Hallo Leute,
arbeite seit Jahren auf einer kardiologischen Intensivstation und habe zu diesem Thema auch mal die ein oder andere Unterrichtseinheit in der Weiterbildung gegeben, will also dann hier auch mal kurz meinen Senf dazu abgeben.
Zum Teil werden hier ja auch - na sagen wir mal Halbwahrheiten dazu verbreitet.
Der normale Hautwiderstand liegt etwa bei 1000 Ohm, bei (starker) Schweißsekretion bei 250-500 Ohm, unter Verwendung von medizinischem Elektrodengel (hat man bei der Arbeit am WR seltener dabei

) bei 100 Ohm.
Dazu kommen dann noch der innere Körperwiderstand, abhängig vom Stromfluss und der Übergangswiderstand.
Ab etwa 10-15mA werden muskuläre Kontraktionen ausgelöst und, da die Beugemuskulator stärker ausgebildet ist, überwiegt zwangsläufig die Flexion, was das 'Festhalten und ggf. auch nicht mehr Loskommen' bewirkt.
Ab (40-)50mA ist dann auch die Atemuskulatur mit den entsprechenden Auswirkungen mitbeteiligt. Ab (80-)100mA wird Kammerflimmern ausgelöst, es kommt also zum sog. dynamischen Herzstillstand.
(Invasiv ist dies bereits mit 0,25mA möglich, bei vorgeschädigtem Myokard auch mit noch kleinerene Stromstärken und erklärt damit die hohen Sicherheitsanforderungen im Bereich einer Intensivstation).
Diese Stromstärke reicht aus, damit in der sog. vulnerablen Phase (relative Refraktärphase zu Beginn der Repolaristion der Muskulatur der Herzkammern) eine maligne Herzrhythmusstörung ausgelöst werden kann.
Helios hat geschrieben:Fließen 7,5A über Deinen Körper wird es richtig gefährlich.
Das sehe ich fast genauso. Ab 300mA wird's bei Gleichstrom potentiell letal, bei 7,5A ist für den Kandidat Hopfen und Malz bereits verloren, gefährlich ist es ggf. nur noch für den Bergungstrupp.
Bei kleineren Spannungen (für
Klinik-Belange bis etwa 500 Volt, manche dehnen das auch bis 100 Volt aus) ist AC gefährlicher als DC; darüber ist das Umgekehrte der Fall.
Bei Hochspannnungsunfällen kommt es zu Verbrennungen (extern u. intern) und anderen 'Sachen', die wir alle gar nicht mehr so genau wissen wollen.
Ist zwar nicht mein Metier, aber
bei der BGFE kann man sich ein paar Beispiele zu solchen Unfällen zu Gemüte führen.
Zurück zur Ausgangsfrage von kapaul:
Tatsache, dass du heute von deinem 'Missgeschick' von gestern hier berichten kannst spricht dafür, dass es nicht so schlimm war und du Dusel hattest, oder beides!
Durch Verkettung unglücklicher Umstände (wie es immer so schön heißt) hätte das auch anders ausgehen können.
Spätschäden kann man aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch aus der Internet-Ferne ausschließen. Ein 12-Kanal-EKG würde ich aber schreiben lassen um Endstreckenveränderungen auszuschließen (unwahrscheinlich).
Unter'm Strich schließe ich mich lehmann28 an:
lehmann28 hat geschrieben:Aber das bestetigt nur wieder das elektrotechnische Laien nichts an einer elektrischen Anlage zu suchen haben.
Wenn du mit so einem Vorfall in die Klinik gehst, wird man dich für etwa die ersten 24 Stunden via EKG-Monitor überwachen; hängt damit zusammen, dass das Zellmembranpotential an der Herzmuskelzelle und auch im Reizleitungssystem ein Kalium-Diffusionspotential (was das ist führt hier zu weit, kann man sich unter Nernst'Sche Gleichung und deren Überrtagung in die Biologie ergoogeln) ist und dass hier Dysbalancen durch externe Stromeinwirkung auch noch nach Stunden greifen können. Das ist letztlich ein 'worst-case-Szenario': in der Literatur ist beschrieben, dass es in Einzelfällen zu zeitlich versetzt auftretenden Herzrhythmusstörungen kommen kann.(s.o. 'vulnerable Phase) Ich habe in den zurückliegenden Jahren so manchen Elektro-Laien und auch Elektro-Fachmann für dieses 24-Std.-Monitoring kommen (per Selbsteinweisung oder mit Notarzt) und dann auch zu Fuß wieder gehen sehen.
Allein schon aus rechtlichen Gründen wird aber ein Kliniker auf ein 24 Stunden-Monitoring nicht verzichten.
@ Boelckmoeller3:
Boelckmoeller3 hat geschrieben:Hallo Kapaul,
solange Du keine "Sternchen" gesehen und auch nicht kurzzeitig weggetreten warst, dürften sich deine gesundheitlichen Spät-Risiken iin Grenzen halten.
Aber "learning by doing" ist doch geiler als die graue Theorie ? Oder ? Very Happy
Jetzt weisst Du wenigstens in Zukunft wie wichtig Vorsicht ist.
Bin übrigens mal beim messen an einem Hochspannungsnetzteil an die 10kV geraten. Ging Alles gut bis ich noch eine Hand am Hochspannungstastkopf hatte während ich mit der anderen Hand die Stromversorgung ausschalten wollte.
Danach sah ich dann die "Sternchen" und war ca. 10 Sekunden k.o.
Hat mir aber auch nicht wesentlich geschadet Very Happy
Viele Grüße:
Klaus
Geiler ist das vielleicht schon, wenn man's darauf anlegt aber auch dümmer, oder?
Wenn ich mir deinen Artikel so durchlese - ich schätze sonst deine fachlich wirklich fundierten Beiträge sehr!! - würde ich hinter die Aussage "Hat mir aber auch nicht wesentlich geschadet" eventuell doch noch ein Fragezeichen machen.
Eine kurze Zusammenfassung zum Thema sowie eine kurze Auflistung der Erstmaßnahmen und was dabei zu beachten ist, findet sich
hier.
Schönen Sonntag allerseits
Thomas