es ist vollbracht, mein erstes Betriebsjahr ist geschafft!
Um 10:30 am 3.11.2009 ging die Anlage ans Netz und heute, 365 Tage (kein Schaltjahr) später um 10:30 Uhr zeigte der Stromzählerstand 11.925,37 kwh mehr an als damals. Da ich zwischenzeitlich um zwei Module erweitert habe, liegt die spezifische Leistung nicht bei 1.092,57 kwh/kwp, sondern sogar bei 1.094,46 kwh/kwp!
Erste Bilanz also:
03.11.2009 Anlage geht ans Netz
03.11.2010 1. Betriebsjahr vollendet - 1.094,46 kwh/kwp
31.12.2010 1. Kalenderjahr vollendet - - kwh/kwp (kommt demnächst an dieser Stelle
...
Soll-Werte:
PVGIS (10% Verlust) kommt bei mir auf knapp unter 1.000kwh/kwp/Jahr.
Der Solarteur hat wegen der Verschattung sogar nur mit 900kwh/kwp gerechnet (er ist im Gegensatz zu mir ein Schattenskeptiker).
Ich selbst rechne insgeheim und angesichts der Erträge anderer Anlagen in der Umgebung in den Vorjahren eher mit 1.050kwh/kwp und hoffe auf über 1.100kwh/kwp in normalen Jahren.
Wetterrückblick 2010
Meteorologisch war das Jahr 2010 hier in Oberbayern sehr viel trüber als der Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Wir hatten viel Dauerregen, Hochnebel und Schneefall. Ausgerechnet in den ertragsstärksten Monaten des Jahres gab es drei satte Minusmonate. Und auch die vier Wintermonate waren auffällig trübe und ertragsschwach, wer nicht Schnee geräumt hatte, hatte noch mehr Minusmonate.
War das Jahr 2010 ein Ausreißer nach unten, ist alles in Butter. Ist es der Startschuß für einen Wettertrend der nächsten 10 oder 20 Jahre, muss ich meine ehrgeizigen Erwartungen sicherlich nach unten revidieren, doch dann wird es für uns alle schlechter laufen als bisher gewohnt..
So, wen es interessiert, hier noch ein paar weitere Detailinformationen zur Anlage:
Allgemein
Ausrichtung: 201°, also um 21° aus der Idealausrichtung Süd nach Westen verdreht, Dachneigung 22° und 30°
Module: 59 Mitsubishi PV-TD 185 MF5 Module mit +-3% Sortierung
Die Module sind auf 4 strings verteilt (16, 15 und 2x 14 Module) und nach Strom, also Impp sortiert.
Flashleistung ist in der Summe 0,5% höher als die Nennleistung, also vernachlässigbar. (Entspricht einem etwa 5kwh/kwp geringerem spezifischen Ertrag)
Wechselrichter: 2 x SMA 5000 TL-20, von denen einer permanent, der andere nur im Sommerhalbjahr mit eingeschaltetem Optitracglobalpeak (OTGP) läuft.
Die Solarkabel haben einen Querschnitt von 10mm2, da wollte ich wirklich nicht knausern, bringt sicher auch ein paar Pünkchen mehr.
Die WR haben eine Umgebungstemperatur von etwa 8°C im Spätwinter und maximal 18°C im Spätsommer.
Verschattungssituation
Der erste string enthält die 16 schwächsten Module und hat 22°Dachneigung
- Morgens harter Schatten (Gebäude) bis zum Spätvormittag (10:00 - 10:30 Uhr MESZ).
- Abends gelangt der string ab etwa 16 (Spätsommer) bis 18 Uhr (Frühsommer) MESZ in einen diffusen Baumschatten.
Die schattenfreie Zeit beträgt also nur zwischen 5,5h im Spätsommer und 8h im Frühsommer.
