Stromschlag - wie gefährlich

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Stromschlag - wie gefährlich

Beitragvon kapaul » 30.09.2007, 06:36

Hallo !

Habe gestern meine PV-Anlage installiert. Dabei wollte ich mit dem Multimeter messen, ob ein Strom auf dem Strang drauf ist? Bin unglücklicherweise mit dem Finger auf dem Stromkreis gekommen und hat mir eine ordentliche gewischt !!!

Wer kann mir sagen, wie gefährlich der Stromschlag war. Spätfolgen etc.

Also: Es waren 12 Module Solarworld 220Wp.
Habe auch Sicherheitsschuhe getragen.

Schmerzen hab ich nicht.

Vielen Dank im voraus! :(
kapaul
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Re: Stromschlag - wie gefährlich

Beitragvon Helios » 30.09.2007, 07:19

kapaul hat geschrieben:Hallo !

Habe gestern meine PV-Anlage installiert. Dabei wollte ich mit dem Multimeter messen, ob ein Strom auf dem Strang drauf ist? Bin unglücklicherweise mit dem Finger auf dem Stromkreis gekommen und hat mir eine ordentliche gewischt !!!

Wer kann mir sagen, wie gefährlich der Stromschlag war. Spätfolgen etc.

Also: Es waren 12 Module Solarworld 220Wp.
Habe auch Sicherheitsschuhe getragen.

Schmerzen hab ich nicht.

Vielen Dank im voraus! :(


Hallo kapaul,

Du hast ca. 440V Gleichspannung abbekommen.
Die Tatsache, dass Du zusammenhängende sinnergebende Sätze in einen Beitrag fassen kannst, spricht dafür, dass Spätfolgen ausgeschlossen werden können. ;-)
Zu welcher Tageszeit ist es passiert? Bei voller Einstrahlung? Bewölkt? Morgens/Mittags/Abends? Fließen 7,5A über Deinen Körper wird es richtig gefährlich.

Ein kurzzeitiges Berühren wird nicht schaden, problematsch wird es, wenn Du verkrampfst und Dich nicht lösen kannst.
Wie konnte das passieren? Hattest Du noch keine Stecker angeschlossen? Die sind ja ziemlich berührungsicher.

Sichherheitsschuhe sind schön und gut, Sicherheitshandschuhe wären besser.

Gruß Helios
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Beitragvon Boelckmoeller3 » 30.09.2007, 08:40

Hallo Kapaul,

solange Du keine "Sternchen" gesehen und auch nicht kurzzeitig weggetreten warst, dürften sich deine gesundheitlichen Spät-Risiken iin Grenzen halten.
Aber "learning by doing" ist doch geiler als die graue Theorie ? Oder ? :D
Jetzt weisst Du wenigstens in Zukunft wie wichtig Vorsicht ist.
Bin übrigens mal beim messen an einem Hochspannungsnetzteil an die 10kV geraten. Ging Alles gut bis ich noch eine Hand am Hochspannungstastkopf hatte während ich mit der anderen Hand die Stromversorgung ausschalten wollte.
Danach sah ich dann die "Sternchen" und war ca. 10 Sekunden k.o.
Hat mir aber auch nicht wesentlich geschadet :D

Viele Grüße:

Klaus
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Beitragvon Helmut » 30.09.2007, 08:43

Hallo,
ich würde sagen: Schwein gehabt.
Ich als Elektriker pass bei Gleichspannung besonders auf.
Ist gefährlicher als AC Spannung, weil man leichter dran kleben bleibt.
Viel Sonne und passt auf eure Finger auf :wink:
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Beitragvon Ostfriesenstrom » 30.09.2007, 09:04

Moin kapaul,

das zeigt, dass man nicht vorsichtig genug sein kann und im Zweifelsfalle die Sache dem Profi überlässt der auch über entsprechende Schutzausrüstung verfügen sollte.

Das Hauptproblem neben den Verbrennungen (auch inneren) ist beim Stromschlag die Gefahr von Herzrythmusstörungen (Kammerflimmern). Diese Rythmusstörungen können noch bis zu 24 Stunden nach dem Ereignis auftreten, im Zweifelsfalle beim Arzt EKG schreiben lassen.

In allerdings eher seltenen Fällen kann es auch zu bleibenden Störungen am Reizleitungssystem des Herzens kommen, dann wird der Puls sehr langsam im Gegensatz zum Kammerflimmern.
Dies kommt dann durch eine Störung der ja auch "elektrischen" Impulse im Körper welche dem Herz den Takt geben und wenn der erste Impulsgeber (Sinusknoten) durch den Stromschlag geschädigt wurde, kann der Impuls zeitweise ausfallen oder ganz, dann tritt der nächste Impulsgeber (AV-Knoten) als Ersatz in Aktion und dessen Grundfrequenz ist deutlich langsamer (ca. 40/min).

