Schlaraffenlandförderung in der Wallonie vor dem Aus?

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Schlaraffenlandförderung in der Wallonie vor dem Aus?

Beitragvon kuki » 04.09.2009, 18:50

Die hohe Förderung - von den Sozialisten eingeführt - wird mittlerweile als Luxusförderung für Leute mit hohem Einkommen durch Steuergelder, die auch von Leuten mit kleinem Einkommen, Rentnern und Arbeitslosen erbracht wurde, gegeißelt.

Aber die paradiesischen Zustände des 2-Jährigen Solwatt-Plan sind bald vorbei (Ende 2009) wie man im unten stehenden Artikel ahnen kann. :(


http://www.grenzecho.net/zeitung/aktuel ... ail.asp?a={34926CDF-0E08-40E2-87E3-BEE6DEC88878}
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Beitragvon kuki » 05.09.2009, 14:57

Hier die Artikel aus der Zeitung Grenz-Echo:


Geschäft mit dem Sonnenstrom floriert - Aber: Künftige staatliche Förderung ungewiss - Immer mehr Kunden verlangen ansprechende Optik
»Photovoltaik ist eine reine Geldanlage«

Von Boris Cremer

Immer mehr Menschen sind Stromproduzenten. Das Geschäft mit den privaten Photovoltaik-Anlagen, die aus Sonnenkraft elektrische Energie gewinnen, floriert. Auch in Ostbelgien schießen Anbieter von Photovoltaik-Anlagen wie Pilze aus dem Boden - noch, denn die künftige staatliche Förderung steht in den Sternen.

Pascal Köttgen aus Kettenis gehörte zu den Pionieren der Photovoltaik in Ostbelgien. Ende 2006, als noch gar keine Zuschüsse flossen, installierte er in Eupen die erste Anlage überhaupt. »Ich war damals überall der Erste, hatte in fast jedem Dorf eine Art Pilotprojekt stehen«, blickt Köttgen zurück. Mit seinem Unternehmen Pakosol hat der 36-Jährige seitdem knapp 100 Photovoltaik-Anlagen installiert. Der Markt ist inzwischen härter umkämpft, doch Köttgen scheut die Konkurrenz nicht: »Wir machen alles in Eigenregie, ohne Subunternehmer: von der Dachmontage bis zum Anschluss.«

Das Beispiel von Pascal Köttgen hat Schule gemacht, das Geschäft mit dem Sonnenstrom floriert. Die Anlagen werden immer günstiger, weil die Produktionskosten sinken. Gleichzeitig sorgen die Prämien, Steuernachlässe und Grünen Zertifikate (s. »Hintergrund«) dafür, dass sich die Anlagen in »2,7 bis 4 Jahren amortisieren«, wie Lucien Semaille schätzt. Er ist Geschäftsführer des Start-up-Unternehmen Optienergy, das seit rund einem Jahr zur Ketteniser Heinen-Gruppe gehört. 2,7 bis 4 Jahre, das ist wenig - zu wenig, wie viele meinen. »Es ist fast zu rentabel«, gibt Semaille zu. Und so wird allgemein damit gerechnet, dass die Prämien sinken werden. »Der Photovoltaik-Bereich ist bei uns im europäischen Vergleich überfördert. Die Zuschüsse sind hoch«, sagt der Eupener Martin Heinen, der sich in dieser Boombranche Anfang 2009 mit dem Unternehmen hb Solar Belgium selbstständig gemacht hat.

Der Topf ist leer

Noch steht nicht fest, wie ab 2010 die Photovoltaik-Anlagen bezuschusst werden. Die Prämie der Wallonischen Region, derzeit maximal 3500 Euro pro Anlage, dürfte nach unten korrigiert werden, da in Namur bereits jetzt der entsprechende Topf leer ist. Das Regierungsprogramm der neuen wallonischen Mehrheit sieht vor, dass künftig für die Gewährung von Zuschüssen für Energiesparmaßnahmen ein Audit verlangt wird. Bevor Schritte zur Steigerung der Energieeffizienz unternommen werden, soll genau geprüft werden, wo bei einem Haus der größte Handlungsbedarf herrscht. »Es macht keinen Sinn, eine Photovoltaik-Anlage auf einem schlecht isolierten Dach zu erreichten«, nennt die Ecolo-Regionalabgeordnete Monika Dethier-Neumann ein Beispiel. »Der Photovoltaik gehört die Zukunft, dabei bleibt es«, sagt sie. Allerdings soll das gesamte System der Prämien für Energiesparmaßnahmen unter die Lupe genommen und verfeinert werden.

