Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

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Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon hadl » 02.10.2009, 08:06

Hallo Leute, für alle die sich bei ihren Nachbarn rechtfertigen müssen weil sie angeblich auf deren Kosten PV Strom erzeugen.

Schaut mal hier:
http://data.bi-unterelbe.net/Daten/pdf/ ... 150dpi.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order
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Beitragvon Brando » 02.10.2009, 08:31

Ich bin deiner Meinung, finde aber dass das alles etwas kurz greift.

1. Die "Subventionen" werden durch den Beitrag direkt mit der Energierechnung bezahlt. Der Nachbar sieht also genau was er für EE zahlt.
2. Eine Verschiebung in der Merrit-Order findet statt, will mich da auch nicht gegen das Frauenhofer wettern. Aber die Merrit Order betrachtet ja nur ein Produkt auf dem Strommarkt. Die sehr teuren und wegen EE nötigen (Fluktation der Erzeugung) Regelprodukte (Primär-Tertierregelungsprodukte) müssen aber auch gehandelt werden. Dies wird so
weit ich weiß nicht in der Studie betrachtet. Die Anstrengungen sind enorm.
3.Die Netze, bisher für eine zentrale Versorgung ausgelegt, müssen für eine Dezentrale Versorgung umgebaut werden, dabei aber Zentrale Koppelpunkte zum Ausland behalten. Kosten die auch bezahlt werden wollen. Dieser Schritt wäre aber eh nötig gewesen in der Zukunft.
4. Aber eine Sache wird nie betrachtet. In 20 Jahren wird KOSTENLOS Strom hergestellt, und alle werden davon profitieren. Alles was ich selber nicht verbrauchen kann, werde ich ja quasi kostenlos einspeisen. Der Strompreis wird gedrückt.

Des Weiteren unterstütze ich die Forschung für kostengünstige Zellen. Das bedeutet, Solar wird immer günstiger. Und jeder kann sich bei einer Bürgersolaranlage einkaufen, oder selber eine errichten.

Mein Fazit. EEG ist im Moment teuer, aber lohnt sich.

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Beitragvon Dr. Chili » 02.10.2009, 08:40

...sieht doch gleich besser aus.

soweit ich das beurteilen kann klingt es logisch. ich werde dazu aber auch noch meinen volkswirtschaftlich bewanderteren bruder befragen.

ich kannte die agentur für erneuerbare energien bisher gar nicht. und dann gleich so ein knaller. tatsächlich ging ich davon aus, dass die erneuerbaren energien kurzfristig gesehen den strompreis belasten. aber das fand ich in ordnung weil ich immer die externen kosten im hinterkopf hatte.

umso besser
schönen tag noch
Dr. Chili
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Beitragvon Mugwa » 02.10.2009, 08:56

Eins habe ich nicht verstanden wird der Kopmlette Strombedarf Deutschlands an der Leipziger Strombörse gehandelt oder nur 17% ?
Jeden gefundenen Rechtschreib oder Grammatikfehler könnt ihr mit 2 € / Fehler an die Stiftung Solarenergie spenden.

https://sslsites.de/www.stiftung-solarenergie.org//index.php?pageID=365

Vielen dank für eure mithilfe
Mugwa
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Beitragvon eweri » 02.10.2009, 09:00

Ach, deswegen mögen die vier Grossen das EEG nicht - das kleine Taschengeld genannt "Mitnahmeeffekt" fällt weg.

Allerdings wird mit immer mehr EEG-Strom der Effekt immer geringer, da wir uns dann auf der Strompreiskurve im nicht so steilen Bereich der Kurve befinden. Es wird also einen Punkt auf der Kurve geben an dem sich Aufwendungen fürs EEG und Strompreissenkung die Waage halten.

Aber das ist wichtig zu wissen - danke für diese Info.

MfG
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Beitragvon za-ass » 02.10.2009, 09:28

Mugwa hat geschrieben:Eins habe ich nicht verstanden wird der Kopmlette Strombedarf Deutschlands an der Leipziger Strombörse gehandelt oder nur 17% ?

Gehandelt werden tatsächlich 'nur' um die 17%; die Preisbildungsfunktion greift aber weiter.

