Das 50,2 Hz Problem

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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon solarlux » 10.12.2011, 15:10

buergersolar hat geschrieben:Wann ist denn das letzte Mal die Frequenz so hoch angestiegen? 50,2 Hz ist schon ne Menge Holz im europäischen Verbund. Normalerweise sind die Schwankungsbreiten da um eine Zehnerpotenz kleiner. Also über 50,05 sieht man selten.


Richtig, im planmäßigen Betrieb gibt es wohl sicherlich keine Probleme. Im Fehlerfall, bei einer Störung einer Hauptleitung z.B., während schon zuvor alle anderen benachbarten Leitungsstrecken am oberen Limit arbeiten, kann es zu Überlastungen der übrigen Strecken kommen.

Die Stromnetze sind auch keine starren Anlagen, sondern sind ständigen Belastungen ausgesetzt. Nun wird immer versucht, alles irgendwie zusammen zu halten. Wind-und Sonne richten sich nun mal nicht nach dem Bedarf und den Netzen.

Unvorhersehbare Fälle, in den die EEG-Prognose z.T. massiv vom IST-Wert abweicht, muss immer wieder mal schlagartig "verdaut" werden.

"Ne Menge Holz", wie schon gesagt.

http://www.netzfrequenzmessung.de/aktuelles.htm

http://www.netzfrequenzmessung.de/

http://www.50hertz.com/cps/rde/xchg/trm ... 1-BC307F94

www.50hertz.com/de/file/_2009_04_15_bericht1_64395.pdf
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon orfix » 10.12.2011, 17:52

hallo buergersolar,

danke für die antwort, bin auch naturstrom nutzer.

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http://www.bauerer.de/
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon gunnar_kaestle » 14.12.2011, 11:46

buergersolar hat geschrieben:Wann ist denn das letzte Mal die Frequenz so hoch angestiegen? 50,2 Hz ist schon ne Menge Holz im europäischen Verbund. Normalerweise sind die Schwankungsbreiten da um eine Zehnerpotenz kleiner. Also über 50,05 sieht man selten.


50,5 Hz sieht man häufig zur vollen Stunde.
Deswegen werden nun auch im Intra-Day-Handel Viertelstundenprodukte eingeführt, um die Sprungweite zu verkleinern, wenn man im Stundenraster versucht, den Lastverlauf zu approximieren.

Gruß,
Gunnar

PS. Die Nachrüstverordnung kommt wohl nicht zum 1.1.2012, sondern einige Wochen später.
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon superhaase » 14.12.2011, 13:21

gunnar_kaestle hat geschrieben:50,5 Hz sieht man häufig zur vollen Stunde

Du meinst wohl 50,05 Hz.
Die Sprünge betragen meist so um die 50 mHz, liegen also etwa um den Faktor 4 unter den kritischen 50,2 Hz.
10.08 kWp mit 48 Sanyo HIP210, 1 Sunways NT6000 und 1 Sunways NT5000. Flachdachgestell mit 20°. Inbetriebnahme 13.7.2006.
http://www.sonnenertrag.eu/de/weiden/superhaase/717/447
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon gunnar_kaestle » 16.12.2011, 00:50

superhaase hat geschrieben:
gunnar_kaestle hat geschrieben:50,5 Hz sieht man häufig zur vollen Stunde

Du meinst wohl 50,05 Hz.
Die Sprünge betragen meist so um die 50 mHz, liegen also etwa um den Faktor 4 unter den kritischen 50,2 Hz.


Ja, klar. 50 Milliherz sind häufig da, und auch 100 Milliherz sind zu beobachten. Wenn dann ein großer Verbraucher (eine Stadt schaltet sich weg) abschaltet, kann es dumm ausgehen.

http://www.netzfrequenzmessung.de/verlauf.htm

Gruß,
Gunnar
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon indemann » 20.12.2011, 22:36

jodl hat geschrieben:ich würde mich schön bedanken wenn sowas in meinem Kühlschrank eingebaut würde
den Kühlschrank habe ich gekauft damit er kühlt wenn ich das haben will und nicht damit er für einen Netzbetreiber dessen Netz stabilisiert
nur damit irgendwelche Braunkohleöfen fett durchlaufen können


