Wiese hat geschrieben:... vorerst ist ja mal die Gefahr gebannt. Denn unsere Politiker haben beschlossen, dass sich die Athmosphäre nur um 2 Grad erwärmen darf.
Eigentlich wollte ich jetzt einen smilie setzen, aber das vergeht einem bei dem Thema.
Peter
Die Schuld liegt nicht bei den Politikern, die handeln durchaus logisch.
Realistisch betrachtet braucht es eine globale Institution, die der Umwelt einen monetären Wert zuordnet und jeden(!) auf dieser Welt (z.B. auch unabhängig von dessen militärischer und wirtschaftlicher Macht) zwingen kann, für die Nutzung dieser Umwelt einen angemessenen Preis zu bezahlen.
Dabei wäre zu verhandeln, wieviel Nutzung dem einzelnen eigentlich zusteht. Wenn alle mitmachen sollen, dann muss es für alle fair sein. Beim CO2 und dem Verbrauch fossiler Energieressourcen z.B. ist die westliche Welt (=wir) für den überwiegenden Teil verantwortlich und hat mit der kostenlosen Umweltnutzung eigene Infrastruktur und finanzielle Dominanz geschaffen.
Aus Sicht der restlichen Welt ist es nur dann maximal gerecht, wenn der verbleibende Rest der Umwelt künftig überwiegend den anderen gehören wird (selbst dann ist es nicht fair, ein Chinese des 21. Jahrhunderts wird niemals soviel kostenlose Umwelt nutzen können wie ein Deutscher des 20. Jahrhunderts, weil soviel garnicht mehr übrig ist).
Daraus folgt zwangsläufig, dass so ein globales System nur dann funktionieren kann, wenn wir(!) bereit sind, sofort zu einer dramatischen Reduktion unserer Umweltnutzung bereit sind, um in anderen Ländern moderates und nachhaltiges Wachstum zu erlauben. Gleichzeitig müssen wir bereit sein, Teile unserers Wohlstands (Infrastruktur, Finanzsystem, KnowHow, entsanden aus der unfairen bisherigen Nutzung) auch an andere zu verschenken.
Das erscheint mir die einzig mögliche Lösung, die für alle Menschen eine positive Veränderung bringen würde.
Das bisherige System bestraft aber jeden gnadenlos, der vernünftig handeln würde. Wenn wir in Deutschland CO2 Emission bestrafen und die Chinesen nicht, dann wandert der Unternehmer eben nach China und emittiert das CO2 dort. Aus Sicht des Chinesen besteht aber völlig zu Recht absolut kein Grund, warum man ihm etwas verbieten möchte, was wir seit 50 Jahren zu unserem Vorteil nutzen und weiter nutzen wollen. Wenn es also so weiter geht wie bisher verbleiben wohl zwei weitere "Lösungen"
Kollaps. Danach gibt es weniger Menschen und es ist vielleicht noch eine "halbe" Erde zur Nutzung übrig, weil der Rest nachhaltig und über die Regenerationsfähigkeit hinaus geschädigt wurde.
oder Brasilianisierung der Gesellschaft, d.h. es wird in 2050 dann nicht mehr 1 Mrd Reiche und 5,x Mrd Arme wie heute geben, sondern vielleicht 0,3 bis 0,5 Mrd Reiche und 8 Mrd. Bettelarme.
Auch dann wäre Nachhaltigkeit wieder erreicht.
Was das für uns hier bedeutet, wenn die Anzahl der heute Reichen schrumpft, kann man sich ausmalen. Einige von uns werden dann eben ganz tief fallen, z.B. auf das Niveau eines heutigen Inders.
Für die Reichen ist dieses System übrigens durchaus attraktiv, denn sie werden dadurch bei selbem Wohlstand relativ betrachtet noch weitaus reicher, denn "personennahe Dienstleitungen" sind dann sehr günstig verfügbar. Wer hungert bietet sich dann eben als Butler, Chauffeur, Haushälterin, Gärtner, Sexsklavin oder was auch immer für eine Handvoll Brot am Tag an. Heute sind solche Dienstleistungen für die Reichen (=wir) ja noch sehr teuer...
Um wieder den Bogen zu bekommen.
Vielen Politikern ist durchaus bewusst, in welcher Lage sich die Welt befindet (so blöd sind die nicht, wie gerne angenommen), es wäre aus ihrer Sicht aber völlig irrational, den Wählern die Konsequenzen und Lösungsansätze darzulegen.
