Energie der Zukunft? Carbazol?

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Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon V_Strom111 » 01.07.2011, 16:12

Hallo,

habe gerade diesen http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,15 ... 16,00.html Beitrag gelesen. Hat von euch schonmal was davon gehört? Was ist davon zu halten?

Gruß
Alex
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Re: Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon Mühli » 01.07.2011, 17:04

Zitat:
So schließen wir den Energiekreislauf, ohne dass CO2 in die Atmosphäre gelangt
Zitat Ende

Damit hat sich der Herr voll disqualifiziert, les ich gar nicht weiter. Scheinbar weiß er nicht, wovon er redet und hat noch nie unmengen an Strom in eine Elektrolyse-Anlage gesteckt.
Oder wächst der Wasserstoff auf Bäumen?
Wasserstoff ist lediglich ein Energieträger, keine Energiequelle. Und Brennstoffzellen sind noch sowas von anfällig, dass sich ein wirtschaftlicher Einsatz aktuell nur in Ausnahmefällen lohnt. Leider, wär eine feine Sache. Altern aber noch sehr schnell, werden vergiftet und funktionieren nicht mehr.
Nicht umsonst hat Mercedes für seine Weltrekord-Brennstoffzellenfahrt 4 Begleitfahrzeuge gebraucht (große Sprinter, natürlich Diesel, weil zuverlässig)

Gruß
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Re: Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon V_Strom111 » 02.07.2011, 18:59

Mühli hat geschrieben:Und Brennstoffzellen sind noch sowas von anfällig, dass sich ein wirtschaftlicher Einsatz aktuell nur in Ausnahmefällen lohnt. Leider, wär eine feine Sache. Altern aber noch sehr schnell, werden vergiftet und funktionieren nicht mehr.
Nicht umsonst hat Mercedes für seine Weltrekord-Brennstoffzellenfahrt 4 Begleitfahrzeuge gebraucht (große Sprinter, natürlich Diesel, weil zuverlässig)

Gruß


Hi,

ich habe gerade die Woche mit einem Ingenieur bei Mercedes gesprochen, der mir sagte das Brennstoffzellen mittlerweile schon in der Serienfertigung sind und sie mit Linde gerade versuchen oder dabei sind ein Tankstellennetz aufzubauen. :roll:

Gruß
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Re: Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon Mühli » 02.07.2011, 19:13

Ja, und ich hab vor 2 Wochen eine Stack getestet, der kaputtging und keiner genau weiß, warum. Scheinbar ist sie per Katalysatorgift gestorben. Zwar nur so ein Labor-Versuchsteil, aber nen Haufen Geld kostet sowas auch.

Und wiegesagt, die Geschichte mit den 4 Sprintern stimmt, kam in der Glotze. Wenn sie also im mobilen Einsatz so toll sind (die Brennstoffzellen) warum dann dieser "Sicherheitsaufwand"?
Vermutlich wirds aber (im Vergleich zu anderer Technologie) nicht mehr ewig dauern, bis es wirklich praxistauglich ist.
Auch für BHKW ist das ganze sehr interessant, da halt ich das für prädestiniert. Die Wirkungsgrade sind nämlich im Vergleich zu herkömmlichen motorischen BHKW sehr gut und leise sind.

Der Wasserstoff von Linde wird übrigens zu 99% aus Erdgas produziert, seehr umweltfreundlich. Versteh wirklich nicht, wo da der Vorteil liegen soll.
Solange wir nicht genügend günstigen Ökostrom haben, um das H2 per Elektrolyse zu erzeugen, ist das weder ökologisch noch ökonomisch.
Zusätzlich braucht man noch nen Haufen Energie, um das Zeugs zu verflüssigen/zu kühlen oder es anders zu speichern (Slush usw.)