Die Verschattung kommt abends sehr rasch und erfasst das gesamten string innerhalb von 30 Minuten, morgens geht sie sehr langsam und die Leistung steigt erst in der letzten Verschattungsstunde signifikant an.
OTGP wirkt sich eigentlich nur vormittags nennenswert aus.
Der zweite string enthält 15 Module und hat eine Dachneigung von 30°
- Morgens durch Schatten einer Gaube zunächst 3 Module verschattet, ein Modul bleibt bis 13 Uhr (ganzjährig) teilweise im Schatten und leidet auch deutlich unter dem indirekten Lichtverlust, da es nur 15cm neben der steil aufragenden Gaube liegt. D.h. die Gaube deckt einen Großteil des Himmels und damit des Streulichtes ab.
- Abends gelangen erneut zwei Module ab etwa 16 Uhr (ganzjährig) in den Schatten der Gaube auf der anderen Seite. Der Verlust durch indirekte Abschattung des Himmels ist auch hier gegeben, aber weniger stark.
Die verschattungsfreie Zeit dieses strings beträgt pro Tag also nur etwa 3h! Allerdings beschränkt sich die Verschattung meist nur auf 1-2 Module gleichzeitig, der Schatten ist hart und wandert sehr langsam.
Der dritte string enthält 14 Module und hat eine Dachneigung von 30°
- Schatten abends ab etwa 17:30 Uhr (Spätsommer) bzw. 18 Uhr (Frühsommer) durch Gaube. Betroffen sind 2 Module gleichzeitig
Der vierte string enthält 14 Module und hat eine Dachneigung von 30°
- Schatten nur morgens bis ab etwa 9:30 Uhr (nur Frühsommer) durch Gaube. Betroffen sind dann 2-3 Module gleichzeitig
Die Verschattung ist bei diesen letzten beiden strings insgesamt gering, kommt aber doch vor allem in den ertragsstärksten Monaten zum Tragen.
Schneeräumen im Winter
Ja, ich räume den Schnee im Winter von den Modulen! Das hat im vergangenen Winter ziemlich genau 270 kwh (bzw. ca. 25kwh/kwp oder 116 EUR) Mehrtrag eingebracht. Aufgrund der schwer erreichbaren Stellen und aufgrund der Übungsphase im Umgang mit der langen Teleskopstange war dafür ein Zeitaufwand von insgesamt ~18,7h notwendig, was somit einem "Stundenlohn" von etwa 6,2 EUR entspricht.
Sondereffekte:
1) Nach 1,5 Monaten Betrieb habe ich die Anlage um 2 Module erweitert.
2) Im ersten Winter bei flacher Sonne ist mir eine diffuse Verschattung während mehrere Stunden am frühen Nachmittag durch einen Nachbarbaum aufgefallen, der bei der Planung unterschätzt, sprich übersehen wurde. Dieses Problem wurde im Frühjahr beseitigt, fällt also künftig nicht mehr ins Gewicht.
3) Im Frühjar habe ich vier Module auf dem 16-Modulestring versetetzt, da sich gezeigt hat, dass die Verschattungssituation so etwas günstiger ist über's Jahr gesehen. Dies war vorher so detailliert trotz googlesketchup nicht absehbar und hat auch einen unerwartet hohen Zugewinn durch weniger indirekte Verschattung gebracht. Allein dadurch erziele ich seither pro Tag 0,5 bis 1,5kwh MEHR Ertrag!
Alles in allem bin ich sicher, wären die Sondereffekte 2 und 3 schon von Anfang an gegeben gewesen, hätte schon allein das ausgereicht, auch im ersten Betriebsjahr die 1.100kwh/kwp zu überschreiten.