Nach Mitteilungen des VDEW wird ein Großteil des Stromeinkaufs der EVU per Liefervertragsabschluss bereits ein bis zwei Jahre vor dem physischen Lieferjahr getätigt. Der kurzfristige Kauf am Spotmarkt dient v.a. dazu, nicht erwartete Differenzen zwischen Nachfrage und Beschaffung via Liefervertrag auszugleichen.
Die Preisbildung am Spotmarkt, der sich an der Leipziger Strombörse abspielt, ist naturgemäß beweglicher und nicht im Einzelnen zu prognostizieren (z.B. durch merit-order-Effekte).
Das größte Handelsvolumen findet immer noch am OTC-Markt statt; die Preise dort werden aber auch in Abhängigkeit der Preise an der Strombörse gebildet, die eine Leitfunktion für den OTC-Markt inne hat.

Zum Merit-Order-Effekt gibt es auch vom SFV gute Informationen,
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Beitragvon batome » 02.10.2009, 10:33

Aus besagter Quelle möchte ich nur mal folgendes einwerfen:
Aus diesem Grund kann der Merit-Order-Effekt relativ oft bei der Einspeisung von Windstrom auftreten, nahezu nie allerdings bei der Einspeisung von Solarstrom, da der aktuelle Börsenpreis für konventionell erzeugten Spitzenlaststrom Anfang 2008 bei rund 7 bis 8 Cent lag.

Der Merit-Order Effekt mag zwar bei der relativ günstigen und effizienten Windkraft teilweise auftreten, aber mit Sicherheit nicht bei der um ca. 6-fach teureren Photovoltaik. Aktuell verteuert der starke PV-Zubau den EEG-Strom erheblich (EEG-Vergütung 12,25 ct/kwh in 2008), so dass der beschriebene Merit-Order-Effekt auf den gesamten EEG-Strom bezogen kaum mehr zutrifft. Spitzenlaststrom ist idR mittlerweile erheblich günstiger. Und das Problem wird durch starken PV-Zubau und den hohen PV-Vergütungen noch erheblich verschärft. Wenn diese Entwicklung nicht schnell gestoppt wird, läuft das Ganze aus dem Ruder und EEG-Strom wird immer ineffizienter und teurer.
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Beitragvon za-ass » 02.10.2009, 10:58

batome hat geschrieben:Aus besagter Quelle möchte ich nur mal folgendes einwerfen:
Aus diesem Grund kann der Merit-Order-Effekt relativ oft bei der Einspeisung von Windstrom auftreten, nahezu nie allerdings bei der Einspeisung von Solarstrom, da der aktuelle Börsenpreis für konventionell erzeugten Spitzenlaststrom Anfang 2008 bei rund 7 bis 8 Cent lag.

Welche besagte Quelle wird da zitiert?

batome hat geschrieben:Der Merit-Order Effekt mag zwar bei der relativ günstigen und effizienten Windkraft teilweise auftreten, aber mit Sicherheit nicht bei der um ca. 6-fach teureren Photovoltaik.

Aktuell verteuert der starke PV-Zubau den EEG-Strom erheblich (EEG-Vergütung 12,25 ct/kwh in 2008), so dass der beschriebene Merit-Order-Effekt auf den gesamten EEG-Strom bezogen kaum mehr zutrifft. Spitzenlaststrom ist idR mittlerweile erheblich günstiger. Und das Problem wird durch starken PV-Zubau und den hohen PV-Vergütungen noch erheblich verschärft. Wenn diese Entwicklung nicht schnell gestoppt wird, läuft das Ganze aus dem Ruder und EEG-Strom wird immer ineffizienter und teurer.[/quote]
"Generell senkt jede Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien den Börsenpreis und damit die Gewinne der konventionellen Stromerzeuger. Das gilt auch für Solarstrom-Einspeisungen.

Bild
Bild 5: Auch die Einspeisung von Solarstrom senkt den Börsenpreis

Wenn die Einspeisevergütung über dem vorher zu zahlenden Börsenpreis liegt, ergeben sich für die Einkäufer infolge der ihnen obliegenden Solarstromvergütung echte Mehrkosten gegenüber dem Börsenpreis. Hier muss geprüft werden, ob diese Mehrkosten die Einsparungen beim Börseneinkauf aufzehren. Nur eine sorgfältige Untersuchung aller Stunden eines Jahres kann diese Frage beantworten."
Quelle und weiterlesen

Diese inhaltlich deutlich besser aufgestellte Aussage des SFV möchte ich gerne der aus dem Bauch genudelten Behauptung, dass der Merit-Order-Effekt auf den PV-Stromanteil nicht zutrifft, entgegegensetzen.

