@pictoros
ich kann mir schon vorstellen, warum Du uns hier diesen Brocken ohne weiteren Kommentar zu allgemeinen Fraße vorwirfst.
Um was geht es:
astronews hat geschrieben:Kosmische Strahlung spielt keine Rolle
von Stefan Deiters
astronews.com
4. April 2008
Gleich zwei neue Studien bestätigen den von einer großen Mehrheit der Wissenschaftler vorhergesagten Klimawandel durch Treibhausgase, indem sie zwei Gegenargumente der Skeptiker widerlegen: So hat kosmische Strahlung offenbar keinerlei Einfluss auf den Wärmehaushalt der Erde. Darüber hinaus scheinen die aktuellen Klimamodelle bei der Vorhersage des Klimawandels recht zuverlässig zu sein. …
Die einen werden sagen: Na bitte, nun ist bewiesen, was zu beweisen war und lehnen sich zurück.
Die anderen gucken sicherheitshalber mal bei den Quellen nach, weil ihnen bei dem S….chlecht-Wetter eine solche Beschäftigung gerade recht kommt, aber besonders deshalb, weil von „offenbar“ und „keinerlei“ die Rede ist.
Ich beziehe mich zuerst auf den vollständigen Bericht, auf den sich
astronews stützt:
http://www.iop.org/EJ/article/1748-9326 ... 024001.pdf (Quelle)
http://www.iop.org/EJ/sview/1748-9326/3 ... l&submit=1 (Zusammenfassung)
Nach der Durchsicht des Artikels über den Einfluss der kosmischen Strahlung, auf den sich der Beitrag in
astronews bezieht, haben die Verfasser T. Sloan und A. W. Wolfendale zunächst erklärt, dass die statistische Genauigkeit ihrer Daten nicht ausreichend ist und keine Beweise liefert, die Hypothesen bestätigen, die mit ihren Beobachtungen unvereinbar sind. Es seien auch keine Beweise dafür gefunden worden, dass die Verminderung der Ionisierung durch kosmische Strahlung eine Verminderung der Wolkenbedeckung verursacht und sie dadurch einen großen Teil der derzeit beachteten globalen Erwärmung erklärt. Weitergehenden Schlussfolgerungen oder Umkehrschlüssen haben sie damit elegant vorgebeugt.
Die Übersetzung des Textes war ziemlich mühsam und ich schließe deshalb sicherheitshalber sinnentstellende Fehler nicht aus und bitte ggf. um Korrektur!
Zum Verständnis des Inhaltes etwa dieser Vergleich: S. und W. haben aus der Datenlage lediglich ermitteln können, dass es nicht regnet. Sie können aber nicht sagen, ob die Sonne scheint, Schnee fällt oder Nebel aufsteigt usw.
Sie haben keine Bestätigung einer kausalen Verbindung zwischen den Änderungen in der Ionisierung und niedriger Wolkenbedeckung
in dieser Untersuchung gefunden, was folglich nicht bedeutet, dass es sie nicht gibt. Sloan und Wolfendale weisen auf diesen Umstand ausdrücklich hin. Denn sie haben vielmehr auf der Basis ihrer Erkenntnisse impliziert, dass mit einer Sicherheit von 95 % ungefähr 23% mit der Solaraktivität (solare Modulation) in Verbindung gebracht werden können und mehr als 77% davon wird von einer anderen Quelle, jedoch nicht durch Ionisierung verursacht wird. Nach ihrer Ansicht muss diese „Quelle“ mit der Solaraktivität in Beziehung gesetzt werden.
Dazu gibt es jedoch keine weitere Aussage in diesem Bericht.
Das ist nun aber etwas gänzlich anderes, als
astronews behauptet, dass „… kosmische Strahlung offenbar keinerlei Einfluss auf den Wärmehaushalt der Erde…“hat und „… Die neue Untersuchung konnte keinerlei Verbindung zwischen der Intensität der kosmischen Strahlung und der Wolkenbedeckung der Erde finden. ...“
Nun ja, vielleicht messe ich den Worten „offenbar“ und „keinerlei“ auch zuviel Bedeutung zu.
