Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon bauer stefan » 24.01.2011, 18:45

Hallo!
Im folgenden habe ich einmal neu veröffentlichten Eckpunkte des Bundes-Umweltministeriums zitiert.
Zusätzlich zur Vergütungsabsenkung soll das Grünstromprivileg de facto abgeschafft werden.
Anstelle die Kriterien für "grünen Strom " zu verschärfen, wird das EEG untergraben.
Es kann nicht sein, dass für Ökostrom die EEG Umlage oberhalb von 2 cent erhoben wird, wie es jetzt die "Regierung" und Röttgen durchziehen wollen.
Dieser Ansatz zeigt, dass es ausschließliches Ziel ist, den Anteil erneuerbarer Energie zu begrenzen.
Hierzu passt auch die Aussage des Niedersächsischen U-Ministers Sander von letzter Woche gegenüber der Zeitung "Rheinische Post": "Wir sollten das EEG abschaffen".
Wir sollten unsere Umweltpolitiker einmal fragen, für wen sie eigentlich arbeiten.

Zitat aus dem "Umweltministerium":

"Stand: 20.01.2011

Eckpunkte für eine kurzfristige Änderung des EEG bei Photovoltaik und beim Grünstromprivileg zur Kostendämpfung

[...] Edit (Mod) Zitat auf das Threadthema gekürzt!

2. Obergrenze für Umlagebefreiung beim Grünstromprivileg

Das BMU tritt dafür ein, das Grünstromprivileg im Grundsatz beizubehalten und zur Vermeidung einer Kostenbelastung für die Stromverbraucher wie folgt zu modifizieren:

* Die Umlagebefreiung für Unternehmen, die das Grünstromprivileg nutzen, wird auf 2,0 Cent pro kWh begrenzt.
* Die Änderung wird zum 1. Juli 2011 wirksam.

Im Einzelnen: Das Grünstromprivileg nach § 37 Absatz 1 Satz 2 EEG bestimmt, dass Elektrizitätsversorgungsunternehmen von der EEG-Umlage befreit werden, wenn der von ihnen gelieferte Strom einen Anteil von mindestens 50 Prozent EEG-Strom umfasst; die Umlagebefreiung gilt für das gesamte Stromportfolio, also auch den Strom der nicht aus EE stammt.

Aufgrund des Anstiegs der EEG-Umlage auf 3,53 Cent/kWh in 2011 ist mit einer verstärkten Nutzung des Grünstromprivilegs und ohne Korrektur mit erheblichen Mitnahmeeffekten zu rechnen. Dies wiederum hat einen zusätzlich verstärkenden Effekt auf die EEG-Umlage, da diese auf eine abnehmende Zahl von Endverbrauchern verteilt werden muss.

Eine Änderung der bestehenden Regelung ist daher dringend erforderlich, um einen weiteren Anstieg der EEG-Umlage zu verhindern. Durch den vorliegenden Vorschlag wird die Umlagebefreiung auf 2,0 Cent pro Kilowattstunde begrenzt. Dies entspricht ca. der Höhe der EEG-Umlage 2010. Eine darüber hinaus gehende Reform des Grünstromprivilegs wird im Rahmen des EEG-Erfahrungsberichts geprüft. "


Zitat-Ende.

Das EEG ist bei von Zeit zu Zeit notwendigen Anpassungen ein weltweit kopiertes Erfolgsmodell.

Wenn unsere Umweltpolitiker so weitermachen, bleiben die "großen Vier" schön unter sich.

Grüße, Stefan
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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon eggis » 25.01.2011, 11:53

Die Änderung des Grünstromprivilegs ist nicht überall willkommen.
BEE kritisiert abrupte Begrenzung der Grünstromvermarktung
Dietmar Schütz (BEE-Präsident) hat geschrieben:„Durch die kurzfristige Begrenzung des so genannten Grünstromprivilegs wird Ökostromanbietern und betroffenen Anlagenbetreibern die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Das Vertrauen in stabile und verlässliche Rahmenbedingungen wird dadurch unnötig erschüttert und die Marktintegration Erneuerbarer Energien gebremst“

Ich könnte mir vorstellen, dass dieser "rückwirkende" Eingriff nicht rechtens ist und evtl. einer Klage vor dem Verfassungsgricht nicht standhalten wird. :roll:
Mit sonnigen Grüßen
-eggis-

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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon ManfredausR » 25.01.2011, 20:18

Hallo Leute
hier herrscht offenbar immernoch Unklarheit darüber, wer vom Grünstromprivileg profitiert.