Dass ein Merit-Order-Effekt bezogen auf den gesamten EEG-Strom kaum mehr zuträfe, bezeichne ich als Propaganda (zumal das ja auch in keinster Weise belegt wird) oder es wurde einfach nicht verstanden, was der Merit-Order-Effekt meint/bedeutet.

Egal, hier wird ja nicht missioniert, Fehleinschätzungen wird es immer wieder geben.
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Beitragvon batome » 02.10.2009, 11:29

za-ass hat geschrieben:Welche besagte Quelle wird da zitiert?
http://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order


Spitzenlaststrom kostete in 2008 durchschnittlich 7-8ct (siehe besagte Quelle). Die Differenz zu den PV-Stromvergütungen(43ct) ist so groß, dass ein Merit-Order-Effekt bez. PV-Strom ausgeschlossen werden kann. Ich habe keine Ahnung, wie der SFW auf Spitzenstrompreise von 32ct gekommen ist. Maximale Spitzenstrompreise liegen meines Wissens bei ca. 13,5ct. Das man dann irgendwelche Mondwerte zur Regel erhebt und eine Theorie darauf aufbaut, ist leider wiedermal typisch für das PV-Marketing, geht aber meilenweit an der Realität vorbei.
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Beitragvon hadl » 02.10.2009, 11:35

batome hat geschrieben:Aus besagter Quelle möchte ich nur mal folgendes einwerfen:
Aus diesem Grund kann der Merit-Order-Effekt relativ oft bei der Einspeisung von Windstrom auftreten, nahezu nie allerdings bei der Einspeisung von Solarstrom, da der aktuelle Börsenpreis für konventionell erzeugten Spitzenlaststrom Anfang 2008 bei rund 7 bis 8 Cent lag.

Der Merit-Order Effekt mag zwar bei der relativ günstigen und effizienten Windkraft teilweise auftreten, aber mit Sicherheit nicht bei der um ca. 6-fach teureren Photovoltaik. Aktuell verteuert der starke PV-Zubau den EEG-Strom erheblich (EEG-Vergütung 12,25 ct/kwh in 2008), so dass der beschriebene Merit-Order-Effekt auf den gesamten EEG-Strom bezogen kaum mehr zutrifft. Spitzenlaststrom ist idR mittlerweile erheblich günstiger. Und das Problem wird durch starken PV-Zubau und den hohen PV-Vergütungen noch erheblich verschärft. Wenn diese Entwicklung nicht schnell gestoppt wird, läuft das Ganze aus dem Ruder und EEG-Strom wird immer ineffizienter und teurer.





Nach meinem Verständnis, erhöht der PV Strom Anteil aber durch die Pflichtabnahme den nicht handelbaren Stromanteil an der Börse mit dem Effekt, dass da durch das - bei der Preisfindung - nächst billigere Kraftwerk maßgebend ist. Der so genannte Mitnahmeeffekt also eingeschränkt ist. So lange die Einsparung in Folge dessen mehr ausmacht, als die Umlage der PV Vergütung die auf den Verbraucher zu kommt, dürfte der Preis und die Menge des PV Strom in diesem Prozeß den Argumenten von "batome" weniger dienlich sein .Zu mal PV Strom zum Leidwesen der konventionellen Stromwirtschaft schon auf dem besten Weg ist an der Börse ähnlich wie Windstrom eine preisbegrenzende Rolle einzunehmen.
Zitat: Aus den Recherchen vom SFV:
Quantifizierung der Einsparungen
Für jede Stunde des Jahres ergeben sich andere Angebote und Nachfrageverhältnisse, unterschiedliche Börsenpreise und unterschiedliche Entlastungen durch die Einspeisung von Wind- und Solarstrom.
Zur endgültigen Beurteilung, wie stark Wind- und Solarstrom den Strompreis entlasten, ist deshalb eine Untersuchung aller 8760 Stunden des Jahres erforderlich. Eine Untersuchung des IfnE (Ingenieurbüro für neue Energien) vom November 2007 im Auftrag des Bundesumweltministeriums ergab eine Senkung des Großhandelspreises durch alle Erneuerbaren Energien für das Jahr 2006 mit einem Volumen von bis zu 5 Mrd. Euro. Zieht man davon die gesamte Einspeisevergütung nach EEG für den Windstrom und alle anderen Erneuerbaren Energien ab, so ergibt sich immer noch eine Netto-Ersparnis von ca. 2 Mrd Euro.
Zuletzt geändert von hadl am 02.10.2009, 11:58, insgesamt 2-mal geändert.
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