Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Platz für Kommentare, Anregungen, Informationen oder Neuigkeiten und Aktionen zum energiepolitischen Tagesgeschehen

Moderator: Mod-Team

 

3.58 (12 Bewertungen) | Zum Bewerten bitte anmelden

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon hadl » 08.02.2012, 22:14

JayM hat geschrieben:
Falsch! Die Umlage enthält die Differenz zwischen Vergütung und Marktpreis für den EE Strom. Das hat NICHTS mit dem Kohlestrom zu tun, den Stadtwerke X gerade für 6 c/kWh von einem unabhängigen Kraftwerksbetreiber erstanden haben. Bei dieser Transaktion kommt nicht ein Cent auf die Konten der Übertragungsnetzbetreiber.





Oha..jetzt laufen wir aber wieder total auseinander.

Richtig ist, dass die Umlage aus der Differenz zwischen dem „Börsenpreis“ ( aller an der Strombörse angebotenen Erzeugungsarten ) .und der Vergütung resultiert.
Es sei denn Du kannst mir erklären, dass der EEG Strom separat gehandelt wird.

Gruß Hadl
hadl
Forumsinventar
Forumsinventar
 
- Threadstarter -
 
Beiträge: 2640
Registriert: 05.05.2008, 18:13

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon JayM » 08.02.2012, 23:08

Hallo hadl,
ich versuch es noch einmal anders, dann geb ich's auf. Du bist der Übertragungsnetzbetreiber, ich bin das EVU.

Insgesamt werden im betrachteten Zeitraum 80 GWh konventioneller Strom und 20 GWh EEG Strom erzeugt und verbraucht. Der Marktpreis an der Börse liegt im Schnitt bei 6 c/kWh, ohne EEG Strom hätte er bei 6,5 c/kWh gelegen. Für den EEG Strom sind 40 c/kWh Vergütung zu bezahlen.

Der Übertragunsnetzbetreiber:
Als Übertragungsnetzbetreiber berechnest du die EEG Umlage mit 20 GWh * ( 40 c/kWh - 6 c/kWh) = 6,8 mln Euro
Diesen Betrag ziehst du via EEG Umlage vom EVU ein. Zusätzlich bekommst du 20 GWh * 6 c/kWh für den EEG Strom, den du an das EVU verkaufst, also 1,2 mln Euro. Deine Gesamteinnahmen sind also 6,8 + 1,2 = 8 mln Euro.
Auf der Ausgabenseite zahlst du EEG Vergütung in Höhe von 20 GWh * 40 c/kWh = 8 mln Euro an die Netzbetreiber, die dieses Geld an die EEG Anlagenbetreiber weiterreichen.
Netto behälst du also NULL Euro.
Um zeitliche Verschiebungen auszugleichen schiebst du gelegentlich Geld in und aus einem Liquiditätsfonds, der Nettobeitrag zu diesem ist aber 0 Euro.

Das EVU:
Ich bin das EVU und kaufe an der Börse 80 GWh von Kraftwerksbetreiber X und 20 GWh EEG Strom von dir als Übertragungsnetzbetreiber, jeweils zu 6 c/kWh. Ich zahle also 4,8 mln Euro an Kraftwerksbetreiber X und 1,2 mln Euro an dich als Übertragungsnetzbetreiber.
Den Strom verkaufe ich an Endkunden, muß diesen jedoch die EEG Umlage mitberechnen, die du an mich weitergereicht hast. Diese beträgt 20 GWh * (40 - 6) c/kWh = 6,8 mln Euro / 100 GWh = 6,8 c/kWh. Ich berechne meinen Kunden 6 c/kWh für meine Stromkosten + 6,8 c/kWh EEG Umlage (+ Stromsteuer + Netzgebühren) plus eine Profitmarge von 2 c/kWh also 14,8 c/kWh (+ Stromsteuer + Netzgebühren).
Insgesamt beträgt mein Einkommen 100 GWh * 14,8 c/kWh = 14,8 mln Euro (+ Stromsteuer + Netzgebühren).
Meine Kosten sind :
4,8 mln Euro an Kraftwerkbetreiber X
1,2 mln Euro für EEG Strom an dich als Übertragungsnetzbetreiber
6,8 mln Euro für EEG Umlage an dich als Übertragungsnetzbetreiber
______
12,8 mln Euro Kosten

Mir bleiben 2 mln Euro Gewinn.

