Sonnenbatterie forciert Autarkie von Stromerzeugern

VonInes Rutschmann

Sonnenbatterie forciert Autarkie von Stromerzeugern

Der Batteriehersteller Sonnenbatterie GmbH startet 2016 eine Plattform zum Stromhandel. Über diese können Betreiber einer Photovoltaikanlage und eines Batteriespeichers Energie austauschen, um gemeinsam autark zu werden. Auch Stromverbraucher ohne Kraftwerk oder Speicher sollen sich beteiligen können. Für das Allgäuer Unternehmen bedeutet dies den Ausbau des Geschäftsfelds in mehrfacher Hinsicht: Es betreibt das Tauschportal, übernimmt aber auch die Direktvermarktung des Strom und die Lieferung zusätzlicher Mengen, wenn in der Gemeinschaft weniger angeboten als nachgefragt wird.

Das Ziel ist, möglichst viele Menschen mit dezentral erzeugtem Ökostrom zu versorgen. Sonnenbatterie will dazu einen Beitrag leisten und stellte in Berlin eine neue Tauschplattform vor. Geschäftsführer Philipp Schröder leitete die Vorstellung ein. Foto: Chunxiao He

Sonnenbatterie hat eine Plattform zum Stromaustausch kreiert. Geschäftsführer Philipp Schröder leitete die Vorstellung des neuen Produkts ein. Foto: Chunxiao He

Die Sonnenbatterie GmbH hatte am Mittwoch dieser Woche nach Berlin eingeladen, um nichts Geringeres als die Energiezukunft einzuläuten. Die Energiebranche zeigte großes Interesse, die angemietete Halle war voll. „Wir sind der Meinung, dass es die Energiewirtschaft revolutionieren wird“, sagte der Gründer und Chef des Allgäuer Unternehmens, Christoph Ostermann über das neue Produkt. Dieses lässt den Hersteller von Batteriespeichern in Konkurrenz zu Firmen der Energiewirtschaft treten: Zu Direktvermarktern und Energielieferanten.

Bei dem Produkt handelt es sich um eine Plattform zum Austausch von Solarstrommengen. Sonnenbatterie betreibt diese und stellt sie den Nutzern zur Verfügung. In erster Linie hat die Firma dabei Betreiber von Photovoltaikanlagen im Auge, die auch einen Batteriespeicher des Unternehmens im Haus stehen haben. Aber auch Solarstromerzeuger ohne Speicher und auch Erzeuger von Wind- oder Wasserstrom können mitmischen. Alle Teilnehmer vernetzen sich virtuell über die Plattform miteinander und tauschen Strom aus. Erzeugt beispielsweise ein Betreiber in Franken bei strahlendem Sonnenschein mehr elektrische Energie als er gerade selbst benötigt und zu speichern vermag, bietet er diese an. Ein Betreiber von der Nordsee braucht dagegen Strom, da sich bei ihm der Himmel zugezogen hat und weder die eigene Produktion noch der Speicher den Bedarf decken. Voraussetzung für den Handel zwischen beiden ist, dass sie Mitglieder der sogenannten SonnenCommunity sind, wie Sonnenbatterie das neue Angebot betitelt. Im Zuge des Starts des neuen Angebots erfolgt eine Umbenennung von Sonnenbatterie GmbH in Sonnen GmbH.

Intelligente Messsysteme kostenlos für jedes Mitglied der Gemeinschaft

Die Mitgliedschaft in der SonnenCommunity kostet 19,99 Euro im Monat. Dafür übernimmt Sonnen die Pflege der Internetplattform, die Steuerung der angebotenen Strommengen und ihre Abrechnung. Wer Stromüberschüsse anbieten will, muss sich um nichts kümmern. Durch intelligente Messsysteme, die Sonnenbatterie über einen Dienstleister kostenlos bei Mitgliedern der SonnenCommunity einbauen lässt und die den kommenden gesetzlichen Anforderungen entsprechen sollen, werden Informationen zur Stromproduktion und zum Verbrauch im Haushalt gesammelt. Zusätzlich übermittelt der Batteriemanager den Ladezustand der Batterie. Die Software hinter der SonnenCommunity greift auf die Informationen zu und erkennt so, wann in einem Haushalt mehr Strom produziert als benötigt wird – und zwar in Echtzeit. Entsprechend stellt das Programm die für die Erzeuger entbehrlichen Energiemengen als Angebot ins Portal. Durch einen Abgleich mit Prognosen zur Stromproduktion und zum Stromverbrauch aller Nutzer errechnet das Programm die jeweils gerade erzeugte Leistung und den aktuellen Bedarf der gesamten Gemeinschaft und ermöglicht so erst, Angebot und Nachfrage im Lot zu halten.