Als erstes mal: Grünstrom nach §37 verdient seinen Namen nicht.


Auch die Marktanalyse des BEE ist mir unverständlich.
(Den juristische Einwand gegen die Art- und Weise, wie die Änderung durchgeführt werden soll, kann man ja durchaus teilen)

BEE kritisiert abrupte Begrenzung der Grünstromvermarktung
Diese Regelung ist insbesondere für mittelständische Stromvertriebe ein marktwirtschaftlicher Hebel. Aufgrund ihres kleineren Kundenstamms ist es für sie einfacher, das 50-Prozent-EEG-Strom-Kriterium zu erfüllen als für große Unternehmen.

Das Ökostromprivileg zeigt, dass eine reale und nachfragegerechte Versorgung mit hoch qualitativem Strom möglich ist. Es fördert Vertriebe, die aufgrund ihres hohen Anteils an Erneuerbaren Energien Vorbildwirkung für die künftige Energieversorgung haben.


Wo die Vorbildwirkung liegen soll, wenn Strom aus erneuerbaren Energien zur Hälfte mit fossilem und Atomstrom verschnitten wird, bleibt geheimnis des Autors.

Für wen ist denn das Grünstromprivileg interessant?

Bei den erneuerbaren verhält sich das gegenläufig zur Einspeisevergütung:
Gase (Deponie, etc) > Wasser > Wind onshore > Geothermie > Biomasse > Wind offshore >>>> Photovoltaik
Vattenfall
Kriterium für betriebswirtschaftliche Rentabilität der DV mit §37 aufgrund
Befreiung von EEG-Umlage: DV-Mehraufwand < 2 * EEG-Umlage
DV = DirektVermarktung
In 2011 rentabel: 83% der Wassermenge, 100% Gase, 36% Biomasse, 6% Wind onshore.

Auch bei Betrachtung der Zukunft taucht Photovoltaik hier nicht auf.

Bei den Vertreibern:
Wird der größte Teil wohl wieder mal bei den vielzitierten Vier hängenbleiben, die fleißig dabei sind, Tochtergesellschaften zum Grünstrom(wasch)vertrieb zu gründen.


Nach Dr. Sascha Lukac von Vattenfall ergeben sich bei 19 % direkt vermarktetem EEG-Strom(bez. auf den gesamten EEG) in 2011:

Erhöhung der EEG-Umlage durch §37 1,5 €/MWh
Winfallprofits 547 Mio €


Dies sinkt beides, wenn der vorgeschriebene Anteil höher als 50% liegt.

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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon Montio » 25.01.2011, 20:56

eggis hat geschrieben:Die Änderung des Grünstromprivilegs ist nicht überall willkommen.
BEE kritisiert abrupte Begrenzung der Grünstromvermarktung
Dietmar Schütz (BEE-Präsident) hat geschrieben:„Durch die kurzfristige Begrenzung des so genannten Grünstromprivilegs wird Ökostromanbietern und betroffenen Anlagenbetreibern die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Das Vertrauen in stabile und verlässliche Rahmenbedingungen wird dadurch unnötig erschüttert und die Marktintegration Erneuerbarer Energien gebremst“

Ich könnte mir vorstellen, dass dieser "rückwirkende" Eingriff nicht rechtens ist und evtl. einer Klage vor dem Verfassungsgricht nicht standhalten wird. :roll:

Herr Schütz hat wohl selbst das Grünstromprivileg nicht ganz verstanden. Die "betroffenen Anlagenbetreiber" können monatlich wieder unter den Rettungsschirm des EEG zurück. Betroffen sind die Stromanbieter.
Ein Grünstromprivileg ist nur akzeptabel wenn auch wesentliche Anteile der unliebsamen teuren Strompreisbildner wie z.B. Photovoltik im angebotenen "Portfolio" stecken. So wie es momentan ist kann man es auch gleich lassen. Warum genau ab 2 ct gezahlt werden soll ist mir auch schleierhaft. Ich nehme an es wurde gewürfelt, mit ökonomischem Sachverstand hat das vermutlich nichts zu tun.
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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon ManfredausR » 26.01.2011, 05:03

Montio hat geschrieben:Ein Grünstromprivileg ist nur akzeptabel wenn auch wesentliche Anteile der unliebsamen teuren Strompreisbildner wie z.B. Photovoltik im angebotenen "Portfolio" stecken. So wie es momentan ist kann man es auch gleich lassen.

