Hallo,
ich habe mich in diesem Forum nur angemeldet, um auch einen Beitrag zum Thema Photovoltaik in Bulgarien leisten zu können. Wir haben dort bereits sehr gute Erfahrungen darin gesammelt und haben derzeit um die 12 – allerdings kleine – Projekte in den verschiedenen Entwicklungsstufen laufen.
Zunächst sollte man das ganze Thema sachlich angehen. Verschwörungstheorien der Sorte „Group“, „Sozialisten“ etc. sind hier fehl am Platz. Wer sich mit den örtlichen Gegebenheiten arrangiert und vor allem, wichtig, die richtigen Partnern vor Ort findet, kann gute Rendite erzielen. Dass es unseriöse Projektanbieter gibt – das meint wahrscheinlich Minidisc mit „Group“ – liegt auf der Hand. Wo nicht?
Zunächst einmal – wenn Thomas von Microsolar meint, dass Investoren für Bulgarien schwer zu finden sind, dann hat er völlig Recht! Die Gründe sind nach eigener Erfahrung hauptsächlich zwei – einmal die pure Unkenntnis und die Vorurteile und Angst vieler Investoren. Dass Bulgarien sehr gute wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bietet – wie immer noch niedrige Bodenpreise, 10% FlatTax, an dem Euro gebundene Währung, relativ unkompliziertes Verwaltungsverfahren, relativ gute Sonneneinstrahlung und Einspeisevergütung – wissen viele nicht. Manche winken nur ab, wenn Sie das Wort „Bulgarien“ hören, ohne sich überhaupt mit den Fakten auseinanderzusetzen.
Andererseits muss man bedenken, dass die Vorurteile der Investoren nicht ganz unbegründet sind. Viele der Probleme sind hausgemacht – schlechte Verwaltung, unfähige und korrupte Gerichte, keine langfristige Planung der Energie-Politik, insgesamt mangelnde Rechtssicherheit etc. Das stößt Investoren, teilweise ganz berechtigt, ab.
Zur Anfrage von geneva – das bulgarische EEQ-Gesetz (unter
http://www.ruskov-law.eu/Bulgarien/Informationen.html in deutscher Sprache) und die entsprechenden Durchführungsverordnungen sehen eine Abnahmegarantie von 25 Jahren vor. Der geförderte Abnahmepreis ist zwar fest, aber nicht ganz - es gibt eine staatliche Regulierungskommission, welche den Energiepreis jedes Jahr neu festsetzen kann – nach oben nach Belieben, nach unten bis max. 5% im Jahr. Es ist sicherlich verständlich, dass gerade diese Klausel Großinvestoren abstößt, da keine Investitionssicherheit herrscht. Geneva sollte sich nicht auf Aussagen verlassen, dass der Tarif „bald fix wird“. Das sind lediglich Aussagen von Leuten, die ihre Projekte verkaufen möchten. Es gibt viele Stimmen, die dies fordern, jedoch würde dies zwangsläufig zu Erhöhungen der Stromenergiepreise führen, was aufgrund des niedrigen Einkommens der allgemeinen bulgarischen Bevölkerung politisch unerwünscht wäre. Aber ich möchte mich hier nicht festlegen. Mal sehen, in Bulgarien ist alles möglich !
Nikos 4 kann ich gut verstehen. Es gibt eine Menge „Projekte“, die rumgereicht werden und einen Käufer suchen. Meine eigene Erfahrung ist, dass in Bulgarien die Investoren ihre Projekte selbst erstellen sollen. Die zum Verkauf angebotenen beinhalten viele Risiken und halten einer Due-Diligence-Prüfung oft nicht stand. Mal gehört das angeblich „sichere“ Grundstück, worauf die Anlage gebaut werden soll, einer Erbengemeinschaft, von der die Hälfte der Erben gar nicht wissen, was da geplant ist. Mal ist das Grundstück noch landwirtschaftlich genutztes Land, welches nach dem Projektkauf umgewidmet werden muss, ohne dass aber erwähnt wird, dass der Bürgermeister und der Gemeinderat eine üppige, rechtlich nicht vorgesehene Summe dafür haben wollen. Und so weiter… Alles schon gehabt!
Auf jeden Fall sollte man aber Bulgarien als PV-Standort nicht abschreiben. Ich denke, das Land beinhaltet noch viel Potential. Wir sehen dies gerade an dem Boom mit kleinen Anlagen, die durch das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raumes zu 70% gefördert werden. Unsere Erfahrungen damit sind durchweg gut und ich bin der festen Überzeugung, dass bald auch größere Anlagen gebaut werden.