Fazit:
Meine Anlage ist gut, aber nicht optimal ausgerichtet (ein Viertel ist ziemlich flach, Ausrichtung ist nicht Ideal-Süd) und leidet doch unter ziemlich langer Teilverschattung. Zusätzlich bin ich mit den Modulen bewusst nahe an die Gaube gegangen und habe generell auch stärker schattengefährdete Bereiche belegt. Diese Nachteile kann ich etwas mildern durch dicke Solarkabel, kühlen WR-Standort, Modulsortierung, Verwenden der Funktion OTGP und natürlich Schneeräumen (was nur die allerwenigsten tun).
Klar ist: In trüben Jahren mit wenig direktem Sonnenlicht aber viel indirektem Licht sowie in schneereichen Wintern habe ich durch die Mehr-Module trotz Schattengefahr einen Vorteil und kann mit den Erträgen optimal ausgerichteter Südanlagen mithalten.
Umgekehrt gilt: In sonnigen Jahren und bei schneearmen Wintern wird meine Anlagen gegenüber solchen Südanlagen etwas zurückfallen.
Doch da ich schon im nachweislich ziemlich schlechten Jahr 2010 knapp 1.100 kwh/kwp erreicht habe, bin ich guter Dinge, was künftige, hoffentlich weniger trübe Jahre angeht. Lieber absolut noch mehr Erträge einfahren und dafür relativ zurückfallen als umgekehrt!
Unsicherheitsfaktor: Die leicht südwestliche Ausrichtung ist natürlich ein unkalkulierbarer Unsicherheitsfaktor. Kämen mehrere Jahre, bei denen es zufälligerweise im Schnitt vormittags schöneres Wetter als nachmittags hätte, wäre meine Anlage benachteiligt, im umgekehrten Fall natürlich bevorzugt.
Heuer z.B. war es etwas nachmittags öfter sonniger als vormittags, somit hat meine Anlage heuer dadurch profitiert. Das muss leider nicht jedes Jahr so sein und von Natur aus ist eine südöstliche Abweichung immer besser als eine südwestliche (morgens ist es kühler, hat klarere Luft, im Sommer ab Mittag Tendenz zur Quellwolkenbildung).
Links ins Forum auf threads
die einen Bezug zu meiner Anlage haben oder mir sehr interessant erscheinen:
Verschattung
- ° Überraschung nach Versetzen von vier Modulen - Gewinn durch mehr Streulicht
° Rechnen sich mehr Module trotz Schatten?
° Schatten ist nicht so schlimm wie oft behauptet
° Verschatteter string läuft bei bedecktem Himmel besser als bei Sonne
° Schattensimulation kostenlos
° 14 Sonnenmodule besser als 14 plus eins mit Schatten? (viele Beispielgrafiken von mir!)
° eigenes Verschattungsexperiment
° Wechselrichterauslegung bei Verschattung durch Gaube
° Auslegung bei Schattenbereichen
° Schatten das ganze Jahr
° Abendlicher Schatten ist besser als morgendlicher Schatten
Wetter
- ° Die Wetteraussichten
° Sonnenaktivität 2010
° Ist 2010 das schlechteste Jahr seit langem?
° Top-Spitzenwerte durch Wechsel Wolken-Sonne
Schneeräumen
- ° Erfahrungen mit und Tipps zu Teleskopstangen und Schieber?
° Diskussion über Sinn und Unsinn von Schneeräumen auf PV-Anlagen
Module Mitsubishi PV-TD 185 MF5
- ° Erfahrungen mit Mitsubishi PV-TD MF5
° Anschlussdosen zeichen sich in Reif und Schnee ab
° Module bleiben auch im Regen trocken
Sonstiges
In jedem Falle hat dieses Forum einen großen Anteil an meinem Erfolg, ich danke daher den vielen hilfreichen Autoren hier für viele nützliche Informationen, aber auch unterhaltsame Stunden!
So, damit habe ich die wichtigsten Erfahrungen meines ersten Jahres zusammengefasst und konnte somit vielleicht dem einen oder anderen auch etwas zurückgeben. Ich werde versuchen, auch die künftigen Jubiläumstermine hier zu dokumentieren.






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