So sieht das Portal der SonnenCommunity aus. Jeder Stromerzeuger ist -wenn er will - mit Foto und ein paar Angaben zur Anlage vertreten. Foto: Sonnen GmbH

So sieht das Portal der SonnenCommunity aus. Jeder Stromerzeuger ist – sofern er oder sie will – mit Foto und ein paar Angaben zur Anlage vertreten. Foto: Sonnen GmbH

Wer im Portal nicht mit Namen genannt werden möchte, kann auch anonym bleiben. Auf der Plattform kann sich jedes Mitglied, das Energie braucht, über die Lieferanten informieren und sie auch ansprechen. Wie über soziale Medien soll die Möglichkeit zum Austausch zwischen den Mitgliedern bestehen. „Jeder kann aktiv mitmachen. Es besteht jedoch nirgendwo ein Zwang“, heißt es. Die Abrechnung dieser Direktvermarktung von Solarstrom einschließlich der Abführung der EEG-Umlage erledigt wiederum das Unternehmen, ohne dafür ein zusätzliches Entgelt zu fordern. Der Erzeuger erhält in der SonnenCommunity zudem 0,25 Cent pro Kilowattstunde mehr, als er über die EEG-geförderte Direktvermarktung erzielte, sagt Ostermann.

Registrierung zur Mitgliedschaft ab sofort möglich

Starten soll die SonnenCommunity im ersten Quartal 2016. Registrieren können sich Interessierte schon jetzt unter www.sonnenbatterie.de. Wer keine Erzeugungsanlage besitzt, kann zwar keine Energie zur Abnahme anbieten, aber dennoch Mitglied der SonnenCommunity werden und den Strom der Gemeinschaft beziehen. Für Bewohner von Mietshäusern ohne Möglichkeit, eine eigene Erzeugungsanlage auf dem Wohnhaus zu installieren, plant die Sonnen GmbH einen besonderen „Mieterrabatt“ auf den Mitgliedsbeitrag.

Da die Belieferung von Mitgliedern mit Strom über die Direktvermarktung hinausgeht, betätigt sich die Sonnen GmbH mit einem neu gegründeten Unternehmen künftig auch als Energieversorger. Denn Ziel der Firma ist es, dass sich so viele Menschen wie möglich mit dezentral erzeugtem Ökostrom versorgen. Lediglich, wenn der Strom der Erzeuger in der Gemeinschaft den Bedarf aller Mitglieder nicht deckt, wird elektrische Energie zugekauft. Grundsätzlich sollen die Betreiber von Erzeugungs- und Speicheranlagen in der Community aber durch den Austausch eigener Energie stromautark werden. Da dies möglicherweise zum Start der SonnenCommunity noch nicht der Fall sein wird, kalkuliert das Unternehmen ein, ab und an Versorgungslücken an der Strombörse zu schließen.

Mit allen Mitgliedern der Gemeinschaft werden Stromlieferverträge geschlossen. „Da wir keinen Gewinn an dem Strom erzielen wollen, können wir einen Preis von 23 Cent pro Kilowattstunde anbieten“, heißt es. Diesen Preis garantiert das Unternehmen für die kommenden zwölf Monate. Eine Grundgebühr gibt es nicht – immerhin entrichten die Nutzer bereits einen Mitgliedsbeitrag. Die Stromlieferverträge haben keine Mindestlaufzeit und sind mit Monatsfrist kündbar.

Installierte Sonnenbatterien erhalten Anfang 2016 Softwareupdate

Um für ein gleichmäßiges Stromangebot zu sorgen, bietet es sich natürlich an, weitere Batteriespeicher zu installieren. Je höher die Speicherkapazität der Erzeuger in der Community ist, desto flexibler können Überschüsse gehandelt werden. Die Sonnen GmbH, die weiterhin den Batteriespeicher „Sonnenbatterie“ herstellen wird, bietet die Geräte allen Mitgliedern der Gemeinschaft mit einem Rabatt von 1.875 Euro pro Stück an. Solarstromerzeugern, die bislang keine Sonnenbatterie besitzen, eröffnet sich dabei nach Kauf die Option, dass der Speicher mit der Plattform verknüpft wird und die Beladung des Speichers intelligent erfolgt – wenn gerade Strom durch andere Mitglieder der Community nachgefragt wird, fließt die elektrische Energie nicht in den Speicher sondern zu einem anderen Nutzer. Herrscht ein großes Stromangebot in der Community, kann der Speicher geladen werden. Die neu gelieferten Speichergeräte der Sonnen GmbH besitzen von Haus aus einen Energiemanager, der mit der Plattform der SonnenCommunity kommunizieren kann. Bei den rund 8.500 Speichergeräten der Firma, die in der Vergangenheit verkauft wurden, soll ein Softwareupdate Anfang 2016 erfolgen.

Hinweis: Am 30. November erfolgte Ergänzungen zur Beteiligung von Stromerzeugern mit unterschiedlichen Technologien.

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Ines Rutschmann editor