Der Merrit-Order-Effekt:
Durch den EE Anteil im Netz kostete der Strom im Schnitt nur 6 c/kWh statt 6,5 c/kWh. Der Merrit-Order Effekt betrug also im betrachteten Zeitraum 100 GWh * (6,5 - 6) c/kWh = 0,5 mln Euro.

Neues Gesetz:
Der MO Effekt muß zur Stimulation von Stromspeicherung eingesetzt werden. Von nun an wird der Übertragungsnetzbetreiber 0,5 mln Euro pro Betrachtungszeitraum an die Betreiber von Speicheranlagen auszahlen.

Der Brief:
Als Übertragungsnetzbetreiber schreibst du einen Brief an Herrn Rösler, seines Zeichens Bundeswirtschaftsminister.


Jetzt bist du dran. Was schreibst du in dem Brief?

Gruß
Jochen
14,8 kWp, 80 Solar Fabrik 150/10A 185 Wp, Fronius IG 150 Plus
23 kWp, 96 Bosch cSi 60M 240 Wp, Danfoss TLX+ Pro
55 kWp, 282 Frankfurt Solar 195 Wp, Danfoss TLX+
Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH
Benutzeravatar
JayM
Forumsinventar
Forumsinventar
 
Beiträge: 1081
Registriert: 13.09.2009, 11:52
Wohnort: Rheinland-Pfalz
PV-Anlage [kWp]: 92,8
Info: Betreiber

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon hadl » 08.02.2012, 23:45

JayM hat geschrieben:,
ich versuch es noch einmal anders, dann geb ich's auf. Du bist der Übertragungsnetzbetreiber, ich bin das EVU.

Insgesamt werden im betrachteten Zeitraum 80 GWh konventioneller Strom und 20 GWh EEG Strom erzeugt und verbraucht. Der Marktpreis an der Börse liegt im Schnitt bei 6 c/kWh, ohne EEG Strom hätte er bei 6,5 c/kWh gelegen. Für den EEG Strom sind 40 c/kWh Vergütung zu bezahlen.



Hallo JayM
Den Merit Order Effekt hast Du leider doch noch nicht verstanden.
Das erkennt man an der Aussage von Dir, die ich rot markiert habe.

Die Vergütung spielt an der Börse überhaupt keine Rolle. EEG Strom wird an der Börse zum "Null" Tarif angebotent. Der wird an an anderer Stelle bezahlt..
Wenn es Dich interessiert lese mal im MO Thread, weiter vorn. Das mit der Vergütung, hat schon öfter einige Diskutanten irritiert, und es war schwierig ihnen das zu erklären.

Gruß Hadl
hadl
Forumsinventar
Forumsinventar
 
- Threadstarter -
 
Beiträge: 2640
Registriert: 05.05.2008, 18:13

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon energyturnaround » 09.02.2012, 01:13

hadl hat geschrieben:
JayM hat geschrieben:,
ich versuch es noch einmal anders, dann geb ich's auf. Du bist der Übertragungsnetzbetreiber, ich bin das EVU.

Insgesamt werden im betrachteten Zeitraum 80 GWh konventioneller Strom und 20 GWh EEG Strom erzeugt und verbraucht. Der Marktpreis an der Börse liegt im Schnitt bei 6 c/kWh, ohne EEG Strom hätte er bei 6,5 c/kWh gelegen. Für den EEG Strom sind 40 c/kWh Vergütung zu bezahlen.



Hallo JayM
Den Merit Order Effekt hast Du leider doch noch nicht verstanden.
Das erkennt man an der Aussage von Dir, die ich rot markiert habe.

Die Vergütung spielt an der Börse überhaupt keine Rolle. EEG Strom wird an der Börse zum "Null" Tarif angebotent. Der wird an an anderer Stelle bezahlt..
Wenn es Dich interessiert lese mal im MO Thread, weiter vorn. Das mit der Vergütung, hat schon öfter einige Diskutanten irritiert, und es war schwierig ihnen das zu erklären.

Gruß Hadl



Die Vergütung spielt tatsächlich keine Bedeutung an der Börse. Das hat JayM auch nie geschrieben. Diesen Wert hat er nur gebraucht, um einen fiktiven Wert für die EEG-Umlage zu berechnen, die hin und her geschoben wird.

