Es ist nun mal einfach so, dass solche Anti-EEG-"Studien" in schöner Regelmäßigkeit immer nur vom RWI kommen. Die Vernetzung des RWI mit der konventionellen Energiewirtschaft ist auch eindeutig belegt.
Das RWI ist ganz klar voreingenommen und keinesfalls wissenschaftlich neutral.
Wenn vergleichbare Aussagen auch von mehreren anderen, wirtschaftlich wirklich unabhängigen Instituten oder Universitäten kommen würden, könnte man das vielleicht ernstnehmen.
Sicher steckt in den RWI-Veröffentlichungen immer auch ein Körnchen Wahrheit - soll heißen: es werden keine direkten Lügen verbreitet oder offensichtlich Zahlen gefälscht. Allerdings werden die Fakten immer aus einem extremen Blickwinkel dargestellt, immer in Richtung "EEG ist doof" interpretiert und es werden viele wichtige Aspekte bei der Gesamtbetrachtung einfach ausgeblendet.
Was das RWI gerne ganz außen vor lässt, ist die Tatsache, dass das EEG einen Anschubfinanzierung leisten soll, um neue Techniken zur Gewinnung erneuerbarer Energien den Markteintritt zu ermöglichen - und zwar gegen die "etablierten" Energien, die auch über viele, viele Jahre kräftig und direkt vom Staat subventioniert wurden.
Ist dann die Technik in der Massenproduktion angekommen und hat sich dabei weiterentwickelt, so ist die EEG-Förderung nicht mehr nötig.
Dass das gut funktioniert, hat sich bei der Windenergie gezeigt. Der Windstrom ist heute zum Teil schon konkurrenzfähig.
Es war von Anfang an klar, dass PV-Strom im Vergleich zu anderen EE sehr teuer ist und einen viel weiteren Weg zur Marktfähigkeit haben wird.
Trotzdem ist man (damit meine ich z.B. den Gesetzgeber) der Ansicht, dass PV-Strom einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung leisten wird - insbesondere hinsichtlich der Tatsache, dass PV-Strom und Windstrom sich antizyklisch recht gut ergänzen.
Was das RWI auch nicht berücksichtigt, ist, dass die PV-Anlagen im Gegensatz zu anderen Kraftwerken nach dem Ende ihrer 20-jährigen EEG-Phase noch viele, viele Jahre weiter Strom liefern werden, ohne große Instandhaltungskosten zu verursachen. Die Modullebensdauer schätzt man heute auf gut und gerne 30 Jahre im Durchschnitt. Die Wechselrichter gehen auch nicht oft kaputt und werden immer billiger. Wartungskosten fallen kaum an....
Dieser PV-Strom aus der zweiten Lebensphase der PV-Anlagen wird nach derzeitigem Stand wohl zu einer sehr geringen Vergütung (nach Eigenverbrauch und Überschusseinspeisung) ins Netz eingespeist werden und den Strompreis wohl eher drücken.
Auch die beliebte Masche mit der gegenseitigen Aufrechnung der CO2-Einsparungseffizienz, bei der die PV derzeit natürlich ganz schlecht abschneiden muss, ist wenig sinnvoll. Ginge es nur darum, hätte von Anfang an auch kein Geld in die Windkraft oder Geothermie oder viele andere Techniken fließen dürfen. Man kann aber eine sichere Stromversorgung zu 100% aus Erneuerbaren Energien, die langfristig "unvermeidbar" ist, nicht anhand der €/CO2-Einsparung ausrichten, zumal diese Rechnungen auch immer zu kurzfristige Zeiträume und zu begrenzte Kostenmodelle berücksichtigen. Hier kommt wieder die Antizyklizität (sagt man das so?

) von Windkraft und PV ins Spiel: die durch die PV eingesparten Stromspeicherkapazitäten in Form von zukünftigen Druckluftspeicherkraftwerken oder dergleichen sind in der RWI-Studie bei der CO2-Einspareffizienzrechnung richtig berücksichtigt?
Auch Strom aus Kohle wird bald deutlich teurer werden. Die Stromkonzerne kämpfen ja mit aller Kraft gegen die Entwicklung des CO2-Zertifikate-Handels und jammern jetzt schon, dass sich Kohlekraftwerke dann nicht mehr rentieren werden, wenn die CO2-Kosten voll bezahlt werden müssen.
In vielen Köpfen spukt immer noch das "Recht auf billige Energie". Ein solches Recht gibt es nicht, hat es nie gegeben. Davon sollte man sich lieber verabschieden. Wir haben in der westlichen Welt nur Jahrzehnte lang ohne Rücksichtnahme auf andere Völker oder auf nachfolgende Generationen gelebt und gewirtschaftet und uns dabei an spottbillige und immer verfügbare Energie in jeder Form gewöhnt. Nun hat man erkannt, dass es nicht so weiter gehen kann. Das tut nun weh und kostet erst mal Geld oder fordert Verzicht. Aua! Zeter und Mordio!
Ferner ist bekannt, dass "Eigenstromerzeugungsanlagen" den großen Stromkonzernen ein Dorn im Auge sind. Und hierbei insbesondere die PV-Anlagen (aber auch die Kleinst-BHKWs), weil diese massentauglich sind in dem Sinne, dass sie sich fast jeder aufs Dach pflanzen kann. Die Stromkonzerne haben schon Angst davor, dass ihnen ein Stück Markt durch die Lappen geht, wenn die Hausbesitzer später mal (bei erreichen der berühmten Grid-Parity) auch ganz ohne EEG PV-Anlagen installieren und einen Teil ihres Stroms selbst erzeugen und den Überschuss einspeisen. Diesen Zeitpunkt würden sie gerne so lange wie möglich hinauszögern - das RWI unterstützt sie dabei durch Propaganda, was langfristig betrachtet das Gegenteil zur der heute geheuchelten Sorge um den Geldbeutel des Verbrauchers ist.
Wie gesagt ist nicht alles falsch, was vom RWI kommt. Ich persönlich wäre z.B. auch für einen stärkeren einmaligen Schnitt (20%) und allerdings eine anschließende weitere mäßige Degression von 5 % p.a. bei der PV-Vergütung gewesen.
Aber man darf die RWI-Veröffentlichungen gewiss nicht zum Maßstab der Energiepolitik machen - dafür sind sie zu offensichllich einseitig und hetzerisch gegen die Erneuerbaren Energien. Sie arbeiten diesbezüglich ganz klar im Auftrag von RWE & Co.
ciao,
sh