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von EST-FRDF » 09.10.2008, 19:53
Hallo,
bei uns im Ort wird eine Bürgersolaranlage gebaut - grundsätzliche eine großartige Idee.
Allerdings erscheinen mir die Rahmenbedingungen ein bißchen merkwürdig:
Gesamtvolumen 50.000 EUR - bißchen mickrig finde ich
Anteilscheine à 500 EUR
Rückzahlung 5% über 20 Jahre (= 100%, daran gibt's nichts zu meckern)
Verzinsung 3% des jeweiligen Restdarlehns.......
Die Rendite halte ich nun ja für nen echten Scherz.
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von Kollektor » 09.10.2008, 20:52
Das Angebot richtet sich offensichtlich nicht an "Heuschrecken".
Ich vemute, dass die Verwaltung von 100 Anteilen derartig aufwändig ist, dass nicht viel dabei rumkommen kann. Möglicherweise ist die Anlage auch schlicht zu teuer. Oder ist das gar keine echte Bürgersolaranlage sondern sucht hier jemand ein günstiges Darlehen ? Wer steht ein wenn die Anlage so schlecht läuft, dass auch die Rückzahlung bzw. deren Verzinsung nicht mehr erwirtschaftet wird ?
Ich war schon selbst an der Planung einer Bürgersolaranlage beteiligt, das war 2004 als sich PV noch richtig gelohnt hat. Wir haben es dann ganz sein lassen als wir das Ausmaß der Verwaltung von Kleinstanteilen über 20 Jahre erkannten. Ist mehr eine symbolische Sache als eine Geldanlage.
Sonnige Grüße
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von schemmp » 10.10.2008, 21:15
Kollektor hat geschrieben:Ich war schon selbst an der Planung einer Bürgersolaranlage beteiligt, das war 2004 als sich PV noch richtig gelohnt hat. Wir haben es dann ganz sein lassen als wir das Ausmaß der Verwaltung von Kleinstanteilen über 20 Jahre erkannten. Ist mehr eine symbolische Sache als eine Geldanlage.
In der Tat ist der Aufwand für eine kleine Bürgersolaranlage ziemlich groß.
In 2006 hatte ich mit zwei Bekannten eine PV-Anlage auf einem von der LH München uns kostenlos überlassenem Dach ca. 30 kWp (Nettopreis ca. 150T€) als Bürgerbeteiligungsanlage initiiert. Hier der entsprechende Link:
http://www.solarstromgmbh.de/projekte_1.html
Es konnten Anteile zu je 2.000 EUR erworben werden. Zunächst hatte uns die Stadt München die Auflage gemacht, dass jeder Anteilseigner nur einen Anteil zeichnen durfte. Obwohl jährliche Ausschüttungen in Höhe von 10% offeriert wurden (die bisher auch eingehalten werden konnten) war es aufgrund der kleinen Anteile schwer Anteilseigner zu finden, da 10% von 2.000 halt nur 200 EUR pro Jahr sind. Nachdem die Zeichnung nur schleppend voranging lies sich die LH erweichen auch mehrere Anteile an einzelne Person zu vergeben.
Wir betreiben die Bürgersolaranlge in der Rechtsform GmbH & Co. KG, weil wir die Haftung der einzelnen Anteilseigner ausschließen wollten.
Am meisten Aufwand hatten wir mit der rechtlichen Gestaltung und mit der Erstellung des Prospekts. Ich rate jedem der sowas initiiert sich vorher ausführlich über Publikumsgesellschaften, Prospekthaftung usw. zu informieren, damit er weiß was auf ihn zukommt. Wer das damalige Prospekt sehen will und vielleicht eine Vorlage benötigt kann hier mal hier klicken: http://www.solarstromgmbh.de/_resources ... ospekt.pdf
Viele Grüße
P. Schemm
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von Kollektor » 10.10.2008, 22:36
schemmp hat geschrieben:Wir betreiben die Bürgersolaranlge in der Rechtsform GmbH & Co. KG, weil wir die Haftung der einzelnen Anteilseigner ausschließen wollten. Am meisten Aufwand hatten wir mit der rechtlichen Gestaltung und mit der Erstellung des Prospekts. Ich rate jedem der sowas initiiert sich vorher ausführlich über Publikumsgesellschaften, Prospekthaftung usw. zu informieren, damit er weiß was auf ihn zukommt. Wer das damalige Prospekt sehen will und vielleicht eine Vorlage benötigt kann hier mal hier klicken: http://www.solarstromgmbh.de/_resources ... ospekt.pdf
Herr Schemm,
ich bin tief beeindruckt
Was für eine Mühe für ein solch kleines Projekt mit so wenigen Kommanditisten. Und dann noch die aufwändige Gesellschaftsform. Ich kenne das von meinen Windparkbeteiligungen.