JayM hat geschrieben:Als Übertragungsnetzbetreiber berechnest du die EEG Umlage mit 20 GWh * ( 40 c/kWh - 6 c/kWh) = 6,8 mln Euro
Diesen Betrag ziehst du via EEG Umlage vom EVU ein. Zusätzlich bekommst du 20 GWh * 6 c/kWh für den EEG Strom, den du an das EVU verkaufst, also 1,2 mln Euro. Deine Gesamteinnahmen sind also 6,8 + 1,2 = 8 mln Euro.


Er schreibt ja, dass er an der Börse auch für den EEG-Strom nur 6 ct/kWh bekommt aber natürlich noch den Differenzbetrag zur festgeschriebenen Vergütung weitergeben muss. Das ist doch vollkommen richtig, oder nicht?!


Der rot markierte Bereich kann sicherlich nicht dazu dienen irgendjemanden zu unterstellen, dass er den MOE nicht verstanden hätte.
energyturnaround
Fleißiges Mitglied
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 491
Registriert: 02.09.2011, 18:11
Info: Interessent

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon JayM » 09.02.2012, 09:19

hadl hat geschrieben:
JayM hat geschrieben:,
Für den EEG Strom sind 40 c/kWh Vergütung zu bezahlen.



Hallo JayM
Den Merit Order Effekt hast Du leider doch noch nicht verstanden.
Das erkennt man an der Aussage von Dir, die ich rot markiert habe.


Hallo hadl,
les doch einfach mal durch was ich schreibe und bemüh dich mal die Berechnung nachzuvollziehen.

Die Vergütung von in diesem Fall 40 c/kWh wird dem Anlagenbetreiber vom Netzbetreiber für jede EEG kWh ausgezahlt.
[b]Hat mit MO Effekt nichts zu tun.

Der Netzbetreiber bekommt sie vom Übertragungsnetzbetreiber zurück.
Hat mit MO Effekt nichts zu tun.
Dieser deckt die zu zahlende Vergütung aus zwei Quellen, nämlich dem Verkauf des EEG Stroms an der Börse zu Börsenpreisen und der EEG Umlage, die die Differenz zwischen Vergütung und tatsächlich erzieltem Börsenerlös deckt.
Hat mit dem MO Effekt auf konventionellen (nicht-EEG) Strom nichts zu tun!
Hat mit dem MO Effekt zu tun sofern es den EEG Strom betrifft. Für die EEG Strommenge FEHLT dem Übertragungsnetzbetreiber der MO Effekt von 0,5 c/kWh, weil er weniger Geld von den EVUs für den EEG Strom bekommt als er ohne MO Effekt bekommen hätte. Daher muß er diesen Betrag über die Umlage zurückbekommen oder sich das Geld aus anderen Quellen beschaffen.

Für den Übertragungsnetzbetreiber ist es ein Nullsumenspiel eben weil die Umlage so berechnet wird, dass sie genau die Differenz zwischen zu zahlender Vergütung und tatsächlich an der Börse erlöstem Preis abdeckt. Weitere Einnahmequellen hat der Übertragungsnetzbetreiber in diesem Zusammenhang nicht.


Versuch doch mal Löcher in diese Berechnung zu pieksen. Dazu muß du die Berechnung bitte einmal in Ruhe nachvollziehen.
Als Übertragungsnetzbetreiber berechnest du die EEG Umlage mit 20 GWh * ( 40 c/kWh - 6 c/kWh) = 6,8 mln Euro
Diesen Betrag ziehst du via EEG Umlage vom EVU ein. Zusätzlich bekommst du 20 GWh * 6 c/kWh für den EEG Strom, den du an das EVU verkaufst, also 1,2 mln Euro. Deine Gesamteinnahmen sind also 6,8 + 1,2 = 8 mln Euro.
Auf der Ausgabenseite zahlst du EEG Vergütung in Höhe von 20 GWh * 40 c/kWh = 8 mln Euro an die Netzbetreiber, die dieses Geld an die EEG Anlagenbetreiber weiterreichen.


Dann erzähl mir von welchen Geld der Übertragungsnetzbetreiber die Speicherbetreiber bezahlen soll.

