich nicht mal viele Daten angeben (ist schon so lange her, dass ich mich registriert hab :roll: )
http://www.entsoe.net/home.aspx

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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon MrMrsMiller » 15.08.2012, 21:26

Guten Abend zusammen

in den letzten Tagen gab es wiederholt PV-Spitzen um 20 Gigawatt, und wieder keine nennenswerte Delle in der Grundlast.
Übrigens sieht man jeden Tag auf eex.com aufs Neue, wie schöne Großkraftwerke rauf- (und also auch wieder runter) fahren können zwischen 04 und 08 Uhr: Delta von 10 GW / 4h sind kein Problem, also könnten Dellen von 10 GW-Tiefe auch kein
Problem sein zwischen 10 und 18 Uhr. Ohne zusätzlichen Einsatz von GuD.

Sogar, wenn die PV-Produktion um 1-3 GW über Plan lag, hat deswegen kein Großkraftwerk entsprechend gedrosselt.

Das ist auch überhaupt kein Wunder, aus meiner bescheidenen Sicht.

Denn es gibt zwar (noch, Herr Min!) einen Einspeisevorrang für EE/PV - aber keinen Erzeugungsvorrang.
Darüber redet gar keiner - und damit gar keiner drauf kommt, reden anderen dafür umso lauter darüber, gleich
auch noch den Einspeisevorrang abzuschaffen...

Soll heißen was? Die Großkraftwerke fahren OHNE Rücksicht auf EE, überschwemmen den Markt mit A-Strahlungs- und
B-CO2-Strom und drücken dadurch den Börsenpreis des EE-Stroms, was wiederum die Umlage erhöht.
Irre ich? Ich bitte für diesen Fall um eine Gegentheorie.
Diejenigen, die den Strom verkaufen, haben nichts davon, wenn dabei hohe Erlöse erzielt werden - alle Einnahmen
gehen in den Umlagetopf - es gibt also keinen Börsenteilnehmer, der hohe Erlöse bewirken möchte und könnte.

Übrigens, wir haben doch eine Regulierungsbehörde für Telekommunikation, die dem Staat schöne UMTS-Milliarden gebracht hat und den Verbrauchern immer mal wieder sinkende Roaminggebühren -
warum gibt es keine Regulierungsbehörde für den E-Markt, die für sinkende Strompreise sorgt?

Die kleinen und mittleren Stromverbraucher bezahlen die Umlage, und der Konzerngewinn der 4G ist exakt ein bisschen darüber -
da muss man, entgegen aller Geldflusslogik, nicht mehr viel zusammenzählen...

Allen unermüdlichen Kämpfern für und Investoren in EE/PV: Danke, für das, was Ihr für dieses unseres Land tut!

MMM.

PS. Italien ist schon nach Tschernobyl aus der Atom-wirtschaft ausgestiegen. Und baut in diesem Jahr deutlich mehr
PV als D... China will 20 GW PV in 2 Jahren hinsetzen... Wer diese Glocken nicht schlagen hört,
der ist taub (ja, Herr Min, taub!)
MMM.
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon darwin » 15.08.2012, 21:47

MrMrsMiller hat geschrieben:Denn es gibt zwar (noch, Herr Min!) einen Einspeisevorrang für EE/PV - aber keinen Erzeugungsvorrang.
Darüber redet gar keiner - und damit gar keiner drauf kommt, reden anderen dafür umso lauter darüber, gleich
auch noch den Einspeisevorrang abzuschaffen...

Soll heißen was? Die Großkraftwerke fahren OHNE Rücksicht auf EE, überschwemmen den Markt mit A-Strahlungs- und
B-CO2-Strom und drücken dadurch den Börsenpreis des EE-Stroms, was wiederum die Umlage erhöht.
Irre ich? Ich bitte für diesen Fall um eine Gegentheorie.
Diejenigen, die den Strom verkaufen, haben nichts davon, wenn dabei hohe Erlöse erzielt werden - alle Einnahmen
gehen in den Umlagetopf - es gibt also keinen Börsenteilnehmer, der hohe Erlöse bewirken möchte und könnte.


Behauptet man nicht im MO-Thread das es die EEs sind die den Börsenpreis drücken ? Dort möchte man ja gerade diese *Gewinne* abschöpfen.

Die Kraftwerksbetreiber bekommen nur den Börsenpreis und zwar für die Menge die Abzüglich der EEs verkauft werden kann. Würden sie ihre Produktion zurückfahren - nunja, die EEs können diese Mindermenge nicht auffangen, dank Einspeisevorrang.

Wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du den MO-Mechanismus abschaffen, also konventionelle zwingen billige Kraftwerke abzuschalten um mit teueren Kapazitäten den Preis hochzutreiben.