Gruß
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Re: Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon open source energy » 04.07.2011, 07:39

Der Vorteil liegt klar darin, dass nach 100% Versorgung mit EE im Strombereich Überkapazitäten gespeichert werden können. Schon in wenigen Jahren wären solche Kraftwerke im Netz in der Lage teilweise überschüssigen EE Strom in H2 umzuwandeln. Ob ein E- Auto nun direkt über einen Akku oder noch über eine zusätzliche Brennstoffzelle angetrieben wird die die Batterie und Ladezeit verkleinern ist doch nicht schlecht. Wenn man dann sogar auf bestehende Ressourcen im Transport und Verarbeitung setzen kann sehe ich das als nicht sooooo aus der Luft gegriffen an.

Eins ist natürlich klar, die Quelle muss EE sein, sonst macht es keinen Sinn, das gilt aber auch für die E- Mobilität mit reiner Batterie!
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Beitragvon PV-Berlin » 04.07.2011, 11:45

FTD vom 04.07.2011

Wundersprit euphorisiert Regierung
Ein völlig neuartiger Treibstoff könnte Wasserstoffautos zum Durchbruch verhelfen. Das Bundesverkehrsministerium prüft gerade einen Förderantrag der Uni Erlangen zur Erforschung des sogenannten Carbazols. von Jens Tartler Berlin


.....Carbazol ist eine Flüssigkeit, die sich ebenso unproblematisch und sicher handhaben lässt wie Dieselkraftstoff. Sie hat eine besondere Eigenschaft: Sie kann große Mengen Wasserstoff speichern und wieder abgeben.
.....Laut Wolfgang Arlt, Professor für Verfahrenstechnik an der Uni Erlangen-Nürnberg, kann Carbazol bei vergleichbarem Volumen wesentlich mehr Energie speichern als Batterien oder flüssiger Wasserstoff. Anders als beim Wasserstoff ist es auch nicht nötig, mit extrem hohem Druck oder Temperaturen von minus 260 Grad zu arbeiten. Deshalb fürchtet die herkömmliche Wasserstoffindustrie die neue Konkurrenz durch Carbazol.

Noch sind einige Probleme zu lösen. Bis zum Einsatz des Treibstoffs in Serienautos werden nach Einschätzung Arlts noch mindestens acht Jahre vergehen: "Schließlich geht es hier um die Umstellung einer kompletten Infrastruktur von fossilen Brennstoffen auf ein neues System."
Staatssekretär Bomba betonte, wie wichtig Wasserstoff für eine CO2-freie Mobilität sei. Deshalb müsse an alternativen Wasserstoffspeichern wie Carbazol geforscht werden.
Nach den Plänen Arlts sollen heimische Fotovoltaikanlagen oder Sonnenkraftwerke in der Wüste Strom erzeugen, der Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Der Wasserstoff soll dann Carbazol mit Energie aufladen. Der Treibstoff könnte problemlos über große Entfernungen transportiert werden.


Ich sehe die Anwendungen in mittleren Anlagen kommen, die auf echten Verbrauchern stehen. Nicht in D. als erstes, sondern in Ländern mit maroder Stromversorgung, denn dort sind die Sicherungskosten Heute irrsinnig hoch.
Soll heißen, der Durchbruch wird bei stationären Anlagen kommen. Was sind schon 5 bis 8 Jahre? Selbst bei 10 Jahren kommt das rechtzeitig. PV bei 5 bzw. 10 Cent je kWh selbst bei nur 70% WG und Investments von 100,- € je kWh wird sich das durchsetzen. Hatte nie Sorge, dass das stationäre Speichern, wenn es wirklich gebraucht wird, keiner Lösung zugeführt wird. Es wird eine Unzahl rentabler Lösungen geben bis PV wirklich soweit ist ( 5/10 Cent).
Bei mobilen Anwendungen sehe ich den Vorteil in der Nutzung der vorhandenen Infrastruktur und der Unabhängigkeit von Importen. PV als mobile speicherbare Energiequelle? Das wäre der schlimmste aller Albträume für Frontel & Co.
Zuletzt geändert von eggis am 04.07.2011, 11:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Threads zum selben Thema vereint!
Wir werden einen Zubau in 2012 von >30 GWp sehen. Tendenz bis 2015 Richtung > 50 GWp. Ab 2020 Werden wir einen Zubau an PV von deutlich über 100 GWp sehen. Bis 2015 wird PV die 5 Cent Hürde knacken. *5% Zins bei nur 12 Jahren Amortisation.
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Re: Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon PV-Berlin » 07.07.2011, 15:21

