Die Apokalypse stand vor der Tuer [Ausfall Helmstedt 28.3.]

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Die Apokalypse stand vor der Tuer [Ausfall Helmstedt 28.3.]

Beitragvon Oktaeder » 01.04.2012, 20:15

Ja, und dann kommt sowas:
http://www.welt.de/wirtschaft/article106143921/Stromnetz-geht-ploetzlich-auf-Alarmstufe-gelb.html#disqus_thread

Die Logik im Artikel kann ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen.
Zuletzt geändert von Weidemann am 02.04.2012, 14:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon diesonnelacht » 01.04.2012, 20:34

Herrvolt hat geschrieben:
diesonnelacht hat geschrieben:Solche Tage wie heute bedeuten sicher auch reichlich Schalthandlungen etc. im Netz, aber an die grosse Glocke gehängt wird es nicht. Man würde ja sonst darauf aufmerksam machen, was die EE können.
Du wolltest sicherlich schreiben, was die EE nicht können.
Die Stromversorgung sicher über einen Tag zu bringen.
Dafür sind jetzt noch große Anstrengungen der konvensionellen Kraftwerke nötig. :juggle:

Der Logik kann ich jetzt nicht folgen. Sobald die EE uns sicher über den Tag bringen, wird es für konventionelle KW eher unanstrengend. Wenn es politisch gewollt wäre, könnte man das rein technisch zumindest über den Sommer machen - vor 2020.

Die Logik der "Welt" ist, dass die EE daran "Schuld" sind, wenn KKWe und Umspannwerke versagen. Goldisthal und Windenergieanlagen funktionierten so, wie sie sollten. Macht nix, "Ursache" war als erstes mal das "Windkraft-Aufkommen".

Ich würde wetten, dass der Schreiber des Artikels nicht weiss, dass zw. Hamburg und Schwerin keine fertige HöS-Leitung besteht und es somit keine W-O-Übertragungsleitungen nördlich Helmstedt gibt. Dass 110-kV-Leitungen da überlastet sind, ist klar. Die sollen da auch nix gross transportieren können.

Der Vorfall zeigt mal wieder eins: Unsere Versorgungssicherheit ist enorm hoch. Zwei dicke Elemente fallen aus und es geht trotzdem weiter.
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon GAST » 01.04.2012, 21:15

Oktaeder hat geschrieben:Ja, und dann kommt sowas:
http://www.welt.de/wirtschaft/article106143921/Stromnetz-geht-ploetzlich-auf-Alarmstufe-gelb.html#disqus_thread

Die Logik im Artikel kann ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen.


Interessantes in deinem Link
mit dem Ausfall des Umspannwerkes Helmstedt an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Auch die ungeplante Abschaltung des Atomkraftwerks Brokdorf könnte zu der kritischen Situation an diesem Tag beigetragen haben


Ich habe mal aus dem Link etwas rauskopiert....
Ausfall Umspannwerk in zusammenhang mit dem Ausfall AKW-Brokdorf....da muss dann doch eigentlich fast froh um die Windeinspeisung sein....
Oder hat man den Strom etwa nicht benötigt??

Um die Netzstabilität wieder herzustellen, musste der Netzbetreiber 50Hertz in kürzester Zeit radikal in den Kraftwerksbetrieb eingreifen.

Schnellabschaltung von mehreren tausend Megawatt konventioneller Kraftwerksleistung

Zudem wurden in den ostdeutschen Bundesländern Windparks in einer bis dahin nie dagewesenen Größenordnung von 2200 Megawatt vom Netz getrennt.


Zusätzlich wurden die beiden größten PSW von 1GW Produktion auf 1,4GW Verbrauch umgeswitscht....
Wenn ich mal mehrere tausend MW Kraftwerke +2200MW Wind +2400MW PSW zusammenrechne komme ich auf mind. 7GW Strom den man nicht mehr eingespeist, bzw. zusätzlich verbraucht hat um das Netz zu stabilisieren....dazu dann noch Brokdorf...also sogar über 8GW, das sind mehr als 15% vom Bedarf in diesem Zeitraum in D.
Dazu das ganze anscheinend noch sehr regional begrenzt...

Kommt hier jemand aus der Region??
Hat man was davon gemerkt, Flackern der Beleuchtung, Stromausfall o.ä.??

Gruß
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Re: Die Delle [in der Grundlast]

Beitragvon solder » 01.04.2012, 21:53

In der Tat habe ich letztens am Abend ein kurzes Flackern festgestellt. Hat aber zu keinen Ausfällen an Computern etc. geführt. Habe gleich an eine Schalthandlung im Netz gedacht. Ob es tatsächlich an dem Tag war, kann ich aber nicht mehr sagen. Rein gefühlsmäßig würde das passen.

