welche Anforderungen sollten Nachführunganlagen haben

Alles über Photovoltaik Module...

Moderator: Mod-Team

 

0.00 (0 Bewertungen) | Zum Bewerten bitte anmelden

Beitragvon cephalotus » 06.04.2006, 22:15

Hallo zusammen,

ich habe 1996-1997 meine Facharbeit über die 2 achsige Nachführung von Solarmodulen geschriebent und auch eine sehr kleine Versuchsanlage gebaut (1x nachgeführt, 1x 30° Neigung und süden).

Allerdings habe ich nur den Amperestunden (Kurzschlussstrom über Zeit integriert) verglichen, eine Energiemessung war mir damals nicht möglich.

Auch konnte ich kein ganzes Jahr messen (jaja, man verschiebt solche Sachen halt immer nach hinten *g*), von daher kann und will ich auch keine "genauen" Zahlen veröffentlichen, aber ich schätze den Mehrertrag in unseren Breiten bei zweiachsiger Nachführung auf ca. 30%.
Damals habe es dazu auch so gut wie keine Informationen aus der Praxis gefunden (und keine Informationen zu solchen Anlagen in unseren Breiten), mag sein, dass sich da die letzten 10 Jahre einiges getan hat.

Bei der Nachführung spielen sicherlich in der Praxis auch noch einige andere Effekte eine Rolle, wie z.B. dass solche Module besser hinterlüftet werden, schneefrei bleiben, usw, usf...

Das größte Problem sehe ich persönlich in der Statik und dass solche Anlagen nicht wartungsfrei sind. Und dadurch werden solche Anlagen normalerweise zu teuer.

Ich würde davon abraten, für Bastler mit Spaß und Freude am Tüfteln und an Technik ist das aber natürlich ein sehr interessantes Themengebiet. da ist die Arbeitszeit ja das Hobby und wenn es sich nicht "rechnet", dann war es das Experiment eben wert.

In Klimagebieten, bei denen der Anteil der direkten Sonneneinstrahlung an der Gesamtstrahlung deutlich größer ist als bei uns und in denen Arbeitskraft weniger kostet, Module dafür umso mehr, mag sich so etwas aber durchaus rechnen.

mfg

PS: Ich persönlich würde eine Nachführung (wenn überhaupt) vermutlich einachsig bauen, falls genügend Fläche zur Verfügung steht.
Exakt nach Süden geneigte Achsen (Neigungswinkel idealerweise je nach Jahreszeit manuell variabel, reicht ja, wenn man da einmal pro Monat nachstellt) und die Module dann um diese geneigte(!) Achse drehen.
Das erscheint mir statisch deutlich einfacher zu lösen, da man mehr als einen Fixpunkt hat und man muss per Motor nur eine Achse drehen und hat dennoch eine sehr gute Ausrichtung.
Man braucht aber sehr viel Fläche, um Schattenwurf nebeneinader liegender Stränge morgens und abends zu vermeiden.
Benutzeravatar
cephalotus
Moderator
 
Beiträge: 2485
Registriert: 06.04.2006, 22:07
PV-Anlage [kWp]: 4,92
Info: Betreiber


Beitragvon drmedbob » 07.04.2006, 18:12

Nachgeführte Anlagen ein Thema für sich. Für ich wäre wichtig das es endlcih mal eine gibt die Störungsfrei arbeitet.
Pries bei uns inkl. Modul 6400 € pro Kwp
drmedbob
Stammmitglied
Stammmitglied
 
Beiträge: 42
Registriert: 22.03.2006, 16:57
Wohnort: Bayreuth

nachgeführte Anlage

Beitragvon ariba » 07.04.2006, 18:52

Hallo dremedbob

der Preis 6400€/kwp ist dann wohl mit Mwst.

Denn meine Kalkulation geht auf Mehrkosten von ca 800€/kwp bei einer einachsig nachgeführten Anlage. Denn sonst rechnet es sich nicht. Denn bei ca 25% Mehrertrag darf die Anlage, nicht mehr wie 15-18% Mehrkosten haben.

sonnige Grüße
Jürgen
ariba
Forumsinventar
Forumsinventar
 
- Threadstarter -
 
Beiträge: 769
Registriert: 31.10.2005, 16:27
Wohnort: Mallorca

Beitragvon Doris » 07.04.2006, 22:41

Hallo,
ich habe gerade gelesen:
...Als Steuerung fänd ich ein neuronales Netz (in Form eines IC) sinnvoll, welches die Module über Informationen aus Lichtsensoren ausrichtet. Das bräuchte zur Wirtschaftlichkeit wohl mehrere tausend Stück (oder ein gewisses Engagement), hat aber den Vorteil, das die Nachführung völlig unabhängig von Veränderungen durch Standortwechsel erfolgt. Die Module wären Zeit- und Ortsunabhängig immer optimal ausgerichtet, müssten nicht erst eingemessen werden, egal ob in Norddeich oder München...