Gruß
Jochen
14,8 kWp, 80 Solar Fabrik 150/10A 185 Wp, Fronius IG 150 Plus
23 kWp, 96 Bosch cSi 60M 240 Wp, Danfoss TLX+ Pro
55 kWp, 282 Frankfurt Solar 195 Wp, Danfoss TLX+
Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH
Benutzeravatar
JayM
Forumsinventar
Forumsinventar
 
Beiträge: 1081
Registriert: 13.09.2009, 11:52
Wohnort: Rheinland-Pfalz
PV-Anlage [kWp]: 92,8
Info: Betreiber

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon hadl » 09.02.2012, 10:05

energyturnaround hat geschrieben:
hadl hat geschrieben:
JayM hat geschrieben:,
ich versuch es noch einmal anders, dann geb ich's auf. Du bist der Übertragungsnetzbetreiber, ich bin das EVU.

Insgesamt werden im betrachteten Zeitraum 80 GWh konventioneller Strom und 20 GWh EEG Strom erzeugt und verbraucht. Der Marktpreis an der Börse liegt im Schnitt bei 6 c/kWh, ohne EEG Strom hätte er bei 6,5 c/kWh gelegen. Für den EEG Strom sind 40 c/kWh Vergütung zu bezahlen.



Hallo JayM
Den Merit Order Effekt hast Du leider doch noch nicht verstanden.
Das erkennt man an der Aussage von Dir, die ich rot markiert habe.

Die Vergütung spielt an der Börse überhaupt keine Rolle. EEG Strom wird an der Börse zum "Null" Tarif angebotent. Der wird an an anderer Stelle bezahlt..
Wenn es Dich interessiert lese mal im MO Thread, weiter vorn. Das mit der Vergütung, hat schon öfter einige Diskutanten irritiert, und es war schwierig ihnen das zu erklären.

Gruß Hadl



Die Vergütung spielt tatsächlich keine Bedeutung an der Börse. Das hat JayM auch nie geschrieben. Diesen Wert hat er nur gebraucht, um einen fiktiven Wert für die EEG-Umlage zu berechnen, die hin und her geschoben wird.

JayM hat geschrieben:Als Übertragungsnetzbetreiber berechnest du die EEG Umlage mit 20 GWh * ( 40 c/kWh - 6 c/kWh) = 6,8 mln Euro
Diesen Betrag ziehst du via EEG Umlage vom EVU ein. Zusätzlich bekommst du 20 GWh * 6 c/kWh für den EEG Strom, den du an das EVU verkaufst, also 1,2 mln Euro. Deine Gesamteinnahmen sind also 6,8 + 1,2 = 8 mln Euro.


Er schreibt ja, dass er an der Börse auch für den EEG-Strom nur 6 ct/kWh bekommt aber natürlich noch den Differenzbetrag zur festgeschriebenen Vergütung weitergeben muss. Das ist doch vollkommen richtig, oder nicht?!


Der rot markierte Bereich kann sicherlich nicht dazu dienen irgendjemanden zu unterstellen, dass er den MOE nicht verstanden hätte.



Du hast Recht.
Als ich die Vergütung im Zusammenhang, mit der Börse gelesen habe, sind mir Diskussionen in Erinnerung gekommen, wo Diskutanten diese als maßgebend an der Börse betrachtet haben. Ich habe mir daraufhin die Rechnung von JayM gar nicht mehr so genau betrachtet. Tut mir leid.

Jetzt nach dem Du darauf aufmerksam gemacht hast, dass er die Vergütung nur fiktiv angewendet hat, kann ich nicht sagen, dass er den MO nicht verstanden hat, er versucht ihn nur auf andere Weise zu erklären.

Ich bleibe bei der für mich einfacheren Erklärung, mache mir diesbezügliche Untersuchungen zu eigen, und sage, die 0,5 Cent/kwh oder 2,8 Milliarden im Jahr, MO Effekt siehe hier:
http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/47928/4590/
müssen auf ein Backupkonto, für einen sogenannten Kapazitätsmarkt, siehe hier:
http://www.klimaretter.info/energie/hin ... ergiewende

Die MO Werte sind ermittelt, und wie die dann von A nach B überwiesen werden interessiert nur am Rande.

Gruß Hadl
hadl
Forumsinventar
Forumsinventar
 
- Threadstarter -
 
Beiträge: 2640
Registriert: 05.05.2008, 18:13

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon JayM » 09.02.2012, 11:03

hadl hat geschrieben:Ich bleibe bei der für mich einfacheren Erklärung, mache mir diesbezügliche Untersuchungen zu eigen, und sage, die 0,5 Cent/kwh oder 2,8 Milliarden im Jahr, MO Effekt siehe hier:
http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/47928/4590/
müssen auf ein Backupkonto, für einen sogenannten Kapazitätsmarkt


Erstaunlich, nach all der Diskussion weigerst du dich eine einfache 3-zeilige Rechnung nachzuvollziehen und ziehst dich wieder auf recht diffuse Allgemeinplätze zurück.

hadl hat geschrieben:...
Die MO Werte sind ermittelt, und wie die dann von A nach B überwiesen werden interessiert nur am Rande.