Was die Abschaltungen von Erzeugern betrifft: Angenommen, die ausgefallene Leitung hat also 4GW (?) gen Westen transportiert, dann ist es klar, dass die im Osten nicht mehr erzeugt werden dürfen, wenn man sie nun nicht mehr loswird. Andererseits wird dann aber im Westen die selbe Menge Energie zusätzlich benötigt. Von daher kann ich nicht nachvollziehen, dass nur abgeschaltet werden musste.
Die Menge an Windenergie zu dieser Zeit war sicher nicht zufällig und plötzlich so hoch sondern entsprach sicher den Prognosen. Ebenso, dass es nach 18Uhr keine PV mehr gab. Also nichts besonderes. Eigentlich hätte nur der Netzausfall erwähnt werden dürfen. Mit den EE hat das nichts zu tun.

In unserer Presse stand nichts zu dem Ausfall in Helmstedt. Würde mich auch mal interessieren, was der Grund dafür war, dass gleich 2 Leitungen ausgefallen sind.

Noch eine Sache zu Brokdorf: Ich verstehe nicht, warum das AKW so schnell vom Netz musste. Die Brennstäbe waren ja sicher schon länger defekt. Da wird es ja keine Notabschaltung geben, sondern man wird das auch noch kurzfristig bekannt geben. Bei der EEX war jedenfalls der Sprung von 1,4GW als ungeplante Nichtverfügbarkeit zu sehen.
Die Abschaltung war 18.30, 21.00 fielen die Leitungen in Helmstedt aus. Kann mir keiner sagen, dass dies wegen Überlastung war. Dann hat nämlich 2,5h jemand geschlafen und das nicht erkannt. Man hätte in der Zeit locker im Westen mehr Erzeugung anfordern können und im Osten entsprechend weniger in die Leitungen einspeisen... Nach dem Ausfall der Leitungen war das jedenfalls sofort möglich. Oder lag's doch daran, dass man den Windstrom unbedingt loswerden musste (Abnahmezwang). Dann hätte man den (überlasteten) Leitungen aber die 1GW Pumpspeicher ersparen können...

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Die Apokalypse stand vor der Tuer [Ausfall Helmstedt 28.3.]

Beitragvon Statler » 02.04.2012, 09:36

Hallo zusammen,

eben auf "WELT" gefunden:

http://www.welt.de/wirtschaft/article10 ... -gelb.html

Panikmache oder Realitaet ? Bei den ganzen Muenchhausen und Blaubaeren heutzutage weis man ja nicht mehr, was man so glauben soll. "WELT" gehoert auch nicht gerade zu den Medien, die in letzter Zeit durch eigene Recherchen aufgefallen sind.

Zitat aus "Welt":
Die beiden größten deutschen Pumpspeicherkraftwerke Goldisthal und Markersbach, die kurz zuvor noch mit einer Leistung von 1000 Megawatt Strom produziert hatten, wurden zudem umgehend zu Stromverbrauchern umfunktioniert: Durch das Anwerfen der Wasserpumpen an den Stauseen konnte das überforderte Netz um weitere 1400 Megawatt entlastet werden.


Soweit mir bekannt ist das ja gerade der Witz an einem Pumpspeicherwerk, das es eben beide Richtungen kann. Genau so koennte ein Netzteilkondensator rumjammern, das er 100 mal pro Sekunde Strom liefern muss um die Ausgangsspannung zu stabilisieren.
Und wenn die Jungs in den Netzwarten zwei mal im Jahr mal was tun muessen ist das auch noch kein Grund fuer einen BurnOut, dafuer werden die eigentlich bezahlt.

Haetten die Konzerne in der Vergangenheit in Netze investiert anstatt in Tankstellen und Aktionaersausschuettungen saehe die Sache heute anders aus.


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Re: Die Apokalypse stand vor der Tuer

Beitragvon bskf » 02.04.2012, 09:56

so, wie sich der Bericht liest, war die Situation wohl schon kritisch.

Die Aussage des folgenden Satzes "Ursache war offenbar ein großes Windkraft-Aufkommen im Zusammenwirken mit dem Ausfall des Umspannwerkes Helmstedt an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen." stelle ich allerdings in Frage. Unbestritten, dass der Ausfall in Helmstedt Auslöser der Situation war. Wenn aber die Netzlast nicht durch Wind, sondern von konventionellen Kraftwerken bestanden hätte - wäre das wohl erwähnt worden???

Eine Schlagzeile "Die starke Produktion aus Braunkohlekraftwerken aufgrund deren schlechter Regelbarkeit in Zusammenhang mit dem Ausfall eines Trafos führte zur Krise." - kaum vorstellbar. Da macht sich böser Wind einfach besser.