Na klar, man kann eine Kerze auch mit einem Ventilator auspusten. :lol: :lol: :lol:
Ich kann mir nicht verkneifen, meinen (nicht ganz ernst gemeinten ;-) ) Senf dazuzugeben:

Wir wollen also eine Nachführung BASTELN - zum Lernen und zum Probieren.
Erst mal rauskriegen, wo Süden ist. Sonne brauchen wir für Strom sowieso. Also haben wir die auch zum Ausrichten. Süden kriegt man raus, wenn man eine Pfahl in die Erde rammt und guckt, wo der Schatten um Zwölfe hinzeigt - da ist bekanntlich Norden.
Ähm, Kompass geht natürlich auch. :):):)

Als Steuerungsgeber für die Nachführung reicht ein stinknormaler Quarzwecker, der morgens zum Sonnenaufgang seinen 1. Weckimpuls=Startimpuls an einen einfachen Zeitgeber mit T=15 min und Tau für die Einschaltdauer des Steuermotors zum Erreichen der gewünschten Ausrichtung gibt. Eine Stunde sind immer 15° . Es wird 4x pro Stunde nachgeführt, also etwa alle 3,75°.
Vielleicht führt eine häufigere Nachführung zu einer genaueren Ausrichtung. Mir kann keiner erzählen, dass das zu einer nennenswerten Ertragssteigerung führt.
Der Wecker muss immer wieder mal eine neue Weckzeit verpasst kriegen, z. B. wenn die Neigung des Moduls umgestellt wird. Das geht natürlich auch anders, in dem einfach die Quarzfrequenz des Weckers manipuliert wird, dass dieser im ersten Halbjahr langsamer läuft und im zweiten schneller. Das funktioniert, weil die tägliche, wöchentliche, monatliche Änderungen des Sonnenaufganges feststehen (Kalender). Und schon haben wir eine großartige astronomische geführte Steuerung :shock:

Mit einem kleinen Gleichstrommotor, in der Art Scheibenwischermotor (hohes Drehmoment und lange Lebensdauer) und zwei oder vier dicken Kondensatoren, wie sie für die Booster der CD-Player-Verstärker im Auto verwendet werden, die abwechselnd von der PV-Zelle aufgeladen werden, versorgt sich das Ding selber. :idea:
Was noch? Ach ja ein Endschalter, der Abends die Rückkehr in die Startposition auslöst. Das ist alles. ;-)

Aber wenn es regnet, tut unsere Anlage auch so, als wenn sie Strom produziert und fährt der fiktiven Sonne hinterher. Die Nachführung verbrät also den Strom, den wir in den Pufferakkus gespeichert haben.
Das ist schlecht :-(

Wie wäre es aber damit:
Wir nutzen besser die solare Wärme und laden damit ein pneumatisches oder hydraulisches System. Thermohydraulische Nachführsysteme sind nicht neu. Das Prinzip besteht darin, "... das Verdampferröhren unterschiedlich intensiv beleuchtet werden, wenn diese nicht frontal zur Sonne ausgerichtet sind. Dies führt zu unterschiedlichen Druckverhältnissen im Hydraulikzylinder. Durch beidseitig wirkenden Kolben und auf Grund der mechanischen Kopplung richtet sich der Generator zur Sonne aus.
(Quelle: W. Knaupp, F. Staiß - Photovoltaik, ein Leitfaden für Anwender, ISBN 3-8249-0519-1 TÜV-Verlag GmbH, Köln, Seite 31 ff.)

Jetzt habe ich letztens im Baumarkt solche Thermohydraulischen Systeme gesehen. Damit werden ziemliche große Gewächshausfenster bewegt. Man müsste mal gucken, ob sich hiermit etwas in Richtung Nachführung bauen lässt. Vorteil: Die Ausrichtung erfolgt nur, wenn Sonne da ist (geringer Verschleiß) und es besteht kein Bedarf an Hilfsenergie.

Ist ja nur mal so ein Gedanke... :roll:

Tschüss
Doris
Ein positiv denkender Mensch weigert sich nicht, das Negative zur Kenntnis zu nehmen. Er weigert sich lediglich, sich ihm zu unterwerfen. (Norman-Vincent Peale 1898-1993)
Benutzeravatar
Doris
Fleißiges Mitglied
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 452
Registriert: 17.05.2005, 11:31
Wohnort: im Südosten von Brandenburg

Beitragvon michaeljk » 08.04.2006, 10:43

Hallo,

vor kurzem habe ich in einer Zeitschrift (leider weiß ich nicht mehr welche) über einen Selbstbauer gelesen, der zweiachsige Anlagen mit alten Scheibenwischermotoren gebaut hat, er steuert über 2 kleine Module je Achse, die durch ein senkrechtes Blech dazwischen nur dann gleichviel Leistung bringen, wenn sie sekrecht zur Sonne stehen. Das fand ich sehr interessant.