A = EVUs und Stromkunden
B="Backupkonto"

Dann muß man dieses Geld erstmal von den EVUs und Stromkunden wieder einsammeln aka Steuern, Abgaben oder Umlage. Schlägst du also eine Backupkonto Steuer oder Umlage vor?

Das kann man so machen, auch wenn ich das keine gute Idee finde. Aber man kann das Geld nicht aus dem Nichts holen.

gruß
Jochen
14,8 kWp, 80 Solar Fabrik 150/10A 185 Wp, Fronius IG 150 Plus
23 kWp, 96 Bosch cSi 60M 240 Wp, Danfoss TLX+ Pro
55 kWp, 282 Frankfurt Solar 195 Wp, Danfoss TLX+
Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH
Benutzeravatar
JayM
Forumsinventar
Forumsinventar
 
Beiträge: 1081
Registriert: 13.09.2009, 11:52
Wohnort: Rheinland-Pfalz
PV-Anlage [kWp]: 92,8
Info: Betreiber

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon hadl » 09.02.2012, 13:32

JayM hat geschrieben:
hadl hat geschrieben:Ich bleibe bei der für mich einfacheren Erklärung, mache mir diesbezügliche Untersuchungen zu eigen, und sage, die 0,5 Cent/kwh oder 2,8 Milliarden im Jahr, MO Effekt siehe hier:
http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/47928/4590/
müssen auf ein Backupkonto, für einen sogenannten Kapazitätsmarkt


Erstaunlich, nach all der Diskussion weigerst du dich eine einfache 3-zeilige Rechnung nachzuvollziehen und ziehst dich wieder auf recht diffuse Allgemeinplätze zurück.

hadl hat geschrieben:...
Die MO Werte sind ermittelt, und wie die dann von A nach B überwiesen werden interessiert nur am Rande.


A = EVUs und Stromkunden
B="Backupkonto"

Dann muß man dieses Geld erstmal von den EVUs und Stromkunden wieder einsammeln aka Steuern, Abgaben oder Umlage. Schlägst du also eine Backupkonto Steuer oder Umlage vor?

Das kann man so machen, auch wenn ich das keine gute Idee finde. Aber man kann das Geld nicht aus dem Nichts holen.

gruß
Jochen



Hallo JayM
Wenn man sich längere Zeit mit dem MO beschäftigt, mag es schon so sein, dass neu Hinzukommende als „diffus“ bezeichnen, was ich für das Wesentliche halte.

Lass uns jetzt nur auf das eingehen, wo es bei Dir offensichtlich noch hakt.

Wo kommt das Geld her und wie wird es eingesammelt.

Dazu benutze ich eine Tab. Die ein User in diesem Thread mal als Schaubild ( mit fiktiven Zahlen ) erstellt hat.Schau mal hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Meri ... BCr_WP.png

Du siehst in der Tab. den Börsenpreis mit, und ohne EEG Strom. 8,45 und 12 Cent/kwh

Die Differenz zwischen den 8,45 und den 12 Cent ist der Merit Order Effekt, der hier untersucht ist. http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/47928/4590/

Also 2,8 Milliarden für das Jahr 2010. Da die Umlage aus der Differenz zwischen den 8,45 und der Vergütung resultiert, sind diese 2,8 Milliarden in der Umlage enthalten.
Die Umlage wird von den EVU,s über die Stromrechnung bei den Verbrauchern eingesammelt, und an die Übertragungsnetzbetreiber auf das EEG Konto weiter geleitet.
Du siehst wo die MO Milliarden erst mal landen, und auch bleiben, wenn sie nicht an die Verbraucher weitergegeben werden, oder wie in meinem Vorschlag auf ein „Backupkonto“ überwiesen werden.

Und nun wo kommt das Geld her.
Der Erlös der Konzerne an der Börse basiert nicht mehr auf 12 Cent/kwh wie zur Zeit ohne EEG, sondern nur noch auf 8,45 Cent. Mit anderen Worten 2,8 Milliarden weniger in 2010.
Gegenwärtig holen die diese 2,8 Milliarden über die Umlage wieder rein.