Das Grünstromprivileg dient nicht zur Förderung der Photovoltaik. :!:

PV-Strom unter den derzeitigen Bedingungen (kWh/a) direkt vermarkten zu wollen, ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Grünstromprivileg für 50% nichtregenerativen Strom treibt nicht nur die in €ct/kWh ausgewiesene EEG-Abgabe in die Höhe, sondern damit auch den Strompreis, womit wir den "Grünstrom" um eben diesen Betrag auch wieder erhöhen können.

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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon Montio » 26.01.2011, 09:25

ManfredausR hat geschrieben:Das Grünstromprivileg dient nicht zur Förderung der Photovoltaik. :!:
PV-Strom unter den derzeitigen Bedingungen (kWh/a) direkt vermarkten zu wollen, ist wirtschaftlich nicht darstellbar.
Grünstromprivileg für 50% nichtregenerativen Strom treibt nicht nur die in €ct/kWh ausgewiesene EEG-Abgabe in die Höhe, sondern damit auch den Strompreis, womit wir den "Grünstrom" um eben diesen Betrag auch wieder erhöhen können.
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Selbstverständlich wäre es zumutbar, im Privileg gewisse Quoten an EE-Arten verbindlich vorzuschreiben. Sonst kommt es wie aktuell zum erwähnten EE-Rosinenpicken und der Rest der Stromverbraucher bleibt auf den PV-Kosten alleine sitzen.
Gruß Montio
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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon gunnar_kaestle » 30.01.2011, 17:57

abxy hat geschrieben:Das Ziel des EEGs ist doch moeglichst viel, zuverlaessigen Oekostrom zu produzieren zu vernuenftigen Preisen und nicht einer Branche durch garantierte Gewinne zu einer Blase zu verhelfen. Wenn es der Markt also selbst schaffen wuerde selbst auf 100% EE-Strom zu kommen braeuchte man die Subventionierung des EEG nicht und es waere Volkswirtschaftlich besser. (Ich glaube allerdings nicht das das der Fall sein wird, also wird die EEG Verguetung nach wie vor noetig sein).


Auf das EEG kann in der Tat jedenfalls bei den nichtsteuerbaren Stromeinspeisern aus Wind- und Sonnenenergie verzichtet werden. Das liegt an dem Gleichzeitigkeitsfaktor: immer wenn bei mir die Sonne scheint, tut sie das beim Nachbarn ebenfalls und wir machen uns gegenseitig die Strompreise kaputt. Somit ist selbst bei einem akzeptablen Duchschnittspreis (Kapital pro Produktionsmenge) keine marktgetriebene Vergütung innerhalb der Abschreibungsdauer/Refinanzierungszeit möglich, weil immer dann die Preise im Keller sind, wenn das Wetter für die Stromerzeugung günstig ist.

Gruß,
Gunnar
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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon ManfredausR » 31.01.2011, 12:54

gunnar_kaestle hat geschrieben:Auf das EEG kann in der Tat jedenfalls bei den nichtsteuerbaren Stromeinspeisern aus Wind- und Sonnenenergie verzichtet werden.
Gruß,
Gunnar

Ist das ein Tippfehler :?:
müßte es nicht heißen:

Auf das EEG kann in der Tat nicht verzichtet werden.

Gruß,
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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon abxy » 21.03.2011, 21:45

Laut Solarserver.de ( http://www.solarserver.de/solar-magazin ... ebaut.html ) hat die Bundesnetzargentur erstmals informationen zur EEG-direktvermarktung und dem Gruenstromprivileg veroeffentlich.

Demzufolge wurde 2009 gerade einmal 0.4% des EEG-Stroms (oder weniger als 1 pro mill des gesammtstromes) selbstvermarktet und stand somit den "Gruenstromprivileg anbietern" zur verfuegung. Demzufolge ist das Gruenstromprivileg im gesammt kontext vernachlaessigbar gering und die gesammte Aufregung darueber ist uebertrieben.

Insofern finde ich es sehr schade das die Regierung hier unnoetigerweise an dem Gruenstromprivileg herumgefuscht hat. Insbesondere in einer Art die nur zum Nachteil der EE Branache ist und verhindert / verzoegert das eine wettbewerbsfaehige EE Versorgung entsteht.
abxy
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Re: Grünstromprivileg - eine Gefahr für die Photovoltaik

Beitragvon atlantikstrand » 21.03.2011, 23:09

2009 ist aber schon eine ganze Weile her. Vielleicht sehen die Zahlen inzwischen ganz anders aus?
7,2 KWp (2009) + 13,34 KWp (2010) + 2,22 KWp (2011) + 13,44 KWp (2011)
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