Gruß

Michael
michaeljk
Vielschreiber
Vielschreiber
 
Beiträge: 165
Registriert: 19.03.2006, 17:15
Wohnort: 736xx
PV-Anlage [kWp]: 5,61
Info: Betreiber

Beitragvon BerndK. » 08.04.2006, 21:02

Hallo Doris

>Als Steuerungsgeber für die Nachführung reicht ein stinknormaler Quarzwecker,
>der morgens zum Sonnenaufgang seinen 1. Weckimpuls=Startimpuls an einen ein-
>fachen Zeitgeber mit T=15 min und Tau für die Einschaltdauer des Steuermotors
>zum Erreichen der gewünschten Ausrichtung gibt. Eine Stunde sind immer 15°.
>Es wird 4x pro Stunde nachgeführt, also etwa alle 3,75°.

Vor ner Weile hab ich mich ja fast ernsthaft mit meiner Nachbarin gestritten,
die darauf bestand, das die Sonne im Osten aufgeht und im Westen unter.
Man sagt das so. Genau genommen geht sie aber nur zur Tag und Nachtgleiche so.
In Dortmund, schrieb ich hier letztens, geht sie zB. zur Mitsommernacht ziem-
lich genau im Nordosten auf und hat in Ostrichtung bereits 30° Höhe.
Im Winter dagegen geht sie entsprechend ziemlich genau im Südosten auf.
Und 15° Breite/h macht sie auch nicht gleichmäßig. Am Äquator zB.
(genau: im Wendekreis des Krebses) bewegt sie sich ziemlich senkrecht nach
oben, am Steinbock sinds dann 15°Breite/h und entsprechend 'keine' Höhe.

Hallo michaeljk

Der Gedanke ist interessant, bräuchte nur noch, wenn ich das richtig
verstanden hab, ne Steuerung, um am jeweiligen Tagesende die Module
zurückzuführen. Könnt aber trotzdem ganz gut einfacher sein.
Wenn man den ganzen Tag den PC am laufen hat, ist so eine Steuerung
(ein simuliertes neuronales Netz, für nen Hobbyprogrammierer ziemlich
einfach zu 'bauen') kein Problem.

liebe grüße -
bernd

edit: Wendekreise sind natürlich auch nur an zwei Tagen präzis.
oder so. Und: Sonnenaufgang ist hier gern gern auch mal vor 5:00.
Also: so ein paar 'Neuronen' sind einfach das einfachste!
BerndK.
Öfters hier
Öfters hier
 
Beiträge: 10
Registriert: 02.04.2006, 10:58


Beitragvon cephalotus » 08.04.2006, 22:22

Noch nicht mal der Zenit (also der höchste Punkt am Himmel) befindet sich immer konstant exakt im Süden sondern wandert im Jahresverlauf nicht nur in der Höhe (logisch), sondern auch "seitlich".

Eine google Suche mit dem Stichwort "Analemma" führt zu weiteren Informationen...

mfg
Benutzeravatar
cephalotus
Moderator
 
Beiträge: 2485
Registriert: 06.04.2006, 22:07
PV-Anlage [kWp]: 4,92
Info: Betreiber

Beitragvon BerndK. » 08.04.2006, 23:15

Noch was zum Mehrertrag:
Ich hab in einer Veröffentlichung des (noch grünen) BMU (Titel: Erneuerbare
Energien und Nachhaltige Entwicklung, Berlin, 1999. S.37) ein Diagramm gefun-
den, in dem die Erträge in % entsprechend der Ausrichtungen und Dachneigung
dargestellt sind.
Optimal ist danach ca. 10° West und 50° Dachneigung. Andererseits ergeben auch
größere Abweichungen davon nur mäßige Ertragseinbußen. 80% des Höchstertrages
gibts zB. auch noch bei 70° West oder Ost (und 80° Dachneigung).

Ich schließe daraus, das eine Nachführung mindestens! zum doppelten Ertrag
führt.

@ cephalotus
Nö, wußte ich auch noch nicht. Interessant und: Schöne Fotos!!

liebe grüße -
bernd
BerndK.
Öfters hier
Öfters hier
 
Beiträge: 10
Registriert: 02.04.2006, 10:58

Beitragvon Walter » 09.04.2006, 08:07

Erfahrungsgemäs bringt sie 30%. Mein Elektriker hat eine im Garten stehen.
Einen Deger Tracker. Der hat 3 eingebaute Sensoren und nen Logikbaustein.
Gruss Walter ( Lothar Beer )
Versuche nie andere, sondern dich selbst zu übertreffen.
Der Solarlog Shop auf www.solarlog.sonnenertrag.de
www.sonnenertrag.de --- das Info und Ertragsportal
www.sonnenertrag.eu --- unsere internationale Datenbank
Benutzeravatar
Walter
Forumsinventar
Forumsinventar
 
Beiträge: 2436
Registriert: 20.01.2005, 19:05
Wohnort: Regen

Beitragvon cephalotus » 09.04.2006, 10:09

Hier hab ich noch was Interessantes dazu gefunden, vielleicht kennt das der ein oder andere noch nicht:

http://www.solaroptimal.de/files/upload ... rlasee.pdf
Benutzeravatar
cephalotus
Moderator
 
Beiträge: 2485
Registriert: 06.04.2006, 22:07
PV-Anlage [kWp]: 4,92
Info: Betreiber


VorherigeNächste

Zurück zu PV-Module



Ähnliche Beiträge


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste