cephalotus
Moderator

Angemeldet: 06.04.2006
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Wohnort: Niederbayern (PV-Anlage)
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Verfasst am:
11.05.2007, 03:56 |
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Meiner Ansicht nach stecken wir mittelfristig bei der Stromprodution von zwei Seiten in der Klemme, zum einen die CO2 Geschichte, zum zweiten die Verfügbarkeit von Brennstoffen.
Derzeit erzeugen wir Strom in Deutschland im wesentlichen aus Uran, Braunkohle, Steinkohle, Gas, Wind und Wasserkraft.
Bei der Kernenergie ist ja nach wie vor ein Ausstieg geplant und im großen und ganzen halte ich das auch für die richtige Entscheidung, wobei ich der Ansicht bin, dass man die Zeitpläne immer mal wieder überprüfen sollte, ob sie dann auch zum jeweiligen Zeitpunkt wirklich die optimale Lösung darstellen.
Bis heute haben wir kein einziges Endlager für den radioaktiven Müll, die Kosten für eine 100.000 jährige Überwachung und Beweachung desselbigen kann sich eh keiner vorstellen, deswegen wrids auch einfach ignoriert, das Riskio eines GAUs/Terroranschlag/etc mag zwar sehr klein sein, es ist aber nicht Null und die Auswirkungen wären fatal und die Verfügbarkeit des Rohstoffs Uran halte zumindest ich für die nächsten Jahrzehnte keineswegs für so gesichert, wie einem gerne weis gemacht wird.
Schon seit einigen Jahren kann die weltweite Nachfrage nach Uranoxid durch den Abbau nicht gedeckt werden und derzeit erleben wir sogar eine Kostenexplosion, selbst inflationsbereingt ist Uran heute so teuer wie noch niemals zuvor und die Kurve geht steil nach oben. Mal schauen, ob das nur ein kurzer peak ist oder sich hier ein andauerender Trend abzeichnen wird. (Die Anteile des Urans am Strompreis aus Kernkraft sind zumindest derzeit nicht sonderlich hoch, so dass man sich deswegen jetzt noch nicht "sorgen" müsste, aber das kann in 5 Jahren schon ganz anders aussehen, wenn es so weiter geht).
Schnelle Brüter, Wiederaafbereitung, Fusionsreaktoren und dergleichen funktioniert derzeit alles noch nicht so recht (bis garnicht) und sich darauf zu verlassen, dass das "gewiss schon bald" unsere Probleme lösen wird wäre töricht.
Gas wird sicherlich in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen, zum einen erhofft man sich da noch genügend Reserven zumindest für diese Generation, der CO2 Ausstoß pro kWh ist geringer, man kann die Kraftwerke kleiner bauen und näher an Ortschaften, was eine Nutzung der Abwärme ermöglichen würde (spart dann zwar nicht Strom, dafür aber Öl und Gas zum Heizen) und man hat vor allem flexible Kraftwerke für Mittel- und Spitzenbedarf, die gut auf starke Schwankungen reagieren können.
Das Gas wird wohl mittelfrsitig überwiegend fossiles Erdgas sein, denn für eine nennenswerte Gasproduktion aus Biomasse steht nicht genug Biomasse zur Verfügung und das wird sich auch nicht ändern. Wir können weder in Deutschland noch weltweit den Bedarf an Kraftstoffen auch nur annäherend durch Biomasse decken, da bleibt für die Stromversorgung nicht viel übrig.
Öl spielt heute keine Rolle mehr zur Stromerzeugung und wird es wohl auch in Zukunft nicht tun, dafür ist es zu teuer. An mittelfristig fallende Ölpreise kann ich beim besten Willen nicht glauben, 60 der 90 erdölexportierenden Länder haben heute schon fallende Fördermengen, bleibt als Hoffnung für künftige Steigerungen der Förderrate (der Bedarf steigt weltweit noch immer deutlich an, v.a. dank China und Indien) im wesentlichen noch einige OPEC Länder und Russland (wo man sich aber auf deren Angaben verlassen muss), aber in Wirklichkeit hat sich die Ölförderung in den letzten 3-4 Jahre auf grob 85 Mio. Barrel am Tag eingependelt., trotz merklich steigender Nachfrage. So mancher sieht den peak oil schon unmittelbar vor uns.
Kurz und gut, das Öl wird wohl auch keine Alternative sein.
Das Potential der Wasserkraft ist in Deutschland ausgeschöpft.
Bei der Windenergie setzt man derzeit wohl am ehesten auf Erneuerung der kleinen Anlagen aus dem 90ern (die aber heute noch nicht abgeschrieben sind) durch die neuen effektiveren Großanlagen und auf den offshore Bereich, wobei da derzeit scheinbar die Förderung zu gering ist, als dass
es da mal losgehen würde.
Vielleicht liegt auch noch bisher ungenutztes Potential in Höhenlagen im Binnenland.
Wenn es sehr gut läuft könnte Windkraft in 10 Jahren vielleicht 10-15% des gesamtdeutschen Strombedarfs decken, das Netz müsste dazu aber vermutlich noch ausgebaut werden.
Photovoltaik spielt derzeit noch eine unbedeutende Rolle (kleiner 1%) und muss nach wie vor hoch subventioniert werden. Immerhin erzeugt man damit einen hohen Anteil an wertvollerem Spitzenlaststrom und wenn man dann noch die externen Kosten mit einrechnet siehst soooo dramatisch nicht aus, dennoch wird die nächsten 10 Jahre Photovoltaik sicherlich keine bedeutende Rolle spielen und zumindest in unserem Klima den teuren Varianten der Stromerzeugung gehören. Vielleicht erreichen wir die Größenordnung von 5%, das ist bei dem sehr dynamischen und stark schwankenden Markt sehr schwer zu schätzen...
Langfristig stünde hier sicherlich noch ein deutlich größeres Potential selbst in Deutschland zur Verfügung, aber das ist Zukunftsmusik.
Geothermie wäre Grundlastfähig, steckt aber in Deutschland nach wie vor in den Kinderschuhen (eigentlich krabbelt sie noch in Windeln rum), da muss man erst mal abwarten, was die Praxis so bringt, bevor man damit großartig rechnet und plant. Das Potential wäre ja -angeblich- vorhanden.
Bei der Biomasse sehe ich wie oben erwähnt keine großes Chance, das meiste davon wird sinnvollerweise zu Kraftstoffen umgewandelt oder zu Heizzwecken verwendet werden und selbst dafür wird es hinten und vorne nicht reichen. Müll, Klärgas, etc ist nur in begrenztem Maße vorhanden, da lässt sich wenig ausbauen.
Tja, das waren die Alternativen zur Kohle, wenn man den Strom nach wie vor im eigenen Land erzeugen möchte und sich nicht von Importen abhängig machen möchte und ich nehme mal an, letzeres ist zumindest mittelfristig absolut nicht erwünscht. Es ist schon wenig lustig, wenn z.B. Russland den Gashahn zudrehen würde, man stelle sich aber mal vor, sie könnten uns den Strom abschalten...
Was also bleibt uns als Option für grundlastfähige Kraftwerke mit mittelfrsitig überschaubaren Kosten und wenig Risiken?
Braunkohle bauen wir im eigenen Land ab, bei Steinkohle sind derzeit die Importe wesentlich günstiger, aber notfalls hätten wir da auch die Option, den Brennstoff zwar teuer aber immerhin auch bei uns Untertage zu fördern.
Interessanterweise hat man vor nicht allzulanger Zeit die Kohle Reserven (nicht Resourcen) in Deutschland bei Steinkohle um 99%(!) und bei Braunkohle um 80% reduziert (soviel also zum Thema: Kohle haben wir eh für Jahrhunderte), aber in einem worst case Szenario, wo alle Stricke reißen und Gas, Öl und Uran nicht mehr ausreichend verfügbar ist, würde man dann eben doch ganze Ortschaften umgraben, um zumindest die Stromversorgung des Landes zu gewährleisten.
(Heimische) Kohle ist sozusagen in der Hinsicht eine Sicherheitspolice.
Natürlich ist Kohle bzgl. CO2 pro kWh eine schlechte Wahl, aber das ist ja eben nicht das einzige Kriterium
Schlussendlich könnte man natürlich den Stromverbrauch auch senken und das muss und wird sicherlich auch in vielen Bereichen geschehen, auf der anderen Seite erwarte ich aber auch einen steigenden Bedarf z.B. bei Wärmepumpen, Klimaanlagen und Elektrofahrzeugen, so dass ich eher keine Hoffnung auf fallenden Gesamtverbrauch in den kommenden Jahren haben würde. (das Einsparpotential bei Wärmeerzeugung und Kraftstoffen scheint mir deutlich höher zu sein als beim Strom)
Als Fazit bleibt mir also die Ansicht, dass ein Kohlkraftwerk in der aktuellen Klima-CO2-Debatte nicht gut ausschaut (das Abtrennen und Speichern von CO2 aus Kohlekraftwerken ist derzeit reine Theorie), dass aber andere Gründe sehr wohl für (neue) Kohlkraftwerke sprechen. Zumindest mittelfristig wäre es -aus meiner Sicht- sehr riskant, auf die Kohle verzichten zu wollen.
Sehr erstrebenswert wäre es, wenn man auch bei Kohlekraftwerken die Abwärme besser nutzen könnte (würde dann eben Primärenergie und somit CO2 an anderer Stelle einsparen), aber da ist mir nicht bekannt, ob solche Ansätze realistisch durchführbar sind.
mfg |
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