Du siehst, alleine damit, das man nicht bewustlos war kann man Schäden, auch bleibende, nicht unbedingt ausschließen, wenn du ganz beruhigt sein wills, oder heute noch unregelmäßiger, rasender oder zu langsamer Pulsschlag ohne natürliche Ursache (körperliche Anstrengung, Stress...) auftritt, dann gehen zum Arzt und lasse ein EKG schreiben.

Gruß von der Küste
Roman
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Beitragvon kapaul » 30.09.2007, 10:37

Hallo zusammen!

Vielen Dank für Eure Hilfe.
Das Ganz ist eben gestern Nachmittag (16 Uhr) bei vollem Sonnenschein passiert.
Ich habe mit dem Mess-Stift den Kontakt berührt und dann hats mir den Arm glücklicherweise gleich weggehauen.

Bin jetzt schlauer und werde gerade bei elektrischen Sachen noch vorsichtiger sein.

Das Ganze wär allerdings überhaupt nicht passiert, wenn ich mich nicht so mit dem Installateur dermaßen ärgern hätte müssen. Das Ganze lief auf Regie und ich hab eigentlich selbst das meiste gemacht.

Ich hab schon viel - meistens Positives - mit Handwerkern erlebt, aber so was Faules hab ich noch nicht gesehen.
Der kommt mir sicherlich nicht mehr ins Haus.

Besten Dank
kapaul
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Beitragvon lehmann28 » 30.09.2007, 10:53

kapaul hat geschrieben:Das Ganz ist eben gestern Nachmittag (16 Uhr) bei vollem Sonnenschein passiert.
Ich habe mit dem Mess-Stift den Kontakt berührt und dann hats mir den Arm glücklicherweise gleich weggehauen.

Bin jetzt schlauer und werde gerade bei elektrischen Sachen noch vorsichtiger sein.


Ich verstehe immer noch nicht wie man so etwas macht. Wenn Du nur eine Seite (Plus oder Minus) direkt anpackst, dann bekommst Du auch keinen elektrischen Schlag. Erst wenn Du gleichzeitig beide unisolierten Kabelenden anpackst kann es verdammt wehtun. Aber das bestetigt nur wieder das elektrotechnische Laien nichts an einer elektrischen Anlage zu suchen haben.

Der Tom 8)
Es gibt 10 verschiedene Arten von Menschen, diejenigen die binär zählen können und diejenigen, die es nicht können.
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Beitragvon Leon » 30.09.2007, 11:44

Richtig! Elektroarbeiten nur von einer elektrotechnischen Fachkraft durchführen lassen.

Wechselspannungen ab 50 V und Gleichspannungen ab 120 V sowie Körperströme ab ca. 50 mA können Herzkammerflimmern auslösen.

Vielleicht hat er ja den "Strom auf dem Strang" nicht in Reihe sondern parallel zur Spannungsquelle gemessen, das erklärt dann auch den Lichtbogen...
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Beitragvon pictoros » 30.09.2007, 12:09

Hallo kapaul,

ich kann meinen Vorrednern nicht zustimmen!!
Ostfriesenstrom hat recht!
Ich bin im medizinischen Bereich tätig, und möchte Dich bitten - obwohl Du anscheinend keine Beschwerden hast - trotzdem einen Arzt aufzusuchen! Dieser könnte z.B. ein EKG ableiten - nur zur Sicherheit!

Solche Stromschläge können auch nach geraumer Zeit auch noch Nachwirkungen wir Herzrhytmusstörungen verursachen! Dies trifft übrigens auch für Stromschläge mit normalem Haushaltsstrom zu!

Gruß
pictoros
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Beitragvon za-ass » 30.09.2007, 13:12

Hallo Leute,

arbeite seit Jahren auf einer kardiologischen Intensivstation und habe zu diesem Thema auch mal die ein oder andere Unterrichtseinheit in der Weiterbildung gegeben, will also dann hier auch mal kurz meinen Senf dazu abgeben.
Zum Teil werden hier ja auch - na sagen wir mal Halbwahrheiten dazu verbreitet.

Der normale Hautwiderstand liegt etwa bei 1000 Ohm, bei (starker) Schweißsekretion bei 250-500 Ohm, unter Verwendung von medizinischem Elektrodengel (hat man bei der Arbeit am WR seltener dabei :wink:) bei 100 Ohm.
Dazu kommen dann noch der innere Körperwiderstand, abhängig vom Stromfluss und der Übergangswiderstand.
Ab etwa 10-15mA werden muskuläre Kontraktionen ausgelöst und, da die Beugemuskulator stärker ausgebildet ist, überwiegt zwangsläufig die Flexion, was das 'Festhalten und ggf. auch nicht mehr Loskommen' bewirkt.
Ab (40-)50mA ist dann auch die Atemuskulatur mit den entsprechenden Auswirkungen mitbeteiligt. Ab (80-)100mA wird Kammerflimmern ausgelöst, es kommt also zum sog. dynamischen Herzstillstand.
(Invasiv ist dies bereits mit 0,25mA möglich, bei vorgeschädigtem Myokard auch mit noch kleinerene Stromstärken und erklärt damit die hohen Sicherheitsanforderungen im Bereich einer Intensivstation).
Diese Stromstärke reicht aus, damit in der sog. vulnerablen Phase (relative Refraktärphase zu Beginn der Repolaristion der Muskulatur der Herzkammern) eine maligne Herzrhythmusstörung ausgelöst werden kann.