»Stress hoch drei«

Dem Bürger ist nicht verborgen geblieben, dass die Höhe der Zuschüsse für Photovoltaik-Anlagen auf dem Prüfstand steht. Die Unternehmer stellen eine wachsende Verunsicherung der Kunden fest, die auf Nummer sicher gehen. »Im Moment haben wir Stress hoch drei«, sagt Lucien Semaille von Optienergy. »Viele Kunden wollen noch vor Ende des Jahres eine Photovoltaik-Anlage, weil nicht klar ist, wie es mit der Förderung weitergeht.« Auch Pascal Köttgen von Pakosol stellt fest: »Das Geschäft läuft rund.«

Wenn jetzt am Geldhahn gedreht werde, sei das zwar einerseits verständlich, sagt Martin Heinen, auf der anderen Seite, so der Geschäftsführer von hb Solar Belgium, sei eine Senkung der Prämien schwer dem Kunden zu vermitteln. »Die Leute werden unweigerlich den Eindruck haben, man nehme ihnen etwas weg.« Heinen ist der Überzeugung, dass es nach wie vor einer staatlichen Bezuschussung bedarf. Der durch eine Photovoltaik-Anlage produzierte Strom sei unter dem Strich immer noch teurer als der durch große Kraftwerke gewonnene Strom aus dem öffentlichen Netz. So lange dieses Ungleichgewicht bestehe, müsse gefördert werden.

Prämien, Zuschüsse, Steuererleichterungen, Anschaffungskosten, Rentabilität: Es scheint beim Thema Photovoltaik nur ums Geld zu gehen, weniger um die Umwelt. Und tatsächlich bestätigt Pascal Köttgen, der seit 15 Jahren im Solarbereich tätigt ist: »Photovoltaik ist eine reine Geldanlage. Den wenigsten Kunden geht es um den ökologischen Aspekt.« Die meisten seiner Kunden hätten ein klar abgestecktes Budget, das sie gerne in eine solche Anlage investieren würden.

Die Auswahl ist vielfältiger denn je: Material des Rahmens, Farbe des Laminats, auf dem die Module montiert sind, Montage im Dach, auf dem Dach oder frei stehend, alles ist möglich. »Immer mehr Kunden verlangen eine ansprechende, dezente Optik«, so Köttgen. Die meisten Anlagen - Lucien Semaille (Optienergy) schätzt 95 Prozent - landen auf Häusern, die bereits mindestens fünf Jahre auf dem Buckel haben, denn in diesem Falle locken steuerlich besonders günstige Konditionen (s. ebenfalls »Hintergrund«).

Die Unternehmer gehen davon aus, dass ein deutlicher Einschnitt bei den staatlichen Zuschüssen zwar für einen zwischenzeitlichen Rückgang der Nachfrage sorgen würde. Das aber werde nichts an der langfristigen Rentabilität der Anlagen ändern, zumal die Anschaffungskosten weiter sinken dürften.

Unternehmen Issol ist eine Erfolgsstory - »Verschwendete Steuergelder«
Module aus Thimister-Clermont
Die Produktion von Modulen für Photovoltaik-Anlagen wird inzwischen mehrheitlich in Fernost abgewickelt. Aus dem Nischenmarkt ist eine Massenproduktion geworden, was die Preise purzeln lässt. Alleine in den vergangenen Jahren, so schätzen ostbelgische Vertreiber von Photovoltaik-Anlagen, sind die Module um 20 bis 30 Prozent billiger geworden. Von entscheidender Bedeutung ist der Preis für Silizium, dem wichtigstem Rohstoff bei der Herstellung der Module.

Europäische Unternehmen haben kaum die Möglichkeit, die Paneele so günstig zu produzieren wie die asiatische Konkurrenz. Trotzdem behaupten sich auch belgische Hersteller am Markt, was auf eine geschickte Nischenpolitik zurückzuführen ist. Einer dieser Produzenten ist das Unternehmen Issol aus Thimister-Clermont (Les Plenesses). »Wir produzieren nicht im großen Stil, sondern bieten maßgeschneiderte Lösungen an«, erklärte Issol-Chef Laurent Quittre dem Grenz-Echo.

Als Beispiel nennt er ein aktuelles Projekt: Issol überzieht das Dach des Hauptbahnhofs der südfranzösischen Stadt Perpignan mit Photovoltaik-Modulen. Auch französische Mautstellen wurden bereits mit Issol-Paneelen ausgerüstet. Die Erfolgsstory des Start-up-Unternehmens aus Thimister lässt sich am Mitarbeiterstab ablesen: 2006, im Gründungsjahr, arbeiteten acht Personen für Issol, 2007 waren es bereits 16, und aktuell beschäftigt der Betrieb 36 Menschen.

Geschäftsführer Quittre hat zur Subventionierung von Photovoltaik-Anlagen eine ganz eigene Meinung. Er behauptet nicht, dass die Zuschüsse zu hoch, sondern dass sie schlichtweg überflüssig seien: »Eine Photovoltaik-Anlage trägt sich selbst. Die Zuschüsse sind verschwendete Steuergelder.« Issol macht 50 Prozent seines Umsatzes in Belgien, die andere Hälfte vor allem in Frankreich. Die Zukunft der Photovoltaik, so der Unternehmenschef, seien die Dächer großer Betriebe.(boc)
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