astronews hat geschrieben: …Ein anderer Kritikpunkt der Skeptiker sind die Klimamodelle, deren Vorhersagen nicht wirklich zuverlässig seien. … Die Wissenschaftler untersuchten, wie gut sich mit den Modellen das aktuelle Klima berechnen lässt. Dazu betrachteten sie rund 50 Modelle, die in den vergangenen 20 Jahren entwickelt wurden. "Die Modelle werden ein immer zuverlässigeres Werkzeug für das Verständnis der Klimas und der Klimaveränderungen", so Reichler. "Ihre Genauigkeit erreicht die konventioneller atmosphärischer Beobachtungen. Die Zuverlässigkeit der Modelle bei der Vorhersage von Klimaveränderungen in der Zukunft ist somit deutlich höher als in der Vergangenheit."…
Dies erweckt den Anschein, dass der Kritikpunkt der Skeptiker die Zuverlässigkeit der Modellvorhersagen durch Reichler und Kim ausgeräumt wurde, die Modelle also richtig und die entsprechenden Klimaprognosen hinreichend stimmig sind.
Ich habe aber einen anderen Eindruck gewonnen, denn hier steht:
http://earthobservatory.nasa.gov/Newsro ... 26511.html …Although model-based projections of future climate are now more credible than ever before, the authors note they have no way to say exactly how reliable those projections are. There are simply too many unknowns involved in the future evolution of climate, …
Übersetzung Zehsar:
…Obwohl modellbasierte Voraussagen des zukünftigen Klimas jetzt glaubwürdiger sind, als jemals zuvor, bemerken die Autoren, dass sie nicht sagen können, wie genau wie zuverlässig jene Voraussagen sind. Es gibt einfach zu viele Unbekannte für die zukünftige Entwicklung des Klimas …Der gesamte Artikel ist lustigerweise überschrieben mit:
MODELS LOOK GOOD WHEN PREDICTING CLIMATE CHANGE(Modelle sehen gut aus, wenn sie den Klimawechsel vorhersagen)

Außerdem ist auch noch der Hinweis angebracht, den Thomas Reichler und Junsu Kim in der erwähnten Studie voranstellen:
Thomas Reichler and Junsu Kim hat geschrieben:…Climate models do not consistently and correctly simulate climate, calling into question their projections for future climate change…
Übersetzung Zehsar:
…dass Klimamodelle durchweg das Klima nicht richtig simulieren. Sie stellen die Projektionen dieser Modelle für zukünftige Klimaänderungen in Frage... Zu den weiterführenden Suchkriterien:
http://adsabs.harvard.edu/abs/2006AGUFM.A41E0083R Ich schränke auch hier ein, dass meine Übersetzung u. U. nicht präzise genug ist.
Den Inhalt der Arbeit von Reichelt und Kim sollte sie aber ausreichend beschreiben.
Fazit:
astronews hat geschrieben:…Gleich zwei neue Studien bestätigen den von einer großen Mehrheit der Wissenschaftler vorhergesagten Klimawandel durch Treibhausgase …
Je nach dem wie eng man es sehen will:
Der Tenor des Textes und damit die Zweckbestimmung sind damit schon mal charakterisiert.
Ich wäre ja bestenfalls für Parität und halte dagegen, dass die „große Mehrheit der Wissenschaftler“ sich dieser Unterstellung verweigern dürfte. Die o. a. genannten Wissenschaftler sicherlich auch. Denn die Behauptungen von
astronews lassen sich nach meiner Auffassung den Arbeiten von T. Sloan und A. W. Wolfendal sowie Thomas Reichler und Junsu Kim nicht entnehmen.
Man muss sich also schon sehr wundern (oder auch nicht), wenn
astro-news einfach so alle Zweifel beiseite räumt und mutig feststellt
: … So hat kosmische Strahlung offenbar keinerlei Einfluss auf den Wärmehaushalt der Erde…
Immerhin äußert
astronews einen leichten Vorbehalt zur Prognosesicherheit der aktuellen Klimamodelle: Sie „… scheinen … recht zuverlässig zu sein“.
Der Verfasser des Artikels glänzt jedenfalls durch außergewöhnliche Inkompetenz. Nunja - er hat seinen Job gemacht, wie heute üblich: Er hat auch nur von anderen abgeschrieben.
Wenn er die gleiche Zeit für seine Beiträge aufwenden würde, wie ich sie für diese Recherche gebraucht habe, wäre er wahrscheinlich schon längst verhungert.
Spätestens nach diesem Artikel sind die
astronews als Daten- und Argumentationsquelle in Klimafragen für mich gestorben.
Z.
Meinen herzlichen Dank an @phenning, den ich gebeten hatte zu prüfen, ob ich die Aussagen der Quellen richtig interpretiere.
Danke auch an @pictoros für den unterhaltsamen Nachmittag