Ich hoffe das „Diffuse“ ist jetzt etwas aufgehellt.

Gruß Hadl
hadl
Forumsinventar
Forumsinventar
 
- Threadstarter -
 
Beiträge: 2640
Registriert: 05.05.2008, 18:13

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon Spekulatius » 09.02.2012, 13:53

Hallo JayM, einfach tief durchatmen. Mir hat mein Arzt damals eine lange Ayurvedakur in Indien verschrieben, und ich musste sogar Kaktus essen.

Der Spekulatius :mrgreen:
Keine Gewähr auf Seriösität. Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten.
Benutzeravatar
Spekulatius
Forumsinventar
Forumsinventar
 
Beiträge: 3248
Registriert: 12.12.2009, 13:54
Info: Interessent

Re: Merit- Order und das Märchen vom teueren EEG Strom

Beitragvon JayM » 09.02.2012, 20:35

hadl hat geschrieben:Lass uns jetzt nur auf das eingehen, wo es bei Dir offensichtlich noch hakt.

Wo kommt das Geld her und wie wird es eingesammelt.

Dazu benutze ich eine Tab. Die ein User in diesem Thread mal als Schaubild ( mit fiktiven Zahlen ) erstellt hat.Schau mal hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Meri ... BCr_WP.png

Du siehst in der Tab. den Börsenpreis mit, und ohne EEG Strom. 8,45 und 12 Cent/kwh

Nein, ich sehe einen Börsenpreis von 8 c/kWh, weil der EEG Strom nicht mit seinem Vergütungspreis an der Börse gehandelt wird. 8,45 c/kWh sind der gewichtete Durchschnitt aus konventionellem Strom zu 8 c/kWh Börsenpreis und EEG Strom zu 14 c/kWh Vergütung.
Die Differenz zwischen den 8,45 und den 12 Cent ist der Merit Order Effekt, der hier untersucht ist. http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/47928/4590/

Also 2,8 Milliarden für das Jahr 2010. Da die Umlage aus der Differenz zwischen den 8,45 und der Vergütung resultiert, sind diese 2,8 Milliarden in der Umlage enthalten.

Die 2,8 Milliarden Euro sind nicht in der Umlage enthalten. In der Umlage ist bestenfalls der MO Effekt auf den EEG Strom enthalten (und dann auch nur als zusätzliche Belastung, nicht als zusätzliche Einnahme!) Der Rest des MO Effektes passiert in Verträgen zwischen Kraftwerksbetreibern und EVUs. Der Übertragungsnetzbetreiber sieht davon nichts, die Umlage auch nicht.


Ich rechne das auch gerne nochmal mit deinen Zahlen. Die EEG Vergütung ist durchschnittlich 14 c/kWh, Börsenpreis ohne MO Effekt ist 12 c/kWh, Börsenpreis mit MO Effekt ist 8 c/kWh. Durchschnittliche Gesamtkosten mit 7,5% EEG vergütetem Strom daher 8,45 c/kWh. Die Prozente in deiner Tabelle werde ich in GWh ummünzen, um echte Eurobeträge zu bekommen (insgesamt also 100 GWh im betrachteten Zeitraum):

Der gesamte MO Effekt beträgt 100 GWh * (12 - 8 ) c/kWh = 4 000 000 Euro

A) Wie tatsächlich gerechnet:
1) Der Übertragungsnetzbetreiber berechnet die EEG Umlage mit 7,5 GWh * ( 14 c/kWh - 8 c/kWh) = 450 000 Euro
Diesen Betrag zieht er via EEG Umlage vom EVU ein.
2) Der Übertragungsnetzbetreiber verkauft den EEG Stom and die EVUs und bekommt dafür 7,5 GWh * 8 c/kWh, also 600 000 Euro. Die Gesamteinnahmen sind also 450 000 + 600 000 = 1 050 000 Euro.
3) Auf der Ausgabenseite zahlt der Übertragungsnetzbetreiber EEG Vergütung in Höhe von 7,5 GWh * 14 c/kWh = 1 050 000 mln Euro an die Netzbetreiber, die dieses Geld an die EEG Anlagenbetreiber weiterreichen.
4) Resultat: Netto eine NULL.

