Zu Oerlikon. Wie fange ich an?
TatsachenMachen wir als erstes mit den Tatsachen kurzen Prozess, dann kann man sich auch die lästigen Details weiter unten sparen.
1) Oerlikon garantiert den Kunden einen technologischen Stand, den die Firma noch lange nicht erreicht hat
2) Oerlikon garantiert den Kunden Kosten, die mit einem noch nicht erreichten Technologiestand und extrem optimalen Betriebsbedingungen einhergehen.
Zu 1)
Zitat Oerlikon aus der Pressemeldung zu ThinFab II (Quelle 1 unten):
„…the upgraded ThinFabTM provides customers with a guaranteed average module efficiency of 10.8 %...”Aus dem publizierten Effizienzfortschritt und der Effizienzroadmap (Quelle 2, Seite 13) geht hervor, dass die Firma zuletzt (Ende 2010) in Ihrer Pilotlinie auf einen Durchschnitt von etwa 8,8% kam. Für Anfang 2012 (heute) ist laut Roadmap ein Durschnitts-WG von etwa 9,5% vorgesehen. Der garantierte Durchschnitt von 10,8% WG soll erst Mitte 2013 in der Pilotlinie realisiert werden.
Die Wirkungsgrade bei den effizientesten Kunden Oerlikons (Inventux und Auria) liegen laut Datenblätter im Schnitt bei 8,9% und beim effizientesten Modul bei 9,8%, d.h. grob 0,7% unter der Roadmap von Oerlikon.
Zu 2)
Die Kostenangabe von €0,35/Wp von Oerlikon setzt sowohl eine Auslastung von 100% als auch extremst niedrige Personalkosten voraus. Zitat Quelle 3):
“The Oerlikon Solar company said the price advantage being announced, however, is not a given if certain conditions are not met. The manufacturing cost of 0.35 euro per watt will be possible, according to the company, only if production takes place in some regions in China where labor costs are low and where production lines are in full operation.”Zusammenfassend ist das Erreichen des versprochenen Wirkungsgrades und der Produktionskosten deshalb sehr spekulativ.
MutmassungDie Effizienzziele aus der Effizienzroadmap von Oerlikon sind sehr ambitioniert und unwahrscheinlich.
1) Die geplante durchschnittliche Effiziensteigerung in der Pilotlinie von Oerlikon (0,85 Prozentpunkte pro Jahr in den Jahren 2011 und 2012, siehe Roadmap Quelle 2 Seite 13) setzt einen Fortschritt im Zellwirkungsgrad in einer ähnlichen Grössenordnung voraus. Oerlikon ist bei den Durschnittswirkungsgraden im Modul relativ gesehen näher am WG der Rekordzelle dran als die Player der anderen Technologien, sodass wenig Spielraum zur Steigerung des Modulwirkungsgrades ohne ähnlichem Fortschritt bei der Zelle besteht (Vergleichsbetrachtung der Technologien weiter unten).
Zuletzt hat Oerlikon den WG der Rekordzelle von 11,9% in Aug 2010 (Siehe Roadmap Quelle 2, Seite 13) auf aktuell 12,5% (Siehe Quelle 1) gesteigert. Das bedeutet 0,6 Prozentpunkte Steigerung in 17 Monaten, dh. 0,42 Prozentpunkte pro Jahr. Das ist grob in etwa die Hälfte der benötigten Effizienzsteigerung für die Roadmap. Unter zugrundelegung dieser Steigerungsrate, und unter der Annahme dass die Pilotlinie Anfang 2012 tatsächlich die 9,5% erreicht hat, landet man beim Durchschnitts-WG der Pilotlinie Anfang 2014 bei 10,3% statt 10,8%.
2) Die geplante Steigerung des WGs ist deutlich stärker als der historische Fortschritt in der Technologie gemessen am WG der Rekordzellen. Die Letzten Cell Efficiency Tables von Green (Quellen 4-6, jeweils erste Tablle unten) zeigen folgende Entwicklung bei den WG der Mikrokristallinen Rekordzellen:
9/04 11,7% (Kaneka)
08/10 11,9% (Oerlikon)
07/11 12,3% (Kaneka)
Aktuell kommt die neue 12,5% Rekordzelle von Oerlikon hinzu, die muss jedoch noch unabhängig bestätigt werden.
Wie aus den Zahlen hervorgeht gab es von 2004 bis 2010 sechs Jahre Stagnation beim WG der Rekordzelle, bis zuletzt Oerlikon und Kaneka nochmal die Technologie um 0,8 Prozentpunkte insgesamt anhoben. Vor dem Hintergrund des flachen Verlaufes des WG der Technologie vor 2010 erscheint der jetzt erforderliche Technologiefortschritt in der Zelle (0,85 Prozentpunkte pro Jahr, siehe oben), äusserst ambitioniert, zumal man schon an den Grenzen des bislang Möglichen arbeitet. Ein eher abflachender Fortschritt ist höchstwahrscheinlich, tritt in der Roadmap von Oerlikon aber erst viel später ein.
Vergleichsbetrachtung Durchschnittsmodul zu Rekordzelle je nach Technologie (Rekorde siehe Quelle 4-6)Multikristallin: Durchschnittsmodul (Trina): 14,4% - Rekordzelle (Franhofer): 20,4% - Verhältnis = 71%
Monokristallin Frontseite: Durchschnittsmodul (Trina): 14,9% - Rekordzelle (UNSW): 25,0% - Verhältnis = 60%
CIGS: Durchschnittsmodul (Q-Cells): 11,4% - Rekordzelle (ZSW): 20,3% - Verhältnis = 56%
CdTe: Durchschnittsmodul (FS): 11,8% - Rekordzelle (FS): 17,3% - Verhältnis = 68%
Mikrokristallin: Durchschnittsmodul (Oerlikon): 9,5% - Rekordzelle (Oerlikon): 12,5% - Verhältnis = 76%
Folgerung: Oerlikon ist im Vergleich zu anderen Technologien beim Modulwirkungsgrad relativ näher an den Grenzen der Technologie, gemessen durch den WG der Rekordzelle. Der Spielraum für Effizienzfortschritt auf Basis reiner Moduloptimierung ist daher kleiner, und die Notwendigkeit für Fortschritte in den Grundlagen (Zelleffizienz) umso höher.
FazitSpekulative Versprechungen (Tatsache), die wahrscheinlich (Mutmassung) nicht erfüllt werden.
Bei gegenwärtigen Siliziumpreisen ist eine Investition in so eine Anlage hochriskant. Allerdings besteht sehr schnell eine deutliche Upside wenn die Siliziumpreise steigen. Problem ist nur dass gegenwärtig extrem wenig Transparenz über künftige Siliziumpreise besteht, und Investoren mit dem worst case kalkulieren MÜSSEN.
Der Spekulatius
QuellenQuelle 1) Pressemeldung Oerlikon zur ThinFab II:
http://www.oerlikon.com/ecomaXL/index.p ... tx_id=9082Quelle 2) Oerlikon Solar CMD presentation:
http://www.oerlikon.com/ecomaXL/index.p ... s_cmd_2011Quelle 3)
http://www.physorg.com/news/2011-12-oer ... ar-pv.htmlQuellen 4-6) Cell Efficiency Tables Versions 37-39
http://www.eecs.berkeley.edu/news/SCeff ... lesV37.pdfhttp://www.mst.dicp.ac.cn/doshow.php?id=101http://www.scribd.com/doc/80338072/2012 ... version-39