Grüße

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Re: Die Apokalypse stand vor der Tuer

Beitragvon Farmjanny » 02.04.2012, 10:25

Brokdorf mußte dem Bericht zufolge ungeplant vom Netz. Dadurch wurde die Stromlücke von Ost nach West ausgeglichen und die Netze in Ost-West-Richtung stark belastet. 2200MW Windparkleistung im Osten wurden abgestellt.

Wenn ich das nun recht verstehe sollte der Südwesten dann den Strom liefern. Der Osten war relativ abgeschnitten und hatte Stromüberschuß durch den Ausfall des Umspannwerkes in Helmstedt. Dazu wurden die PSW zu Stromabnehmern.
Ist das so richtig?

Hätte Niedersachsen nun nicht selbst soviel Windkraft, vermute ich, daß wir das Stromdefizit in NDS nicht so leicht hätten ausgleichen können.
Grüße von der Küste
Farmjanny

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Re: Die Apokalypse stand vor der Tuer

Beitragvon jodl » 02.04.2012, 10:27

einfach ein weiterer Pfeifendeckel-Bericht in der von der "Welt" gewohnten Qualität
z. B. "Auch die ungeplante Abschaltung des Atomkraftwerks Brokdorf könnte zu der kritischen Situation an diesem Tag beigetragen haben."
also: durch "großes Windkraft-Aufkommen im Zusammenwirken mit dem Ausfall des Umspannwerkes Helmstedt" war ein Überangebot im Netz
dieses Überangebot hat sich anscheinend durch die Abschaltung eines AKW auch noch vergrößert?
interessante Logik
da wäre zu überlegen, ob wir nicht auf dem schnellsten Weg alle AKWs abschalten sollten
aber wahrscheinlich ist würde das Überangebot dann so groß daß alle Netze zusammenbrechen?

Eine weitere, völlig überraschend eingetretene Entwicklung: "Solarmodule, die in den Mittagsstunden des 28. März vor allem im Westen und Süden Deutschlands noch soviel Strom eingespeist hatten wie 16 Großkraftwerke – 16.000 Megawatt –, stellten ihre Produktion mit Sonnenuntergang gegen 18.30 Uhr fast komplett ein"
Damit hat ja nun wirklich keiner rechnen können, aber vielleicht sollte man auch noch abklären warum die Produktion mit Sonnenuntergang nur "fast komplett" eingestellt wurde
vielleicht die Würth-anlagen die auch bei Vollmond einspeisen?
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Re: Die Apokalypse stand vor der Tuer

Beitragvon bskf » 02.04.2012, 10:57

Fakten:

- seit ca. 15:00 Uhr ziemlich konstante Windeinspeisgung
- 18:00 Uhr Abschaltuung Brokdorf
- vor 21:00 Uhr: Turbinenbetrieb Goldisthal und Markersbach
- 21:00 Uhr: Defekt "Systeme auf der Helmstedt-Leitung" (beider?)
-> Überproduktion im 50Hertz-Gebiet -> Abwurf Erzeugerkapazität konventionell+Wind
- nach 21:00 Uhr: Pumpenbetrieb Goldisthal und Markersbach

Interessant:
Trotz hoher Windproduktion liefen vor 21:00 Uhr die PSKWs im Turbinenbetrieb (wenn die Aussage stimmt). Vor dem Zusammenbruch von Helmstedt kann die Windproduktion also nicht störend gewesen sein. Der Brokdorfausfall bestand bereits drei Stunden vor dem Ereignis.

Interpretation:
Die Krisensituation ist somit ausschließlich auf den technischen Defekt zurückzuführen. Dessen Ursache und die Frage, wie dieser zur Krisensituation führen konnte, ist aber natürlich spannend (n+1-Kriterium verletzt?).

Grüße

bskf
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Re: Die Apokalypse fand im Gehirn statt

Beitragvon P.Voltologe » 02.04.2012, 11:08

Griffige Wortwahl, die auch noch bei 1,9 Promille am Stammtisch gut zu artikullieren ist, dass ist die Quallität mit der die Szenen aus der Stromwirtschaft unterfüttert werden. Eigenrecherche kostet an sich nur Geld und fördert zuviele Details, die der konditionierte Leser einerseits nicht versteht und anderseits, die ihn nur noch weiter verwirren. Also, Kontentration aufs Wesentliche.
Meine Forderung für die nächste EEG-Novelle:
Die "Böse, Hinterhältige Energie", die Trafos frisst, Zähler korrodiert und Leitungen abbrennt, sollte wie im klassischen Western immer schwarz angezogen werden, damit man gleich weiß, wer da aus der Steckdose springt.

Grüße und vorsicht, dies ist eine einseitige Meinungsäußerung kurz vor Ostern. :wink:

PS: Danke trotzdem, für die Fakten des Vorredners.
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