Helios hat geschrieben:Fließen 7,5A über Deinen Körper wird es richtig gefährlich.

Das sehe ich fast genauso. Ab 300mA wird's bei Gleichstrom potentiell letal, bei 7,5A ist für den Kandidat Hopfen und Malz bereits verloren, gefährlich ist es ggf. nur noch für den Bergungstrupp.

Bei kleineren Spannungen (für Klinik-Belange bis etwa 500 Volt, manche dehnen das auch bis 100 Volt aus) ist AC gefährlicher als DC; darüber ist das Umgekehrte der Fall.
Bei Hochspannnungsunfällen kommt es zu Verbrennungen (extern u. intern) und anderen 'Sachen', die wir alle gar nicht mehr so genau wissen wollen. :cry:
Ist zwar nicht mein Metier, aber bei der BGFE kann man sich ein paar Beispiele zu solchen Unfällen zu Gemüte führen.

Zurück zur Ausgangsfrage von kapaul:
Tatsache, dass du heute von deinem 'Missgeschick' von gestern hier berichten kannst spricht dafür, dass es nicht so schlimm war und du Dusel hattest, oder beides!
Durch Verkettung unglücklicher Umstände (wie es immer so schön heißt) hätte das auch anders ausgehen können.
Spätschäden kann man aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch aus der Internet-Ferne ausschließen. Ein 12-Kanal-EKG würde ich aber schreiben lassen um Endstreckenveränderungen auszuschließen (unwahrscheinlich).

Unter'm Strich schließe ich mich lehmann28 an:

lehmann28 hat geschrieben:Aber das bestetigt nur wieder das elektrotechnische Laien nichts an einer elektrischen Anlage zu suchen haben.


Wenn du mit so einem Vorfall in die Klinik gehst, wird man dich für etwa die ersten 24 Stunden via EKG-Monitor überwachen; hängt damit zusammen, dass das Zellmembranpotential an der Herzmuskelzelle und auch im Reizleitungssystem ein Kalium-Diffusionspotential (was das ist führt hier zu weit, kann man sich unter Nernst'Sche Gleichung und deren Überrtagung in die Biologie ergoogeln) ist und dass hier Dysbalancen durch externe Stromeinwirkung auch noch nach Stunden greifen können. Das ist letztlich ein 'worst-case-Szenario': in der Literatur ist beschrieben, dass es in Einzelfällen zu zeitlich versetzt auftretenden Herzrhythmusstörungen kommen kann.(s.o. 'vulnerable Phase) Ich habe in den zurückliegenden Jahren so manchen Elektro-Laien und auch Elektro-Fachmann für dieses 24-Std.-Monitoring kommen (per Selbsteinweisung oder mit Notarzt) und dann auch zu Fuß wieder gehen sehen.
Allein schon aus rechtlichen Gründen wird aber ein Kliniker auf ein 24 Stunden-Monitoring nicht verzichten.

@ Boelckmoeller3:
Boelckmoeller3 hat geschrieben:Hallo Kapaul,

solange Du keine "Sternchen" gesehen und auch nicht kurzzeitig weggetreten warst, dürften sich deine gesundheitlichen Spät-Risiken iin Grenzen halten.
Aber "learning by doing" ist doch geiler als die graue Theorie ? Oder ? Very Happy
Jetzt weisst Du wenigstens in Zukunft wie wichtig Vorsicht ist.
Bin übrigens mal beim messen an einem Hochspannungsnetzteil an die 10kV geraten. Ging Alles gut bis ich noch eine Hand am Hochspannungstastkopf hatte während ich mit der anderen Hand die Stromversorgung ausschalten wollte.
Danach sah ich dann die "Sternchen" und war ca. 10 Sekunden k.o.
Hat mir aber auch nicht wesentlich geschadet Very Happy

Viele Grüße:

Klaus

Geiler ist das vielleicht schon, wenn man's darauf anlegt aber auch dümmer, oder?
Wenn ich mir deinen Artikel so durchlese - ich schätze sonst deine fachlich wirklich fundierten Beiträge sehr!! - würde ich hinter die Aussage "Hat mir aber auch nicht wesentlich geschadet" eventuell doch noch ein Fragezeichen machen.:mrgreen: :lol:

Eine kurze Zusammenfassung zum Thema sowie eine kurze Auflistung der Erstmaßnahmen und was dabei zu beachten ist, findet sich hier.

Schönen Sonntag allerseits

Thomas
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