Es gibt sogar Pilotprojekte, wo das bei Kühlanlagen extra so programmiert wird. Das hat nicht direkt mit 50,2 Hz zu tun, sondern nennt sich Regelenergie und wird fast teurer bezahlt als EEG-Energie.
Die Regelenergie ist der Teil vom Energiebedarf, der neben den fetten Braunkohlenkraftwerken, die im Bereich 24/7 laufen, über den Tag verteilt geregelt werden muss. Durch die regenerative Energie gibt es in Spitzenzeiten einen Überfluss an Energie. Man kann für diesen Fall "negative Regelenergie" anbieten, die durch die Netzbetreiber besser bezahlt wird als EEG-Einspeisung. In Norddeutschland gibt es wohl ein Logistikunternehmen mit Kühlhallen, das bei Bedarf (Energieüberschuss) Strom abnimmt und damit die Regelzone auspendelt.
Grüße vom Indemann
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon jodl » 20.12.2011, 23:09

indemann hat geschrieben:Durch die regenerative Energie gibt es in Spitzenzeiten einen Überfluss an Energie.


so kann man das vielleicht auch sehen... :roll:
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon gunnar_kaestle » 20.12.2011, 23:42

Die Regelenergie ist der Teil vom Energiebedarf, der neben den fetten Braunkohlenkraftwerken, die im Bereich 24/7 laufen, über den Tag verteilt geregelt werden muss. Durch die regenerative Energie gibt es in Spitzenzeiten einen Überfluss an Energie. Man kann für diesen Fall "negative Regelenergie" anbieten, die durch die Netzbetreiber besser bezahlt wird als EEG-Einspeisung. In Norddeutschland gibt es wohl ein Logistikunternehmen mit Kühlhallen, das bei Bedarf (Energieüberschuss) Strom abnimmt und damit die Regelzone auspendelt.


Die Regelenergie unterteilt sich in verschiedene Sorten, die unterschiedlich schnell bereitgestellt werden müssen. Je schneller, desto teurer. Es gibt auch noch eine Unterscheidung nach der Funktionsweise des Abrufs. Siehe: https://www.regelleistung.net

Momentanreserve (engl. Inertia)
- Schwungmassen der Turbogeneratoren am Netz,
- ist sofort verfügbar mit einer Leistung proportional df/dt
- Differenzierender Regler (D-Glied)
- Zweck: Begrenzung der Frequenzänderungsgeschwindigkeit (ROCOF: rate of change of frequency)
- noch kein Markt vorhanden, da durch drehende Elektromaschinen implizit im System vorhanden
- Zukünftig wird Syntetic Inertia auch von Wechselrichtersystem gefordert

Primärregelenergie
- muss innerhalb von 30s voll aktiviert sein
- wird durch lokalen Regler am Kraftwerk bestimmt, der die Frequenz misst und per P(f)-Kennlinie (Statik) eine neue Sollleistung vorgibt
- Proportional-Regler (P-Regler)
- Zweck: Minimierung der Frequenzabweichung bei größeren Ereignissen wie einem Kraftwerksausfall
- Vergütung nur der Leistung (hoher Preis)

Sekundärregelenergie
- muss innerhalb von 5 min voll aktiviert sein
- wird zentral vom Lastverteiler des Netzbetreibers automatisch aktiviert auf Basis des Area Control Errors, der aus Frequenzabweichung und Abweichungen der vorher vereinbarten Austauschleistungen zwischen benachbarten Regelzonen bestimmt wird.
- Integrierender Regler (I-Regler)
- Zweck: Zurückbringen der Frequenz auf den Sollwert von 50 Hz
- Vergütung von Regelleistung und arbeit (mittlere Preise)

Tertiärregelenergie (Minutenreserve)
- muss innerhalb von 15 minuten voll aktiviert sein
- wird zentral von Netzbetreiber aktiviert, bislang meist noch per Telefonanruf. Eine Umstellung auf automatisierten Aufruf ist in Vorbereitung.
- stochastischer Abruf von Regelenergie
- Zweck: Entlastung der Sekundärregelreserven, damit diese für den nächsten größeren Bedarfsfall wieder zur Verfügung stehen
- Vergütung von Regelleistung und -arbeit (meist rel. niedrige Preise)

Gruß,
Gunnar
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon buergersolar » 22.01.2012, 20:22

Weiß jemand, wie der aktuelle Stand der Dinge ist? Wer muss wann nachrüsten und wer bezahlts? Habe diesbezüglich schon lange nichts mehr gehört/gelesen...

Ist das Thema etwa gestorben und das Netz plötzlich doch nicht mehr gefährdet?!

:?: :?: :?:

Sonnige Grüße
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Mein Stromanbieter: naturstrom
Mein Druckerpapier: Recyclingpapier (spart jede Menge: Energie, Wasser und Holz)
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Re: Das 50,2 Hz Problem

Beitragvon Bulla2000 » 06.03.2012, 15:16

Schließe mich an. Unsere Anlage war betriebsbereit im November 2011, Anschluss Ende Februar 2012. Jetzt verlangen die Stadtwerke (EV Apolda) das 50,2 Hz Zertifikat für den WR. Ein solches gibt es aber nicht! Fronius bietet den 4.6 IG TL nicht mehr an.
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