Niemand würde einen Politiker wählen, der argumentieren würde, dass wir dringenst freiwillig auf einen Teil unseres Wohlstands und Konsums verzichten müssen und den dazu verwenden müssen, eine nachhaltige Welt für alle aufzubauen, weil es anders unmöglich ist.
Viel lieber wählt man Politiker, die Steuersenkungen versprechen und "Vollbeschäftigung" und "Rentengarantien" und ähnlichen Blödsinn.
Das liegt daran, weil die typische deutsche Wähler eine Zukunft möchte, in der er 50 Jahre seines Lebens wöchentlich bei Opel 40 Stunden am Fließband steht, weil ihm das gesellschaftliche Anerkennung und Konsum ermöglicht.
Und für diese von den Politikern versprochene Beschäftigung (die übrigens von Jahr zu Jahr anstrengender wird, denn schließlich erwartet das Kapital von ihm, jedes Jahr seine Produktivität weiter zu steigern und noch mehr Autos noch schneller zu bauen, weil es sich ansonsten gen China wendet) hat der deutsche Wähler selbstverständlich das gottverbriefte Recht, die Umwelt so zu nutzen wie ihm das taugt und sollen dafür täglich fünf Afrikaner verrecken.
Und so kommt es dann, dass wir Autos mit 100kW brauchen(sic!), um glücklich (?) zu sein und Erfüllung im Leben zu finden (?) und so kommt es auch, dass und die Politiker genau das versprechen, was wir hören wollen, nämlich dass es unglaublich toll ist, 50 Jahre seine Lebens bei Opel 40 Stunden hinterm Fließband zu stehen und dass es dafür selbstverständlich auch ok ist (wenn auch am Rande etwas bedauerlich), unseren Planeten zu vernichten.
Wer uns Wählern das nicht verspricht hat entweder keine politischen Ambitionen mehr oder braucht sich künftig keine mehr machen.
Ich halte es für eine gewaltigen Fehler, "den Politikern" (oder "dem Amerikaneren" die Schuld zu zu schieben. Vielmehr sollte man sich fragen, was einem wirklich wichtig ist.
(100kW Leistung am Fahrzeug? 50 Jahre Erwerbsarbeit? alle 2 Jahre der neue Fernseher?)
Wir deutschen werden seit 30 Jahren nicht mehr glücklicher, obwohl unsere Wirtschaftsleistung in diesen 30 Jahren dramatisch gestiegen ist. Die Autofahrer sind heute mit dem 150kW Auto nicht glücklicher als vor 30 Jahren mit dem 30kW Auto, der 150cm Flachbildfernseher in jedem Zimmer macht nicht glücklicher als der 50cm Fernseher im Wohnzimmer.
(wer das anders empfindet mag sich bitte melden! Ausnahmen gibt es, z.B. in manchen Bereichen den Medizin).
Ist man glücklich mit einem Leben, das man zu 1/3 seiner Zeit hinter dem Fleißband verbracht hat und um dessen Existenz man ständig bangen muss?
Angenommen also, in 10 Jahren hätte man nur noch ein 30kW Elektroauto und für den Urlaub würde man mit dem Zug fahren oder mit dem Leihwagen, angenommen, diese Auto wäre tatsächlich kleiner als das heutige, angenommen es wäre auch noch teurer (also 10 Jahre lang kein neuer Flachbildfernseher mehr!) und zu allem Überfluss würde man auch nur noch 30 Stunden die Woche arbeiten, weil nicht mehr so viele Autos nachgefragt werden...
Wäre das jetzt die Katastrophe?
Oder doch lieber einmal pro Woche Bioethanel aus Weizen verfeuern, der einen Menschen hätte ein Jahr lang ernähren können. (tut man indirekt, indem man Benzin nachfrägt, unabhängig davon ob man das Zeug jetzt direkt tankt oder nicht) und 50 Stunde die Woche mit doppelter Produktivität arbeiten (der Nachbar hat dafür Hartz IV, den braucht man nicht mehr), den Chinesen weitere Opel verkaufen und sich dafür dann ein 300kW Auto mit zwei eingebauten Fernsehern kaufen zu können?
Geh raus auf die Straße und die meisten Leute finden das letzte Szenario nicht schön, handeln aber seltsamerweise genau so, damit es eintreten wird. Und unsere Politiker versprechen uns über alle Parteien und über alle Länder genau das...
Arbeitsplätze, "Vollbeschäftigung", Wirtschaftswachstum, Fortschritt, blablabla...
mfg
(PS: "Fließband bei Opel" steht als Beispiel für den Status der Erwerbsarbeit in der deutschen Gesellschaft und Politik generell)