Autobauer wollen nicht! FTD vom 07.07.2011
Autobauer zweifeln an Wundersprit Carbazol
Das Fazit der Schwaben: Die Nachteile überwiegen, Carbazol eigne sich derzeit nicht für die Verwendung in Autos mit Brennstoffzelle.

Die Knackpunkte: Um im Fahrzeug den Wasserstoff aus dem Carbazol herauszulösen, wäre eine deutlich höhere Temperatur notwendig als die 80 Grad Celsius, bei denen die Brennstoffzelle der Daimler-Autos läuft, sagt die Sprecherin des Stuttgarter Autobauers. Im Auto würde ein zusätzliches Temperaturmanagement gebraucht, der technische Aufwand wäre hoch. Außerdem sei der aus dem Energieträger gewonnene Wasserstoff nicht rein genug. Er müsste erst gereinigt werden, um die empfindlichen Membranen der Brennstoffzelle nicht zu beschädigen.

Weiteres Problem: Ein Auto bräuchte pro 100 Kilometer doppelt so viel Carbazol wie Superbenzin, es wäre ein doppelt so großer Tank fällig wie beim Verbrenner. Auch das Fahrverhalten wäre anders: Während der gasförmige Wasserstoff aus den Tanks sofort verfügbar ist, geht seine Freisetzung vom Carbazol vergleichsweise langsam, heißt es bei Daimler. Das Auto lässt sich nicht so schnell beschleunigen. Auch Arlt räumt ein: "Das ist intolerabel."


Die Probleme klingen plausibel, sind aber 100% passend zu stationären Anlagen. Da normale Tanktechnik ausreicht, Wasserstoff direkt zur Stromgewinnnung verwendet werden kann und auch als Beimischung brauchbar ist, klingt das verlockend. Aber viel wichtiger ist der Punkt, dass die Zeit keine Rolle spielt und die Energiedichte sehr hoch ist. Physikalisch also schon deutlich besser, als Batterien. Wo die Menge, das Problem in sich ist und die Zeit auch reinspielt.

1.000.000 L zu 5 kWh je Liter kann man für kleines Geld auf Halde legen. Und nur wenn man es braucht, muss man Wärme zugeben. Mir ist nicht ganz klar, wie Wissenschaftler denken, aber das ist ein exorbitanter Vorteil gegenüber allen anderen Speichersystemen. 80 °C da fallen mir schon KWK ein, die das ohne Aufwand darstellen könnten. So muss man Wärme nicht wegwerfen, nur weil man deutlich mehr Strom als Wärme benötigt.

Im Automobilbereich sehe ich eh durch die "Billigkeit" der Systeme nur eine Lösung: Kunstkraftstoff als massentauglich an. Im Energiebereich spielen ganz andere Faktoren deutlich stärker rein. * Auto und Stromproduktion passen überhaupt nicht zusammen.
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Fortschritt in der Speichertechnologie ?

Beitragvon Crespel » 14.07.2011, 16:57

Für uns ist ja interessant wie wir in Zukunft unseren überschüssigen Strom speichern/verwenden können.
Bei Fronius habe ich den Ansatz gesehen z.B. per Elektrolyse Wasserstoff zu erzeugen.
Nun ist Wasserstoff in reiner Form nicht gerade ein gut handhabbarer Stoff.

Heute habe ich von N-Ethylcarbazol gehört einem braunen Feststoff in dem man mit Hilfe eines
Katalysators Wasserstoff speichern kann.
Diesen kann man dann z.B. in einem Brennstoffzellen Auto gefahrlos verbrauchen und anschliessend
wieder mit Wasserstoff aufladen.