Die GmbH & Co KG hätten wir uns für die Bürgersolaranlage gespart, eine GbR war angedacht. Das Haftungsrisiko wäre nicht größer als bei einer eigenbetriebenen Anlage gewesen weil wir keine Fremdfinanzierung geplant hatten, die Granularität der Anteile waren auf Modulgröße angedacht und damit sehr klein. Prognostiziert war eine jährliche Ausschüttung von 10 %, ( 200 % insgesamt ). Und ich hätte den gesamten Verwaltungsaufwand machen müssen, das war mir denn doch zu viel und seitdem will ich von derartigen Kleinbürgersolaranlagen nichts mehr wissen.
Bei einem anderen Projekt wählten wir die einfache Form der Bruchteilgemeinschaft, bei 4 Teilhabern die sich kannten genügte ein einseitiger Text. Jeder macht seine Steuererklärung allein, auch kümmerte sich jeder um seinen Finanzierungsanteil selbst. Jeder zahlt seinen Anteil an der Dachmiete direkt an die Gemeinde. Die Versicherung ist gemeinsam, die Abrechnung mit dem EVU läuft auf den Namen der Gemeinschaft über mich und ich verteile den monatlichen Abschlag einfach weiter per Dauerauftrag. Gemeinsame Rücklagen werden keine gebildet, Kosten werden sofort umgelegt. Geht natürlich nur wenn sich die Leute gut kennen.
Ich hatte übrigens schon mal eine komplette PV-Anlage in der Rechtsform einer GmbH & Co KG gekauft und umgewandelt. Seither weiß ich, dass man da keine Mehrwertsteuer darauf bezahlen muss wenn man einen "Betrieb" übernimmt. Das Finanzamt in Dachau weiß es jetzt auch. 
Sonnige Grüße
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von schemmp » 10.10.2008, 22:44
Kollektor hat geschrieben:Ich hatte übrigens schon mal eine komplette PV-Anlage in der Rechtsform einer GmbH & Co KG gekauft und umgewandelt. Seither weiß ich, dass man da keine Mehrwertsteuer darauf bezahlen muss wenn man einen "Betrieb" übernimmt. Das Finanzamt in Dachau weiß es jetzt auch. 
§ 1 (1a) UStG lautet so in etwa (hab nicht nachgekuckt) die Geschäftsveräußerung im Ganzen unterliegt nicht der Umsatzsteuer
=> hier war keine Umsatzsteuer zu zahlen
Was mich stutzig macht: Finanzamt Dachau? Sind Sie (auch) in meinen Gefilden aktiv?
vG P. Schemm
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von Kollektor » 10.10.2008, 23:01
Für alle, die es interessiert, so sah unsere Bruchteilgemeinschaft aus:

Sonnige Grüße
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von Kollektor » 10.10.2008, 23:10
schemmp hat geschrieben:Was mich stutzig macht: Finanzamt Dachau? Sind Sie (auch) in meinen Gefilden aktiv?
Das FA Dachau war das zuständige FA des Verkäufers, eine inzwischen börsennotierte ( im Tecdax ) AG.
Sonnige Grüße
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von schemmp » 10.10.2008, 23:13
Kollektor hat geschrieben:schemmp hat geschrieben:Was mich stutzig macht: Finanzamt Dachau? Sind Sie (auch) in meinen Gefilden aktiv?
Das FA Dachau war das zuständige FA des Verkäufers, eine inzwischen börsennotierte ( im Tecdax ) AG.
ah alles klar, dann weiß ich natürlich wer 
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von hgf1948 » 11.10.2008, 01:52
Kollektor hat geschrieben:Ich hatte übrigens schon mal eine komplette PV-Anlage in der Rechtsform einer GmbH & Co KG gekauft und umgewandelt. Seither weiß ich, dass man da keine Mehrwertsteuer darauf bezahlen muss wenn man einen "Betrieb" übernimmt. Das Finanzamt in Dachau weiß es jetzt auch.
...das Finanzamt Landsberg/Lech weiß es jetzt auch (man kann es ja 'mal versuchen)!
Gruß hgf
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