B) Ohne MO Effekt hätte der Übertragungsnetzbetreiber den EEG Strom für 12 c/kWh verkaufen können. Er hätte dann:
1) 7,5 GWh * (14-12) c/kWh = 150 000 Euro Umlage berechnet und weitergereicht.
2) 7,5 GWh * 12 c/kWh also 900 000 Euro aus dem EEG Strom Verkauf eingenommen. Zusammen 1 050 000 Euro wie oben.
3) EEG Vergütung in Höhe von 7,5 GWh * 14 c/kWh = 1 050 000 mln Euro an die Netzbetreiber gezahlt, die dieses Geld an die EEG Anlagenbetreiber weiterreichen.
4) Resultat: Netto eine NULL.

Und nun wo kommt das Geld her.
Der Erlös der Konzerne an der Börse basiert nicht mehr auf 12 Cent/kwh wie zur Zeit ohne EEG, sondern nur noch auf 8,45 Cent. Mit anderen Worten 2,8 Milliarden weniger in 2010.
Gegenwärtig holen die diese 2,8 Milliarden über die Umlage wieder rein.


C) Bei 'den Konzernen' passiert folgendes, und zwar zwischen Kraftwerksbetreibern und EVUs
1) Mit MO Effekt zahlen die EVUs an die Kraftwerksbetreiber 92,5 GWh * 8 c/kWh = 7 400 000 Euro.
2) Ohne MO Effekt hätten die EVUs an die Kraftwerksbetreiber 92,5 GWh * 12 c/kWh = 11 100 000 Euro gezahlt.
3) Der MO Effekt kostet die Kraftwerksbetreiber 3 700 000 Euro und spart den EVUs 3 700 000 Euro. Handelt es sich um einen integrierten Betrieb mit Kraftwerken und EVU Tätigkeit ist es ein Nullsummenspiel das erstmal nur die konzerninterne Profitverteilung betrifft.
4) Wenn das EVU den MO Effekt an die Kunden weitergibt profitieren diese. Das Geld des MO Effekts ist dann auf dem Konto der Stromkunden.
5) Wenn das EVU den MO Effekt nicht an die Kunden weitergibt profitiert das EVU. Das Geld des MO Effekts ist dann auf dem Konto des EVU.
6) Der MO Effekt auf den konventionellen Strom endet entweder auf dem Konto der Stromkunden oder dem Konto der EVUs. Auf dem Konto des Übertragungsnetzbetreibers landet der MO Effekt auf konventionellen Strom in keinem Fall.

Resultat:
1) In der Umlage ist der MO Effekt auf den EEG Strom enthalten, also 7,5 GWh * (12 - 8 ) c/kWh = 300 000 Euro. Allerdings als Belastung, weil der Übertragungsnetzbetreiber genau wie die Kraftwerksbetreiber weniger für den verkauften Strom erlöst.
2) Der MO Effekt auf den Rest vom Strom (hier 92,5% oder 92,5 GWh) von 3 700 000 Euro ist auf den Konten entweder der Stromkunden oder der EVUs, und somit NICHT in der EEG Umlage enthalten. Diesen kann der Übertragungsnetzbetreiber an niemanden weitergeben, weil er das Geld ja nicht hat (es ist bei den EVUs und/oder Stromkunden).
3) Der Übertragungsnetzbetreiber leidet ebenso wie die Kraftwerksbetreiber unter dem MO Effekt, weil er weniger für den von ihm verkauften Strom bekommt. Daher muß er diesen durch den MO Effekt für ihn entstandenen Verlust über die EEG Umlage and die EVUs weiterreichen.
4) Gibt der Übertragungsnetzbetreiber den MO Effekt auf den EEG Strom an Speicherbetreiber weiter, hat eine Deckungslücke ind ebendieser Höhe.


Gruß
Jochen
14,8 kWp, 80 Solar Fabrik 150/10A 185 Wp, Fronius IG 150 Plus
23 kWp, 96 Bosch cSi 60M 240 Wp, Danfoss TLX+ Pro
55 kWp, 282 Frankfurt Solar 195 Wp, Danfoss TLX+
Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Helianthus Solar GmbH
Benutzeravatar
JayM
Forumsinventar
Forumsinventar
 
Beiträge: 1081
Registriert: 13.09.2009, 11:52
Wohnort: Rheinland-Pfalz
PV-Anlage [kWp]: 92,8
Info: Betreiber

VorherigeNächste

Zurück zu Energiepolitik



Ähnliche Beiträge


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste