Die Regelenergie ist der Teil vom Energiebedarf, der neben den fetten Braunkohlenkraftwerken, die im Bereich 24/7 laufen, über den Tag verteilt geregelt werden muss. Durch die regenerative Energie gibt es in Spitzenzeiten einen Überfluss an Energie. Man kann für diesen Fall "negative Regelenergie" anbieten, die durch die Netzbetreiber besser bezahlt wird als EEG-Einspeisung. In Norddeutschland gibt es wohl ein Logistikunternehmen mit Kühlhallen, das bei Bedarf (Energieüberschuss) Strom abnimmt und damit die Regelzone auspendelt.
Die Regelenergie unterteilt sich in verschiedene Sorten, die unterschiedlich schnell bereitgestellt werden müssen. Je schneller, desto teurer. Es gibt auch noch eine Unterscheidung nach der Funktionsweise des Abrufs. Siehe:
https://www.regelleistung.netMomentanreserve (engl. Inertia)
- Schwungmassen der Turbogeneratoren am Netz,
- ist sofort verfügbar mit einer Leistung proportional df/dt
- Differenzierender Regler (
D-Glied)
- Zweck: Begrenzung der Frequenzänderungsgeschwindigkeit (ROCOF: rate of change of frequency)
- noch kein Markt vorhanden, da durch drehende Elektromaschinen implizit im System vorhanden
- Zukünftig wird
Syntetic Inertia auch von Wechselrichtersystem gefordert
Primärregelenergie- muss innerhalb von 30s voll aktiviert sein
- wird durch lokalen Regler am Kraftwerk bestimmt, der die Frequenz misst und per P(f)-Kennlinie (
Statik) eine neue Sollleistung vorgibt
- Proportional-Regler (
P-Regler)
- Zweck: Minimierung der Frequenzabweichung bei größeren Ereignissen wie einem Kraftwerksausfall
- Vergütung nur der Leistung (hoher Preis)
Sekundärregelenergie- muss innerhalb von 5 min voll aktiviert sein
- wird zentral vom Lastverteiler des Netzbetreibers automatisch aktiviert auf Basis des Area Control Errors, der aus Frequenzabweichung und Abweichungen der vorher vereinbarten Austauschleistungen zwischen benachbarten Regelzonen bestimmt wird.
- Integrierender Regler (
I-Regler)
- Zweck: Zurückbringen der Frequenz auf den Sollwert von 50 Hz
- Vergütung von Regelleistung und arbeit (mittlere Preise)
Tertiärregelenergie (Minutenreserve)
- muss innerhalb von 15 minuten voll aktiviert sein
- wird zentral von Netzbetreiber aktiviert, bislang meist noch per Telefonanruf. Eine Umstellung auf automatisierten Aufruf ist in Vorbereitung.
- stochastischer Abruf von Regelenergie
- Zweck: Entlastung der Sekundärregelreserven, damit diese für den nächsten größeren Bedarfsfall wieder zur Verfügung stehen
- Vergütung von Regelleistung und -arbeit (meist rel. niedrige Preise)
Gruß,
Gunnar