Wenn von 60 GW, 20 über die EEs gedeckt würden, 20 über billige Großkraftwerke und 20 beispielsweise mit teuren Gaskraftwerken ---- und die Gaskraftwerke den Preis bestimmen - würden die Großkraftwerke ebenfalls den höheren Preis bekommen. Ist doch das, was der Vorschlag beinhaltet ?
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon rollkopp » 15.08.2012, 22:46

nautica hat geschrieben:Beim ISE PDF sieht man auch, dass bei mancher Solareinspeisung/"Überschuss" auch viel exportiert wird

Das ist wohl der wichtigste Grund, warum es kaum eine Delle in der Grundlast gibt, mittags geht ein erheblicher Teil des Stroms in den Export. Ob es jetzt Solarstrom ist oder Strom der Grundlastkraftwerke, die sich nicht anpssen (wollen) - darüber kann man sich trefflich streiten.
Siehe auch aktuelle Meldung des Fraunhofer Instituts "Europäisches Verbundnetz als Speicher für Erneuerbaren Strom".
Bei der Grafik, die sowohl die Erzeugung als auch den stromaustausch mit dem Ausland darstellt, ist deutlich der Zusammenhang in der Mittagszeit zu erkennen.
(kann momentan leider keinen Link kopieren - bei Interesse also googeln)

Ich wunderte mich schon, dass der Börsenpreis trotz immer höherer PV-Einspeisung mittags nicht deutlicher sinkt.

Was mich nur beunruhigt, sind die Folgen für die EEG-Umlage. Es wird zur Mittagszeit PV-Strom erzeugt, für den nun mal Vergütungen deutlich oberhalb des Börsenpreises gezahlt werden. Statt in Deutschland CO2- oder Atomstrm ersetzen zu können, wird er zu 3 - 5 Cent ins Ausland verkauft. D hat die Kosten und die Nachbarländer können sich über günstigen und umweltfreundlichen Strom freuen. OK, das europäische Stromnetz ist eine Art Stromspeicher, aber mir wäre lieber, wenn der umlagefinanzierte Strom D zu Gute käme und entsprechend Kohle- oder Atomstrom ersetzen würde.

Was wäre jedoch, wenn tatsächlich der Strom in D bliebe - der Börsenpreis würde noch deutlicher sinken und die Umlage dementsprechend steigen.

Was wäre das geringere Übel?
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon darwin » 16.08.2012, 07:15

Hier im Forum gab vor Tagen eine Studie die gezeigt, hat das in 2012 bis zum Mai (?) einen Exportüberschuss gegeben hat, dannach (war in der Studie nur ein ein Monat) wurde mehr importiert.

Falls der Trend sich bestätigt, würde das bedeuten das in der Bilanz Solarstrom nicht exportiert wird. Vermutlich sogar das durch den Sommer-PV-Strom die anderen Kapazitäten zurückgefahren werden und dafür Zeitweise (vermutlich Morgens/Abends) importiert wird. In Dtl. sind das die Zeiten der höchsten Preise.

PS: der Link
http://www.ise.fraunhofer.de/de/downloa ... e-2012.pdf
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon Cruso » 16.08.2012, 07:27

Zur Zeit sind in ganz Europa Kraftwerke in Revision oder bringen wegen der Hitzewelle nicht die max. Leistung.
Wie hier berichtet, war dies ja in Deutschland auch 2003 ein großes Problem (kurz vor Netzabschaltungen).

Der PV Trend wird in Südeuropa, Mittelmeerregion zunehmen und den Strom zukünftig stark verbilligen bzw. gegen die Inflation wirken.

Man könnte meinen die PV Preise finden keinen Boden und bei sinkenden Preisen der kleineren Wechselrichter steigen dann schnell auch private EFH Besitzer in der Schweiz und Österreich auf den Zug auf.
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon rollkopp » 16.08.2012, 17:21

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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon eggis » 16.08.2012, 17:42

Moin rollkopp,

tolle Grafik hast du da eingestellt.
Jetzt ist mir auch klar, warum die G4 so sehr auf neue Trassen ins Ausland (Norwegen, Polen, Tschechien) setzen. Dann sind sie nämlich nicht mehr gezwungen ihre Grundlastkraftwerke zu regeln, sondern exportieren einfach den Strom.

Schon dreist, das Problem der schlechten Regelbarkeit ins Ausland abzuschieben. Und die Polen meckern, über die schlechte Auslastung ihrer Kraftwerke, da der deutsche Strom so günstig ist und dieser von ihren Stromanbietern bevorzugt gekauft wird.
Mit sonnigen Grüßen
-eggis-

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