Weiss jemand etwas näheres über diesen Ansatz, die Wirtschaflichkeit oder Paktikabilität in Zusammenhaang
mit PV - Anlagen ?
Zuletzt geändert von eggis am 14.07.2011, 17:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon open source energy » 15.07.2011, 18:03

Crespel hat geschrieben:Für uns ist ja interessant wie wir in Zukunft unseren überschüssigen Strom speichern/verwenden können.
Bei Fronius habe ich den Ansatz gesehen z.B. per Elektrolyse Wasserstoff zu erzeugen.
Nun ist Wasserstoff in reiner Form nicht gerade ein gut handhabbarer Stoff.

Heute habe ich von N-Ethylcarbazol gehört einem braunen Feststoff in dem man mit Hilfe eines
Katalysators Wasserstoff speichern kann.
Diesen kann man dann z.B. in einem Brennstoffzellen Auto gefahrlos verbrauchen und anschliessend
wieder mit Wasserstoff aufladen.

Weiss jemand etwas näheres über diesen Ansatz, die Wirtschaflichkeit oder Paktikabilität in Zusammenhaang
mit PV - Anlagen ?


Wer sagt denn, dass man Strom Speichern muss? Überschüsse können wir auch verkaufen und damit Geld verdienen. Ist es so abwegig, dass wir den Kraftwerkspark an EE an einem schlechten Tag auslegen und der Rest des Jahres wird verkauft?

Zudem wird die E-Mobilität die Überkapazitäten zum gewissen Teil auch abfedern!

Biomasse Weg von der Grundlast und hin zur Regelenergie und Netzstützung.
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Re: Energie der Zukunft? Carbazol?

Beitragvon Mühli » 15.07.2011, 18:06

open source energy hat geschrieben:Biomasse Weg von der Grundlast und hin zur Regelenergie und Netzstützung.


Ja, das wäre eine tolle Verwendung für Biomasse.
Leider ist die Förderung für BHKW und Biogasanlagen genau anders rum....es wird nur dann viel gefördert, wenn die Betriebsstunden und die Eigennutzung hoch ist. Traurig...weiß nicht, wer sich solchen Mist hat einfallen lassen, dabei könnte man das einfach und intelligent steuern.
Doppelte elektrische Leistung, bei halber Betriebsstundenzahl und schon hätten wir tolle ökologische Regelenergie.

open source energy hat geschrieben:Wer sagt denn, dass man Strom Speichern muss? Überschüsse können wir auch verkaufen und damit Geld verdienen. Ist es so abwegig, dass wir den Kraftwerkspark an EE an einem schlechten Tag auslegen und der Rest des Jahres wird verkauft?


Das ist nur dann möglich, wenn wir extrem wenig PV haben...also unter 5% bleiben. Wir wissen ja alle, dass PV von Winter zu Sommer viel zu starke Schwankungen hat, um einen nennenswerten Beitrag im Winter zu liefern. Das werden die Insel-Betreiber sicher bestätigen. Ich möchte Winters jedenfalls nicht vom PV-Strom leben müssen.
Hab letzten Dezember weniger eingefahren, als an einem einzigen Sommertag!

An wen willst den Strom denn verkaufen??? Norwegen verkauft eher an uns, die Ösis haben (wissen wir seit Werner) mehr Wasserkraft im Sommer, Tschechien und Atom-Frankreich werden da kaum zurückschalten (können...dank großer Regelungsträgheit)
Also auf europäischer Ebene müssen wir Strom speichern, um den Ausstieg zu schaffen.
Bis wir sooo ein leistungsfähiges Verbundnetz haben, um Wind/Wasserstrom von Norwegen nach Spanien/Griechenland (Sonnenstrom auch im Winter) und endgültig auch zu uns zu schaffen...wird das noch dauern. Und günstig wirds bestimmt auch nicht.

Gruß
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